BGH · X ZB 8/76 vom 21.06.1977
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Oktober 1972 beim Deutschen Patentamt eingereichten Patentanmeldung P 22 51 468.7-22 die Erteilung eines Patents mit der Bezeichnung "Verfahren und Einrichtung zur Verbesserung des Wirkungsgrades von Antrieben für Wasserfahrzeuge" beantragt. Februar 1973 teilte die Prüfungsstelle für Klasse 65 h 1/28 der Antragstellerin mit, daß "der Gegenstand des Hauptanspruchs als auch zu dem mindesten der Ansprüche 2 und 3" Gegenstand eines im Jahre 1969 erteilten Geheimpatents sei; der Hauptanspruch sei somit "vorweggenommen und Die Antragstellerin hat daraufhin beantragt, ihr Einsicht in die Akten des Geheimpatents zu gewähren, und zugleich zwei Personen namhaft gemacht, die als ihre Vertreter zur Bearbeitung von Geheimsachen der Geheimhaltungsgrade "VS-Vertraulich" und "Geheim" ermächtigt seien. Gegen diesen Beschluß hat die Antragstellerin Beschwerde eingelegt mit dem Antrag, den angefochtenen Beschluß aufzuheben und der Antragstellerin Einsicht in die Unterlagen (Beschreibung, Patentansprüche und gegebenenfalls Zeichnungen) des Geheimpatents zu gewähren. Das Bunde spa t ent gericht hat nach Anhörung der Antragsgegnerin, die erst im Beschwerdeverfahren von dem Akteneinsichtsbegehren der Antragstellerin Kenntnis erhielt, jedoch keinen Antrag zur Beschwerde der Antragstellerin gestellt hat, den angefochtenen Beschluß aufgehoben und der Antragstellerin Einsicht in die dem Geheimpatent 1 531 746 zugrunde liegenden Patentansprüche 1 bis 9 und in das Zeichnurigsblatt mit den Figuren 1 und 2 mit der Maßgabe gewährt, daß nur bestimmte Personen persönlich Einsicht nehmen können, die im Zeitpunkt der Einsichtnahme zu dem Umgang mit Verschlußsachen des Geheimhaltungsgrades "VS-Vertraulich" ermächtigt sind. Gegen den Ausschluß der dem Patent 1 531 746 zugrunde liegenden Beschreibung von der Akteneinsicht wendet sich die vom Beschwerdesenat zugelassene Rechtsbeschwerde der Antragstellerin, die beantragt, den angefochtenen Beschluß aufzuheben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Bundespatentgericht zurückzuverweisen. Das seien die dem Geheimpatent zugrunde liegenden Ansprüche 1 bis 9 und das Zeichnungsblatt mit den Figuren 1 und 2, die zur Überprüfung der Frage, ob die Bedenken des Deutschen Patent amts richtig seien, keiner näheren Erläuterung durch die Beschreibung bedürften. a) Zutreffend geht das Bundespatentgericht davon aus, daß der Umfang der der Antragstellerin in Anerkennung eines besonderen schutzwürdigen Interesses zu gewährenden Akteneinsicht durch den Zweck bestimmt wird, den die Antragstellerin mit ihrem Akteneinsichtsbegehren verfolgt, und daß bei der hierbei erforderlichen Prüfung ein strenger Maßstab anzulegen ist. Dieser Ausgangspunkt der Überlegungen des Patentgerichts steht mit dem Ausnahmecharakter der Vorschrift des § 24 Abs.3 Satz 4 PatG im Einklang, wonach in Akten von Patenten, bei denen gemäß § 30 a PatG Jede Bekanntmachung unterbleibt, Einsicht nur gewährt werden kann, wenn und soweit das besondere schutzwürdige Interesse des Antragstellers die Gewährung der Einsicht geboten erscheinen läßt und hierdurch eine Gefährdung des Wohls der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder nicht zu erwarten ist. meldung nach § 4 Abs. 2 PatG als schutzhindernd entgegengehalten wird, einerseits notwendig, andererseits aber auch ausreichend sind, um dem Akteneinsicht begehrenden Patentanmelder die Beurteilung der Übereinstimmung des älteren Rechts mit dem Gegenstand seiner jüngeren Anmeldung zu ermöglichen. b) Bei der Beurteilung dieser Frage ist das Bundespatentgericht im vorliegenden Fall zu dem Ergebnis gelangt, daß es zur Überprüfung der Frage, ob die aus § 4 Abs. 2 PatG hergeleiteten Bedenken der Prüfungsstelle gegen die Patentfähigkeit des Anmeldungsgegenstandes berechtigt sind, genügt, wenn die Antragstellerin lediglich Kenntnis von den dem Geheimpatent zugrunde liegenden Patentansprüchen 1 bis 9 und von dem Zeichnungsblatt mit den Ausführungszeichnungen 1 und 2 erhält, und daß es hierzu einer weiteren Erläuterung durch die Beschreibung nicht bedarf.Mit diesen Ausführungen hat das Patentgericht zu dem Ausdruck gebracht, daß die für die Identitätsprüfung maßgeblichen Umstände, zu denen auch die Aufgabe und die Lösung der technischen Lehre des Geheimpatents gehören, bereits dem Wortlaut der genannten Ansprüche und dem Inhalt der genannten AusführungsZeichnungen zu entnehmen sind, so daß die Antragstellerin schon auf Grund der hierauf beschränkten Akteneinsicht in der Lage ist nachzuprüfen, ob die Ansprüche 1 bis 3 ihrer Patentanmeldung mit Rücksicht auf das ältere Geheimpatent noch einem Patentschutz zugänglich sind. 3. Sollten sich nach Einsichtnahme in die genannten Ansprüche und Zeichnungen des Geheimpatents durch die Antragstellerin neue Gesichtspunkte ergeben, die ernstliche Zweifel daran aufkommen lassen, ob die Identitätsfrage von der Prüfungsstelle des Deutschen Patentamts zutreffend beurteilt worden ist, bleibt es der Antragstellerin unbenommen, unter Hinweis auf solche Zweifel darzulegen, in welcher Richtung sie eine weitere Aufklärung über den Inhalt der Unterlagen des Geheimpatents für notwendig erachtet.