BGH · X ZR 17/78 vom 25.08.1978
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Eine Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO kommt regelmäßig nicht in Betracht, wenn der Vollstreckungsschuldner im Berufungsrechtszuge einen Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO n.F. nicht gestellt hat, obwohl der nicht zu ersetzende Nachteil bereits erkennbar und nachweisbar war. Der wiederholte Antrag der Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 19. Daß, wie die Beklagten meinen, deshalb ein auf Unterlassung der als patentverletzend angegriffenen Handlungen und auf Rechnungslegung lautendes Urteil gegen den Beklagten zu 2) nicht hätte ergehen dürfen, ist bei der Entscheidung über die einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO nicht zu berücksichtigen. Eine Einstellung kommt ferner nicht in Betracht, soweit die Beklagten zu 1) und 3) zur Rechnungslegung verurteilt worden sind. behalten worden ist, nach ihrer Wahl die Namen und Anschriften ihrer Abnehmer statt den Klägerinnen einem von diesen zu bezeichnenden, ihnen gegenüber zur Verschwiegenheit verpflichteten beeidigten Wirtschaftsprüfer mitzuteilen, ist nicht zu erkennen, worin ein nicht zu ersetzender Nachteil bestehen soll, wenn sie diesem Urteilsausspruch nachkommen. Auch im übrigen - nämlich soweit die Beklagten zu 1) und 3) zur Unterlassung verurteilt worden sind - ist ihr Einstellungsantrag nicht gerechtfertigt. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat die Möglichkeit der Einstellung nach § 719 Abs. 2 ZPO als ein letztes Hilfsmittel des Vollstreckungsschuldners angesehen, dem regelmäßig der Erfolg zu versagen ist, wenn der Schuldner andere ihm zu Gebote stehende Möglichkeiten, seine Interessen zu wahren, nicht genutzt hat. Vollstreckungsschutz ist demgemäß regelmäßig dann verweigert worden, wenn es der Schuldner versäumt hatte, im zweiten Rechtszuge einen Vollstreckungsschutzantrag nach § 713 Abs. 2 ZPO a.F. zu stellen, es sei denn, daß dieser Antrag ihn vor den Nachteilen, die ihm durch die Vollstreckung drohen, ebenfalls nicht bewahrt haben würde. Zwar wird dem Schuldner der früher nur auf einen Vollstreckungsschutzantrag nach § 713 Abs. 2 ZPO a.F. gewährte Vollstreckungsnachlaß nach Der Schuldner hat jedoch darüber hinausgehend gemäß § 712 ZPO n.F. die Möglichkeit, einen wesentlich weitergehenden Vollstreckungsschutz zu erlangen, der dem des § 719 Abs. 2 ZPO ähnlich ist, wenn er bereits im zweiten Rechtszuge auf die aus einer Vollstreckung erwachsenden nicht zu ersetzenden Nachteile hinweist. Da über einen Antrag nach § 712 ZPO im Urteil, das regelmäßig auf Grund mündlicher Verhandlung und jedenfalls nach Gewährung des rechtlichen Gehörs für den Vollstreckung sgläubiger ergeht, befunden wird, während die Entscheidung über einen Vollstreckungsschutzantrag nach § 719 Abs. 2 ZPO gemäß Abs.3 dieser Vorschrift auch ohne mündliche Verhandlung und unter Umständen auch ohne Anhörung des Gegners erfolgen darf, ist der Schuldner grundsätzlich darauf zu verweisen, den für den Gläubiger weniger nachteiligen Weg des § 712 ZPO zu beschreiten, es sei denn, daß dieser zur Zeit der letzten mündlichen Verhandlung im Berufungsrechtszuge nicht zu dem Erfolg geführt haben würde. Das kann insbesondere dann der Fall sein, wenn der Nachteil, der die Einstellung oder die Beschränkung der Vollstreckung rechtfertigt, noch nicht erkennbar oder nicht nachweisbar war, während er nunmehr hervorgetreten ist und glaubhaft gemacht werden kann.