BGH · V ZR 6/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Kläger waren früher Pächter des im Kreise Warburg in Westfalen gelegenen Gutes a|HSHHi» Bas Pachtverhältnis endete am 24» Juli 1958, Der übergäbe des Gutes an den Beklagten als neuen Pächter wurden auf Grund einer Vereinbarung der Parteien die Bestimmungen des Pachtvertrages zwischen dem Herzog von cflP und den Eltern der klagenden Ehefrau vom 3o/l5« August 1938 (19« Mai 1927) zugrundegelegto Der Beklagte übernahm u0a, die auf den Feldern befindlichen, noch nicht geernteten Zuckerrüben, über die hierfür zu zahlende Vergütung bestimmt § 30 Abs, 2 des Pachtvertrages folgendes: Die Kläger hoben zunächst Zahlung weiterer 5 100 DIvl verlangt» Sie sind der Auffassung, daß ihnen nach § 30 Abs» 2 des Pachtvertrages der Durchschnittspreis zustehe, den die Zuckerfabrik WflU für die Ernte des Jahres 1958 tatsächlich gezahlt habe und der 7,50 DM je dz betrage» Im Falle, daß der Zuckerrübenbau fortgesetzt werden kann, soll auch das Haus- und HofInventar dem Herrn Pächter in dem Umfange abgenommen werden, wie eo nach dein Urteil der betreffenden Taxatoren für die Zuckerrübenwirtschaft entsprechend ist, mit Ausnahme jedoch sämtlicher nicht mehr zeitgemäße!' Bas Landgericht hat dem Zahlungsantrag in Höhe von 3 060 DU nebst Zinsen stattgegeben und im übrigen die Klage abgewiesen» Gegen dieses Urteil haben die Kläger Berufung eingelegt» Sie verlangen Zahlung weiterer 6 100 DM nebst Zinsen, weil ihnen für 5 100 dz Zuckerrüben auch die von der Zuckerfabrik gezahlte Frühleistungsprämie, die ebenfalls Teil des Kaufpreises sei, zustehe» Die Kläger haben ferner den Feststellungsantrag wiederholt und hilfs-weiso beantragt, den Beklagten zu verui'teilen, an sie für die bezeichneten Gegenstände einen durch das Gericht oder einen Sachverständigen zu ermittelnden Betrag zu zahlen» (3 0 146/59 LG Paderborn) vom 7» März 1961 die Ansicht vertreten, die Kläger könnten vom Beklagten alr Vergütung für die Zuckerrüben den von der Zuckerfabrik WflHH für die gesamte Zuckerrübenernto des Jahres 1958 gezahlten Durchschnittspreis, der unstreitig 7,50 DM 30 dz betrug, fordern« Es hat diese Auffassung jedoch im gegenwärtigen Rechtsstreit nach einer weiteren Beweisaufnahme nicht aufrecht erhalten« Das Berufungsgericht stellt fest, daß die Kläger sofort nach der Schätzung der Zuckerrübenernte durch die faxkommission am 13« Oktober 1958 die Bewertung der Zuckerrüben mit 6,75 DM je dz beanstandet haben und daß in der Sitzung der Taxkommireion vom 12« Februar 1959 alle zwischen den Parteien aus der Übergabe des Gutes noch bestehenden Streitigkeiten ausgeräumt werden sollten» Hinsichtlich der Zuckerrübenvergütung sei es gerade darum gegangen, ob die Kläger lediglich den damaligen Grundpreis von 6,75 DM je dz erhalten sollteno Der Begriff des Grundpreises sei den Klägern bekannt gewesen» Sie hätten auch gewußt, daß dieser Grundpreis 6,75 DM betragen habe» Der von der Zuckerfabrik V/flBI für die Srnte des Jahres 1958 gezahlte Durchschnittspreis habe in der Sitzung nicht zur Debatte gestanden» Hätten die Parteien diesen Durchschnittspreis oder sogar den gesamten Betrag, den der Beklagte von der Zuckerfabrik erhalten würde, als Vergütung vereinbaren wollen, 30 hätten sie das wegen des voraufgegangenen Streites über die Zuckerrübenvergütung nach der Überzeugung des Berufungsgerichts eindeutig zu dem Ausdruck gebracht» Die Kläger hätten nicht bewiesen, daß sie bei ihren Erklärungen einem rechtserheblichen Irrtum unterlegen gewesen seien» Die Parteien seien sich, so stellt das Qberlrndesgericht abschließend fest, in der Sitzung von 12» Pebruar 1959 darüber einig geworden, daß die Kläger olo Vergütung für die Zuckerrüben den Grundpreis von 6,75 DM je dz und für den Pall einer Erhöhung dieses Grundpreises den Mehrpreis erhalten sollten» Ein Anspruch auf die Anfuhrvergütung und die Früh-lei stungspräinie stehe den Klägern nicht zu» In den bei der Schätzung berücksichtigten Werbekosten sei nach der Klarstellung durch die Taxkommiseion vom 11» Juli 1959 die Anfuhr der Zuckerrüben zur Fabrik nicht enthalten, so daß die Vergütung hierfür dem Beklagten