BGH · X ZB 15/96 vom 16.09.1997
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Die Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) als solche eröffnet die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde nach § 100 Abs. 3 PatG 1981 nicht. Daran ändert auch nichts, daß diese Rüge im Markenrecht gegen Beschlüsse der Marken-Beschwerdesenate des Bundespatentgerichts ausdrücklich neu eingeführt worden ist. Die gegen die Entscheidung des Deutschen Patentamts eingelegte Beschwerde ist durch Beschluß des Bundespatentgerichts in der mündlichen Verhandlung vom 20. Gegen diese Entscheidung richtet sich die nicht zugelassene Rechtsbeschwerde der Einsprechenden, mit der sie die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und die Zurückverweisung der Sache an das Bundespatentgericht begehrt. Die nicht zugelassene Rechtsbeschwerde ist zulässig, da sie darauf gestützt wird, daß ein Beteiligter im Verfahren nicht nach den Vorschriften des Gesetzes vertreten gewesen und der angefochtene Beschluß nicht mit Gründen versehen sei (§ 100 Abs. 3 Nrn. 3 u. Im Hinblick darauf kann die Verhinderung eines von der Rechtsbeschwerdeführerin als Sachverständiger hinzugezogenen (weiteren) technischen Beistands nicht einen Vertretungsmangel im Sinne des § 100 Abs. 3 Nr. 3 PatG begründen (Einzelheiten im übrigen hierzu bei Benkard, PatG/GebrMG, 9. Die Rechtsbeschwerde verkennt nicht, daß das Beschwerdegericht in der angefochtenen Entscheidung zu allen maßgeblichen Punkten Stellung genommen hat, die selbständig einen Widerruf des Patents hätten rechtfertigen können und die deshalb einer besonderen Begründung bedurften (grundsätzlich hierzu BGHZ 39, 333 ff. Die Rechtsbeschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang lediglich geltend, das Beschwerdegericht habe ihrem Antrag, den Termin zu verlegen, um dem von ihr benannten Sachverständigen ein Erscheinen zu ermöglichen, nicht entsprochen. Darin läge aber nach der ständigen Rechtsprechung des Senats kein Begründungsmangel im Sinne des § 100 Abs. 3 Nr. 5 PatG, selbst dann nicht, wenn die Nichtberücksichtigung eines Beweismittels nicht begründet wird (hierzu BGH GRUR 1965, 273, 274; BGH GRUR 1974, 3. Ohne Erfolg beruft sich die Rechtsbeschwerdeführerin auf eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne des Art. 103 Abs. 1 GG. Abgesehen davon, daß § 100 Abs. 3 PatG die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht als Rechtsbeschwerdegrund aufführt und eine darauf gestützte Rüge als solche noch nicht die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde eröffnet (dazu unten zu 4.), hat das Beschwerdegericht den Anspruch der Rechtsbeschwerdeführerin auf rechtliches Gehör auch nicht verletzt. Vor allem liegt in der Ablehnung eines Verlegungsantrages hier kein Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG (BVerfGE 14, 195, 196), zu demal die Rechtsbeschwerdeführerin durch einen bevollmächtigten Patentanwalt und weitere technische Beistände vertreten war und kein plausibler Grund für die Verhinderung des weiteren Sachverständigen geltend gemacht wurde. Im übrigen hatte die Rechtsbeschwerdeführerin die - von ihr auch wahrgenommene - Möglichkeit, die Auffassung ihres privaten Sachverständigen schriftlich in das Verfahren einzuführen oder, wie es das Bundesverfassungsgericht in jenem Fall gesehen hat, einen anderen zu beauftragen, der den Termin wahrnehmen konnte. 4. a) Die Verletzung des rechtlichen Gehörs allein eröffnet nach der ständigen Rechtsprechung des Senats die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde im patentgerichtlichen Verfahren nicht (Beschl. Daß die Fachgerichte bei der Verletzung des rechtlichen Gehörs ein Rechtsmittel darüber hinaus auch dort eröffnen müßten, wo die gesetzliche Regelung dafür keine Grundlage bietet, läßt sich diesem Grundsatz nicht entnehmen. Im patentgerichtlichen Verfahren hat der Gesetzgeber bewußt davon abgesehen, die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde auch bei einer Verletzung des rechtlichen Gehörs generell zu eröffnen. b) Diese Rechtslage hat auch dadurch keine Änderung erfahren, daß der Gesetzgeber die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs gemäß § 83 Abs.3 Nr. 3 MarkenG durch Art. 1 des Markenrechtsreformgesetzes (MRRG) vom 25. Oktober 1994 (BGBl. I, 3082, 3101, 3117 = BlPMZ 1994, Sonderheft) nunmehr für die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde gegen Beschlüsse der Marken-Beschwerdesenate des Bundespatentgerichts ausdrücklich zugelassen hat. Daraus läßt sich im Gegensatz zu der Auffassung der Rechtsbeschwerde kein allgemeiner Grundsatz ableiten, der über den Bereich des Markenrechts hinaus Bedeutung für das patentgerichtliehe Verfahren haben könnte, weil der Gesetzgeber einerseits durch die Einfügung der Rügemöglichkeit, "daß einem Beteiligten das rechtliche Gehör versagt war", in das Markengesetz von sich aus klar zu dem Ausdruck gebracht hat, daß diese Rüge nicht bereits von den bisher im Gesetzestext des § 100 Abs. 3 PatG enthaltenen der Nichtvertretung im Verfahren oder der Nichtbegründung des Beschlusses mitumfaßt war, andererseits selbst bewußt davon abgesehen hat, eine entsprechende Rügemöglichkeit auch in den § 100 Abs. 3 PatG zu übernehmen, obwohl er durch Art. 13 Abs. 1 MRRG ebenfalls Änderungen am Patentgesetz vorgenommen hat. c) Bei dieser Sachlage ist der Senat an den deutlich erkennbaren gesetzgeberischen Willen gebunden und kann nicht seinerseits über die klare Gesetzesformulierung, wonach es sich bei dem Katalog des § 100 Abs. 3 Nrn. 1 bis 5 PatG um eine abschließende und erschöpfende Aufzählung handelt, hinaus- bzw. hinweggehen und seinerseits nunmehr die Rüge des rechtlichen Gehörs, weil es sich um eine zweifellos grundlegende Verfahrensregel mit Verfassungsrang, sozusagen ein "prozessuales Urrecht des Menschen" (BVerfGE 70, 188) handelt, für die Statthaftigkeit der zulassungsfreien Rechtsbeschwerde ausreichen lassen. Zum anderen hält die Rechtsprechung übereinstimmend daran fest, daß dort, wo die Statthaftigkeit eines Rechtsmittels von Gesetzes wegen entweder nicht vorgesehen oder limitiert ist, also von der Erfüllung enumerativ aufgezählter Erfordernisse abhängig gemacht wird, die Rüge des rechtlichen Gehörs kein zusätzliches, übergesetzliches Rechtsmittel oder keinen weiteren Zulassungsgrund eröffnet (BGH, Beschl. Infolge der Grundentscheidung des Gesetzgebers, die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde nicht auch bei einer Verletzung des rechtlichen Gehörs generell zu eröffnen, ist der Senat, wie er in ständiger Rechtsprechung zu dem Ausdruck gebracht hat (Beschl. 442 m.w.N.), zugleich weiter gehindert, diese klare gesetzliche Vorschrift durch eine von Wortlaut und Sinn nicht mehr getragene Interpretation des § 100 Abs. 3 Nr. 5 PatG für die Eröffnung der zulassungsfreien Rechtsbeschwerde zu unterlaufen.