BGH · V ZR 72/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
leute» Zugunsten der Käufer wurde im Grundbuch eine Auflassungsvormerkung eingetragen» Der Preis für das Grundstück sollte laut notariellem Kaufvertrag 30 000 DM betragen; mündlich hatten die Parteien einen Kaufpreis von 35 000 DM vereinbart» Hierauf zahlten die Beklagten (von einer weiteren, inzwischen wieder an sie zurückerstatteten Summe abgesehen) insgesamt 15 000 DM an die Klägerin» Nachdem im Laufe des Jahres 1957 Meinungsverschiedenheiten wegen der Hypothekengewinnabgabe sowie über die Rechtsgültigkeit des Kaufvertrages entstanden waren, kamen die Parteien im November 1957 überein, am Vertrage nicht mehr festzuhalten» Daraufhin verkaufte die Klägerin am 9» Dezember 1957 das Grundstück anderweitig an die Eheleute Sc^MK, wobei in dem von Notar SchflH|^ beurkundeten Kauf-« « vertrag u.a. folgendes bestimmt wurde? "Der bar zu zahlende Kaufpreisanteil von 17 988,91 DM wird von den Käufern »«»» bei dem amtierenden Notar hinterlegt» Dieser wird angewiesen, Zug um Zug gegen Erteilung der Löschungsbewilligung bezüglich der zugunsten der Eheleute «»»» Hfli" --das sind die Beklagten - "eingetragenen Auflassungsvormerkung aus dem hinterlegten Betrag an diese die von ihnen geleistete Anzahlung von rund 11 200 DM abzüglich Kosten zurückzuzahlen und den Rest des hinterlegten Betrages nach Erfüllung der Verpflichtungen der Verkäuferin an diese auszuzahlen»” Außerdem hat sie vorsorglich mit Schadensersatzansprüchen aufgercchnet, die sie daraus herleitet, daß die Beklagten entgegen der Verein barung der Parteien vom März 1958 die AuflassungsVormerkung nicht hätten löschen lassen; damals sei nämlich vereinbart worden, daß 10 000 DM von ihr auf ein Treuhandkonto des Notars SchiflHBfc eingezahlt und von diesem den Beklagten Zug um Zug gegen Erteilung der Löschungsbewilligung zur Verfügung gestellt werden sollten; sie selbst sei ihrer Verpflichtung aus dieser Abrede nachgekommen, indem sie den Notar angewiesen habe, den Beklagten einen entsprechenden Teil des von den Eheleuten Sc|^Bm^hinterlegten Barkaufpreises auszuzahlen; da die Beklagten trotz Mahnung keine Löschungsbewilligung erteilt hätten, seien sie in Verzug geraten und müßten nunmehr den Schaden ersetzen, der ihr infolge Bestehenbleibens der Auflassungs-vormerkung erwachsen sei und der sich auf etwa 33 000 DM be- laufec Die Beklagten haben die Schadensersatzforderung nach Grund und Höhe bestritten; sie behaupten, sie hätten sich im März 1958 nur unter der Voraussetzung zur Löschung der Auflassungsvormerkung bereit erklärt, daß außer der Zahlung von 10 000 DM noch weitere 5 000 DM von der Klägerin bei dem Notar hinterlegt würden, über welchen Betrag erforderlichenfalls eine gerichtliche Entscheidung habe herbeigeführt werden sollen; 15 000 DM seien jedoch niemals zur freien Verfügung der Klägerin bei Notar SchJMHB vorhanden gewesen» Entscheidungsgründei Zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus, daß die Parteien den - noch nicht grundbuchlich vollzogenen - notariellen Kaufvertrag vom 7»/l8» Januar 1957 durch einfache mündliche Vereinbarung wieder aufheben konnten (Urteil des erkennenden .Senats vom 26» Februar 1964, V ZJl 154/62, WM 1964, 509), und es erblickt ohne Rechtsirrtum in dem, wa's sie im November 1957 miteinander ausgemacht haben, Abschluß einer solchen Aufhebungsvereinbarung» Die Revision greift diesen Teil der auf die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des früheren Kaufver- ?, träges ankorame, die AbwicklungsVereinbarung vom März 1958; diese rechtfertige das Rückzahlungsverlangen