BGH · X ZR 46/67
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"I- Vorrichtung zu dem Eintreiben eines Domes od« dgl0 in Wände od» dgl0 mit einer gegenüber dem Lauf federnd nachgiebigen Ablenkvorrichtung;, die am vorderen Werkzeugteil in Flächenberührung um das Mündungsende des Laufes mit einer Fläche steht, in welche ein Dorn eingetrieben werden soll, dadurch gekennzeichnet, daß die Ablenkvorrichtung (27) aus einem Hauptkörper (81, 82) besteht, der einen exzentrischen Sitz und einen Mittelteil (84, 86) aufweist, der drehbar im Exzentersitz gehalten ist und eine exzentrisch vorgesehene Aussparung (88) zur Aufnahme des Laufes (17) aufweisto Zo Vorrichtung nach Anspruch. Vorrichtung zu dem Einschießen von Bolzen in Bauteile, bei der zur Schußauslösung ein Zurückschieben des Laufes in eine ihn umgebende Hülse erforderlich ist, dadurch gekennzeichnet, daß in einem Ringraum zwischen Lauf (3) und Hülse (3) axial und radial beweglich angeordnete Sperrglieder (6 a) in eine innenseitige Ausnehmung der Hülse derart eingreifen, daß sie beim Zurückschieben des Laufes und einer auf diesem angeordneten Splitterschutzkappe (?) durch einen rückwärtigen Führungsteil (7a) der Splitterschutzkappe mitgenommen werden und dabei aus der Hülsenausnehmung ausrasten, daß sie Jedoch beim Zurückschieben des Laufes ohne'Splitter schutzkappe in ihrer Haststellung verbleibend einen Anschlag für einen nach außen vorspringenden Teil des Laufes bilden (Figo 3) und somit das Weiterschieben des Laufes bis in seine hintere Endlage verhindern 0 1» es bei Vermeidung einer vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Strafe, und zwar Geldstrafe bis zu unbegrenzter Höhe oder Haft bis zu sechs Monaten zu l^tprlassen, Vorrichtungen zu dem Eintreiben eines Domes öd» dgl» in Wände cd» dg!» (Bolzensetz-Geräte) gewerblich herzustellen, feilzuhalten, in den Verkehr zu bringen oder zu gebrauchen, bei denen das Mündungsende des Laufes mit einer abnehmbaren Splitterschutzkappe versehen ist, die am vorderen Ende eines Rohres sitzt, welches in das Gehäuse zwischen der Außenwand des Laufes und der Innenwand des Gehäuses eingeschoben wird, wobei die Möglichkeit gegeben ist, wahlweise eine Splitterschutzkappo, bei der sich die Laufmündung in der Mitte der Kappe befindet, oder eine solche Splitter-schutzkappe zu verwenden, bei der sich c) durch ein Sperrelement, welches der hintere Werkzeugteil hält und welches unter der Steuerwirkung des die Split-terschut2kappe tragenden Führungsrohres steht3 indem das Sperrelement im zusammengebauten Zustand der Vorrichtung den Zündnadelhalter dadurch, daß das Führungsrohr der Splitterschutzkappe bei dessen Zurückschi eben ein Sperrglied aus einer Ausnehmung des Gehäuses ausrastet, wirksam werden läßt und nach Abnahme des die Splitterschutzkappe tragenden Führungsrohres in Sperrverbindung mit dem Zünd- Gesamtkombination nicht von der angegriffenen Ausführungsform benutzt wird., weil letztere keine stufenlos regelbare am Vorderteil des Laufes fest angebrachte Ablenkkappe aufweise (BU S, 13/14)» Das Klagepatent offenbare allerdings im Anspruch 4 auch ohne das Merkmal einer festen stufenlos einstellbaren Schutzkappe einen allgemeinen Erfindungsgedanken » Dieser Gedanke9 der sich aus den Merkmalen des Anspruchs 4 ohne Bezugnahme auf die Ansprüche 1 bis 3 ergebe p habe zwar alle Voraussetzungen für den Patentschutz p von ihm mache jedoch die Beklagte keinen Gebrauch (Bll S» l4)o Der Vorrichtung der Beklagten liege nämlich eine vom Anspruch 4 des Klagepatents verschiedene technische Aufgabe zugrunde» weil in diesem Zustand eine unbeabsichtigte Schußauslösung infolge der