BGH · XII ZR 38/92 vom 08.04.1992
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Gebühren eines Rechtsanwalts, der seine Kanzlei in den alten Bundesländern hat und einen in den neuen Bundesländern oder Ostberlin wohnhaften Beteiligten vertritt, sind nur dann um 20% zu ermäßigen, wenn er vor Gerichten oder Behörden tätig wird, die ihren Sitz in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) haben (Aufgabe der Senatsbeschlüsse vom 1. Auf die Erinnerung von Rechtsanwalt Dr. Schott wird unter Abänderung der Anordnung des Urkunds-beamten der Geschäftsstelle vom 23, Juni 1993 die aus der Bundeskasse zu gewährende Vergütung auf 1.981,45 DM festgesetzt. Dagegen hat der Rechtsanwalt Erinnerung eingelegt und die Abrechnung auf 1.981,45 DM berichtigt. Die genannte Bestimmung des Einigungsvertrages lautet: "Die Gebühren ermäßigen sich in gleicher Weise (um 20 vom Hundert), wenn ein Rechtsanwalt vor Gerichten oder Behörden, die ihren Sitz in dem in Art. 1 Abs. 1 des Vertrages genannten Gebiet haben, im Auftrag eines Beteiligten tätig wird, der seinen Wohnsitz oder Sitz in dem in Art. 3 des Vertrages genannten Gebiet hat." Eindeutig erfüllt ist hier die Voraussetzung, daß Auftraggeber des Rechtsanwalts ein Beteiligter ist, der seinen Wohnsitz in dem in Art. 3 des Vertrages genannten Gebiet hat; denn der Beklagte wohnt in Ost-Berlin, und Art. 3 des Einigungsvertrages umschreibt das Gebiet der ehemaligen DDR unter Einschluß von Ost-Berlin. Die in den eingangs genannten Senatsbeschlüssen im Anschluß an Hansens (AnwBl 1991, 24, 27 f) vertretene Ansicht, daß diese Formulierung das Gebiet aller Bundesländer umschreibt, kann, wie bereits das Kammergericht (DtZ 1993, 152) überzeugend dargetan hat, im Hinblick auf den Sprachgebrauch des Einigungsvertrages in anderen Bestimmungen nicht aufrechterhalten werden. III Nr. 13 Buchst, c des Einigungsvertrages, der lautet: "Solange das jeweilige Land keine Bestimmung über die zuständigen Registergerichte getroffen hat, werden in dem in Art. 1 Abs. 1 des Vertrages genannten Gebiet die Handelsund Genossenschaftsregister von den Kreisgerichten, in deren Bezirk das Bezirksgericht seinen Sitz hat, für das Gebiet des Bezirksgerichts geführt." Das "in Art. 1 Abs. 1 des Vertrags genannte Gebiet" umschreibt somit das Gebiet der neuen Bundesländer mit Ausnahme von Berlin. Daß dies nicht hinreichend im Einigungsvertrag selbst zu dem Ausdruck gekommen sei, wie der Senat in den eingangs genannten Beschlüssen angenommen hat, kann nach dem Vorangegangenen nicht aufrechterhalten werden. Nach allem ist der Erinnerung stattzugeben, weil Rechtsanwalt Dr. Schott nicht vor einem Gericht tätig geworden ist, das seinen Sitz im Gebiet der neuen Bundesländer hat.