BGH · V ZR 76/60
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Beklagte wendet nunmehr weiter Nichtigkeit dieser Erbeinsetzung wegen Sittenwidrigkeit sowie Eintritt des Nacherbfalls gemäß dem elterlichen Testament ein, wonach der elterliche Nachlaß auf den Beklagten und die drei übrigen Geschwister Ubergegangen sei» Das Verhältnis sei über die geschlecht liehen Beziehungen hinaus eine echte durch den Krieg entstandene Notgemeinschaft gewesen, in deren Rahmen der Kläger sowohl Hedwi als auch die Mutter beide durch Krankheit körperlich fast hilflos, mit besonderer Umsicht und Tatkraft betreut habe, möge er auch selbst hierbei seinen wirtschaftlichen Vorteil gefunden haben. Auch im Hinblick auf seine Auswirkungen sei das Testament nicht anstößig: Die Verbindung zwischen Hedwig und dem Kläger habe als solche keine Spitze gegen Drit enthalten, die Geschwister seien nicht pflichtteilsberechtigt ur müßten eine Enterbung deshalb eher hinnehmen als etwa.eine durch das außereheliche Verhältnis schon zuvor betroffene Ehefrau und Kinder. Hedwig und der Kläger gerade deshalb einander nicht heirateten, um die nach dem elterlichen Testament bei Heirat eintretende Nacherbfolge ihrer Geschwister (zu b/5 des elterlichen Nachlasses) zu vermeiden, und daß Hedwig das dadurch in vollem Umfang weiterbehaltene elterliche Vermögen dann im Widerspruch zu dem Willen der Eltern eben diesem Partner zuwandte.- Entgegen der Meinung der Revision hat das Berufungsgericht den vorliegenden Fall von dem des Liebhabers, der auf Wunsch seiner Partnerin ehelos bleibt, deshalb deutlich unterschieden, weil weder Hedwig noc^ der Kläger etwas auf sich genommen haben, was eine besondere Belohnung durch den anderen Teil erheischen und verständlich machen könnte (BU S. 13) festgestellte Wunsch der Eltern, das Vermögen im Familienbesitz zu erhalten, kann zwar für die Auslegung oder Anfechtung von Hedwigs Testament von Bedeutung sein (unten II); ist er dies jedoch nicht, so war die Tochter Hedwig an den dann rechtlich nicht wirksam geworde- Das Berufungsgericht bejaht dies, weil Hedwig alleinige Schlußerbin des elterlichen Vermögens gewesen und der Nacherbfall zugunsten ihrer Geschwister nicht eingetreten sei. Eine Nacherbfolge verneint das Berufungsgericht deshalb weil das elterliche Testament sie nur für den Fall von Hedwigs Heirat anordne und dieser Fall nicht eingetreten sei« ; Die Frage, ob eine "faktische Ehe“ (wie sie von Hedwig Franzheim und dem Kläger geführt wurde) dem im Testament bestimmten Fall der Heirat gleichzubehandeln sei, wird vom Berufungsgericht (BU S. wirtschaftliche Versorgung der Tochter angekommen sei und diese Versorgungsbedürftigkeit nach Vorstellung der Eltern zwar bei einer Eheschließung im Rechtssinne infolge der dadurch begründeten Unterhaltsansprüche weggefallen wäre, bei einer wenn auch persönlich noch so fest gefügt erscheinenden "faktischen Ehe" mangels solcher rechtlichen Sicherung jedoch nicht weggefallen ist; diese Testamentsauslegung ist mögliche Das Berufungsurteil (So 16/17) verneint auch mit Recht eine Anwendung des § 162 Abs. 1 BGB mit der Wirkung, daß der Pall der Heirat im Rechtssinne als eingetreten zu gelten hätte, weil die Entscheidung über die Heirat oder Nichtheirat als eine höchstpersönliche rechtlich völlig frei sei und daher nicht gegen Treu und Glauben verstoßen könne. b) Zweifelhaft ist