BGH · V ZR 71/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger ist Eigentümer eines etwa 195 Morgen grossen Hofes« Auf den zu dem Hof gehörenden Wiesen und Feldern befanden sich in geringer Tiefe ausgedehnte Kohlevorlcommen, Auf Grund der Verträge vom 6« Mai 195% 28« Februar 1952 und 18* Februar 1955 hatte zunächst der Diplom-Bergingenieur U^|HI im Untortagebau Kohlen abgebaut« Für die Nutzung des Geländes über Tage war eine geringe Pacht sowie zur Abgeltung des Flur- und Wasserschadens eine Tonnenabgabc von 1,20 DM vereinbarte Umbach hatte auch alle Bergschäden? einigten sich die Parteien über Entschädigung»- ; ansprüche des Klägers; Der Beklagte sollte an den Kläger für Ernte^i, ausfall im Jahre 1955 auf dem mit $ Morgen angenommenen Feld 3 ";■? setzen hatte» Wegen etwaiger später noch entstehender Aufwachsschäden sollte über eine Abfindung verhandelt werdeno Durch Pachtvertrag vom 9* Marz 1956 nebst Zusatzvertrag vom 14<> Mai 1956 überliess der Kläger dem Beklagten weiteres Gelände3 und zwar Grundstücke beiderseits des Hauses sudostwärts von Feld 4? Dezember 1957 verlangte der Kläger vom Beklagten Schadensersatz in Höhe von 14 896*30 DM« Unter I dieser Klageschrift forderte er als Ertragsausfall bei 8 Morgen Kartoffelland in Feld 3 den Betrag von 6 400 DM und für die Mäh«-' wiooe einen angeblichen Restbetrag aus dem Jahre 1956 in Höhe von 521*88 DM sowie für die Zeit vom 10 Juli 1957 bie zu dem 30o Juni 1958 1 000 DM« Am 24o Februar 1958 focht der Beklagte seine Erklärungen im Vergleich vom 8« Februar 1956 über das Einplanio--ren der Mähwiese und den Ernteausfall wegen Irrtums an* weil er aus einem Gutachten des Oberbauratos i.E« G4H^ vom 20« Februar 1958 erfahren habe* dass entgegen seiner bisherigen Annahme die Im übrigen beziehe sich der Schiedsgutachtervertrag nur auf Feld 3 und auf die Mähwiese® Entgegen der Ansicht des Sachverständigen seien sowohl Flur- wie auch Wasserschäden und damit eine Verschlechterung nicht nur der Vorflut, sondern auch der Bodenbeschaffenheit vertraglich durch die Tonnenabgabe abge-gölten® Staunäsee habe der Sachverständige nicht berücksichtigen düx’fen«, Bei den Kartoffeln und Futterrüben gehe der Gutachter von unerreichbaren normalerträgen aus und berechne den Ausfall fälschlich nach dem Händler- anstatt nach dem Erzeugerpreis« Im Laufe des Rechtsstreits (Schriftsatz vom 28, Dezember I960) hat der Beklagte die am 8o Februar 1956 übernommene Verpflichtung, 9 Morgen des Feldes 4 einzuobnon und Mutterboden aufzutragcn, angefochten, woil der Kläger und auch der verstorbene Sachverständige Wolf ihm vorgespiegelt hätten, 9 Morgen hätten unter dem Bergbau gelitten, während es in Wirklichkeit nur 82,90 a seien« Zum mindesten habe er (Beklagter) irrtümlich angenommen, es seien 9 Morgen durch den Kohleabbau betroffen® Der Beklagte ist im übrigen der Auffassung« dass auf cüe etwa von ihm zu zahlende Entschädigung 2 000 DM zu verrechnen seien* die er am 27- Dezember 1956 zur Abgeltung aller Ansprüche bis Frühjahr 1957 für Feld 4 gezahlt habe«, Hilfsweiße rechnet der Beklagte mit einem vermeintlichen Anspruch auf Rückzahlung von 2 550 DM auf* die er auf Grund des Vergleichs vom 8* Februar 1956 infolge einer angeblich unrichtigen Schätzung des Sachverständigen Wolf am 27* Dezember 1956 als Ernteausfall für 1955 zuviel gezahlt haben will« Das Oberlandesgericht geht in Übereinstimmung mit der Auffassung der Parteien ohne Rechtsirrtum davon aus« dass es sich bei der Vereinbarung vom 1-1» April 1958 um einen