fehlenden Schutzkappe gar nicht möglich sei (BU S» iS)» Nach dem Zusammensetzen des Gerätes trete b) auch keine selbsttätige Entsicherung ein, solange die Schutzkappe nicht aufgesetzt sei (BU So 16)o Wegen dieser Versehtedenheit_der_Aufgaben entfalle eine Verletzung des Klagepatents durch die Beklagteo Gewisse Übereinstimmungen in den Lösungsmitteln seien nur theoretischer Natur, insbesondere die praktisch nicht in Betracht kommende Überlegung, daß man den geladenen Lauf auch zusammen mit einer Schutzkappe in das Gerät einschrauben könne (BU So 17/18)o Wegen dieser unterschiedlichen Aufgabenstellung könne auch der vom Kläger in den Schriftsätzen vom 3o November 1966 und 20» März 1967 formulierte allgemeine Erfindungsgedanke nicht zu dem Erfolg führen, weil die angegriffene Verletzungsform nicht aus den Patentansprüchen herleitbar sei (BU So 18)o b) Mit der Revision wendet sich der Kläger insbesondere dagegen, daß das Berufungsgericht von zwei verschiedenen Aufgabenstellungen beim Klagepatent (Anspruch 4) einerseits und der Ausführungsform der Beklagten andererseits ausgehe0 Es handele sich vielmehr um Geräte gleicher Art, denen auch eine grundsätzlich gleiche Aufgabenstellung zugrunde liege» Bei beiden Geräten erfolge auch übereinstimmend das Spannen der Schlagbolzenfeder erst durch Andrücken der Laufmündung gegen die Wand und das dadurch bewirkte Einschieben des vorderen Geräteteiles, der aus dem Lauf mit der aufgesetzten Schutzkappe bestehe» Insbesondere müsse auch bei dem angegriffenen Gerät der Beklagten damit gerechnet werden, daß, namentlich wenn die gleiche Schutzkappe v/eiterbenutzt werde, ein gleichzeitiges Einsetzen von Lauf und Sohutzkappe stattfinde» Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe völlig übersehen, daß deshalb auch heiEL®I>hnu des Gerätes der Beklagten ein Sicherungs* bedürfnis bestehe und durch die Verriegelung der Spreizhülse 6 in grundsätzlich gleicher Weise wie beim Klagepatent gewährleistet sei» Ob nun die Verriegelung an der Zündnadelseite oder an der Patronenseite stattfinde$ sei patentrechtlich unerheblich, da diese Vertauschung lediglich ein technisches Äquivalent bedeute» Schließlich werde auch die Sntriegelung des Sperrgliedes bei der Beklagten ebenso wie beim Klagepatent durch das Einsetzen des vorderen Werkzeugteils herbeigeführt , da im Sinne des Anspruchs 4 der Lauf in Verbindung mit der Schutzkappe als vorderer Werkzeugteil anzusehen sei» Die Tatsache, daß bei der angegriffenen Ausführungsform die Entriegelung nach Einsetzen des geladenen Laufs erst durch gesondertes Aufsetzen der Schutzkappe bewirkt werden könne, sei eine abgeänderte Ausführungsform, die, ob besser oder schlechter, jedenfalls auch von dem Prinzip des Anspruchs 4 des Klagepatents hinsichtlich einer automatischen Entriegelung Gebrauch mache» c) Im Ergebnis hat die Revision darin Recht, daß die Begründung des Oberlandesgerichts insov/eit irrige Auffassungen enthält und deshalb das angefochtene Urteil nicht zu tragen vermag» Zutreffend führt das Oberlandesgericht zunächst aus, daß der Anspruch 4 des Klagepatents einen selbständigen Erfindungsgedanken enthält, der von den Merkmalen der Ansprüche i bis 3 unabhängig ist«, Nicht haltbar ist jedoch die Auffassung, daß die angegriffene Ausführungsform von dem Prinzip der Merkmalskombination des Anspruchs 4 zwar weitgehend Gebrauch mache, aber gleichwohl wegen anderer Aufgabenstellung eine Verletzung zu verneinen sei» Einmal ist die Aufgabenstellung bei der angegriffenen Ausführungsform von der des Klagepatentes (Anspruch 4) nicht wesentlich verschieden, und deshalb kann die Frage der Verletzung nur davon