BGH · X ZR 20/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
»Io Verwendung von Gemischen aus einem wasserunlöslichen, mit dem Kunstharz verträglichen substituierten Phenolat eines zweiwertigen Metalls, aus einem wasserunlöslichen Balz einer Carbonsäure mit 6 bis 18 C-Atoraen pro Molekül und eines zweiwertigen Metalls, und gegebenenfalls aus einem Alkyl- oder Arylester der phosphorigen Säure, als Stabilisierungsmittel für Polyvinylchlorid und Vinylchlorid-Mischpolymerisate o Die Klägerin hat beantragt, das Patent wegen fehlender Schutzfähigkeit nach § 13 Abs« 1 Nr0 1 PatG in vollem Umfange für nichtig zu erklären* Das Bunde spat ent gericht hat diesem Antrag entsprochene Es hält zwar den im Anspruch 1 (Hauptanspruch) beschriebenen Gegenstand des Streitpatents gegenüber dem Stande der Technik am Anmeldetag für neu» Seiner Auffassung nach offenbart aber der Hauptanspruch keine brauchbare Lehre zu dem technischen Handeln, da er wegen unzureichender Bezeichnung der zu verwendenden Carbonsäuren auch solche Ausführungsformen umfasse, die für die angestrebte Stabilisierung nicht geeignet seien* Aber selbst wenn man hiervon absehen und ferner den technischen Fortschritt bejahen würde, fehle dem Gegenstand des Hauptanspruchs, so meint das Bundespatentgericht, in jedem Falle die für den Patentschutz erforderliche Erfindungshöhe o Im übrigen enthielten auch die vom Hauptanspruch abhängigen Ansprüche 2 bis 4 nichts Erfinderisches o In der mündlichen Verhandlung hat die Beklagte das Streitpatent nur noch mit einem einzigen Anspruch nachstehenden Inhalts verteidigt: "Verwendung von Gemischen aus einem wasserunlöslichen, mit dem Kunstharz verträglichen, substituierten Barium-phenolat eines einwertigen Phenols mit Alkyl-, Aryl- oder Aralkylsubstituenten mit 4 bis 24 Kohlenstof fatoinen, einem wasserunlöslichen Cadmiumsalz einer Fettsäure oder einer Naphthensäure, je mit 6 bis 18 Kohlenstoffatoroen im Molekül, und gegebenenfalls einem Alkyloder Arylester der phosphorigen Säure als Stabilisierungsmittel für Polyvinylchlorid und Vinylchlorid-Mischpolymerisate „11 Die Klägerin hält ihr Klagebegehren auch gegenüber dem von der Beklagten neugefaßten Patentanspruch aufrecht,' Sie hat demgemäß beantragt, die Berufung zurUckzuweisen, Die Parteien haben in beiden RechtszUgen zahlreiche Reihen von Versuchen vorgelegt, bei denen einerseits Stabilisierungsgemische aus dem Stand der Technik und andererseits solche nach dem Streitpatent verwendet worden sind. Sie hat ferner ein Gutachten des als Berater für Kunststoffverarbeitung tätigen Diplomchemikers Dr0 Paul Schmidt in Reichelsheim (Odenwald) eingereicht o Die Beklagte hat zur Unterstützung ihrer Ausführungen auf die von ihr eingeholte Äußerung des Dr0-Ingo Josef G0, ehemals technisches Vorstandsmitglied der Rheinischen Gummi- und Zelluloidfabrik Mannheim, Bezug genommen0 Zo 91 bis 94)o Es geht hierbei um das Problem p daß Polyvinylchlorid und die Vinylchlorid-Mischpolymerisate bei Temperaturen über 100° C5 wie sie bei der Verarbeitung des Kunststoffes zu Halbfertig- oder Fertigprodukten Erforderlich sind? Die Zersetzungsneigung des Polymeren wird damit erklärt, daß sich neben sehr geringen Mengen anderer Stoffe hauptsächlich Chlorwasserstoff abspaltet» Ihr wurde bereits geraume Zeit vor dem Anmeldetag des Streitpatents durch die Beimischung von Stoffen