BGH · X ZR 62/82 vom 11.10.1983
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der gerichtliche Sachverständige hat die technische Lehre des Streitpatents nach dem durch Beschreibung und Zeichnungen erläuterten Patentanspruch für Fingerbalkenmähwerke als verständlich und klar abgefaßt bezeichnet und damit ihre Ausführbarkeit bejaht. Zur Frage der Erfindungshöhe hat der gerichtliche Sachverständige zunächst ausgeführt, zu der Kupplung des Mähbalkens mittels eines Gelenkfünfecks zu dem Gestell einer an einen Schlepper angebauten Mähvorrichtung lenke keine der Entgegenhaltungen hin; sie werde auch in Gänze der Merkmale aller Vorveröffentlichungen nicht nahegelegt. Gleichwohl hat der gerichtliche Sachverständige der Lehre des Streitpatents für Fingerbalkenmähwerke keine patentbegründende Erfindungshöhe beigemessen, weil die Gewichtsentlastung des Balkens beim Fingerbalken von untergeordneter Bedeutung sei und ihr die integrierende Betrachtungsweise anderer essentieller Mähwerksfunktionen fehle. Letzteres führe dazu, daß mindestens eine Zone der Verstopfungsgefährdung am Mähbalken vorhanden sei, keine Möglichkeit für das Einschwenken in eine Transportstellung vorgesehen sei, eine höhere Belastung beim Auffahren auf ein Hindernis bestehe, der konstruktive Aufwand nur unerheblich vermindert werde und die technische Entwicklung bei Fingerbalkenmähwerken durch die Lehre des Streitpatents nicht beeinflußt worden sei. Die Beklagte macht geltend, der gerichtliche Sachverständige habe sowohl hinsichtlich des Fortschritts als auch hinsichtlich der Erfindungshöhe unrichtige Maßstäbe angelegt. Das Ergebnis der mündlichen Verhandlung, in der der gerichtliche Sachverständige sowohl von seiten des Gerichts als auch von den Parteien eingehend zu seinen Ausführungen im schriftlichen Gutachten befragt worden wäre, wenn die Parteien nicht die Erledigung des Rechtsstreits in der Hauptsache erklärt hätten, ist nicht mit einiger Sicherheit vorauszusagen. Das gilt einmal für den erforderlichen Fortschritt der Lehre des Streitpatents, die einerseits Vorteile gegenüber vorbeschriebenen Mähvorrichtungen haben kann, aber andererseits gegenüber diesen Mähvorrichtungen zu Nachteilen bei der praktischen Anwendung führen kann. Zu welchem Ergebnis die Abwägung der möglichen Vorteile gegenüber den möglichen Nachteilen führt, ist nach dem derzeitigen Sachund Streitstand offen. Für die Beurteilung der Frage, ob die Lehre des Streitpatents dem Fachmann nach dem Stand der Technik nahegelegen hat, spielt die Vorfrage, ob die Lehre insgesamt einen Vorteil gebracht hat oder nicht, eine nicht unwesentliche Rolle. Nach dem bisherigen Sachund Streitstand ist noch nicht sicher zu beurteilen, ob die Lehre nach dem Streitpatent eine überdurchschnittliche Leistung des Fachmanns auf dem Gebiet der Konstruktion von Mähvorrichtungen erforderte oder nicht. Erledigungserklärung konnte daher noch nicht sicher vorausgesagt werden, zu welchem Ergebnis die Gesamt-Würdigung aller Umstände des Falles bei der Beurteilung der Erfindungshöhe führte.