BGH · V ZR 95/68 vom 08.01.1971
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 8. Die Klägerin erbrachte die Mietvorauszahlung nicht in bar, sondern rechnete im Einverständnis mit der Firma Albert KflBI KG ihre Bauleistungen an. Januar 1963 getroffenen Vereinbarung verzichtete die Klägerin zugunsten der Bausparkasse für den Fall der Zwangsverwaltung oder der Zwangsversteigerung oder der Pfändung des Mietzinses auf die Verrechnung der Mietvorauszahlung. 1. festzustellen, daß ihr Widerspruch gegen die Zuteilung des vorhandenen Bestandes aus der ZwangsVerwaltung begründet ist; Mit ihrer von dem Oberlandesgericht zugelassenen Revision verfolgt die Klägerin ihre Klageanträge weiter. Ent s che i dungsgründe Die Entscheidung des Rechtsstreits hängt davon ab, ob die Klägerin ihr Klagebegehren mit Erfolg auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stützen kann, nach welcher der Ersteher eines Grundstücks in der Zwangsversteigerung als Baukostenzuschuß geleistete Mietvorauszahlungen dann gegen sich gelten lassen muß, wenn durch die Zuschußleistung des Mieters ein sachlicher Wert geschaffen wird, der eine mindestens später sich auswirkende Besserstellung des späteren Eigentümers und der Gläubiger herbeiführt (BGHZ 15, 296; 37, 346; BGH MDR 1967, 297). Das Landgericht hat diese Frage mit der Begründung verneint, die Klägerin sei mit der Firma Albert KflHMi KG als ihrer Vermieterin wirtschaftlich so eng verflochten gewesen, daß ihr ein eigenständiges Interesse aus der vermögensrechtlichen Beziehung zwischen Mieter und Vermieter nicht zuzuerkennen sei. Es ist der Auffassung, daß es auf die aufgeführte Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hier deshalb nicht ankomme, weil die Klägerin nicht berechtigt gewesen sei, der Zuweisung der rund 12 000 DM an die Beklagten zu widersprechen. Nach § 9 Nr. 2 ZVG gilt zwar auch ein Mieter, dem das Grundstück auf Grund des Mietvertrags überlassen worden ist und der seine Ansprüche angemeldet hat, als Beteiligter am Zwangsversteigerungsverfahren. Widerspruchsberechtigt im Sinne des § 115 ZVG in Verb, mit §§ 876 ff ZPO ist jedoch nur ein Beteiligter, der ein Recht auf Befriedigung aus dem Erlös hat, aber durch das von einem anderen geltend gemachte Recht auf Befriedigung ganz oder teilweise verdrängt wird (RGZ 71» Ein solches Recht auf Befriedigung aus dem Grundstück hat der Mieter nicht; seine Stellung als Beteiligter gibt ihn nach § 59 ZVG nur die Möglichkeit, eine von den gesetzlichen Vorschriften abweichende Feststellung der Versteigerungsbedingungen zu beantragen (Steiner/Riedel aaO § 9 An. 10; Jaeckel/Güthe, ZVG 7. An dieser Rechtslage ändert sich nichts dadurch, daß, wie das Berufungsgericht entgegen der Meinung der Revision nicht übersehen hat, die den Beklagten zugewiesenen rund 12 000 DM keinen Versteigerungserlös, sondern den Überschuß aus der Zwangsverwaltung darstellten. Hiermiter fielen jedoch nicht die Klägerin als Mieterin, wohl aber die Beklagten, die nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 ZVG mit ihren dinglichen Rechten zu befriedigen waren. Entgegen der Meinung der Revision ergibt sich auch aus der in Frage stehenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kein Recht des Mieters auf Befriedigung aus dem Grundstück. Diese Rechtsprechung bezieht sich nicht auf die in § 10 ZVG abschließend geregelte Rangordnung der ein Recht auf Befriedigung aus dem Grundstück gewährenden Ansprüche, zu denen die des Mieters auch nicht gehören, sondern betrifft lediglich das Verhältnis des Mieters zu dem Ersteher und zwar derart, daß der Mieter, wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, entweder im Besitz und Gebrauch der gemieteten Räume bleiben kann, bis er seinen Zuschuß abgewohnt hat, oder bei vorzeitiger Kündigung seinen Zuschuß, soweit er noch nicht abgewohnt ist, von dem Ersteher zurückfordern kann (vgl. Die dinglich Berechtigten werden durch diese Rechtsprechung nur insoweit berührt, als, wie dem Berufungsgericht ebenfalls zu folgen ist, bei einer Zwangsverwaltung der im voraus geleistete und noch nicht abgewohnte Mietzins der Haftung für die Grundpfandrechte entzogen wird und bei einer Zwangsversteigerung die Grundpfandrechte einen Ausfall dadurch erleiden, daß unter Berücksichtigung der auf lange Zeit abzuwohnenden Finanzierungsbeiträge der Mieter entsprechend weniger geboten wird. läge kommt es entgegen der Meinung der Revision weder darauf an, ob die Voraussetzungen der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hier gegeben sind, noch darauf, wie der Umstand zu werten ist, daß die Klägerin während der Dauer der ZwangsVerwaltung auf die Verrechnung ihrer Mietzinsvorauszahlungen mit ihrer Mietzinsverbindlichkeit verzichtet hat. Da die Ausführungen des Berufungsgerichts auch im übrigen keinen Rechtsirrtum zu dem Nachteil der Klägerin enthalten, war deren Revision mit der Kostenfolge des § 97 ZPO zurückzuweisen.