Schieds-gutachtervertrag handelt« Die einem Schiedsgutachter übertrage Aufgaben können verschiedener Art sein. Das Oberlandesgericht hat die Vereinbarung vom 11, April 1958 dahin aufgefaset, dass der Sachverständige auch zur Auslegung der Verträge und Niederschriften befugt sein sollte* Soweit der Schiedsgutachter zu einer immerhin vertretbaren Deutung dieser Urkunden gelangt sei, könne soin Gutachten nicht offenbar unrichtig sein. Das Berufungsgericht hat den Ernteausfall bei der Mähwieae für die Jahre 1957 und 1958 auf insgesamt 2 000 DM? Für offenbar unrichtig hält das Oberlandesgericht auch die Schätzung des Ausfalles bei der Bübenernto. Der von dem Gutachter ermittelte tatsächliche Ertrag auf den vom Bergbau betroffenen Flächen übersteige den Durschnittaertrag im Kreise von 162 Zentnern je Morgen noch erheblich» Es liege kein Grund dafür vor, weshalb der Kläger ausgerechnet in dem Dürrejahr 1959, in dem die Bübenernto allgemein gering gewesen sei, ohne Beeinträchtigung durch den Bergbau mehr als das Doppelt© des Kreisdurch-Schnitts geerntet haben würdeo Der Kläger habe selbst nicht behauptet , oinen besonders erträglichen Spitzenbetrieb zu besitzen® Es fohle jeder Anhalt für die Annahme, dass der Kläger einen so unwahrscheinlich hohen Ertrag erzielt haben würde, der noch erheb*-lieh über dem sechsjährigen Durchschnitt des Kreises von 1954 bit; 1959 liege. Es lasse sich deshalb nicht feststellen, dass dor Kläger im Jahre 1959 bei den Futterrüben überhaupt einen auf den Bergbau des Beklagten zurückzuführenden Ausfall gehabt habe. Pas Oberlandesgericht hat» wie die Begründung des angefochtenen Urteils ergibt, die Vereinbarung vom 'M« -April 1958 offensichtlich dahin aufgefasst, dass der Sachverständige hinsichtlich der Höhe dos Ernteausfalles den Vertragsinhalt klarstellen sollte* Biese Auslegung des Schiedsgutachtervertrages ist rechtlich nicht zu beanstanden* Das gleiche gilt für die Annahme des Berufungsgerichts, dass der Sachverständige, der als praktischer Landwirt den Ernteausfall "nach Maßgabe der Verträge und Niederschriften'1, zu ermitteln hatte, in Erfüllung seiner Aufgabe auch zur Auslegung der in Betracht kommenden Urkunden befugt sein sollte* Gegen dio Zulässigkeit eines Schieds* gutachtervertrages, durch den der Schiedsgutachter auch mit der Auslegung von Vereinbarungen der Vertragsteile beauftragt wird, sind rechtliche Bedenken nicht zu erheben (vgl* BGH Urteil vom 18* Februar 1955, V ZR 110/53? 665)« Einer Vernehmung des vom Beklagten als Zeugen benannten Bürgermeisters a„D* Seidler darüber, dass es sich bei der Vereinbarung vom 11» April 1958 um einen reinen Schiedst gutachtervctrag und nicht um einen Schiedsvertrag handeln sollte, bedurfte es nicht* Pass der schriftliche Schiedsgutachtervertrag sich nur auf Feld 3 und die Mähwiese bezieht, ist richtig* Hiervon geht auch das Oberlandeagericht aus* Mit der Rüge, das Berufungsgericht habe zu Unrecht eine Ausdehnung des Schiedsgutachtervor-träges durch die Parteien auf Feld 4 bejaht, wendet die Revision sich in unzulässiger Y/eise gegen die tat rieht erliche Würdigung des Sachverhalts* Die Feststellung des Oberlandesgerichts, dass beide Parteien mit dem Schiedsgutachter auch Feld 4 besichtigt haben und sich hierüber mehrere Gutachten erstatten Hessen und dass der Beklagte auch zu dem Ausdruck gebracht habe, es sei ihm nur recht gewesen; dass der Schiedsgutachter alle offenen Fragen bereinige, wird von der Revision nicht beanstandet* Bas gleiche gilt für die Feststel~ lung, bis zu