zu begegnen versucht, welche die Abspaltung des Chlorwasserstoffes unterdrücken, jedenfalls aber verzögern und abgespaltenen Chlorwasserstoff binden solleno Diese Maßnahme nennt man Stabilisierung„ Die hierzu verwendeten Stoffe sind Stabilisatoren oder Stabilisierungsmittelo Sie sollen nach Möglichkeit neben der Verbesserung der Hitzebeständigkeit die mechanischen Eigenschaften des Polymeren zu demindest nicht verschlechtern, eine gute Lichtbeständigkeit des Fertigprodukts gev/ährleisten, mithin den photochemischen Abbau verhindern, und schließlich für viele Anv/endungsgebiete, z0Bo für die Folienherstellung, Klarheit und Transparenz sichern.. Für den Verarbeiter ist es ferner besonders wichtig, daß das stabilisierte Material ein günstiges "plate-ouf’-Verhalten zeigt, doho auch bei lange dauernden Produktionszyklen nicht an kritischen Stellen der Verarbeitungsapparaturen (zoBo Kalanderwalzen, Extruderdüsen usw«) haften bleibt, weil sonst eine Unterbrechung der Produktion und die oft zeitraubende Reinigung der betreffenden Apparateteile notwendig wäre«. Den verschiedenen Anforderungen an einen Stabilisator kommt je nach den benutzten Verarbeitungsverfahren und dem speziellen Verwendungszweck des Fertigprodukts unterschiedliche Bedeutung zu, In jedem Falle ist jedoch eine möglichst optimale Wirkungsbreite des Stabilisators erwünschte Wie der gerichtliche Sachverständige erläutert hat, wird die Stabilisierung auch heute noch weitgehend empirisch betrieben, da es an genauen Kenntnissen über den Chemismus der Wirkung der verschiedenen Stabilisatoren fehlte Fest steht jedoch seit langem, daß Emulsions-,ausgewasebene Emulsions- und Suspensions-Polymere sich in der Stabilisierung sehr unterschiedlich verhalten« Dies beruht auf dem unterschiedlichen Gehalt an Hilfsstoffen und Katalysatoren, wie zcB« Emulgatoren oder Dispergatoren bzw0 Puffersubstan-zen, etwaigen Vorstabilisierungsmitteln usw« Hinzu kommt noch, daß bei allen Polyvinylchlorid-Typen die einzelnen Begleitstoffe in ihrem chemischen Aufbau untereinander divergieren und daß auch die Mengen dieser Hilfsstoffe differieren« Es darf ferner auch die Mitwirkung der Färb- und Füllstoffe sowie etwaiger weiterer Zusätze (z0B0 Gleitmittel) nicht übersehen werden» Endlich spielt bei der Stabilisierung auch die Art des Y/eichinachers eine Rolle, welcher dem Gemisch hinzugefügt wird, falls -nicht Hart-Poly-vinylchlorid, sondern Weich-Polyvinylchlorid gewonnen werden soll« 2« Nach den Angaben der Streitpatentschrift war es am Anmeldetag bekannt, als Stabilisatoren Salze von mehrwertigen Metallen, insbesondere von Erdalkalimetallen, Zink, Cadmium oder Blei, mit Carbonsäuren (vgl« aaO So 1, Zo 14 bis 17) oder auch die up**- 3° In dem von der Beklagten nunmehr noch allein verteidigten einzigen Anspruch;, dessen sachliche Abweichungen gegenüber dem erteilten Anspruch 1 nachstehend durch Unterstreichung hervorgehoben sind, wird zur Lösung der dem Streitpatent zugrunde liegenden Aufgabe die Verwendung von Gemischen vorgeschlagen, welche sich zusammensetzen: Die im jetzigen Merkmal a vorgesehene Verwen-dung des Erdalkalimetalls Barium als Metallkomponente des Phenolats ergibt sich aus den bisherigen Unteransprüchen 2 und 40 Der in diesem Merkmal enthaltene Vorschlag, als Säurekomponente des Phenolats ein einwertiges Phenol zu benutzen, kann sich auf die