BGH · V ZR 64/61 vom 22.05.1963
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Mai 1963 unter Mitwirkung des Senatsprüsidentcn Dr. Tasche und der Bundesrichter Schuster, Dr. Piepenbrock, Dr. Freitag und Dr. Mattern für Recht erkannts Die Revision gegen das dem Kläger am 22. Er habe auch nur ein Zehntel des Bargebots bezahlt, den Rest aber bis heute nicht beglichen» Es sei ihm (Kläger) ferner der Toilungsplan vom 21» Oktober 1936 niemals zugestellt worden» Schließlich sei die Versteigerung deshalb sittenwidrig gewesen, weil er (Kläger) durch sie seinen ganzen Besitz verloren habe» 1» Die Revision wendet sich ausschließlich dagegen, daß das Berufungsgericht unter Anwendung des § 128 Abs« 2 ZPO im schriftlichen Verfahren entschieden hat« Dem Angriff liegt folgender Verfahrensablauf vor dem Berufungsgericht zu Gründe: Der Vorsitzende des erkennenden Senats des Berufungsgerichts hvfc am 3* November I960 den Oberlandesgerichtsrat Dr. G^^ zu dem Einzelrichtcr bestellt» In der von diesem auf 14* Dezember I960 bestimmten mündlichen Verhandlung haben sich, wie sich aus der Niederschrift über die Verhandlung ergibt, die beiden ParteiVertreter mit schriftlicher Entscheidung einverstanden erklärt, worauf Beschluß des Einzclrichtors dahin erging, daß schriftlich entschieden werde« Daraufhin wurde bereits am 19« Dezember I960 vom erkennenden Senat des Berufungsgerichts das jetzt angöfochtone Urteil beschlossen und den Parteien am 22» bzw« 20. Die Revision meint demgegenüber: Die Einverständniserklärung habe nur dahin gehen können, daß durch den Einzel-richtor ohne Ansetzung eines besonderen Verkündungstermins eine Entscheidung ergehe, und zwar mit Rücksicht auf § 523 a in Verbindung mit § 349 ZPO nicht als Endurteil. Gei aber eindeutig erkennbar gewesen, daß die Partei-vortretcr sich nur mit einer Entscheidung des Einzelrichters hätten einverstanden erklären wollen, dann habe das Kollegialgericht ohne neues Einverständnis der Parteien, das nicht ersichtlich sei, nicht entscheiden dürfen« Das von den Kläger erklärte Einverständnis mit einer schriftlichen Entscheidung habe die Entscheidung des Kolle-gialgerichtc durch Endurteil auch deswegen nicht gedeckt, weil es der erkennbaren Ansicht des Prosoßbevollmächtigten des Klägers entsprochen habe, die Sache sei noch nicht zur Endentscheidung reif, es werde vielmehr ein Beweisbeschluß oder ein Aufklärungsbeschluß ergehen« Das ergebe sich eindeutig aus dem auch in die Niederschrift über die mündliche Verhandlung vom 14« Dezember I960 aufge-nomnenen Hinweis dos Klägers, er biete die ,rin der Beru-fungebegründung aufgeführten Beweise an”« Das Einverständnis habe sich auch nur auf die nächste Entscheidung beziehen können« Das habe aber allenfalls die Entscheidung dos Einzelrichtcrs über dicVorlago der Akten an den Senat sein können« Da nicht unzweideutig zu erkennen gewesen sei, daß der Kläger die Sache im Sinne eines Endurtoilo für entschcidungoroif gehalten habe, hätte er mindestens nach § 139 ZPO befragt werden müssen« ■ liegt (BGHZ 4, 528, 354; 22, 267, 269)» Diese Nachprüfung ergibt jedoch keine Anhaltspunkte dafür, daß sich das Einverständnis des Klägers nur auf eine Entscheidung des Einzclrichters bezog und deshalb, wenn es als bedingte Erklärung überhaupt zulässig gewesen wäre, das von dem Senat des Berufungsgerichts erlassene angefochtehe' Urteil nicht gedeckt hätte (vgl» BGHZ 18, 61, 62/63)» In der Niederschrift über die mündliche Verhandlung vom 14» Dezember I960 ist uneingeschränkt nur von schriftlicher Entscheidung die Rede«, Es ergibt sich aus ihr weiterhin, daß der persönlich gehörte Kläger erklärte, er bestehe auf der Durchführung dos Verfahrens und bitte um eine Entscheidung» Schließlich war, v/i.o bereits aus dom Urteil des Landgerichts entnommen werden konnte, der Rechtsstreit schon auf Grund des Vorbringens des Klägers zur Entscheidung reif» Alle diese Gesichtspunkte sprechen dafür, daß an eine Endentscheidung dos Rechtsstreits gedacht war, die mit Rücksicht auf § 523 a in Verbindung mit § 349 ZPO nur das angqfochteno Urteil sein konnte» War dies aber der Pall, dann ist es unschädlich, daß für den am Schluß der mündlichen Verhandlung ergangenen Beschluß, es werde schriftlich entschieden, der erkennende Senat des Berufungsgerichts und nicht der Einzelrichter zuständig war» Dem Ergebnis steht auch nicht entgegen, daß der Kläger in der mündlichen Verhandlung die in der Berufungsbegründung aufgeführten Beweise angeboten hat«, Damit ist nichts anderes zu dem Ausdruck gebracht, als daß der Kläger auf diese Beweise, die sich auf die von ihm behaupteten Angaben des damaligen OrtsbaucrnfUhrcrs und Bürgermeisters bezogen und in übrigen den wesentlichen Inhalt der Berufungsbegründung darstellten, besonderen Wert legte» Der Kläger konnte auch nicht damit rechnen, daß das Berufungsgericht die angebotenen Beweise erhob, nachdem schon das Land-gericht den unter Beweis gestellten Vortrag dos Klägers als unerheblich bezeichnet hatte, und zwar deshalb, weil die etwaige gesetzwidrige Durchführung des Entschul-dungsvorfahrens auf die Gültigkeit dos Zuschlagsbeschlusses ohne Einfluß gewesen sei» Soweit die Revision weiter meint, das Einverständnis der Parteien mit schriftlicher Entscheidung habe das angefochtono Urteil auch schon deshalb nicht gedeckt, weil es jedenfalls durch die zunächst erfolgte Entscheidung des Einzclrichters, die Akten dem erkennenden Senat des Berufungsgerichts vorzulegen, verbraucht worden sei, übersieht sie, daß es sich bei der nächsten Entscheidung,v auf die sich das Einverständnis der Parteien bezieht, um eine Endentscheidung oder um eine Entscheidung handeln muß, durch welche die Endentscheidung wesentlich sachlich vorbereitet wird (BGHZ 17, 118, 123), hiervon aber bei der Abgabe des Rechtsstreits durch den Einzelrichter an das Kollegium, da sie lediglich einen inneren Vorgang des Gerichts därstcllt, nicht gesprochen worden kann (RG JYI 1932, 646; Baumbach/Lauterbach, ZPO 27o Auf 1 o § 128 An. 5 C; vgl. Da somit keine Anhaltspunkte dafür gegeben sind, daß sich das Einverständnis der Parteien nur auf eine Entscheidung durch den Einzelrichter hätte beziehen sollen, bestand schließlich für das Berufungsgericht zu einem Hinweis nach § 139 ZPO kein Anlaß.