dem Hinweis des Gerichts im Termin vom 21 * Dezember I960, dass der Schiedsgutachtervertrag sich nach seinem Wortlaut nicht auf Feld 4 beziehe, habe keine der Parteien die Befugnis des Sachverständigen, sich auch über Feld 4 schiedsgutachtlich zu äufa«* sern, in Zweifel gezogen* Boi dieser Sachlage kann kein Rechtover- Offenbar unrichtig ist ein Schiedsgutachten dann, wenn nach den bei Abgabe des Gutachtens vorhandenen Brkenntnismittoln die Unrichtigkeit für jedermann oder jedenfalls für einen sachkun-' digen und unbefangenen Beurteiler offen zutage liegt (vgl« BGB RGRK 11 o Aufl. In diesom Sinne sind auch die Ausführungen des Ober land esgorichts über den Begriff der offenbaren Unrichtigkeit zu verstehen« Eine Unrichtigkeit* die für einen Sachkundigen nicht ohne weiteres in die Augen springt* ist unbeachtlich» Bei der Beurteilung dor Präge* ob ein Schiedsgutachten offenbar unrichtig ist* handelt es sich im wesentlichen um eine tatrichterliche Entscheidung» Das gleiche gilt für die Beurteilung einer Vertragsauslegung durch den Schiedsgutachter« Wenn der Schiedsgutachter bei der Auslegung eines Vertrages* der mehrere Deutungen zulässt* zu einer nach Ansicht des Gerichts vertretbaren Auslegung gelangt ist* so ist sein Gutachten nicht offenbar unrichtig0 Der gegenteiligen Auffassung der Revision kann nicht gefolgt werden« Die Präge der Verbindlichkeit einos Schiedsgutachtens (§ 319 Abs.» 1) unterliegt der Nachprüfung im Prozess» Nach ständiger Rechtsprechung (vgl» ZoB» RGZ 96ff 62$ BGH Urteil vom 30« Oktober 1959? I ZR 188/57) ist jedoch eine Beweiserhebung nur zur Klärung dor Frage zulässig* ob die Unrichtigkeit des Schiedsgutachtens für einen Sachkundigen ohne weiteres erkennbar ist« Beweise, die nur dazu dienen sollen* ein Schiedsgutachten als unrichtig zu bekämpfen* sind nicht zu erheben« Infolgedessen erweisen sich die Rügen des Beklagten* die sich lediglich auf eine Übergehung ron Beweisanträgen für die Unrichtigkeit des Schiedsgutachtens beziehen, als unbeachtlich» Dies gilt zunächst von der Rüge* das Oberlandesgericht habe das Vorbringen des Beklagten über die Grösse der vom Bergbau betroffenen Flächen nicht berücksichtigte Im Schriftsatz vom 3= Oktober *960 hatte der Beklagte die Möglichkeit eingoräumt« dass Feld 3 und 4 zusammen ‘,6*75 Morgen groß seien, jedoch geltend gemacht, dass die vom Bergbau in Anspruch genommenen Flächen kleiner seien« Mit der Behauptung, der Schieds gutachter sei offenbar falschen Angaben dos Klägers gefolgt, und auch mit dem Antrag, durch Zeugen und Parteivernehmung sowie durc Einholung eines Sachverständigengutachtens Beweis darüber zu erheben, welche Flächen insgesamt durch den Bergbau betroffen seien und ^>b die vom Beklagten ausgeführten Bodenbewegungen sich überhaupt noch ertragsmindernd auswirkten (Schriftsatz vom 20* Februar !96i), sollte lediglich die Unrichtigkeit des Schiedsgutachten dargetan werden* Einen Beweis dafür, dass die Unrichtigkeit der vom Schiodsgutachter angenommenen Flächengrössen für einen Sachkundigen ohne weiteres erkennbar gewesen sei, hat der Beklagte nicht angetreten« Unbeachtlich war auch die Behauptung des Beklagten ira Schriftsatz vom 27* Mai *960, der Schiodsgutachter Fohr habe sich im grossen Umfang auf den Sachverständigen Wolf verlassen* Es stellt keinen Rechtsvorstoss dar, wenn das Ober-■ landesgcricht die Frage, ob und inwiewoit der Bergbaubetrieb für die vom Schiodsgutachter featgestollte Staunässe ursächlich war, offen gelassen hat* Biner Beweisaufnahme darüber, von