BGH · V ZR 89/67 vom 13.03.1970
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Im Palle des Bestebenbleibens eines Rechts nach § 91 Abs« 2 ZVG vermindert sich der durch Zahlung zu berichtigende Teil des Meistgabots nicht nur um den Kapitalbetrag des Rechts9 sondern auch um die vom Zuschlag bis zur Erlösverteilung angefallenen Zinsen« Der Beklagte vereinbarte mit drei dem Kläger und dem Kaufmann Scbürbrock im Rang vorgebenden Grundpfandrechtsgläubigern daß deren Rechte nicht durch den Zuschlag erlöschen5 sondern bestebenbleiben sollten, In dem Verteilungstermin am 13« Oktober 1965 v/urden von dem Versteigerungserlös (auch) die Zinsen der bestehenbleibenden Grundpfandrechte für die Zeit vom 30, April 1965 bis zu dem 13, Oktober 1965 in Höbe von 26 384567 DM abgesetzt. Die Entscheidung des Rechtsstreits hängt von der Auslegung der Vorschrift des § 91 Abs» 3 Satz 1 ZVG ab, nach der im Palle des Abs» 2 dieser Vorschrift, wenn also das Bestehenbleiben eines Rechts zwischen dem Berechtigten und dem Ersteher vereinbart worden ist, sich der durch Zahlung zu berichtigende feil des Meistgebots um den Betrag vermindert, welcher sonst dem Berechtigten gebühren würdeo Diese Auslegung ist in Rechtsprechung und Schrifttum umstrittene Rach der einen Ansicht vermindert sich das Bargebot nur um den Kapitalbetrag des bestehenbleibenden Rechts (OLG Köln, OLG-Z 1966, 190; LG Bonn, HJK 1965, 2113; Zeller, ZVG 7o Auf I« § 91 Anm, 5 a; Korintenberg/lfenz, ZVG 6» Aufl. 4; Pöschl, BWNotZ 1958, 54) • Rach der anderen Ansicht vermindert sich das Bargebot nicht nur um den Kapitalbetrag des bestehenbleibenden Rechts, sondern auch um die vom Zuschlag bis zur Erlösverteilung anfallenden Zinsen (LG München I, Zeller aaO Zusatzband Die von dem Berufungsgericht gebilligte erste Ansicht3 nach der sich das Bargebot nur um den Kapital-betrag des bestehenbleibenden Rechts vermindert, geht davon aus? daß die nachträgliche Vereinbarung des Bestehenbleibens des Rechts auf den Zeitpunkt des Zuschlags zurückwirkt, das Recht also als nicht erloschen gilt« Hieraus wird gefolgert, daß der Berechtigte den aus dem Recht erwachsenen Zinsanspruch gegen den Ersteher außerhalb des Verteilungsverfahrens kraft seiner bestehengebliebenen dinglichen Berechtigung geltend machen kann und dieser Zinsanspruch deshalb mit dem Versteigerungserlös nichts zu tun. Bestehenbleibens des Rechts zugestanden hätte» Dazu gehört aber nicht nur der Kapitalbetrag des Rechts, sondern auch die aus ihm erwachsenen Zinsen» In Übereinstimmung damit heißt es schon in den Motiven zu dem Zv/angsversteigerungsgesetz: "Bie Zahlungspflicht des Erstehers v/ird in der Weise beeinflußt, daß der nach § 49 zu zahlende Teil des Meistgebots sich um den Betrag mindert, welchen der Berechtigte bei Verteilung des Erlöses zu erhalten hätte, v/enn das Recht gemäß § 91 Abs» 1 unterginge” (zitiert nach Jaeckel/Güthe aaO § 91 Anifl, 9)o Hinzu kommt, daß das Meistgebot unter den bekannt gegebenen Bedingungen, im vorliegenden Ball also unter der Bedingung des Erlöschens der drei dem Kläger und dem Kaufmann SfHHIH im Rang vorgehenden Grundpfandrechte abgegeben wurde und deshalb nicht mehr zu beseitigen ist» Die Vereinbarung des Bestehenbleibens eines Rechts nach § 91 Abs» 2 2VG betrifft deshalb auch aus diesem Grund nur das Verhältnis zwischen dem Ersteher und dem Gläubiger des erloschenen Rechts, während alle übrigen Beteiligten,und damit auch das