der Beklagten, und zwar müsse die Klägerin auch den bei Nötar Schl hinterlegt gewesenen Betrag von 5 000 DM, da sie insoweit keine besonderen Ansprüche mehr geltend gemacht habe, an die Beklagten zurückzahlen. ihrea Kaufvertrages mit der Klägerin bei Notar SchiflHM hinterlegt hätten«, Selbst wenn indessen diese 17 988,91 DM - was das Berufungsgericht dahingestellt läßt - nach Abzug der Kosten sowie eines für die Hypothekengewinnabgabe abzusetzenden Betrages noch zur Begleichung des Rückzahlungsanspruchs der Beklagten ausgereicht haben sollten, habe die Klägerin darüber nur mit Zustimmung der Eheleute verfügen dürfen; denn diese hätten nicht gemäß §§376, 378 BGB auf das Recht zur Rücknahme des hinterlegten Betrages verzichtet, sondern ihr Einverständnis mit einer Auszahlung davon abhängig gemacht, daß die Beklagten zuvor die Löschungsbewilligung erteilten«, Zu einer solchen Vorleistung seien die Beklagten auf keinen Fall verpflichtet gewesen, zu dem'äl da sich rechtlich nicht habe ausschließen lassen, daß nach erteilter Löschungsbewilligung zwar die Eheleute als Eigentümer des Grundstücks eingetragen worden, aber die Beklagten trotzdem nicht in den Besitz ihres Kaufgeldes gelangt wären; sie hätten also bei einer Vorleistung durch Erteilung der Löschungsbewilligung ihre Sicherheit ohne Gegenleistung aus der Hahd gegeben» Unter diesen Umständen habe die Klägerin sie nicht mit schuldbefreiender Wirkung auf den beim Notar hinterlegten Betrag verweisen können» blieben, ob und inwieweit die Klägerin bei Abschluß der Abwicklung s Vereinbarung vom März 1958 eine Vorleistungspflicht übernommen habe; im gegenwärtigen Rechtszug muß deshalb davon : ausgegangen werden, dies sei nicht der Fall gewesen, sondern beide Leistungen - Erteilung der Löschungsbewilligung einerseits, Zahlung von 10 000 DM sowie Hinterlegung weiterer 5 000 DM beim Notar andererseits - hätten nach dem Yfillen der Vertragschließenden Zug um Zug bewirkt werden sollen. Notar Sch^BBP» eingezahlten 17 988,91 DM verwiesen, und zwar, wie das Berufungsgericht ersichtlich unterstellen wollte, mit der Maßgabe, daß davon 10 000 DM gegen Erteilung der Löschungsbewilligung sogleich bar an die Beklagten ausgezahlt werden und 5 000 DM bis zur Klärung der insoweit noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten in der Verwahrung des Notars bleiben sollten» Entscheidend ist also, ob für die Beklagten die sichere Gewähr bestand, beides werde geschehen, wenn sie ihrerseits leisteten» War das der Fall, dann wurde mit dem Anerbieten der Klägerin die Pflicht der Beklagten fällig und sie gerieten, wenn sie in der Folgezeit trotz Mahnung die Auflassungsvormerkung bestehen ließen, in Verzug (vgl» Palandt, BGB 23» Aufl» § 320 Anm» 3a)» Keine Zustimmung verdient jedoch seine Ansicht, Zahlung der 10 000 DM und Hinterlegung der 5 000 DM seien vom Standpunkt der Beklagten aus dem Grunde nicht gewährleistet gewesen, weil die Klägerin über die bei Notar SchflHBP eingezahlten Beträge nur mit Zustimmung der Eheleute Sc^HHB habe verfügen können und diese wiederum ihr Einverständnis von vorheriger Erteilung der Löschungsbewilligung abhängig gemacht hätten» V/enn es im angefochtenen Urteil heißt, damit habe man den Beklagten eine Vorleistung angesonnen, zu der sie nach den getroffenen Vereinbarungen keinesfalls verpflichtet gewesen seien, so übersieht der Berufungsrichter zunächst, daß die Eheleute ScSHHm in ihrem Vertrag mit der Klägerin vom 9» Dezember 1957 nicht verlangt hatten, die Beklagten müßten zuvor die Löschung der Auflassungsvormerkung bewilligen und dann erst dürfe ihnen der