BGH · V ZR 6/61 vom 16.02.1962
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der. Streitwert für die Revisionsinstanz wird auf 30 000 DM festgesetzt. Die Frage, ob für den Streit bei Klagen von oder gegen Miterben über Nachlaßgegenstände oder Nachlaßverbindlichkeiten der volle Wert des Klaggegenstandes oder nur ein der Erbquote1 der einen oder anderen Miterben entsprechender Teilwert zu Grunde zu legen ist, wird nicht einheitlich beantwortet. V/irtschaftliche Betrachtungsweise dagegen spricht für eine Ausrichtung des Streitwerts nach dem einen oder anderen Quotenwert, wenn sich das Interesse des Klägers hierin erschöpft. Aus2ugehen ist von dem allgemeinen Grundsatz des § 3 ZPO, der nach der Auslegung durch die Rechtsprechung auf das Interesse des Klägers und damit auf einen wirtschaftlichen Gesichtspunkt abstellt. Hiernach wird dort, wo nur § 3 ZPO anzuwenden ist, im allgemeinen auf den der Erbquote des Klägers entsprechenden bloßen Teilwert abgestellt; so bei der Klage zwischen Miterben auf Feststellung der Testamentsnichtigkeit oder einer von der Test ament sauslegung abhängigen Rechtsfolge (BGH LM ZPO § 3 Nr. 11), auf Feststellung der Wirksamkeit eines Pachtvertrags zwischen der Erbengemeinschaft und einem Dritten (Senatsbeschluß LM GKG § 10 Nr. 10), auf Feststellung der Ausgleichungspflicht (BGH LM ZPO § 3 Nr. 9)» auf Feststellung des Wegfalls der Hausverwaltungsbefugnis des Beklagten (Senatsbeschluß vom l*f. gegen einen Dritten auf Feststellung der Nichtigkeit eines Vertrags mit dem Dritten, sei es daß er vom Erblasser geschlossen wurde (Senatsbeschluß vom 13* Mai i960, V ZR 177/58). Kommt dagegen § 6 ZPO in Betracht, sei es nach seinem unmittelbaren V/ortlaut oder doch nach seinem Sinn, so wird in der Regel auf Grund rechtlicher Betrachtungsweise der Vollwert als maßgebend angesehen; so insbesondere bei der Klage eines Miterben gegen einen Dritten auf Leistung zu dem Nachlaß nach § 2039 BGB (RGZ 1^9, 193; Senatsbeschluß vom 13- April 195*+, Allerdings macht die Rechtsprechung auch hier die einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise entsprechende Einschränkung, daß dann, wenn Beklagter aus § 2039 BGB ebenfalls ein Miterbe ist, der der Erbquote dieses Beklagten entsprechende Teilwert am Vollwert abgezogen wird (RGZ 156 , 263; Senatsbeschluß vom 13• Juni 1956» Den Streitwert einer Erbteilungsklage beraißt der Senat grundsätzlich nach dem uneingeschränkten Vollwert des Nachlasses, also weder nach dem bloßen Wert der Quote des Klägers noch unter Abzug des Werts der Quote des Beklagten (Senatsbeschluß vom 26. 1 § 6 ZPO, die grundsätzlich auch vom Kammergericht (Haus und 1 Wohnung 1950, *fr5*0 eingeräumt wird; die Erbteilungsklage richtet sich auf Abschluß eines Erbauseinandersetzungsvertrags, der den ganzen Nachlaß, nicht nur die Quote des einen odor andern Miterben umfaßt und jeden Erben zur Mitwirkung bei Verfügungen Uber sämtliche Nachlaßgegenstände im Ganzen, nicht über Teile von ihnen verpflichtet. Diese Streitwertbe-raessung entspricht auch derjenigen im Regelfall des gegenseitigen Vertrags, wo ebenfalls, der Voll wert der eingeklagten Leistung ohne Abzug des Wertes einer etwaigen Gegenleistung maßgebend ist (RGZ *f6, *f22$ 1**0, 3?8, 359)* Für die Zugrundelegung des Vollwerts spricht weiter, daß die sonst aufzuwer-fendo Frage, in welchem Teilumfang der Kläger oder Beklagte die bereits bei ihm befindlichen Nachlaßwerte wirtschaftlich behält, bei der Erbteilungsklage nur auf Grund der Einzelbetrachtung sämtlicher im Teilungsplan vorgesehener Rechtsveränderungen hinsichtlich aller einzelnen Nachlaßgegenstände beantwortet werden könnte, eine solche Prüfung aber unverhältnismäßig umständlich und aufwendig wäre; hierin liegt ein praktisch wesentlicher Unterschied zu dem bisher zu dem Teil abwei-ihend entschiedenen Fall der Klage auf Leistung eines - einzelnen Nachläßgegenstands, insbesondere eines Nachlaßgrundstücks (Kammergericht aaö; Hamburg OLG 9, *+9; für Vollwert auch in diesem Fall OLG Kiel JW 1932, 3^39; die vom OLG Hamburg aaO zitierte Entscheidung RG JW l893> 133 Nr. 1 betraf anscheinend den völlig anders gelagerten Fall von Bruchteilseigentum und jedenfalls die Zeit vor 1900).