BGH · V ZR 79/62
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Bo ist weiter in Aussicht genommen, daß die Eheleute wenn ihnen die Verhältnisse zu schwierig worden, wieder nach Westerholtsfelde zurückkehren, wo sie bereits nach dem Zusammenbruch 1 1/2 Jahre gelebt haben« Eine Verpflichtung in dieser Hinsicht soll nach beiden Seiten nicht begründet wordene Diese Regelung wii^d aber im Interesse beider Teile in Aussicht genommen, auch für den Fall, daß die Verhältnisse in der Landwirtschaft sich einmal so ungünstig entwickeln, daß es nicht möglich ist, einen Betrag von 1 ooo DM im Jahre aufzubringen« Nach dem Tode des Mannes gehen die sämtlichen Rechte ungeschmälert auf die Ehefrau Etm ^er °n Beim Abschluß dieses Vertrages waren die Vertragstoilo irrtümlich davon au3gegangen, daß dem Ehemann der Klägerin für die Darlehensfordcrung zwei Hypotheken von jo Io ooo RM an dem Grundbesitz des Beklagten bestellt worden seien« Der Beklagte blieb seit 1956 mit den ihm nach dem Vertrag oblio-gendön Zahlungen im Rückstand« Er ist durch rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 7. für er jährlich 6 67o DM an Zinsen habe zahlen müssen<> Wegen Mangels an Arbeitskräften habe er im Jahre 1961 seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ausnahme einer 3 ha großen Obstanbaufläche auf 6 Jahre verpachten müssen« Von dem Pachtzins, der für das erste Jahr 7 875 DM und für die folgenden Jahre jo 8 25o DM betrage, müsse er sämtliche Steuern und Abgaben bezahlen« Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Hof inventors habe er lediglich seine dringenden Wechselschulden tilgen und soino Bankschulden auf 76 ooo DM senken können» Seine wirtschaftlichen Verhältnisse seien inzwischen so schlecht geworden, daß soino Ehefrau sich gezwungen gesehen habe, eine Erwerbstätigkeit außerhalb seines Betriebes aufzunehmen» Seine Einnahmen reichten nur zur Deckung der laufenden Unkosten aus» Er sei deshalb nicht mehr in der Lage, sein Unterhaltsversprochen gegenüber der Klägerin zu erfüllen, ohne daß sein und seiner Pamilio Lebensunterhalt gefährdet werde» Zumindest sei die Klägerin verpflichtet, auf den Hof zurückzu-kehren und den Unterhalt in Natur entgegenzunehmen» Der Beklagte hat ferner behauptet, er sei beim Abschluß des Vertrags mit dem Ehemann der Klägerin darüber einig gewesen, daß seine UnterhaltsZahlungen aufhören sollten, sobald die Eheleute Hoyör nicht mehr auf diese Leistungen angewioson seien» Die Klägerin erhalte Ronton von ihren Schwestern sowie aus dem lastenaus-gloich und außerdem eine Altersrente, sodaß sie auch ohne seine Zahlungen ihren Lebensunterhalt bestreiten könne» I« Die Einrede des Notbedarfs (§ 519 Abs« 1 BGB), dio der Beklagte gegenüber den Klageanspruch erhebt, setzt voraus daß es sich bei dem Vertrag vom 11« Februar 1949 tim ein Sehen kungoversprcchen handelt« Nach Auffassung des Oberlandesgo-richts ist der Beklagte beweiopflichtig dafür, daß er das Ünterhaltovorsprechen schenkwoioe erteilt hat« Dio von der Revision erbetene Nachprüfung dey Frage der 3oweislast führt zu einer Bestätigung der Ansicht des Berufungsgerichts« Bs ist zwar richtig, daß der Kläger die Voraussetzungen des Klag anspruchs, wenn sie bestritten werden, beweisen muß« Macht, beispielsweise der Beklagte gegenüber dem Anspruch auf Rückzahlung eines Darlehens geltend, daß eino Schenkung vorliege, so leugnet er den Klagegrund, und der Kläger ist deshalb für das Vorliegen eines Darlehens beweispflichtig« Ein solcher Fall ist hier Jedoch nicht gegeben« Die Klägerin erhebt einen Anspruch, der auf den Vortrag vom 11. Die Revision weist zutreffend darauf hin, daß einer unentgeltlichen Leistung, die abgeschlossen der Vergangenheit angehört, nicht nachträglich durch Parteiveroin-barung die Eigenschaft der Entgeltlichkeit verliehen werden kann (vgl« BGB RGRK 11« Aufl« § 516 Anm«7)« Wollte man in der Übernahme der Unterhaltsverpflichtung durch den Beklagten eine Gegenleistung für den schenkv/eisen Erlaß der Darlehens schuld schon, so v/ürden