Patentbeschreibung stützen, deren Aufzählung durchv/eg nur einwertige Phenole, nämlich u,a, Butyl-, Octyl- und Nonyl-phenol, anführt (vglo aaG, So 2, Zo 21 bis 29), und die bei dem von ihr geschilderten Herstellungsverfahren der substituierten Phenole ebenfalls nur von einwertigen Phenolen ausgeht (vglo aaO So 2, Zo 30 bis 33)o Die Verwendung eines Phenolats mit Alkyl-, Aryl- oder Aralkyl-substituenten mit 4 bis 24 Kohlenstoffatomen wird im früheren Unteranspruch 3 gelehrte Die Benutzung von Cadmium als Metallkomponente der nach Merkmal b zu bildenden Metallseife wird ebenfalls in den bisherigen Unteransprüchen 2 und 4 empfohleno Die in dem Merkmal als Säurekomponente der Verbindung vorgesehene Fettsäure wird an verschiedenen Stellen der Streitpatentschrift genannt (vglo So 2, Zo 61; So 3, Z0 36; ferner Zusammenstellung auf So 2, Zo 50 bis 32, welche 2-Äthylcapron-säure, Laurinsäure, Stearinsäure und Ricinusölsäure enthält; ferner Ausführungsbeispiele 3 und 4 auf Sa 3? Säurekomponenten zur Stabilisierung verwendet werden können (vgl0 aaO So 2, li0Sp0, Z0 39 bis Z= 43 )o Von der Mitverwendung von substituierten Phenola-ten, wie sie das Streitpatent im Merkmal a empfiehlt, ist in der vorveröffentlichten Patentschrift nicht die Redeo 2o Die USA-PatentSchrift Nr0 2 126 179 aus dem Jahre 1938 lehrt, zur Stabilisierung von Vinylpolymeren, u0a0 auch von Polyvinylchlorid, gegen Licht oder gegen Licht und Hitze substituierte Phenole oder Phenolderivate zu verwenden, wobei der Kunststoff gleichzeitig oder vorher zwecks Hitzestabilisierung zusätzlich mit den Hitzestabilisierungsmitteln behandelt werden kann, welche die unter Ziff„ 1 erörterte Druckschrift schildert (vgl« aaO So 1, licSpo, Zo 34 bis reQSpo, Z» 19)* An keiner Stelle der Vorveröffentlichung wird aber die stabilisierende Wirkung von Phenolaten erwähnt, wie sie das Streitpatent im Merkmal a herausstellt» 3o Die im Jahre 1941 veröffentlichte USA-Pa-tentschrift Nr0 2 236 625 schlägt als neue Hitzestabilisierungsmittel für thermoplastische Harze einschließlich Polyvinylchlorid und Vinylchlorid-Mischpolymere Erdalkaliderivate'von aliphatischen und aromatischen Alkoholen einschließlich Phenolen, also Alkoholate und Fhenolate, namentlich auch ein Bariumphenolat entsprechend dem Merkmal a des Streitpatents vor (vglo aaO Se 1, reoSpo, Z0 30 bis Zo 39)o In der Druckschrift (So 1, li0$po, Zo 44 bis 50) wird zwar erwähnt, daß bereits die VeWendung von Metallseifen zur HitzeStabilisierung von Kunststoffen bekannt ist« Auf die Möglichkeit, die beiden in Rede 40 Die aus dem Jahre 1944 stammende USA-Patent-schrift Nr» 2 340 151 befaßt sich mit der Hitze- und Lichtstabilisierung von vinylhalogenidhaltigen Polymeren und Copolymeren durch carbonsaure Bleiphenoxy-salzöo Hierbei handelt es sich nach dem ausdrücklichen Hinweis in der Druckschrift (S0 2, r-OoSpo, Zo 35 bis 38) weder um Phenolate noch, wie der gerichtliche Sachverständige erklärt hat, um Metallseifen der in der Streitpatentschrift beschriebenen Art, sondern um gemischte Salze von Phenolen und Fettsäuren, mithin um eine - als Phenoxybleiseife bezeichnete - Verbindung von Pheno-lat und Seife in einem Moleküle 5o Die im Jahre 1951 erschienene, u0a0 auf die beiden Erfinder des Streitpatents zurückgehende USA-Patentschrift Nre 2 564 646 empfiehlt, den bekannten Stabilisatoren für Polyvinylchlorid