welchen Flächen die Parteien hinsichtlich der Vernässung des Geländes ursprünglich ausgegangen waren, bedurfte es nicht* Bas Berufungsgericht hat die Behauptung des Beklagten, die Nässe der Mäh* wieso sei mindestens teilweise auf die Zuleitung der Abwasser einer Siedlung zurückzuführen, als richtig unterstellt und hiera* ohne Rechteirrtum gefolgert, es sei nicht ausgeschlossen, dass die Staunässe zu einem feil auch auf den Massnahmen dos Beklagte: beruhe. Das Vorbringen dor Revision zur Frage der Anfechtung des Vergleichs vom 8» Februar 1956 gibt zu einer Beanstandung der Ausführungen des Berufungsgerichts keinen Anlass0 Es trifft nicht zu., dass, wie die Revision meint, das Oberlandesgericht der Auffassung gewesen sei, die Anfechtung hätte dem Sachverständigen gegenüber erklärt werden müsseno Das Berufungsgericht hat vielmehr lediglich zu dem Ausdruck gebracht, der Schiedsgut-achter habe die Anfechtung, selbst wenn sie ihm mitgeteilt worden wäre, nicht zu berücksichtigen brauchen, weil in der in dem Schiedsgutachtervertrag enthaltenen Bezugnahme auf die vorausgegangenen Verträge eine Bestätigung des Vergleichs vom 8o Februar 1956 gefunden werden könne* Diese Auffassung ist frei von Rechts« irrtunio Inwiefern das Oberlandesgericht dadurch, dass os^auf den Vortrag des Beklagten und den Beweisantrag unter III des Schriftsatzes vom 20o Februar 1961 nicht eingegangen ist, gegen § 286 ZPO verstossen haben soll, ist nicht ersichtliche Das Vorbringen des Beklagten besagt ebenso wie die mit jenem Schriftsatz eingereichte Stellungnahme des Markscheiders Deichmann nichts für eine offenbare Unrichtigkeit des Schiedsgutachtenso Das gilt erst recht für die von Feldbaus und Dr* Berge in einem anderen 8tiTeitfall erstatteten Gutachten* Die am 28* Februar I960 erklärte Anfechtung des Vergleichs vom 8* Februar 1956 hat das Oberlandesgericht, soweit die Anfechtung auf einen Irrtum gestützt ist, ohne Rechtsverstoss als verspätet angesehen, weil der Beklagte seinen angeblichen Irrtum über die Grösse von Feld 4 spätestens 6 Wochen vor der Anfechtung erkannt habe0 Eine arglistige Täuschung seitens des Klägers hat das Berufungsgericht verneint, weil der Kläger die vielleicht -unrichtigen G&üösenangabon, die nach dem eigenen Vorbringen des Boklagten offensichtlich auf einer irrigen Ansicht des Kreislandwirts und Sachverständigen Feldhaus beruhten, im guten Glauben an ihre Richtigkeit gemacht habe« Im übrigen habe die Parteivornehmurij des Klägers ergeben, dass dieser noch jetzt davon überzeugt sei, bei Feld 4 seien 9 oder 9 I/2 Morgen durch den Bergbau beeinträchtigte Die Revision hat hiergegen keine begründeten Einwendungen erhobene Der Beweisantritt im Schriftsatz vom 28o Dezember i960, dessen Übergehung von der Revision gerügt wird,, betrifft die Frage9 ob der Kläger die durch das Einplanieren entstandenen Bodenpressungen in Kauf nehmen muss» Dieses Beweisangebot war unbeachtlichs, da es sich nicht auf eine offenbare Unrichtigkeit des Schiedsgutachtens bezieht. Zu den Ausführungen der Revision* die sich mit dem Ertrage ausfall bei der Kartoffel« und Rübenernte befassen* erübrigt sich eine Stellungnahme«» Das Berufungsgericht hat* soweit es sich um die Rübenernte handelt* in vollem Umfang zugunsten des Beklagten erkannt* indem es einen Schaden des Klägers überhaupt verneint hat. Das ist entgegen der Meinung der Revision nicht der Falle Es ist nicht zu beanstanden, dass das Berufungsgericht, das von dem nicht bestrittenen Ertrag auf den vom Bergbau betroffenen Flächen