damit Schenkung und Unterhalts-versprechen in das Vorhaltnis von Leistung und Gegenleistung gebracht« Dos ist rechtlich nicht möglich« In Wirklichkeit hat auch das Oberlandesgcricht, wie seine weiteren Ausführungen ergeben, in dür Ib^ mahne der Int erhalt sv or pf licht ung durch den Beklagten nicht eine Gegenleistung für eine Schenkung erblickt; denn, 30 führt das Berufungsgericht aus, nach dem Wortlaut des Vertrages sei dor Beklagte dio Verpflichtung zur Zahlung von Unterhalt nicht erst bei <3er Beurkundung des Vertrages vom 11., Februar 1949? sondern schon am 12,Februar 1948 Gingegangenr, als man 3ich noch nicht darüber klar gewesen sei, ob der Anspruch auf Rückzahlung des im Jahre 1926 gewährten Darlehens von 26 4oo RM bereits schenkwoiso erlassen worden soi0 V/enn somit der Schulderlaß erst gleichseitig mit der Übernahme der ünterhaltsverpflichtung erfolgt ist, so sind gegen die Auffassung;, daß das Unterhaltsvercprechen eine Gegenleistung für den Brlaß der Darlehensschuld gebildet habe, rechtliche Bedonken nicht zu erheben. Für die Annahme, das Oberlandoege-richt sei sich der unterschiedlichen Bedeutung von Gegenleistung und Beweggimnd nicht bewußt gewosen, liegen keine Anhaltspunkte vor, Da3 gleiche gilt für die Auffassung der Revision, der Beklagte habe' mit dem Unterhaltsversprechen lediglich eine sittliche Pflicht gegenüber seinem Onkel erfüllt. daß,wenn nur eine moralische Verpflichtung des Beklagten zur Unterhaltsgewährung bestanden hätte und die Vertragsschließenden hierüber einig gewesen wären, das Unterhaltovcroprechen nicht den Charakter einer entgeltlichen Zuwendung haben könnte. Gegen die Unentgeltlichkeit spricht, wie das Oberlandesgericht ohne Rechtsirrtun ausführt, der Wortlaut des Vertrages, in dem es heißt, daß der Onkel für sich und seine Ehefrau vom Beklagten den Lehensunterhalt verlangen könne. Das Berufungsgericht hat fliese Vertragsbestimmungi-offensichtlich dahin aufgofaßt, daß der Klägerin und ihrem Bhemann nach Ansicht der Verträgstoile oin Rechtsanspruch auf Unterhalt zustehe, Daß die Vertragsschließenden, wie dio Revision meint, nach Auffassung des Oberlandesgericht3 allenfalls darüber einig gewesen seien, daß keine rechtliche, sondern nur eine moralische Pflicht des Beklagten zur Unterhaltsgewährung Vorgelegen habe, trifft nicht zu, Bine solche Annahme kann entgegen der An- sicht der Revision nicht daraus hergeloitet worden, daß das Oberlandesgericht von einer Gegenleistung für die Schenkung der 26 4oo RM spricht; denn das Berufungsgericht hat, wie beroit3 ausgeführt, in Wirklichkeit das Unterhalts-Versprechen nicht als eine Gegenleistung für den schonkweisen Erlaß der Darlehensschuld angesehen« Bio Würdigung der Beweisaufnahme gibt zu einer rechtlichen Beanstandung keinen Anlaß, auch wenn das Berufungsgericht nicht auf alle Einzelheiten der Zeugenaussagen oinge-gangen ist« Dies gilt vor allem von der Bekundung der Zeugin Gertrud der Ehemann der Klägerin sei ein Kavalier alter Schule und sehr stolz gewesen, er habe darunter gelitten, daß er von anderen etwas annehmen mußte; diese Bekundung könnte eher für als gegen die Annahme sprechen, daß der Onkel einen Rechtsanspruch auf Unterhalt gegen seinen Neffen zu haben glaubte». Soweit die Revision die Würdigung der Aussage des Notars Tr«, DflHB beanstandet, handelt es sich um einen unzulässigen Angriff gegen die tatrichterliche Bewoicwürdi-gung0 Im übrigen ist es für die Entscheidung ohne Bedeutung, ob der Ehemann der Klägerin früher niemals geäußert hat, daß er vom Beklagten noch Geld bekomme, ob die Initiative zu dem Abschluß des Vertrages vom Beklagten ausgegangen ist und ob dieser irgendwelche steuerlichen Vortei'lo erwarteto« Ebensowenig kommt es darauf an, ob und in welcher Höhe im Zeitpunkt de3 Vertragsabschlusses dom Ehemann der Klägerin noch ein Anspruch auf Rückgewähr des Darlehens oder im Palle des 3chonk-weisen Erlasses der Darlehensschuld ein Anspruch aus § 528 Abs« 1 Satz 1 BGB zustande Auch wenn ein Rechtsanspruch auf Ünterhaltcgcwührung