und vinylchloridhaltige Copolymere, nämlich den allein oder in Mischung zu verwendenden Metallseifen - u»a0 werden ausdrücklich Barium- und Cadmiumseifen genannt (vgl„ aaO Sp0 2, Zo 4 bis Zo 42) - alkyl- oder arylsubstituierte organische Phosphite im Sinne des Merkmals c des Streitpatents hinzuzufügen (vgl„ aaO SpQ 2, Zo 43 bis Z» 50), Diese Phosphite sind nach den Angaben der Entgegenhaltung im Vinylchloridharz löslich (vgl» aaO Spc 2, Z„ 50 bis Zo 55) und sie wirken mindestens teilweise durch die Bildung von Metallkomplexen mit den im Laufe der Stabilisierungsreaktion aus den Metallseifen gebildeten Metallchloriden; da letztere wegen ihrer Unlöslichkeit im Polymeren häufig zu Trübungen transparenter Materialen, d0h0 zu Schatten im Material führen, stel- Zo 5)o Anstelle der Phosphite können nach den Darlegungen der Entgegenhaltung bei weniger hohen Ansprüchen an die Wirksamkeit auch sog» gehinderte Phenole, d0h0 solche, welche zwei oder mehr Alkylgruppen enthalten, als Antitrübungsmittel verwendet werden (vglo aaO, Sp» 3* Zo 6 bis Zo 20)0 Wie die Vorveröffentlichung hervorhebt, zeigen die erwähnten Antitrübungsmittel für sich allein keine stabilisierende Wirkung, während sie zusammen mit den Metallseifen einen synergistischen Effekt her-vorrufen (vgl0 aaO Spo 4, ZQ 24 bis 53 )<> nennt auf S» 322 als Stabilisatoren für die Verhinderung der thermischen Zersetzung und Verfärbung von Polyvinylchlorid Calcium, Bleiseifen und - insoweit in Übereinstimmung mit dem Merkmal b des Streitpatents - Cadmiumseifen, ferner Calcium- und Bleiacetate, Oxyde von Wismut, Barium und Blei, Silicato von Natrium, Calcium und Blei sowie Bleisalze von substituierten Phenolen, z0B0 p - terto - Butyl-phenol, also Bleiphenolate, und ferner zinnorganische Verbindungeno Am Schluß des einschlägigen Abschnittes heißt es: “Hervorragende Farbstabilisierung kann erreicht werden durch Kombination von zwei oder mehr Inhibitoren, wie ZoB« 1 Gew0 % Calcium-äthyi-acetylacetat und 0,05 % Dibutylzinnmaleat“o Die Entgegenhaltung weist sonach^auf die synergistische Wirkung von Gemischen aus verschiedenen Stabilisatoren hin0 Die Verwendung eines Stabilisierungs- dem Polyvinylchlorid als Stabilisatoren hinzugesetzt wurden (vgl0 aaO S0 544)„ Angaben über Stabilisatoren der im Streitpatent genannten Art finden sich in der Vorveröffentlichung nicht0 in seiner stabilisierenden Y/irkung den Einzelstabilisatoren, ZoBo den substituierten Pheno-laten nach USA-Patent Nre 2 256 625 (vgl* oben Abschn« XI unter Ziff* 3) oder einzelnen Metallseifen, also nicht Kombinationen verschiedener Seifen, nach USA-Patent Nr* 2 075 543 (vgl* aaO unter Ziff* 1) unbedingt überlegen* Die Einzelstabilisatoren sind nämlich unstreitig für die meisten Zwecke nicht geeignet, dem Polyvinylchlorid und den Vinylchlorid-Mischpolymerisaten eine hinreichende Hitzebeständigkeit, worauf es nach der Lehre des Streitpatents in erster Linie ankommt, zu verleihen* Entgegen der Meinung der Klägerin ist das Gemisch nach dem Streitpatent aber auch, insgesamt gesehen, wirksamer als die bekannten Stabilisierungsgemische aus verschiedenen Metallseifen, z*B* aus Barium-Cadmiumseifen gemäß dem soeben genannten USA-Patent Nr* 2 075 543 (vgl* aaO unter Ziff* 1), zu denen gegebenenfalls nach den USA-Patenten Nr* 2 126 179 (vgl* aaO unter Ziff* 2) und Nr* 2 564 646 (vgl* aaO unter