Verhältnis des Erstehers zu den anderen Gläubigern, von einer solchen Vereinbarung unberührt bleiben (vgl» Drischler aaO)» Die Vereinbarung kann deshalb weder zu einer Benachteiligung des Erstebers, noch zu einer Begünstigung der anderen Gläubiger führen» Bas wäre aber der Ball, wenn hier der KÜäger und der Kaufmann SfHHHIB die mit der Klage geltend gemachter Zinsen der drei bestehenbleibenden Grundpfandrechte für die Zeit von der Erteilung des Zuschlags bis zu dem Verteilungstermin in Hohe von 26 384?67 Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts ist deshalb die Vorschrift des § 91 Abs* 3 Satz 1 ZVG dabin auszulegen, daß sich im Falle der Vereinbarung des Bestehenbleibens eines Rechts nach Abs, 2 dieser Vorschrift der durch Zahlung zu berichtigende feil des Meistgebots nicht nur um den Kapitalbetrag des Rechts, sondern auch um die vom Zuschlag bis zur Erlösverteilung angefallenen Zinsen vermindert 0 Daran vermögen auch die Ausführungen des Berufungsgerichts nichts zu änderno Richtig ist zv/ar, daß eine Vereinbarung über das Bestehenbleiben eines Rechts nach § 91 Abs, 2 ZVG rückwirkende Kraft hat (Steiner/Riedel aaO), die Übernahme des Rechts also rückwirkend vom Zuschlag an als erfolgt gilt. Die auf Zeller (aaO) gestützte Auffassung des Berufungsgerichts, die Verminderung des Bargebots nur um den Kapitalbetrag des bestehenbleibenden Rechts führe zwar zu einer Erhöhung des zu verteilenden Barerlöses zugunsten der übrigen Beteiligten, doch entfielen andererseits die diesen nach § 49 Abs, 2 ZVG zufließenden Zinsen aus dem gekürzten Betrag, so daß, wenn auch nicht ein rechnerisch genauer, so doch ein ungefährer Ausgleich zu errechnen sei, ist gegenstandslos o Denn die nachfolgenden Gläubiger erhalten, wenn von dem .Bargebot auch die Zinsen für die Zeit von der Damit entfällt auch die von dem Berufungsgericht aus seiner Auffassung gezogene Folgerung, die in Kauf zu nehmende Unmöglichkeit eines rechnerisch genau durchzuführenden Ausgleichs sei auch deshalb gerechtfertigt, weil die Vereinbarung über das Bestehenbleiben eines Rechts dem Ersteber dadurch zugute komme, daß er in Höhe der Haupt summe des übernommenen Rechts die Aufbringung von Bargeld erspare, vom Zuschlag an die Nutzungen des Grundstücks ziehe und das um die Hauptsumme verminderte Bargebot bis zur Erlösverteilung nur mit 4 % (§ 49 Abs, 2 ZVG in Verbindung mit § 246 BGB) zu verzinsen brauche. Dem Berufungsgericht kann schließlich darin nicht gefolgt werden, bei einer Kürzung des Bargebots auch um die seit dem Zuschlag bis zur Erlösverteilung angefallenen Zinsen des bestehenbleibenden Rechts würde der Ersteher ohne rechtfertigenden Grund auf Kosten der nachfolgenden Gläubiger um so besser dastehen, je mehr Zeit zwischen dem Zuschlag und dem Verteilungstermin verstreiche, Dem wird von der Revision mit Recht entgegengehalten, daß es nicht in der Hand des Erstehers liege, ob der Verteilungstermin dem Zuschlag schnell folge oder nicht, und daß der im letzteren Falle für den Ersteher sich ergebende Vorteil ihm kraft Gesetzes und deshalb nicht ohne Rechtsgrund zustehe. Da somit die Zinsen der drei bestehenbleibenden Grundpfandrechte für die Zeit vom 30« April 1963 bis zu dem 13a Oktober 1965 in Höhe von 26 384 ?67 DM nicht dem klagten zustehen, v/ar auf die Rechtsmittel des Beklagten unter Aufhebung des Urteils des Oberlandesgerichts und Abänderung des Urteils des Landgerichts die Klage abzuv/eisen.