ausgebtj, den Minderertrag auf den für den Bergbau in A^apruch genommenen Flächen uhter Zugrundelegung des Durchschnittsernteertrages im Kreise geschätzt hat, da auch ein Sachverständiger nicht in der Lage wäre* den wirklichen Ausfall zu ermitteln. Xm übrigen konnte das Berufungsgericht auf Grund der Bescheinigungen der Kreis-steile der Landwirtschaftskammer, dass der Kläger wegen der Dürreschäden im Jahre 1959 keine Beihilfen erhalten habe* dass die Landwirte im Kreise infolge der günstigen Absatzlage ihre Kartoffoln nahezu hundertprozentig unmittelbar an die Verbraucher liefern und dass der Preis für Speisekartoffeln zwischen 14 und 15 DM gelegen habe, ohne Rochts-irrtum davon ausgehen, dass der Kläger im Falle dos Verkaufs einen Preis von 14,50 DM erzielt haben würde und somit nach Abzug von 2 DM ersparter Unkosten bei den Speisokartoffoln einen Ausfall von 12,50 DM je Zentner erlitten habe. Die Tatsache, dass nach den Feststellungen des Oberlandes-gerichto das Schiedsgutachten hinsichtlich des Ertragsausfalles bei der Kartoffel- und Rübenerntc offenbar unrichtig ist, steht entgegen der Auffassung der Revision der Verbindlichkeit des Schiedsgutachtens im übrigen nicht entgegen, weil es sich bei den offenbar unrichtigen Teilen des Gutachtens um einzelne aussonderbare Beträge handelt, die mit den übrigen Schadensposten nicht in Zusammenhang stehen (vgl* dazu BGH Urteil vom 3* Oktober 1957, II ZR 77/56, NJW 1957, 1834)* Der Umstand, dass der Beklagte zur Abgeltung der Ansprüche des Klägers für Feld 4 bis Frühjahr 1957 im Dezember 1956 2 000 DM gezahlt hat, berührt die Verpflichtung des Beklagten zur Entschädigung des im Sommer oder Herbst 1957 entstandenen Ernteausfalles nichto Das Oberlandesgericht hat deshalb ohne Rechtsirrfum eine Anrechnung dieser Zahlung auf den Ernteausfall für die Jahre 1957 bis 1959 abgelehnt« Die Frage, ob der Beklagte vom Kläger eine Vergütung für Arbeitsleistungen (Rau-penstunden) verlangen kann, ist nicht Gegenstand dos gegenwärtigen Rechtsstreits, sondern wird in dem noch beim Landgericht anhängigen Prozess entschieden« falles für 1957 und 1958 Kenntnis erlangt habe* Die Revision hat hiergegen keine begründeten Einwendungen erhoben* Sie meint lediglich;, dass auch dann* wenn die Anfeehtungsfrist verstrichen sei* ein Leistungsverweigerungsrecht bestehe* weil insoweit die Einrede der Arglist durchgreifen sollte* vor allem wenn man davon ausgehc* dass der Kläger sich einer arglistigen Täuschung schuldig gemacht habe. Einer Stellungnahme zu der Frage* ob im Falle einer arglistigen Täuschung seitens des Klägers ein Leistung^-verv/eigorungsrecht des Beklagten zu bejahen wäre* bedarf es nicht, weil* wie das Berufungsgericht in anderem Zusammenhang ohne Rechts* irrtum ausführt* eine arglistige Täuschung hinsichtlich der Flächengrössen nicht vorliegt und deshalb ein Rückzahlungsanspruch* der zur Aufrechnung gestellt worden könnte* nicht besteht und im übrigen auch der Beklagte* soweit es sich um die vergleichsweise Rogolung der Entschädigung für 1955 handelt* nicht dargetan hat* dass der Kläger ihn über die Höhe des Ernteausfalles arglistig getäuscht habe» 1o Die Revision erblickt einen Vorstoss gegen § 286 und auch gegen § 139 ZPO darin* dass das Oberlandesgericht hinsichtlich des Ernteausfalles bei Feld 3 und 4 für die Jahre .:95l? Brachlandentschädigung zwar dun vom Schiedsgutachter ermittelten Betrag von 250 DM je Morgon zugrunde gelegt, jedoch die vom Bergbau betroffene Fläche nur mit (6 + 7*5 ~) 13*5 Morgen