BGH · X ARZ 1104/97 vom 08.10.1997
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Hat das für das Mahnverfahren zuständige Gericht den Rechtsstreit an das Prozeßgericht abgegeben, so ist dieses für den Erlaß des Vollstreckungsbescheids zuständig, wenn gegen den Mahnbescheid schriftlich Widerspruch eingelegt worden ist. Es kommt nicht darauf an, ob die Einlegung des Widerspruchs sich bei nachträglicher Prüfung als unwirksam erweist, wenn das Mahngericht nach dem äußeren Erscheinungsbild von einer wirksamen Einlegung des Widerspruchs ausgehen durfte. Das Amtsgericht Osnabrück hat sich deshalb auf den Standpunkt gestellt, es sei nunmehr ein Vollstreckungsbescheid zu erlassen, wofür jedoch das Amtsgericht Hagen als Mahngericht zuständig sei, da die Voraussetzungen für eine Abgabe nach § 696 Abs. 1 Satz 1 ZPO nicht vorlägen. Das Amtsgericht Hagen wiederum hält sich für unzuständig, weil der Rechtsstreit bereits an das Prozeßgericht abgegeben worden sei und nunmehr dieses gemäß § 699 Abs. 1 Satz 3 ZPO den Vollstreckungsbescheid zu erlassen habe. Da der Rechtsstreit bereits an das im Mahnbescheid angegebene Prozeßgericht abgegeben worden war, ist dieses Gericht gemäß § 699 Abs. 1 Satz 3 ZPO grundsätzlich für den Erlaß des Vollstreckungsbescheids zuständig. Ob dies auch dann gilt, wenn eindeutig erkennbar überhaupt kein Widerspruch eingelegt wurde und die Abgabe damit objektiv unter offensichtlichem Verstoß gegen § 696 Abs. 1 Satz 1 ZPO erfolgt ist (so wohl Thomas/Putzo, ZPO, 20. Jedenfalls dann, wenn das Mahngericht nach dem äußeren Erscheinungsbild von einem wirksamen Widerspruch ausgehen durfte und deshalb den Rechtsstreit zur Durchführung des streitigen Verfahrens an das Prozeßgericht abgegeben hat, tritt die Ist dies der Fall, kann es den Rechtsstreit gemäß § 696 Abs. 1 Satz 1 ZPO zur Durchführung des streitigen Verfahrens an das im Mahnbescheid bezeichne-te Prozeßgericht abgeben, das dadurch gemäß § 699 Abs. 1 Satz 3 ZPO auch für den Erlaß des Vollstreckungsbescheids zuständig wird; es kommt nicht darauf an, ob die Einlegung des Widerspruchs sich bei nachträglicher Prüfung als unwirksam erweist, wenn das Mahngericht nach dem äußeren Erscheinungsbild von einer wirksamen Einlegung des Widerspruchs ausgehen durfte.