dagegen die Frage, ob das elterliche Testament nicht dahin auszulegen ist, daß Nacherbfolge außer für den Fall von Hedwigs Heirat auch (falls sie unverheiratet bliebe) auf den Zeitpunkt ihres Todes schlechthin eintreten soll. 1b ff - auf den tatsächlichen Willen der Eltern nur für die Anfechtung, aber nicht £ür die Auslegung des Testaments abgehoben hatte). Die vom Berufungsgericht herangezogene Erwägung des damaligen Revisionsurteils (dort S» ibi über die Notwendigkeit besonderer Begründung für die etwaig Annahme eines kollusiven Zusammenwirkens zwischen Mutter und Tochter bei der behaupteten Aktienübereignung im Hinblick darav daß die Tochter Hedwig damals bereits Jahre alt und ihr led: ges Versterben deshalb keineswegs völlig unwahrscheinlich gewesen sei) betraf die subjektive Einstellung der Mutter und der Tochter im Jahre 1952, während es für die jetzt zu entscheidende Frage auf die Willensrichtung von Mutter und Vat< zur Zeit der Errichtung des gemeinschaftlichen Testaments im Jahre 19^6 ankommt * Und außerdem begnügte sich das erste Revisionsurteil in diesem Zusammenhang statt einer eigene Stellungnahme ausdrücklich mit dem Hinweis auf die Auffassung des ersten Berufungsurteils, das die Nacherbeinsetzung für den Todesfall verneint hatte«» Auch dem Umstand, daß das erste Revisionsurteil an anderer Stelle (S* 12) von bedingter Nacherbeinsetzung spricht, kann nicht die Bedeutung beigemessen werden, daß damit die Nacherbeinsetzung auf den Todesfall verneint wer-den sollte; denn im damaligen Zusammenhang kam es nur auf die Festlegung der Rechtsstellung der Mutter Fan (Vollerb nicht bloß Vorerbin des Vaters; Verfügungsbefugnis unter Leben den)* Nach allem kann das erste Revisionsurteil als Stütze der Auffassung des Berufungsgerichts nicht herangezogen werden* nur von einer Nacherbsehaft für den Fall von Hedwigs Heirat; eine Nacherbschaft bei ihrem Tod ist nicht ausdrücklich bestimmt , aber auch nicht ausdrücklich ausgeschlossen» Die Auslegung sregel des § 2106 Abs« 2 BGB greift entgegen der Auffassung der Revision nicht ein, da im elterlichen Testament eine Bestimmung von Zeitpunkt und Ereignis des Nacherbfalls nicht fehlt» Es fragt sich jedoch, ob der einschlägige Testamentswortlaut wirklich eindeutig ist, eine Frage, die als Rechtsfrage der Nachprüfung durch das Revisionsgericht offensteht (BGHZ 32, 60, 63)» Die Revision meint: die Eltern hätten den Willen zur nachträglichen Aufteilung ihres Vermögens unter sämtliche Kinder, wenn schon für den Fall von Hedwigs Heirat bereits zu ihren Lebzeiten, dann erst recht im Fall ihrer Nichtheirat für den Zeitpunkt ihres Todes gehabt; die Nacherbeinsetzung für den Fall der Heirat bedeute (normalerweise) eine stärkere Belastung der Vorerbin als die Nacherbeinsetzung auf den Todesfall; deshalb sei in der Anordnung jenes Mehr auch die Anordnung dieses Weniger enthalten, letztere habe also im Testament einen, wenngleich unvollkommenen Ausdruck gefunden» Sollte das letztere zutreffen, so würde es an der Eindeutigkeit des Testamentswortlauts fehlen, und das Testament bedürfte der unmittelbaren Auslegung«, Sollte diese zu keinem Ergebnis führen, so käme noch eine ergänzende Auslegung in dem vom Beklagten verfochtenen Sinne in Betracht, nämlich dann, wenn die Eltern die Möglichkeit des ledigen Versterbens der Tochter Hedwig zu regeln vergessen hätten, aber geregelt haben