angenommen hat» Sie macht geltend9 das Berufungsgericht habe den Sachvortrag des Klägers, aus den Verträgen, der Parteivernehmung des Klägers wie auch aus der mit Schriftsatz vom 1. dass, wie das Oberlandesgericht ausführt * der Kläger keine nach- : ]l prüfbaren Einzelheiten vorgetragen oder Beweis dafür angetreten habe, dass in den Jahren 1957 und 1958 grössere Flächen als '959: | durch den Bergbau in Anspruch genommen seien» Die Revision rügt J mit Recht, das Berufungsgericht habe nicht berücksichtigte dass der Beklagte in der Niederschrift vom 9° März 1956 sieh zur Ein-,-;j Planierung von 9 Morgen (Feld 4) verpflichtet habe* woraus sich | ergebe, dass mindestens diese Fläche in Anspruch genommen sei* und dass der Beklagte im Schriftsatz vom 19o Dezember I960 auch J Beweis dafür angetreten bat* dass von Feld 3 nicht nur 6 Morgen» f sondern die gesamte Fläche durch den Bergbau beeinträchtigt gev/ef sen sei. 2« Die Revision wendet sich in eingehenden Ausführungen gegen die Annahme des Berufungsgerichts* dass das Sehiedsgut-* achten hinsichtlich des Ertragsausfallee bei der Kartoffol- und Rübenernte des Jahres *959 offenbar unrichtig sei« Einer Stellung nähme zu dor Auffassung des Oberlandesgerichts wie auch zu den Einwendungen des Klägers bedarf es nicht,, weil das Schiedsgut-achten* soweit es sich um die Kartoffel- und Rübenernte handelt, aus einem andoren Grunde für den Beklagten nicht verbindlich ist® Der Schiedsgutaehter Fohr hat zwar auf Grund der Vornahme von Probeernten in Gegenwart des Klägers auf vom Bergbau nicht betroi fenen wie auch auf durch den Bergbau beeinträchtigten Flächen einen Ertragsausfall bei den Kartoffeln festgestellt0 Ebenso hat auch dor für den Kläger als Vertrauensmann tätige Sachverständige Wolf* der anstelle des erkrankten Schiedsgutachters Fohr in Anwesenheit des Klägers9 • ohne den Beklagten zu benachrichtigen* eine Probeernte bei den Futterrüben vorgenommen hat, einen Ertragsausfall bei der Rübenernte ermittelt® Nach dem Schiedsgutachtersertrag sollte das Gutachten "nach Besichtigung dor Örtlichkeit ira Beisein der Parteien" erstattet werden« Dies bedeutet* dass auch boi der Vornahme dor Probeernten* die der Ermittlung des Ertrags» ausfallos dienen sollten* beide Parteien hinzugezogen wordon musf ten« Die Frage der Verbindlichkeit eines Schiedsgutachtens hängt zwar grundsätzlich nicht davon ab* wie das Gutachten zustande gekommen ist« Insbesondere findet auch der Grundsatz des rechtlich« Gehörs auf Schiedsgutachterverfahren* da es sich im Gegensatz zun schiedsrichterlichen Verfahren nicht um ein gerichtliches Verfahr handelt9 keine Anwendung (BGH2 69 3359 341)* Di© Verbindlichkeit des Schiodsgutachtons setzt jedoch voraus* dass die bindenden Bestimmungen des SGhiedsgutachtervertragos eingehalton wurden« Ein Schiodsgutachten ist deshalb für die Parteien nicht verbindlich* wenn die Vertragstoilc ein bestimmtes Verfahren vereinbart haben und der Schiedsgutaehter diese Vereinbarung nicht beachtet hat« gesetzt hato Die Unverbindlichkeit des Sehiedsgutechtens beruht in einem solchen Fall nicht auf Gesotz, sondern auf dem Vertrags willen der Parteien (BGH Urteil vom 30® Oktober 1959, I ZR 188/57)» Dass die Anwesenheit beider Parteien bei einer Orts-Besichtigung einen wesentlichen Punkt des vom Schiedsgutaehtor einzuhaltenden Verfahrens bildet0 bedarf keiner näheren Darlegung® Entgegen der Meinung der Revision war die Zuziehung des Beklagten auch nicht etwa deshalb entbehrlich® weil bei der ersten eingehenden Besichtigung