BGH · V ZR 1/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Von den bisherigen Kosten des Verfahrens trägt die Klägerin lA-, im übrigen wird die Entscheidung über die Kosten dem Berufungsgericht übertragene Von Rechts wegen Tfttfcfltfimäi Dio Klägerin ist die Hutter der Beklagten- Durch notariellen Vertrag vom 3* Mai 1952 Ubertrug sie der Beklagten im Wege der Verfrühten Erbfolge den Grundbesitz Straße#, bestehend aus einem Hausgrundstuck nebst Hausgarten und Anteil an dem Osterbach. Sie hat geltend gemacht, es sei zwischen den Parteien vereinbart worden, daß die Klägerin ihr die übrigen Räume der ersten Etage gegen ein monatliches Entgelt von 150 DK zusätzlich weiterer 150 DM für die Überlassung von Mobiliar zur Ausübung ihres Pensionsbetriebes überlasse* Der von der Klägerin herausverlängte Teil der Parzelle 599/13 stehe ihr nicht zu, da es sich hierbei um den Hof raum mit Garage und Zufahrtsweg handle, die Klägerin aber nur Anspruch auf Nutzung eines Teils des Hausgartens habe* Sie hat ausgeführt, die Pension sei von ihr und der Beklagten gemeinsam betrieben worden« Dieses GesellschaftsVerhältnis habe sieV die'Klägerin, gekündigt. Das Berufungsgericht hält es auf Grund der Beweisaufnahme für erwiesen, daß die Parteien in der zweiten Hälfte des Jahres 195^ eine Vereinbarung getroffen haben, nach!*der;*:dle Klägerin der Beklagten gegen monatliche Zahlungen und andere Gegenleistungen die erste Etage des Hauses mit Ausnahme von zwei Zimmern zur Führung eines Pensionsbetriebes Überlassen habe« Es habe sich nach der Aussage des Zeugen Mönkemö11er und den Umständen um eine Vereinbarung auf lange Sicht gehandelt» Die Beklagte sei am 1* Mai 195^ wegen des Pensionsbetriebes, der also ihre Existenzgrundlage darstellen sollte, nach Bgp zurückgekehrt und habe erhebliche Schulden in Höhe von 17 000 DM übernommen» Wenn eich dann herausgestellt habe, daß die Parteien nicht harmonisch Zusammenarbeiten konnten, so habe es sich für die Beklagte nur darum handeln können, eine auf lange Dauer berechnete Regelung herbeizuführen» Das sei der Klägerin auch bekannt gewesen» Die Klägerin müsse sich daher, möglicherweise sogar auf imbegrenzte Zeit, jedenfalls aber noch auf mehrere Jahre an der Vereinbarung festhalten lassen, da die - zur Zeit der Entscheidung des Berufungsgerichts vergangenen - vier Jahre nicht ausreichten» Eine Änderung des Inhalts des dinglichen Wohnrechts sei nicht gegeben» Auch wenn der Berufungsrichter von einer Beschränkung der Ausübung des Wohnrechts spricht, ist dies kein Gegensatz zu seiner Auffassung über die schuldrechtliche Natur der Vereinbarung der Parteien, da diese Vereinbarung der Klägerin ein unmittelbares Bewohnen der Räume nicht mehr möglich machte, 2» Mit Recht wendet sich die Revision jedoch gegen die Annahme des Berufungsgerichts, der von ihm festgestellte Vertrag sei kein Mietvertrag, Bis zu der Vereinbarung vom Jahre 195** mögen die Beziehungen zwischen den Parteien einen anderen rechtlichen Charakter gehabt haben, etwa Gesellschaft, aber von der Vereinbarung an war der Kern ihrer rechtlichen Beziehungen die Überlassung der in Frage stehenden Räume gegen Entgelt, Damit sind die Erfordernisse des Mietvertrages erfüllt,und die Vereinbarung verliert die Eigenschaft eines