Ziff* 5) noch Phenole hinzutreten können* Der gerichtliche Sachverständige hat sich in der mündlichen Verhandlung unter Hinweis auf die Ergebnisse seiner Laborversuche und auf Äußerungen in der Fachliteratur zur Überzeugung des erkennenden Senats dahingehend geäußert, daß das erfindungsgemäße Gemisch zu demindest Suspensions-Polyvinylchlorid und das sich ähnlich verhaltende ausgpv/aschene Emulsions-Polyvinylchlorid beim Zusatz von Weichmachern gegen Hitze "deutlich besser" stabilisiere als die in den Vorveröffentlichungen beschriebenen Stabilisierungsgemische , daß das Streitpatent demnach einen erheblichen Fortschritt jedenfalls für bestimmte Polyvinylchlorid-Typen gebracht habe, wenn es auch möglicherweise nicht dieselbe vorteilhafte Wirkung bei der Stabilisierung nicht ausgewaschener Emulsionspolymerisate und allgemein bei Verwendung von weich-macherfreien Rezepturen entfalte» Demgegenüber hat der gerichtliche Sachverständige in seinem schriftlichen Gutachten zwar nur von einem "gewissen Fortschritt" gesprochen» Diese Einschränkung gegenüber seiner jetzigen Auffassung hat er jedoch hinreichend damit erklärt, daß er seiner damaligen Eeurteilung die gesamte Breite des ursprünglichen Patentanspruchs 1 zugrundegelegt habe, der unbestritten eine große Anzahl von Gemischen umfasse, die schlechter stabilisierten als die bekannten Stabilisatoren oder die sogar überhaupt keine stabilisierende Wirkung zeigten» Auch v/enn man davon auszugehen hat, daß die Verwendung des erfindungsgemäßen Gemisches nicht bei sämtlichen Polyvinylchlorid-Typen eine höhere Hitzebeständigkeit, eine bessere Lichtbeständigkeit bzw» Transparenz und ein günstigeres "plate-out"-Verhalten zur Folge hat, als die bekannten Stabilisatoren, daß mithin die von der Beklagten gerühmte "Breitband-Wirkung" nicht in jedem Falle festzustellen ist, so schließt dies entgegen der Ansicht der Klägerin nicht aus, den technischen Fortschritt des Streitpatents anzuerkennen und diesen sogar als erheblich zu bewerten» Nach ständiger Rechtsprechung ist eine Bereicherung der Technik nämlich auch dann anzunehmen, diese Lehre am Anmeldetag allein aufgrund seines Fachwissens und des Standes der Technik finden konnte oder ob es hierzu einer das durchschnittliche Können übersteigenden? 1o Das Bundespatentgericht hat in der hilfsweisen Begründung seines Urteils die Erfindungshöhe des Streitpatents verneint* Es stützt sich hierbei auf folgende Überlegungen? ohne weiteres auch auf den neugefaßten, die Erfindungsmerkmale a und b konkretisierenden Anspruch bezogen werden können: Beide Komponenten des erfindungsgemäßen Stabilisierungssystems seien für sich allein als* Stabilisatoren bekannt, nämlich die Komponente a (substituiertes Phenolat) durch die USA-Patentschrift Nr» 2 236 625 (vgl» oben Abschn» II unter Ziffo 3) und den Aufsatz von Wakeman (vgl» aaO unter Ziff» 6), die Komponente b (Metallsalz einer Carbonsäure-Metallseife-) durch die USA-Patentschrift Nr» 2 073 543 (vgl» aaO unter Ziffo 1)» Darüber hinaus lehre die USA-Patentschrift Nr» 2 126 179 (vgl» aaO unter Ziffo 2), die in der USA-Patentschrift Nr» 2 075 543 genannten Metallseifen und substituierte Phenole zu kombiniereno In der USA-Patentschrift Nr0 2 564 646 (vglo aaO unter Ziffo 5) sei schließlich die Kombination von gehindertem Phenol und Metallseife beschriebene Von diesem Gemisch