verbleibe» b) Die Einwendungen der Revision hiergegen sind nicht begründeto Die Feststellung des Berufungsgerichts, daß die Parteien am 12 » Februar 1959 eine Vereinbarung über die für die Zuckerrüben zu zahlende Vergütung getroffen haben, ist für das Revisionsgericht bindend, es cei denn, daß sie auf einem Rechtsverstoß beruht, was jedoch nicht der Fall isto Der Grundpreis, den die Taxkommission der Bewertung der Zuckerrübenernte zugrunde gelegt hat, war der für das Gebiet der Bundesrepublik festgesetzte Preis von 6,75 DM je dz Rüben mit einem Zuckergehalt von 15,5 Bei einem höheren oder niedrigeren Zuckergehalt wurden Zuschläge oder Abschläge gemacht, so daß sich für jeden Lieferanten - je nach dem Zuckergehalt der Rüben - ein unterschiedlicher Preis ergab» Diese Art der Preisberechnung war den Parteien bekannt» Bei dem Durchschnittspreis, den die Zuckerfabrik Warburg nach Beendigung der Ernte des Jahres 1958 mit 7,50 DM je dz bekannt gegeben hat, handelt es sich um einen Preis, der sich bei Berücksichtigung der gesamten Rübenlieferungen und der hierfür gezahlten Preise in Durchschnitt ergab» Gegenstand der Entscheidung im Vorprozeß war ein Anspruch der Kläger auf Auskunftserteilung über die Abrechnungen des Beklagten mit der Zuckerfabrik über die Lieferungen im Jahre 1958» Das Oberlandesgericht hat in diesem Prozeß auf Grund der damals durchgeführten Beweisaufnahme eine von den Bestimmungen des Pachtvertrages abweichende Vereinbarung der Parteien nicht festzustellen vermocht» Es war auf Grund der Tatsache, daß im Zeitpunkt des Abschlusses des Das Berufungsgericht war im gegenwärtigen Rechtsstreit an die im Vorprozeß vertretene Auffassung nicht gebundene Es war nicht gehindert, den Sachvez'halt anders als im Vorprozeß zu würdigem Die Kläger haben 3ich mit der Verwertung der früheren Beweisaufnahme einverstanden erklärt und eine erneute Vernehmung der damals gehörten Zeugen nicht beantragt» Ob sie dabei von dem Gedanken ausgegangen sind, das Berufungsgericht werde iui gegenwärtigen Rechtsstreit zu dem gleichen Ergebnis wie im Vcrprozeß gelangen, ist für die Beurteilung ohne rechtliche Bedeutung» Ein Verstoß gegen § 139 ZPO kann entgegen der Meinung der Revision nicht darin erblickt werden, daß das Oberlandesgericht die Kläger nicht auf die Möglichkeit einer anderen Würdigung des Sachverhalts hingewiesen hat, ohne daß es entscheidend darauf ankommt, daß der klagende Ehemann nach der Feststellung des Berufungsgerichts bei der neuen Beweisaufnahme zugegen war und den Aussagen der vernommenen Zeugen nicht widersprochen hat» Das von der Revision angeführte Urteil des IIo Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 26» September 1963 (II ZR 138/61, LM ZPO § 398 Kr» 2) trifft auf den vorliegenden Fall nicht zu» In diesem Urteil Die Frage, ob die Taxkommission nach § 30 Abs* 2 des Pachtvertrages etwa lediglich die Zuckerrübenernte zu schätzen hatte und ob sie überhaupt befugt war, die Höhe der hierfür zu zahlenden Vergütung festzusetzon, kann offen bleiben, da die Parteien eine von den Bestimmungen des Pachtvertrages abweichende Vereinbarung treffen konnten und nach der Feststellung des Berufungs-ger:chts auch getroffen haben* Infolgedessen bedarf es keiner Stellungnahme zu der Frage, ob die Taxkommission auf Grund der Bestimmungen des Pachtvertrages als Vergütung für die Zuckerrüben den Grundpreis einsetzen durfte<> Es stellt entgegen der Auffassung der Revision keinen Rechtsverstoß dar, daß das Oberlandesgericht nicht auf dio Tatsache oingegangen ist, daß die Taxkommission die Beanstandung der Kläger in der Verhandlung vom 11oJuli 1959 nicht mit dem Hinweis auf den am 12* Februar 1959 geschlossenen Vergleich zurückgewiesen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt hat, sie habe nach bestem Wissen und Gewissen unter Berücksichtigung des § 30 Abs» 2 des Pachtvertrages die Schätzung vorgenommen» Die Taxkommission hatte es für richtig gehalten, die Vergütung für die Kuben nach dem Grundpreis zu bemessen« Mit dieser Regelung haben die Parteien sich nach der Feststellung des Berufungsgerichts einverstanden erklärt« Gegen die Rechtswirksamkeit