nicht gegeben war und der Beklagte der Ansicht gewesen sein sollte, daß für ihn nur eine sittliche Pflicht zur Übernahme der Unterhaltsleistungen bestanden habe, stellt daß Unterhaltsversprechen keine Schenkung der, wenn der Ehemann der Klägerin davon ausging, daß er vom Beklagten den Lebensunterhalt verlangen könne«, Die Einigung über die Unentgeltlichkeit dor Zuwendung fehlt, wenn auch nur ein Vertrags-teil al3 seine Meinung zu erkennen gegeben hat, daß auf die leistungen des Beklagten die Ansprüche, die dem Onkel kraft Gesetzes zustandcn, weit üborstiegen, kann von einer willkürlichen Bewertung von Leistung und Gegenleistung keine Redo sein,wenn man berücksichtigt, daß der Beklagte das von seinem Onkel erhaltene Geld zu dem Ankauf eines Hofes verwandt und damit wertbeständig angelegt hatte und die Beteiligten auch eine von den gesetzlichen Umstellungsvorschriften abweichende Umstellung der Ansprüche des Onkels hätten vereinbaren können» Jedenfalls fehlt 63 an einer Einigung über eine auch nur teilweise Unentgeltlichkeit do3 Unterhalt3versprechens5 wenn, wie da3 Oberlandesgericht ohne Rechtsirrtum annimmt, dio Ver-tragstoile oder zu demindest der Ehemann der Klägerin davon auegegangen sind, daß letzterer mit Rücksicht darauf, daß er seinem Neffen eine erhebliche Geldsumme zur Verfügung gestellt hatte, vom Beklagten, nachdem er in Not geraten war, den Lebensunterhalt verlangen könne» Es stellt deshalb keinen Ecchtsverstoß dar, wenn das Berufungsgericht auf den Gesichtspunkt der gemischten Schenkung nicht ausdrücklich eingegahgen ist0 II» Bine Berufung auf den Wegfall der Geschäftsgrundlage hat das Gberlandosgericht dem Beklagten versagt, weil die Vertragsteile den Umstand, daß der Beklagte infolge einer ungünstigen Entwicklung der Verhältnisse in dor Landwirtschaft nicht mehr in der Lage sei, 1 ooö DM jährlich aufzubringen, im Vertrag berücksichtigt, ein Erlöschen dor Unterhaltsvei'pflichtung für dieson Ball jedoch nicht verein bart hätten» Die Bedenken der Revision hiergegen sind nicht begründet» Das Berufungsgericht geht zutreffend davon aus, daß die Beteiligten die Möglichkeit, dio Verhältnisse in der Landwirtschaft und damit auch dio wirtschaftliche Lage dos Beklagten könnten sich in Zukunft derart ungünstig gestalten, daß der Beklagte dio UnterhaltsZahlung nicht mehr leisten könne, beim Abschluß dos Vertrages in Erwägung gezogen haben» Die Beteiligten haben zwar für diesen Fall keino bestimmte Vereinbarung gotroffon, aber eine Regolung in Aussicht genommen» Diese Vertragsbestimmung bezieht sich auch auf den Pall, daß der Beklagte,- wie er vorträgt, wegen Mange3s an Arbeitskräften gezwungen war, den größten 'feil seines Hofes zu verpachten, und deshalb die Unterhaltslei-stungen nicht mehr aufbringen kann«, obwohl die Beteiligten eine Verpachtung des Hofes nicht ausdrücklich erwähnt haben» Y/as zu dem Inhalt des Vertrages gemacht ist, kann nicht Geschäft grundlage sein» Dem Oberlandeogericht ist deshalb darin zuzustimmen, daß die Grundsätze über den Wegfall der Geschäftegrundlago keine Anwendung finden.» Bio Behauptung des Beklagten, bei den Vertragsverhandlungen sei wiederholt zu dem Ausdruck gekommen, daß die UnterhaltsZahlungen aufhören sollten, falls die Klägerin und ihr Ehemann auf diese Leistungen nicht mehr angewiesen seien, hält das Berufungsgericht nicht für bewiesOHo Die Revision rügt mit Recht, daß die hierzu angetretenen Beweise nicht erhoben seien* Da die Abweisung der negativen Reststellungswiderklage zugleich die rechtskräftige RestStellung der Forderung enthält, deren Nichtbestehen mit der Widerklage geltend gemacht wird (vgl* 3GHZ 7, 174, 183; OGH NJW 195o, 5o2), bedarf eine Abweisung der Widerklage, wie die Revision zutreffend betont, -zu demindest in den Gründen dos Urteils - einer Einschränkung dahin, daß die Verpflichtung des Beklagten zur Zahlung der Unterhaltsbeträge mit dem Tode der Klägerin erlischt (vgl0 hierzu § 528 Abs* 1 Satz 3 in Verb» mit § 1615 Abs« 1 BGB sowie don Schlußsatz des Vertrages)«