angezahlte Kaufpreis zurückgewährt werden» Auch in jenem Vertrag ist vielmehr ausdrücklich nur von einem "Zug um Zug"-Verhältnis der beiden Leistungen die Rede» Als verfehlt erweisen sieh aber vor allem die Schlußfolgerungen, die das Urteil aus den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Hinterlegung {§§ 372 ff) zu ziehen versugli Der Berufungsrichter hat, wie die Revision zutreffend rügt, die Rechtsnatur dessen, was zwischen den Beteiligten geschehen ist, verkannt, wenn er unter Anführung der §§ 376, 378 BGB darauf | abstellt, daß die Eheleute ScjBMMB, als sie die 17 988,91 DM bei Notar Sch^flH^ nhinterlegten,,, nicht auf das Recht zur Der Notar, der Gelder, die ihm von den Beteiligten übergeben werden, zur Aufbewahrung oder Ablieferung an Dritte übernimmt, handelt nicht als Bevollmächtigter des Zahlenden, sondern wird kraft seiner Amtsstellung für sämtliche Beteiligten tätig und hat ihrer aller Interessen unparteiisch und sachgemäß wahrzunehmen (Seybold/Hornig aaO § 23 An. 4); er muß insbesondere dafür sorgen, daß bei Zug um Zug zu erfüllenden Verbindlichkeiten jeder Teil die ihm gebührende Leistung erhält. Es trifft daher nicht zu, daß die Beklagten, wie das Berufungsgericht glaubt, Grund zu der Befürchtung gehabt hätten, sie müßten trotz Erteilung der Löschungsbewilligung vergeblich auf die Rückzahlung ihres Kaufgeldes warten und liefen Gefahr, ihre Sicherheit ohne Gegenleistung aus der Hand zu geben« In Wirklichkeit kam nach den gesamten Abreden eine Rückzahlung der 17 988,91 DM an die Eheleute Sc|HIBm nur in Betracht, falls diese vom Kaufvertrag zurücktraten, und das Rücktrittsrecht wiederum konnte von ihnen frühestens am 1» Juli 1958 ausgeübt werden, v/enn bis dahin die Auflassungsvormerkung noch nicht im Grundbuch gelöscht war» Bis zu diesem Tage waren also die Beklagten mindestens aus den vom Berufungsgericht angeführten Gründen nicht gehindert, die Löschung zu bewilligen« Dem hätte auch nicht der weitere Umstand entgegengestanden daß die Eheleute Sc||^HHI sich im Kaufvertrag vom 9° Dezember 1957 mit einer Auszahlung an die Beklagten nur in Höhe von rund 11 200 DM einverstanden erklärt hatten, während diese nach der Abwicklungsvereinbarung der Parteien vom März 1958 nunmehr 10 000 DM in bar und Hinterlegung weiterer 5 000 DM beanspruchen konnten« Denn der über 11 200 DM hinausgehende Rest des Geldes sollte laut Kaufvertrag nicht den Eheleuten Sd zufließen, sondern der Klägerin als Grundstücksverkäuferin« Wenn sie in ihrer späteren Vereinbarung mit den Beklagten zu deren Gunsten auf einen Teil des Überschusses verzichtete, so berührte das die Eheleute ScJBHMB überhaupt nicht; der Notar wäre daher ohne weiteres in der Lage gewesen, bei der Ausführung der Abwicklungsvereinbarung mitzuwirken, d«h« er hätte das Geld auch über 11 200 DM hinaus vereinbarungsgemäß für die Beklagten verwenden können« (Blatt 70 der Akten) Bezug genommen und versucht haben, daraus gegenteilige Schlüsse zu ziehen, ist von ihnen übersehen worden, daß das Berufungsgericht eine dem Inhalt dieses Schreibens entsprechende Vereinbarung der Parteien nicht fesl gestellt hato läßt sich hiernach die Begründung, mit der das ange- f fochtene Urteil der Aufrechnung den Erfolg versagt hat, ;f.nicht aufrechterhalten, so vermag andererseits das Revisionsgericht nicht abschließend in der Sache selbst zu entscheiden, da der Sachverhalt noch weiterer Klärung bedarf» Bisher ist insbesondere dahingestellt geblieben, ob die Klägerin etwa vorleistungspflichtig war, ob der von den Eheleuten ScplBBP eingezahlte Betrag nach Abzug der rückständigen Hypotheken-