BGH · V ZR 67/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Vo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 26o April 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr0 Augustin und der Bundesrichter Dr. Freitag, jDr« Mattem, Hill und 5r. Das Erbbaurecht sollte am 1» Januar I960 beginnen und am 31- Dezember 2056 enden» Der Erbbauzins wurde auf jährlich 174 DM festgesetzt» Auf dem Erbbaugrundstück sollte die Klägerin für die Beklagten ein näher beschriebenes Reihenhaus gegen einen Kaufpreis von 49 600 DM errichten» Der in § 2 dos Vertrags erwähnte Lagcplan befindet sich weder bei der Urschrift noch bei den Ausfertigungen des Vertrags» Er lag jedoch bei den Vorverhandlungen und bei der Beurkundung des Vertrags den Parteien vor» Der Notar ließ sich bei dem Abschluß des Vertrags von den Beklagten bestätigen} daß sie das in dem Lageplan als Ir» 8 be-zeichncte Erbbaugrundstüek erwerben wollten» Die tatsächliche Lage des zugunsten der Beklagten zu belastenden Grundstücksteils ist zwischen den Parteien unstreitig» Die Klägerin hält den Vertrag für unwirksam, weil sich aus ihm nicht, wie es in seinem § 2 vereinbart worden sei, die Lage und die Größe der für das Erbbaurecht bestimmten Parzelle ergebe. Sie hat beantragt, den Beklagten als Gesamtschuldnern gegenüber fcstzustellen, daß der Vertrag vom 7° April 1962 - Nr» 210 der Urkundenrolle für 1962 des Notars Dr. Ulrich KflHIM - recht«unwirksam ist» Es ist jedoch der Auffassung, daß diese fehlerhafte Beurkundung des Vertrags dessen Wirksamkeit nicht beseitige, da anzunehmen sei, daß die Parteien den Vertrag auch ohne die Abrede über die Bezugnahme auf den Lageplan geschlossen hätten, wenn das Versehen des Notars von ihnen bemerkt worden wäre (§ 139 BGB)» Die Bezugnahme auf den Lageplan habe, so führt das Be- V rufungsgerieht weiter aus, ersichtlich nur der weiteren Individualisierung des zu belastenden Grundstücksteils gedient; dieses sei bereits ausreichend in § 1 des Vertrags nicht beigefügten Lagcplan außer Betracht läßt, in § 1 dec Vertrags lediglich dahin umschrieben ist, daß cs einen 'feil, der Parzelle 47/66 darstellt. Darin läge aber nur dann ein Formmangel im Sinne des § 313 BGB, wenn sich nicht im Wege der Auslegung des Vertrags ermitteln ließe, welchen realen Grundstücksteil die Parteien damit gemeint haben. 157 BGB bei der Aus-“ legung auch von Urkunden das gesamte Vorhalten der Erklären* den einschließlich aller Nebenumstände, etwaiger Vorbesprechungen und dos Zwecks der Erklärung zu berücksichtigen ist (Urteil des Senats vom 8. Biese Auslegung des Vertrags vermag der Senat selbst vorzunehmen; denn das Berufungsgericht hat eine Auslegung in dem dargelegton Sinne - bei seiner rechtlichen Beurteilung des Sachverhalts verständlich - überhaupt nicht vorgenommen und es sind auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, daß die Parteien hierzu noch weiteres Vorbringen könnten (vgl. Da nach dem Tatbestand des angefochtenen Urteils der Lageplan sowohl bei den Vorverhandlungen als auch bei der Beurkundung des Vertrags den Parteie vorlag und die tatsächliche Lago des mit dem Erbbaurecht zu belastenden Grundstücks zwischen den Parteien unstreitig war (BU S. 5) und außerdem die Parteien in § 2 des Vertrags nicht nur erklärt haben, daß sie sich über Lago und Größe der in § 1 bezeichneten Parzelle einig seien, sondern auch ausdrücklich auf den Lageplan Bezug genommen haben, ergibt diese Auslegung schon mit Rücksicht hierauf, daß die Parteien mit dem in § 1 des Vertrags genannten Teil der Parzelle 47/66 den Grunds tücksteil gemeint haben, der nach dem Lageplan für die Belastung mit dem Erbbaurecht in Frage kam* Bei dieser Sachlage kommt es nicht mehr darauf an, daß es in § 8 a dos Vertrags noch heißt, der Erbbauberechtigte habe sich von der Lago des Grundstücks überzeugt, und daß nach dem weiteren Inhalt dos Tatbestands dos angefochtenen Urteils (BU So $) der Notar sieh bei Abschluß des Vertrags von den Beklagten auch noch bestätigen ließ, daß sic das in dem Lagoplan als Nr* & bozeichnoto Erbbaugrundstück erworben wollten*