BGH · V ZR 62/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zwischenzeitlich hatte die französische Besatzungsmacht gegen Zahlung von 12 900 RM Buchheit dessen früheres Besitztum in Petersberg zurückgegeben* ohne daß eine Auflassung erfolgte; die Besätzungstruppen beanspruchten das Grundstück aber in der Folgezeit für ihre Zwecke und besetzten es wieder» Die Gegenleistung«, nämlich die Übertragung des Anwesens der Eheleute habe das Reich nicht erbrachte Die Beklagte sei daher zur Rückübertragung der Grundstücke des Erblassers verpflichtet; dafür werde deren voller Wert als Wertersatz verlangte Beide Vertragsparteien und das Deutsche Reich) seien davon ausgegangenP daß die Existenzgrundlage und der Unterhalt für die Pamilie des Verkäufers durch den Erwerb eines Ersatsgrund-stückes sichergestellt werden sollten« Die Vertreter des Deutschen Reiches hätten hierzu den Ankauf des Anwesens Metzgei vorgcschlagcn und die Beschaffung dieses Grundstücks übernommen«, Der Anspruch auf Ersatz des vollen Grundstückswertes sei auch als Aufopferungsanspruch gerechtfertigt«. Die Beklagte hat um Klageabweisung gebeten« Sie beruft sich auf die §§ 1 und J AKG und meint9 es lägen getrennte Verträge vor« Die Saarpfälzische Vermögensverwertungsgeoell-schaft sei keine Dienststelle und keine Anstalt des Deutschen Reichesj dieses auch nicht Gesellschafterin der genannten Gesellschaft gewesen« Dem Erblasser seien in den jeweils in Betracht kommenden Verträgen verschiedene Partner gegenüber hilfsweise, festzustellen, daß die Kläger aus dem vorgetragenen Sachverhalt einen weiteren Entschädigungsanspruch gegen die beklagte Bundesrepublik erworben haben, der nach § 3 AKG einer besonderen gesetzlichen Regelung Vorbehalten bleibt« .J eine darüber hinausgehende Haftung der beklagten Bundesrepbulik für Verbindlichkeiten des Deutschen Reiches bestehe nicht» Es könne dahinstehen« ob die Verträge vom 25» Januar und 28» Februar 1940 ein einheitliches Ganzes bildeten* gehe man davon aus«, daß es sich um einen einheitlichen Tauschvertrag handle«, so hätten die Kläger zwar Ansprüche aus Rechtsmängelhaftungjv weil dem j Deutschen Reich die Erfüllung der Verpflichtung zur Über*-cignung des Anwesens schon bei Vertragsschluß subjektiv unmöglich gewesen sei» Solche Ansprüche gehörten jedoch nicht zu den von der beklagten Bundesrepublik zu erfüllenden Reiche« schulden» Eine andere rechtliche Beurteilung ergebe sich auch dann nicht«, wenn man die rechtsv/irksame Übereignung des Anwesens der Eheleute als Geschäftsgrundlage für den Kaufvertrag vom 28«, Februar 1940 ansehe und annehme«, daß dieser Vertrag von dem Fortbestand des Vertrages vom 25o Januar 1940 abhängig gemacht worden sei» Die Nichtigkeit des letztgenannten Vertrages hätte zv/ar die Nichtigkeit des Kaufvertrages vom 28o Februar 1940«, nicht jedoch die Nichtigkeit der Eigentumsübertragung zur Folge* Ansprüche aus § 812 BGB seien erloschen (§ 1 AKG)» Im Falle des Rücktritts vom Kaufvertrag oder seiner Nichtigkeit würde den Klägern allerdings ein Anspruch auf Zahlung dos Kaufpreises zustehen* dieser Anspruch 3ei aber in Verhältnis 10 : 1 umgestollt und den Klägern bereits zugebilligt» Ein Aufopferungcanspruch oder ein Anspruch aus enteignungsgloichcn Eingriff komme nicht in Frage«, weil die Xf Übereignung auf Grund eines Kaufvertrages erfolgt sei» Für eine Featstellungsklage im Rahmen des § 3 AKG- sei kein Raum; Rückgriffsansprüche* die den Rückerstattungspflichtigen nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches aus 1o Die Revision wendet sich in erster Linie dagegen* daß ein Anspruch auf.BnteignungsentscMdigung