BGH · V ZR 97/67 vom 24.04.1970
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BG-B § 251 Abs. 2 Kat ein Grundstückseigentümer unter Verstoß gegen ein Bauverbot und die Versagung der Baugenehmigung wegen Nichteinhaltung des Grenzabstandes ein Bauwerk, errichteti so kann dessen Beseitigung auch dann verlangt werden, wenn sie nur mit unverhältnismäßigen Aufwendungen möglich ist» Der .V* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 24. Noch bevor die Kläger ihre Grundstücke erworben hatten, hat der Beklagte auf seinem Grundstück mit Genehmigung der Baubehörde zunächst auf der Grenze zu dem Nachbargrundstück Nr. 209/1 ein Gebäude und sodann auf der Grenze zu dem Nachbargrundstück 209/2 einen Anbau an dieses Gebäude errichtet* Auf deren Rückseite auf dem Grundstück des Beklagten befinden sich ein Schuppen zur Lagerung von Öltanks sowie massive Stallungen für Geflügel und Hunde. Hilfsweise haben sie beantragt, den Beklagten zu dem Ausgleich der Wertminderung ihres Grundstücks zur Zahlung eines nach § 287 ZPO festzusetzenden Betrags nebst 4 $ Zinsen zu verurteilen. Mit dieser haben die Kläger ihr Begehren auf Beseitigung der niohtge-nobmigten Baulichkeiten weiterverfolgt und Verurteilung des Beklagten dahin beantragt,-die baupolizeilich genehmigten Baulichkeiten (des 1. Das Oberlandesgeriebt hat mit feilurteil die Berufung des Beklagten zurückgev/iesen und auf die Anschlußberufung der Kläger in Abänderung des Urteils des Xandgerichts den Beklagten verurteilt, die auf seinem Grundstück ohne baupolizeiliche Genehmigung errichteten Baulichkeiten in einer Gesamtlänge von 43540 m (zweigeschossiger Anbau des 3» Bauabschnitts und anschließende Mauer mit Anbau) von der mit den Klägern gome ins amen Grundstücksgrenze soweit zurü.ck-zusetzen* Ein Scbutzgesetz im Sinne dieser Vorschrift ist eine Rechtsnorm nach ständiger Rechtsprechung dann, v/enn sic - sei es auch neben dem Schutz der Gesamtheit — gerade dazu dienen soll, den Einzelnen oder einzelne Personenkreise gegen die Verletzung eines Rechtsguts zu schützen (33GHZ 12, 146, 143 mit weiteren Nachv/eisen) => Diese Voraussetzung hat das Berufungsgericht für die Vorschrift des § 25 der Hessischen Bauordnung uneingeschränkt jedenfalls in dem hier vorliegenden Ball für gegeben erachtet, in welchem dem Beklagten für sein drittes Bauvorhaben eine Bauerlaubnis -rechtskräftig versagt und für die von ihm errichtete 24auer mit Anbauten eine Bauerlaubnis überhaupt, nicht beantragt worden ist (vgl, auch'RGZ 87j 571 hinsichtlich der Bauordnung für das Herzogtum Braunschweig und OLG München HJW 1359, 541 hinsichtlich der Münchner Eauoranung)0 An diese Auslegung dos § 25 der Hessischen Bauordnung ist der Senat gebunden, weil der Geltungsbereich dieser Bauordnung sich nicht über den Bezirk des Berufungsgerichts hinaus erstreckt und die Bauordnung deshalb nicht revisibel ist (§ 549 ZPO; vgl, BGH VersB. d£ß ohne einen (nicht angefochtenen) Baubescheid nicht mit den Arbeiten begonnen werden darf, und die -Bestimmungen über den endgültigen Baubescheid angesehen werden können, Ist aber die Vorschrift des § 25 der Hessischen Bauordnung ein Schutsgesetz im.Sinne des § 823 Abs,, 2 BGB? daß die Verletzung dieses Schutzgesetzes den Klägern entgegen der Auffassung des Landgerichts nicht nur einen Anspruch auf Schadensersatz in Geld? die Auslegung des § 25 der Hessischen Bauordnung durch das Berufungsgericht für den Senat bindend ist, b) Soweit die Revision Verletzung des § 286 ZPO mit der Begründung rügt, das Berufungsgericht habe in seiner Entscheidung nirgends die Länge der einzelnen Bauabschnitte des Hauptgebäudes erwähnt, obwohl es , aus rechtlichen Gründen darauf ankommen dürfte, ist ihr entgegenzuhalten, daß das angefochtene feilurteil nur die ohne Genehmigung errichteten Baulichkeiten, also nur den Anbau des 35. Bauabschnitts und die anschließende Hauer mit Anbauten betrifft, diese Baulichkeiten aber nach dem Tenor des Berufungsurteils entsprechend dem Antrag der Kläger in der Berufungsinstanz eine Gesamtlänge von 43,40 m haben, c) Die Revision meint sodann, die Kläger hätten, dadurch gegen ihre aus dem nachbarlichen Gemeinschafts-Verhältnis sich ergebende Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme verstoßen, daß sie, nachdem der Beklagte die beiden ersten Bauabschnitte seines von vornherein in drei Bauabschnitten geplanten Hauptgebäudes und damit vier Fünftel des Gesaratprojekts mit ausdrücklicher Zustimmung seiner damaligen Rachbarn erstellt habe, für die Erstellung dos dritten Bauabschnitts ihre Zustimmung verweigert hätten, ohne daß dafür triftige Gründe ins Feld geführt werden konnten. Auch der von der Revision weiterhin her-vorgehobene Umstand, daß der Beklagte die den gesetzlichen Gfenzabstand von 2,50 m ebenfalls nicht ein-haltende Hauer beseitigen werde, ist 'in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung. d) Entgegen der Meinung der Revision entfällt die Verpflichtung des Beklagten zur Beseitigung der ohne baupolizeiliche Genehmigung errichteten Baulichkeiten auch nicht nach § 251 Abs. 2 BGB, wonach der Ersatzpflichtige den Gläubiger in Geld entschädigen kann, wenn die Herstellung des früheren Zustandes nur mit unverhältnismäßigen Aufwendungen möglich ist. clos § 251 'Abs- 2 BGB, daß der Beklagte, wie das Berufungsgericht in anderem Zusammenhang zutreffend ausführt, unter Verstoß gegen das Bouverbot .und die Versagung der Baugenehmigung wegen Nichteinhaltung des Grensabstendes seine Bauwerke errichtet, also vorsätzlich die Bebaüungsgrensen überschritten hat (BITS, 7/6)° Bei dieser Sachlage handeln die Kläger nicht gegen Treu und Glauben, wenn sie die Beseitigung der ohne baupolizeiliche Genehmigung errichteten Baulichkeiten verlangen»