BGH · XII ARZ 3/95 vom 29.03.1995
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Voraussetzungen für eine Zuständigkeitsbestimmung nach § 36 Nr. 6 ZPO liegen nicht vor, da weder das Amtsgericht Memmingen seinen Beschluß vom 26. - mit dem es sich für örtlich unzuständig erklärt und den Rechtsstreit an das Amtsgericht Varel verwiesen hat - noch das Amtsgericht Varel seine Verfügung vom 2. - mit der es die Übernahme des Verfahrens abgelehnt hat -den Parteien zur Kenntnis gebracht hat. Das Amtsgericht Varel ist an den - nach Eintritt der Rechtshängigkeit und Gewährung des rechtlichen Gehörs ordnungsgemäß ergangenen - Verweisungsbeschluß des Amtsgerichts Memmingen vom 26. Da die Parteien keinen gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt haben (§ 606 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und keiner von ihnen bei Eintritt der Rechtshängigkeit seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Bezirk des Amtsgerichts Wennigsen hatte, in dem sie ihren gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt zuletzt hatten (S 606 Abs. 2 Satz 1 ZPO), bestimmt sich die Zuständigkeit für das Scheidungsverfahren danach, wo der Antragsgegner mit den gemeinsamen minderjährigen Kindern oder, falls diese ihren gewöhnlichen Aufenthalt bei den Großeltern in Italien haben sollten, der Antragsgegner allein bei Eintritt der Rechtshängigkeit seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort (im Inland) hatte (§ 606 Abs. 1 Satz 2 bzw. September 1994 in M0H zugestellt worden ist, wird für die Ermittlung des zuständigen Gerichts zu klären sein, seit wann er sich zu jener Zeit für "die Sommersaison" in gehalten, und ob er diesen Ort für längere Zeit und nicht nur vorübergehend, ggf.auch nur für den größeren Teil des Jahres (nach dem Vortrag der Antragstellerin von Februar bis Oktober), zu dem tatsächlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt seines Daseins gemacht hat. Bei einer seit mehreren Jahren ausgeübten Tätigkeit in einem Eiscafä, die sich jeweils von (etwa) Februar bis Oktober des Jahres hinzieht, dürfte dies entgegen der von dem Amtsgericht Memmingen in dem Verweisungsbeschluß vom 26. dazu Zöller/Phi-lippi aaO § 606 Rdn. 20 a.E.), dann bestimmt sich die Zuständigkeit für das Scheidungsverfahren nach dem gewöhnlichen Aufenthaltsort der Klägerin in Varel.