abhängen, ob die Merkmale der angegriffenen Ausführungsform den Merkmalen des Anspruchs 4 in ihrer prinzipiellen Funktion gleichen oder ihnen doch so ähnlich sind, daß von einer äquivalenten Ausbildung gesprochen werden kann» Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Prinzip einer automatischen Sicherung und Entsicherung im Anspruch 4 des Klagepatents vom Stande der Technik, wovon auch das Berufungsurteil offensichtlich ausgeht, nach keiner Richtung vorweggenommen ist, so daß auch keine Einschränkung des Schutzu demfangs hinsichtlich äquivalenter Ausbildungen in Betracht kommt» Das Gutachten des Patentanwalts JflP kommt jedenfalls zu dem Ergebnis, daß bekannte Sperrvorrichtungen in Form von drehbaren Ringen, Hülsen, Hebeln oder Armen nicht automatisch funktionierten, sondern jeweils eine besondere Betätigung voraussetzten (S» 24 des Gutachtens)» Auch im Urteil des Bundespatentgerichts im Nichtigkeitsverfahren und im bestätigenden Urteil der Berufungsinstanz wird festgestellt. Da eine Aufgabe zu dem Patentanspruch 4 in der Patentschrift des Klagepatents nicht ausdrücklich genannt ist;, kann eine solche nur aus der prinzipiellen Funktion der Merkmale und den damit gegenüber dem Stand der Technik erreichten Vorteilen entnommen werden«, Das Bolzenschießgerät soll? an sich nach einem Schuß keiner Sicherung, um das Werk-zeug auseinandernehmen und mit einer neuen Patrone versehen zu könneno Es könnte aber immerhin der Fall ein-tretenp daß ein Schuß nicht abgegeben worden ist oder nicht funktioniert hat; dann wäre auch beim Auseinandernehmen noch die Gefahr vorhanden,, daß sich ein Schuß löst» Ist nach dem Auseinandernehmen der vordere Werkzeugteil mit einer neuen Patrone versehen9 so besteht die Gefahrj, daß beim Zusammensetzen sich unabsichtlich ein Schuß löst» Diesen Gefahren soll die automatische Verriegelung vom Beginn des Auseinandernehmens bis zur Beendigung des Zusammensetzens begegnen* worauf die Revision mit Recht hinweistP daß ebenso wie beim Klagepatent (Anspruch 4) bereits währepd_des^ Zu-sa^gienbaus des hinteren Geräteteils mit dem geladenen Lauf eine Sicherung gegen Unfälle besteht 9 und zwar durch die in den Ansprüchen 1 und 2 des Patents der Beklagten genannten und in ihrem Zusammenwirken mit den anderen Bauteilen näher geschilderten "Sperrglieder" (6a) iste Das mag zwar ein Vorteil gegenüber dem Klagepatent sein* Es ändert aber nichts an der grundlegenden Aufgabenstellung9 die eine automatische Entsicherung nach der vollständigen Montage des Geräts zu dem Inhalt hat» Diese vollständige Montage ist beim Klagepatent mit dem Einschrauben des Laufes deshalb identisch, weil der Schutzdeckel gemäß den Ansprüchen 1 bis 3 des Klagepatents im allgemeinen mit dem Lauf verbunden bleibt* Die insoweit abgeänderte Ausführung der Beklagten, die verschiedene abnehmbare Schutzkappen verwendet, bedingt naturgemäß, daß mit dem Einsetzen des Laufs allein nicht schon die vollständige Montage beendet ist, weil außerdem noch eine Schutzkappe aufgesetzt werden kann und aus den gleichen Sicherheitsgründen wie beim Klagepatent vorhanden sein muß* Da aber eine solche Schutzkappe oder ein Schutzdeckel, wie es ja gerade auch aus dem Patent IV hervorgeht, ein wesentlicher Bestandteil des Bolzenschießgerätes ist, kann von einer Beendigung der Montage auch bei der Beklagten erst dann gesprochen werden, wenn eine Schutzkappe aufgesetzt ist* ohne daß damit schon die Entsicherung bewirkt wird» Es ist aber andererseits nicht von der Hand zu weisen, wenn die Revision darauf hinweist, daß auch noch das Aufsetzen der Schutzkappe die Gefahr des Auslösens eines Schusses in sich trägto