unterschieden sich die gemäß dem Streitpatent anzuwendenden Mischungen dadurch, daß sie an Stelle der freien Phenole deren Metallsalze enthielteno Im bloßen Austausch der freien Phenole durch deren Metallsalze, dch» durch Phenolato, könne ein patentbegründendes Merkmal nicht erblickt werden» Denn sei erst einmal die stabilisierende Wirkung der substituierten Phenolate bekannt gewesen, so habe - selbst wenn man die nach Meinung der Klägerin während der Stabilisierungsperiode im Polymeren aus dem Phenolat und dem abgespaltenen Chlorwasserstoff eintretende Bildung von freiem Phenol nicht berücksichtige - die Verwendung der Phenolate an Stelle der entsprechenden Phenole bei deren enger chemischer Verwandtschaft nahe gelegen» Infolge der bekannten synergistischen Wirkung von Gemischen aus verschiedenen Stabilisatoren sei der aufgetretene Effekt 2o Auch der gerichtliche Sachverständige ist in der mündlichen Verhandlung mit einer ausschließlich auf den neugefaßten Patentanspruch abhebenden Begründung - ebenso wie in seinem schriftlichen Gutachten hinsichtlich der vier erteilten Patentansprüche - zu dem Ergebnis gelangt, daß die Lehre des Streitpatents nichts Erfinderisches aufweise, Der Sachverständige geht hierbei von nachstehenden Erwägungen aus: Die einzelnen Komponenten des Stabilisierungsmittels nach dem Streitpatent seien an dessen Anmeldetag als solche bekannt gev/esen und auch für die Lösung der gleichen Aufgabe schon herangezogen worden., Schließlich sei bereits allgemein und nicht nur aus der Arbeit von Wakeman (vgl0 aaO unter Ziffo 6) die an vielen Beispielen erwiesene synergistische Wirksamkeit von Gemischen aus zwei oder mehr Stabilisatoren bekannt;geweseno Angesichts dieses Standes der Technik habe es dem mit der Entwicklung von Stabilisatoren betrauten Burch-schnittsfachmann keine besondere Schwierigkeit bereitet, auch Seifen im Gemisch mit Phenolaten zu prüfenc Auch wenn man die Bedeutung der Arbeit von Wakeman nicht überbewerten dürfe, so sei doch dort ein Hinweis auf Bleiphenolate gegeben und unmittelbar danach die Kombinationsfähigkeit mehrerer Stabilisatoren und die damit häufig verbundene synergistische Wirkung erwähnte Die Erfinder des Streitpatents hätten demnach nichts zu tun brauchen, als zwei ihnen vertraute Substanzklassen, nämlich Seifen und Phenolat e, zu kombiniereno Hierbei sei die Auswahl nicht besonders schwierig gewesen, da sich von den gemischten Seifen die Kombination mit den Metallen Barium und Cadmium als bekanntermaßen besonders günstig an-geboten habe« Die Erfinder hätten infolgedessen nur noch zu prüfen gehabt, ob es günstiger sei, Cadmium-phenolat mit Bariumseife oder - wie es dann auch in dem jetzt in Rede stehenden Patentanspruch geschehen sei - Bariumphenolat mit Cadmiumseife zu kombinieren„ b) Die Beklagte macht weiter geltend, der Lehre des Streitpatents, an Stelle einer Bariumseife ein Phenolat dieses Metalls als Bestandteil des Stabi-lisierungsgeraisches zu verwenden, sei auch deswegen Erfindungshöhe zuzubilligen, weil gegen einen solchen Vorschlag ein technisches Vorurteil bestanden habe, zu demindest jedoch in den in Betracht kommenden Vorveröffentlichungen vor ihm gewarnt bzv/o von ihm abgelenkt worden seio Dieser Ansicht der Beklagten kann ebenfalls nicht gefolgt werdeno Der Annahme eines allgemeinen Vorurteils steht bereits der Umstand entgegen, daß die Verwendung von Phenolaten, darunter die eines Bariumphenolats, zur Hitzestabilisierung, wie wiederholt erwähnt, in der USA-Patentschrift Nr0 2 256 625 (vglo oben Abschno II unter Ziffo 3) vorgeschlagen worden ist0 Zu diesem Zweck sind nach dem Aufsatz von Wakeman (vglo aaO unter Ziffo 6) jedenfalls Bleiphenolate auch in der Praxis benutzt wordene Die Beklagte meint demgegenüber, daß in der bereits drei Jahre vor dem Bericht Wakeman fs ausgegebenen USA.