solchen auch dadurch nicht, daß sie möglicherweise der Abwicklung eines vorher zwischen den Parteien bestehenden Gesellschaftsverhältnisses diente. Gegen die Rechtswirksamkeit eines Vertrages, durch den der Eigentümer selbst seine Sache von einem Nutzungsberechtigten mietet, bestehen keine Bedenken (RG JW 1906, *+36~^; V/arn-Hspr 1913 Nr« 315)« Die von der Beklagten vertretene Ansicht, es handle sich nur um einen vorübergehenden Verzicht der Klägerin auf einen Teil ihrer Befugnisse aus ihrem Wohnrecht, ist nach der vom Berufungsgericht für glaubhaft erachteten Aussage des Zeugen abzulehnen, zu demal da auch ein Teil des Inventars gegen Hhtgelt zur Benutzung überlassen wurde, was rechtlich überhaupt nur als Miete gekennzeichnet werden kann« Der Mietvertrag war nach den Feststellungen des Berufungsrichters für mehr als ein Jahr geschlossen, er hätte daher nach § 566 BGB der Schriftform bedurft, mangels ihrer galt er nur auf unbestimmte Zeit geschlossen« Daß die gesetzliche Kündigungsfrist nach § 565 BGB in Verbindung mit dem Gesetz über die Lockerung der Kündigungstermine bei Mietverhältnissen über Wohnraum vom 2k* März 1938 (RGBl I 306) längst abgelaufen ist, bedarf keiner weiteren Erörterung« Die Kündigung lag spätestens in der Klage» Die Sache bedarf nach dieser Richtung noch der Erörterung in der Tatsacheninstanz« Die Beklagte hat behauptet, die Klägerin habe sie veranlaßt, ihren gut bezahlten Beruf als Chefsekretärin aufzugeben und statt dessen den Pensionsbetrieb als Existenz zu schaffen, dieser Betrieb sei nur mit dem ersten Stock lohnend, sodaß ihr durch die Kündigung die Lebensgrundlage entzogen werde. Die Revision beanstandet zu Unrecht die Auslegung des Berufungsrichters zu Klageantrag 2, dieser beziehe sich nur auf die Mitbenutzung für die strittigen Räume, nicht aber auch auf die Mitbenutzung für die zwei stets im Besitz der Klägerin verbliebenen 2immer« Diese Beurteilung entspricht, der Darlegung der Klägerin im Schriftsatz vom 23- Juni 1958 So 3> daß der Klageantrag zu 2 im wesentlichen von dem Erfolg des Klageantrags zu 1 abhänge« Da jedoch über den Klageantrag zu 1 vom Tatrichter erneut entschieden werden muß, war das Berufungsurteil auch in diesem Punkt aufzuheben und die Sache zurückzuverweisen« Zum Klageantrag 3 führt das Berufungsgericht aus, die Klägerin habe nach dem Vertrage das Hecht zur Nutzung der östlichen Hälfte des Hausgartens. Es sei daher unwahrscheinlich, daß auch dieser Teil des Grundstücks mit seinen für die Führung des Pensionsbetriebs unentbehrlichen Einrichtungen von dem Begriff des Hausgartens habe erfaßt sein sollen« Die Klägerin müsse dafür den Beweis erbringen, die Aussage des Zeugen Notar spreche aber eher gegen sie« Cb es sich hier überhaupt noch um Tatsachenfeststellungen handelte (LM BGB § 133 Fa Nr« 1) oder nicht vielmehr um eine dem Beweis nicht zugängliche Auslegung, kann dahingestellt bleiben« Die Revision rügt, was nur für den ersten Fall in Betracht kommt, daß das Berufungsgericht die Möglichkeit der ParteiVernehmung nach § ¥f8 ZPO übersehen habe« Regelmäßig ist jedoch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (LM ZPO § Nr. 2) davon auszugehen, daß das Gericht den § ¥+8 ZPO kennt und sein Ermessen in dieser Richtung hat walten lassen.