der Grundstücke die Vertreter beider Parteien zugegen waren* denn diese Besichtigung hat bereits im Jahre 1958* also in einem ZeitpunktP als die Grundstücke für die Kartoffel- und Rübenernte für 1959 überhaupt noch nicht bestellt waren* stattgefundene Ob das Schiedsgut^ achten im Falle einer Benachrichtigung des Beklagten anders ausgefallen wäre, ist für die rechtliche Beurteilung ohne Bedeutung o Der Auffassung des Oberlandeagerichts, dass das Schiede-gutachten, soweit es sich auf den Ausfall bei der Kartoffel-und Rübenernte bezieht, für den Beklagten nicht verbindlich sei, ist deshalb jedenfalls im Ergebnis beizutreten®. Die Höhe des vom Beklagten als Ernteausfall zu zahlenden Betrages musste deshalb vom Gericht bestimmt werden® Die Bemessung der Entschädigung hängt vor allem davon ab, welcher Minder^ ertrag vorliegt® Bei der Ermittlung des Ernteausfalles konnte das Berufungsgericht von don Mengen ausgehen, die der üchieds- j gutachter auf den vom Bergbau betroffenen Flächen als tatsäch^ f liehe Ernte festgestellt hat, weil hiergegen Einwendungen nicht;: erhoben worden sind® Welchen Ertrag an Kartoffeln der Kläger fl ohne den Bergbau im Jahre 1959 erzielt haben würde, kann heute nicht mehr festgestellt werden® Auch ein Sachverständiger würde hierzu nicht in der Lage sein® Der Minderertxag kann deshalb nur geschätzt werden® Der Schiedsgutachter hat zwar im Gutachten von 11® ^ugust 1959 ausgeführt, dass boi den Rüben und Kartoffel: sich sichtbare auf Staunässc zurüctezuführende Ausfälle zeigten®' Er hat dazu jedoch bemerkt, dass eine genaue Ermittlung des wenn das Oberlandesgericht ohne Zuziehung eines Bach« verständigen auf Grund des tatsächlich erzielten Ernteergebnisses unter Zugrundelegung der Durchschnittsernte im Kreise einen Ertragsausfall bei den Futterrüben überhaupt verneint hat. Richtig ist* dass der Schiedsgutachter bei der Schätzung des Ertragsausfalles für 1959 von einer Drainierung der Mähwiese ausgegangen urjwä dass diese Voraussetzung nicht eingetreten ist.Wenn dasnOborlan-desgericht gleichwohl eine offenbare Unrichtigkeit des Schiedsgutachtens verneint hat* so kann darin kein Rechtsverstoss erblickt werden0 Offenbar unrichtig ist ein schiedsgutachten nur dann* wenn es im Ergebnis offenbar unrichtig ist« Ohne Rechtsirrtum geht das Berufungsgericht davon aus* dass der Kläger einen vollen Ertragsausfall nur dann verlangen könne* wenn der Beklagte zur Drainierung der Mähwiese verpflichtet gewesen und mit dieser Verpflichtung in Verzug gekommen wäre« Eine solche Verpflichtung hat das Berufungsgericht verneint* ohne dass ein Rechtsverstoss ersichtlich wäre« Es sind deshalb auch keine rechtlichen Bedenken dagegen zu erheben* wenn das Oberlandesgericht* zu demal da auch der Schiedsgutachter offensichtlich eine Beteiligung des Klägers an den Drainagskosten für gerechtfertigt gehalten hat* den Beklagten nicht für den vollen Ertragsausfall im Jahre 1959 verantwortlich macht und deshalb eine offenbare Unrichtigkeit des Schiedsgutaohtens verneint hat« 4o Da dem Kläger möglicherweise bei Feld 5 und 4 für die Jahre *'957 und "'’958 noch für weitere 205 Morgen eine Entschädigung von 250 DM je Morgen und Jahr zusteht, konnte das angefochteno Urteilg soweit die Klage in Höhe von i 250 DM nebst Zinsen abgewiesen ist* nicht aufrechterhalten werden* In diesem Umfang ist die Sache zur ander-weiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen worden* dem auch die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens zu übertragen war*