-Patent Schrift Nr 0 2 340 151 (vglo aaO unter Ziffo 4) vor Phenolaten gewarnt und die Verwendung von Bleiphenolat als Mißerfolg bezeichnet werdeo Die Annahme der Beklagten ist indessen un~ zutreffend« Wenn in der genannten Patentschrift an der von der Beklagten angeführten Stelle (So 2, re0Sp0, Zo 35 bis Z, 38) gesagt wird, daß Blei-phenolate leicht hydrolisierten und von sehr begrenzter Löslichkeit in Vinylhalogenidharzen seien, so zieht hieraus der Fachmann nach der einleuchtenden Erklärung des gerichtlichen Sachverständigen lediglich den Schluß, daß er vorsichtig sein und ausprobieren müsse, v/ie er im Rahmen der an sich gegebenen Möglichkeiten die Hydrolisierungs-gefahr der Phenolate zurückdrängen könne, Schließlich kann auch nicht die Rede davon sein, daß die USA-PatentSchrift Nr, 2 340 131 von der Verwendung eines Phenolats ablenke0 Wie bereits ausgeführt, stellt die dort als Stabilisierungsmittel vorgesehene Phenoxybleiseife eine Verbindung von Pheno-lat und Seife, allerdings in einem Molekül, dar« Entgegen der Meinung der Beklagten warnt die USA-Patentschrift Nr, 2 364 646 nicht vor der Verwendung von Phenolen zur Hitzestabilisierungo Wie bereits aus der Besprechung dieser Veröffentlichung im Abschrio II unter Ziffo 3 hervorgeht und der gerichtliche Sachverständige bestätigt hat, nimmt die Schrift zwar eine gev/isse Wertung hinsichtlich der Phosphite und Phenole bei ihrer Verwendung als Antitrübungsmittel vor0 An keiner Stelle dieser Patentschrift oder der USA-Patentschrift Nr, 2 126 179 (vgl* aaO unter Ziff0 2), welche ebenfalls die Verwendung von Phenolen als Lichtstabilisatoren vorsieht, wird jedoch auch nur angedeutet, daß die in Rede stehenderu Stoffe für die Hitzestabilisierung generell unbrauchbar seien. Nach alledem fehlt jeder Anhalt dafür, daß sich der Fachmann von der Benutzung eines Phenolats im Gemisch mit einer Seife von vornherein keinen Erfolg hinsichtlich der Hitzestabilisierung des Kunststoffs versprechen konnte» Es hielt ihn infolgedessen nichts davon ab, durch Versuche im begrenzten Rahmen einmal auszuprobieren, v/ie ein Gemisch mit den Metallkomponenten Barium und Cadmium den Kunststoff gegen Hitze beständig macht, wenn man eine Seife und ein Phenolat der genannten Metalle miteinander kombiniert oder, mit den Worten der Beklagten gesagt, wenn man sich von Fettsäuren als der ausschließlichen Säurekomponente freimacht und bezüglich einer der Metallkomponenten zu schwachen Säuren, nämlich zu substituierten Phenolen greift» Versuche hierzu v/aren schon deswegen angebracht, weil der Fachmann nach den Darlegungen im Absehn» I unter Ziff» 1 a«3» und Ziff» 2 zwar die synergistische Wirkung bestimmter Stabilisierungsgemische kannte, er aber im übrigen allein auf die Erfahrung angewiesen blieb, da ihm eine Theorie der Stabilisierungsvorgänge, die ihm gewisse Leitlinien hätte geben können, nicht zur Verfügung