Wenn das Patent f/f auch ausdrücklich nur den Vorteil betont, daß ein Schießen ohne Schutzkappe vermieden werden soll, so hindert das nicht, daß die Ausführungsform der Beklagten entsprechend ihrer Lösungsmittel auch die Aufgabe des Klagepatents (An- 17 - Spruch 4) enthälto Denn v/esentlieh ist für das dort offenbarte Prinzip die im Stande der Technik offenbar bisher nicht verwirklichte automatische Sicherung des Geräts vom Zeitpunkt des Auseinandernehmens an und die entsprechende automatische^JntSicherung nach dem letzten Akt des Zusammenbaus, d0h0 zu dem Zeitpunkt 5 in dem das Gerät nunmehr schußfertig von dem Handwerker zu dem Schießen angesetzt werden kann» Diese letztere automatische Entsicherung bedeutet in beiden Fällen, also beim Klagepatent wie bei der angegriffenen Ausführungsform nicht etwa3 daß bereits ein Zurückschieben des Laufes und der Schutzkappe den Schuß auslöst; in beiden Fällen ist vielmehr dazu die Betätigung einer Abzugsvorrichtung notwendig und auch vorgesehen9 so beim Klagepatent eine Drehung am Handgriff 11 und beim Patent das Eindrücken des Knopfes 17 o daß auch der Vorgang des Aufsetzens der Schutzkappe bei der angegriffenen Ausführungsform noch keine automatische Entsicherung bewirke, weil dies erst durch ein Zusammenspiel von Lauf und Schutskappe beim Spannen des Geräts durch Andrücken an die Wand geschehe, so kann dem nicht gefolgt werden, Selbst wenn der technische Vorgang ihrer Darstellung entspricht, so ändert das nichts an der für das Klagepatent (Anspruch 4) und die angegriffene Ausführungsform gleichen Aufgabenstellung, daß die Geräte nach vollständigem Zusammenbau zu dem eigentlichen Schießvorgang wirksam gemacht sein solleno Baß dem so ist, kann auch die Beklagte nicht abstreiten. Andrücken an eine Fläche erst gespannt und dann der Schuß durch einen Abzug ausgelöst v/ird0 Ebenfalls in gleicher Weise wird - auch beim Spannen zunächst der vorn etwas vorstehende Lauf bis auf die Höhe der Schutzkappe eingedrückt und dann werden Lauf und Schutzkappe gemeinsam weiter eingedrückt , ohne daß bei dem einen oder anderen Gerät bei diesem^ Spannyorgang eine Sperre durch eine zusätzliche Handhabe - wie nach dem Stande der Technik - beseitigt werden müßte0 IIo Bas angefochtene Urteil konnte sonach, weil das Berufungsgericht verkannt hat, daß dem Klagepatent (Anspruch 4) und der angegriffenen Ausführungsform der Beklagten eine weitgehend gleiche Aufgabenstellung zugrundeliegt, nicht aufrechterhalten werden0 Andererseits konnte und durfte das Revisionsgericht den noch nicht erschöpften tatrichterlichen Feststellungen zur Merkmalsanalyse zwischen Klagepatent und angegriffener Ausführungsform nicht vorgreifeno Insbesondere muß in der Tatsacheninstanz geprüft werden, ob eine gegenständliche Verletzung des Klagepatents (Anspruch 4) einschließlich glatter Äquivalente vorliegt oder ob die Beklagte von einem nach dem Stande der Technik schutzfähigen allgemeinen Erfindungsgedanken evtlo in Form nichtglatter Äquivalente Gebrauch machto Die Frage eines allgemeinen Erfindungsgedankens hat das Berufungsgericht nicht geprüft, weil es auch hierbei offenbar von der unrichtigen Überlegung Das angefochtene Urteil war somit aufzuheben und die Sache zu erneuter Verhandlung und Entscheidung, auch hinsichtlich der Kosten des Revisionsverfahrens einschließlich des erledigten Teils, an die Vorinstanz Bei dieser Sachlage bedurfte es keiner Erörterung in der Revisionsinstanz, ob der Kläger etwa auch eine Ausführungsform der Beklagten verfolgen will und kann, die nur von den Ansprüchen 1 bis 3 des Klagepatents Gebrauch macht 0 Spreng Löscher Claßen Schneider Trüstedt