der Vereinbarung bestehen keine Bedenken» Bei der Berechnung der an den Beklagten zu zahlenden Vergütung waren nach § 30 Abs» 2 des Pachtvertrages von dem Zuckerrübenpreis außer den Kulturkosten vom 25° Juli ab auch die Kosten der Ernte und der Abfuhr abzuziehen» Was das Berufungsgericht als Werbekosten im Sinne des § 30 Abs» 2 des Pachtvertrages angesehen hat, ist aus den Gründen des angefochtenen Urteils zu entnehmen» Die Taxkommission, deren Schätzungen nach den übereinstimmenden Erklärungen der Parteien in der Verhandlung mit der Taxkommission vom 14° Juli 1958 endgültig und verbindlich sein sollten, hat die Werbekosten mit 20 von dem Rübenpreis in Abzug gebracht» Sie hat im Protokoll vom 11» Juli 1959 klargestellt, daß in den von ihr berücksichtigten Werbekosten Mdie Aberntung der Zuckerrüben franco der nächsten Verladestelleu, dagegen nicht die Kosten der Anfuhr zur Zuckerfabrik enthalten aeieni letzteres sei Sache des Übernehmers» Das bedeutet, daß die Schätsung3kommission die Aufwendungen des Beklagten mit Ausnahme der Kosten für den Transport der Rüben zur Zuckerfabrik als Werbekosten behandelt hat» Das Oberlandesgcricht hat sich, wie die Begründung des angefochtenen Urteils ergibt, dieser Beurteilung ange- schlossen, ohne daß ihm insoweit ein Rechtsverstoß vorgeworfen werden konnte» Die Auffassung, daß die Transportkosten, die von der Zuckerfabrik erstattet wurden, dem Beklagten zustehen, wird auch durch die weitere Erwägung des Berufungsgerichts gestützt, daß, wenn der Beklagte die Rüben auf der Bahn verfrachtet hätte, die Zuckerfabrik die Frachtkosten an die Bahn gezahlt haben würde, so daß der Beklagte für die Anfuhr nichts erhalten hätte und auch nichts an die Kläger hätte) abführen können» Der Beklagte könne nicht deshalb schlechter gestellt werden, weil er die Rüben mit eigenen Fahrzeugen zur Fabrik geschafft und sich dadurch Mehrarbeit gemacht habe» Die Ansicht des Berufungsgerichts, daß den Klägern kein Anspruch auf die Anfuhrvergütung zustehe, ist somit nicht zu beanstanden« Das gleiche gilt für die Frühleistungeprämieo Ob diese Prämie als Teil des Kaufpreises anzusehen ist oder nicht, spielt für die Entscheidung keine Rolle» Die Frühleistungsprämie stellt eine besondere Vergütung dafür dar, daß dio Zuckerrüben schon zu einem frühen Zeitpunkt an die Zuckerfabrik geliefert werden« Ob diese Prämie gewährt wurde, hing allein von dem Beklagten ab, der den Klägern gegenüber zu einer frühzeitigen Anlieferung der Zuckerrüben nicht verpflichtet war» Streitig blieb, ob auch die in den Boxen befindlichen Tonschalen von der Schätzung erfaßt waren, Bas Berufungsgericht hat diese frage bejaht mit der Begründung, daß die Tonschalen nach der unwidersprochen gebliebenen Erklärung des Beklagten ein Teil der Boxen seien und deshalb die Vergütung für die Boxen gleichzeitig auch die Tonschalen mit erfaßt habe. Im übrigen geht das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum davon aus, daß eine allgemeine Verpflichtung des Beklagten, sämtliches Inventar des abziehenden Pächters zu Übernehmen, nicht bestand, daß vielmehr die Übernahme des Haus- und Hofinventaro in das Urteil der Taxatoren gestellt war» Nach dem Pachtvertrag war dem aufziehenden Pächter freigestellt, wieviele Pferde er übernehmen wollte. Unbegründet ist die Rüge der Revision, das Oberlandesgericht habe zu Unrecht die Behauptung der Kläger nicht berücksichtigt, daß die Taxkommission die streitigen Gegenstände nur deshalb nicht geschätzt habe, weil sie der irrigen Ansicht gewesen sei, diese Gegenstände gehörten nicht zu dem Inventar, sie seien vielmehr Bestandteil der Stallungen« Die Revision übersieht, daß die Taxkommission an 3« September I960 eine Nachschätzung vorgenommen hat und daß auch die Kläger im Schriftsatz vom 24* Juni 1963 eingeräumt haben, die Taxkommission habe auf Vorstellungen des klagenden Ehemannes die Stalleinrichtung für drei Pferde nachträglich geschätzt« Bei den übrigen Inventarstücken, auf die der Peststollungs-antrag sich bezieht, handelt es sich um Wassersteine, die nach der Feststellung der Schätzungskommission vom 3« September I960 wertlos waren«