stand» So konnte der Fachmann ohne Vornahme von Versuchen auch nicht wissen, v/ie sich die Verbindung aus Barium oder Cadmium und einem substituierten Phenol, mithin ein Phenolat, im Gemisch mit einer Seife des jeweils anderen Metalls auf die Hitzestabilisierung des Kunststoffs auswirkt» Wenn nun die von den Erfindern des Streitpatents durchgeführten Versuche hinsichtlich des Gemisches aus Bariumphenolat und Cadmiumseife zu einem positiven Ergebnis geführt haben, so rechtfertigt dies unter den gegebenen Umständen nicht die Feststellung, daß dieses Ergebnis überraschend sei und daß deshalb die im Streitpatent erteilte Lehre daß erst die Erfinder des Streitpatents ein seit fünfundzwanzig Jahren vorhandenes Bedürfnis nach einem Stabilisator mit "Breitbandwirkung" befriedigt hätten und daß seit der Empfehlung von Phenolaten für die Stabilisierung von Kunststoffen in der USA-Patentschrift Nr, 2 256 625 (vgl* oben Abschn0 II unter Ziff* 3) bis zur Anmeldung des mit dem Streitpatent übereinstimmenden USA-PatentsMIr* 368, 569 - WimpernfärbeStift -)„ Die Gründe, die dafür maßgebend sind, daß man sich nicht schon früher zu einer Lösung im Sinne des Streitpatents entschlossen hat, können mannigfacher Art sein* Die Annahme eines Vorurteils, das sogar der Vornahme von Versuchen entgegengestanden hatte, scheidet nach den vorstehenden Darlegungen unter Buchst* b jedenfalls aus * d) Die Beklagte weist endlich zur Begründung der Erfindungshöhe noch darauf hin, daß die Stabilisatoren nach dem Streitpatent einen erheblichen technischen Fortschritt gebracht hätten, daß sie von einer großen Anzahl bedeutender Herstellerfirmen im Inund Ausland in den Handel gebracht wür- den, daß ihr Marktanteil beachtlich sei und daß ferner eine Reihe von Erfindern auf Yfeiterentwicklun-gen der im Streitpatent erteilten Lehre Patente genommen hätten« In diesen Umständen könnte zwar ein Anzeichen für das Ausmaß einer erfinderischen Leistung erblickt werden« Sie sind jedoch nach ständiger Rechtsprechung für sich allein nicht geeignet, die Erfindungshöhe zu rechtfertigen, wenn - wie im vorliegenden Falle - das Wissen und Können des Durch-schnittsfachmannes ausreichten, aufgrund des Standes der Technik ohne erfinderisches Zutun zu einer Lösung wie der des Streitpatents zu gelangen (vglo u«a« RG GRUR 1936, 307, 308 und 1940, 343, 346; BGHZ 39, 333, 330 - Warmpressen ferner Urteile des erkennenden Senats vom 27 <, November 1964 - la ZR 164/63 -Schichtschleifscheibe -, vom 18„ Februar 1965 - la ZR 203/63 - Spaltrohrpumpe - und vom 19» Dezember 1968 - X ZR 76/64 - Kreismesserhalter -)„ V« Wenn demnach die durch die neugefaßten Merkmale a und b gekennzeichnete Lehre nicht patentwürdig ist, so kann das Streitpatent aber auch nicht - im beschränkten Umfange - dadurch gehalten werden, daß man das wahlweise vorgesehene Merkmal c dem Gegenstand des Schutzanspruchs als notwendiges Merkmal hinzufügt o Die Wirksamkeit der nach dem genannten Merkmal zusätzlich zu verwendenden Phosphite ist, wie auch das Bundespatentgericht und der gerichtliche Sachverständige Übereinstimmend annehmen, aus der USA-Patentschrift Nr« 2 564 646 (vgl« Abschn0 II unter Ziff« 5) bekannte In der Mitverwendung dieser Substanzen kann daher, v/ie bereits das Bundespatentgericht richtig erkannt hat, kein patentbegründendes Merkmal des Streitpatents gesehen werden«