BGH · X ZR 2/76 vom 12.02.1979
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
3. die BM^ Aktiengesellschaft, gesetzlich vertreten durch ihren Vorstand, Klägerinnen und Berufungsbeklagte, 1. Es wird angeordnet, daß sich die Verpflichtung des Beklagten und Berufungsklägers zu 1 (Dr. ViflK) zur Zahlung der Gerichtskosten für die Berufungsinstanz nach einem Streitwert von 100.000,- DM bemißt (§53 Abs. 1 PatG). Der Antrag der Nebenintervenientin und Berufungsklägerin zu 2 (Firma PflHHI^ auf Bemessung der Gerichtskosten nach einem niedrigeren als dem festgesetzten Streitwert (§53 Abs. 1 PatG) wird zurückgewiesen. Der Beklagte und die Nebenintervenientin beantragen, ihnen Streitwertbegünstigung nach § 53 PatG zu gewähren. Der Antrag des Beklagten ist zulässig und begründet. Zwar wird in der Literatur teilweise die Ansicht vertreten, eine Anordnung nach § 53 PatG könne zugunsten eines Ausländers nur ergehen, wenn die Gegenseitigkeit verbürgt sei (Benkard, Patentgesetz Gebrauchsmustergesetz 6. § 53 PatG Rdn. 6; Busse, Patentgesetz und Gebrauchsmustergesetz 4. Es ist auch nicht möglich, die Regelung des § 114 Abs. 2 Satz 1 ZPO, welche die Gewährung des Armenrechts an Ausländer von der Verbürgung der Gegenseitigkeit abhängig macht, im Rahmen des § 53 PatG entsprechend anzuwenden. ZPO und der Streitwertbegünstigung nach § 53 PatG bestehen in den Voraussetzungen und Wirkungen so tiefgreifende Unterschiede, daß es nicht zulässig erscheint, die beiden Rechtsinstitute im Wege der Analogie gegenseitig zu ergänzen. Darüber hinaus ist zu beachten, daß es sich bei § 114 Abs. 2 Satz 1 ZPO um eine Bestimmung handelt, welche entgegen ihrem ursprünglichen Zweck, die staatliche Fürsorge grundsätzlich auf deutsche Staatsangehörige zu be- Es wäre mit dieser Entwicklung unvereinbar, wenn die Rechtsprechung im Wege der Rechtsfortbildung das Erfordernis der Gegenseitigkeit auf andere gesetzliche Tatbestände übertragen und so den Zugang zu den Gerichten für Ausländer erneut erschweren würde. Im übrigen hat der Gesetzgeber selbst zu erkennen gegeben, daß eine Ausdehnung des Gegenseitigkeitsprinzips auf die Streitwertbegünstigung nicht beabsichtigt ist; denn er hat auch bei der Einführung der dem § 53 PatG inhaltlich entsprechenden Vorschriften für das Gebrauchsmustergesetz, das Warenzeichengesetz, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und das Aktiengesetz (BGBl 1965 I 625 und 1089)» zuletzt im Jahre 1965, davon abgesehen, § 114 Abs. 2 Satz 1 ZPO für anwendbar zu erklären, obwohl zu diesem Zeitpunkt die unterschiedlichen Auffassungen über die entsprechende Anwendbarkeit dieser Bestimmung bereits seit langem bekannt waren (vgl. 1958 § 53 Rdn. 3; andererseits: Berthmann GRUR 1936, 841, 844; Tetzner, Patentgesetz und Gebrauchsmustergesetz 2. Der Beklagte hat hinreichend glaubhaft gemacht, daß eine Belastung mit den Prozeßkosten nach dem vollen Streitwert von 2 Millionen DM seine wirtschaftliche Lage erheblich Zugunsten de« Beklagten ist deshalb anzuordnen, daß sich seine Verpflichtung zur Zahlung von Gerichtskosten nach diesem Teil des Streitwerts bemißt. Zugunsten der Nebenintervenientin kann demgegenüber eine Anordnung nach § 53 PatG nicht ergehen; denn sie hat trotz wiederholter Aufforderungen und Fristsetzungen (vgl. Oktober 1978) nicht glaubhaft gemacht, daß sie oder die für ihre Verbindlichkeiten haftenden Personen durch eine Belastung mit den Prozeßkosten nach dem vollen Streit wert in ihrer wirtschaftlichen Lage erheblich gefährdet würden.