würden, wenn sie daran gedacht hätten (die vom Berufungsgericht vermißte Voraussetzung einer Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nach Testamentserrichtung läge eben im ledigen Versterben der Tochter, sodaß es nicht darauf ankommt, ob diese Voraussetzung Überhaupt erfüllt sein muß; vglo Enneccerus/Nipperdey, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, 1?» Bearbeitung § 205 Fußn» 28)» Der Beklagte hatte durch seine eigene Vernehmung als Partei unter Beweis gestellt, daß Vater F^pm^ ihm als künftigem Testamentsvollstrecker das elterliche Testament mehrfach dahin erläutert habe, das Eiternvermögen solle auch dann, wenn Hedwig unverheiratet sterbe, unter die GeschwisterStämme aufgeteilt werden (GA II 300, 3O2, 31^ mit Nachlaßakten Amtsgericht Köln 22 VI 2059/55 Blatt 88)0 Zwar setzte die Vernehmung des Beklagten als der beweispflichtigen Partei nach § *fV8 ZPO voraus, daß bereits der Anfang eines Beweises in dieser Richtung erbracht war. Die Zugehörigkeit der Wertpapiere zu dem Nachlaß von Hedwig hängt davon ab, daß sie sie von ihren Eltern erworben hat* Das Berufungsgericht nimmt einen solchen Erwerb von Todes wegen an, weil Hedwig auf G*,und des Testaments der Eltern deren Alleinerbin geworden sei« Dies ist jedoch unstreitig vom Bruder Walter des Beklagten dadurch in Frage gestellt worden, daß er das elterliche Testament mit Schreiben vom 7* Juli 1955 an das Nachlaßgericht wegen Irrtums der Erblasser über den Inhalt ihrer Erklärung (§ 2O78 BGB) angefochten hat (Bl. 57/9 der Nachlaßakten 22 VI 2059/55 des Amtsgerichts Köln)» Die Anfechtung ist darauf gestützt, daß die Eltern die Substanz ihres Vermögens entweder bei Hedwigs Heirat (in diesem Fall sollte sie noch 10 000 Mark als Aussteuer bekommen) oder spätestens bei Hedwigs Tod nach Kinder stammen hätten auf get eilt wissen wollen; die Anfechtung ist erklärt für den Fall, daß das Testament nicht entsprechend diesem Willen der Eltern auszulegen sei, also gerade für den vom Berufungsgericht angenommenen Fall- Wäre die Anfechtung wirksam, so wäre mindestens die Schlußerbeinsetzung der Tochter Hedwig von Anfang an nichtig (§ l*+2 BGB); die übrigen Bestimmungen des elterlichen Testaments könnten von dieser Nichtigkeit ebenfalls ergriffen werden, sei es wegen Wechselbezüglich-keit (§ 2270 BGB), sei es wegen sonstiger Zusammengehörigkeit; Vollunwirksamkeit wäre jedoch 1® Zweifel zu verneinen (§ 2085 BGB), Obwohl die Anfechtung nur von einem der mehreren Beteiligten erklärt wurde, würde die Nichtigkeit zugunsten aller gesetzlichen Erben (absolut) eintreten (Staudinger/Seybold, BGB, 11. 3» Das Berufungsgericht wird nunmehr zunächst die Fraise der unmittelbaren oder ergänzenden Auslegung des elterlichen Testaments unter den (oben 1) erörterten Gesichtspunkten erneut zu prüfen haben 5 denn die Auslegung geht der Anfechtung vor (BGH LM zu § 2100 BGB Nr» 1). Sollte sich auf dem einen oder anderen Weg ergeben, daß Hedwig nicht alleinige Vollerbin des elterlichen Vermögens geworden und daß der Beklagte (infolgedessen noch) Testamentsvollstrecker ist, so hinge der Ausgang des Rechtsstreits wiederum ab von der den Anlaß der Zurückverweisung im ersten Revisionsurteil bildenden, vom Berufungsgericht (folgerichtig) offengelassenen Frage, ob die Wertpapiere bereits zu Lebzeiten der Mutter von dieser rechtswirksam auf die Tochter übereignet worden sind (vgl.