verneint worden isto Diese Rüge ist nicht begründet» Die damaligen Beteiligten (Erblasser» Deutsches Reich) haben sich über den Verkauf und die Übereignung des Grundbesitzes des Erblassers im Wege des Vertrages geeinigt» Mag es auch zutreffen* wie dies in solchen Füllen öfters geschehen sein wird* daß während der Verhandlungen -J auf die Möglichkeit einer Enteignung hingewiesen wurde und daß sich unter diesen Umständen die Veräußerung des Grundbesitzes vom normalen Fall eines Grundstückserwerbes unterscheidet; dies allein nimmt dem Rechtsgeschäft nicht den Charakter eines Vertrages und prägt ihm nicht schon den eines Enteignungsbe— Schlusses auf» In vielen Ländergesetzen,,, die das Recht der Enteignung näher bestimmen* wird den Beteiligten die Möglichkeit eingeräumt* in einem bereits schwebenden Enteignungsverfahren in Wege des Vergleiches eine Regelung hinsichtlich des streitigen Grundstückserwerbos zu treffen» Daß aber solche Vergleiche wie BnteignungsbeschlÜsse zu behandeln seien* ist weder in diesen Gesetzen ausgesprochen* noch wird dies im Schrifttum vertreten (vergl» Urteil des Senats vom 25» Sep tenber 1963 V ZR 203/61)» Zudem ist es dem Bundesgesetzgeber bei Schaffung des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes keineswegs verborgen geblieben* daß während der Herrschaft des Nationalsozialismus der Grundctückccrwerb durch die Wehrmacht in vielen Fällen nicht völlig freiwillig erfolgte, sondern unter dem Druck drohender Enteignung, wenn auch der Weg des notariellen Vertrages beschritten worden ist (vgl„ dazu den schriftlichen Bericht des Ausschusses für Geld- und Kreditwesen (22o Bundestagsausschuß) des Deutschen Bundestages über den Entwurf des Gesetzes, Deutscher Bundestag 2* Wahlperiode 1953 zu Drucksache 3529 So 6 zu § 1 0 des Entwurfes);. Demnach kommt es auf die von der Revision betonten Umstände nicht an, daß der fragliche Grundbesitz zwei Jahre lang vor dem Verkauf als Truppenübungsplatz benutzt worden war und daß der Kaufpreis für das Grundstück nicht bezahlt wurdeo Für die rechtliche Würdigung ist es auch nicht maßgebend, ob derartige Verträge, wie die Revision vorträgt, für den Fiskus deshalb besonders vorteilhaft waren, weil das Deutsche Reich für die aus der sogenannten Arisierung gewonnenen Grundstücke praktisch nichts zu bezahlen gehabt habe«» Es waren daher auch die Beweisangebote der Kläger nicht entocheidungserheblich (Klageschrift. allerdings"davon aus, daß die vorgesehene Entschädigung nicht im Kaufpreis» sondern in der Übertragung des Grundstückes der Eheleute Metzger bestanden habe» Zutreffend mag in diesem Zu- j sammenhang ihre Bemerkung sein, wer in einem Enteignungsverfahren enteignet worden sei» brauche sich nicht auf den Vorbehalt des § 3 Abs» 1 Nr» 1 AKG verweisen zu lassen, wenn er das ihm als Entschädigung zugewiesene Grundstück auf Grund der Rückerstattungsgesetzgebung an den Eigentümer zurückerstatten mußte» Wie in einem solchen Falle die Entschädigung festzusetzen ist, bedarf Jedoch keiner abschließenden Beantwortung; wie dargelegt, ist ein Fall der Enteignung nicht gegeben» Daher entfällt auch die Beantwortung der von der Revision auf geworfenen Frage-} > ob die Enteignungsentschädigung im Verhältnis 10 : % oder 1 x' % festzusetzen sei» Der Vertrag vom 28» Februar 194o ist, wie bereite bemerkt, ein Kaufvertrag, Die Leistung des Deutschen Reiches bestand in der Zahlung eines Kaufpreises« Insoweit ist die Verpflichtung der Käuferin auf die beklagte Bundesrepublik kraft Gesetzes übergegangen, der Anspruch auf Zahlung zu erfüllen (§9 Abs«, 1 AKG)«* Bin Anspruch gegen das Deutsche Reich wegen Richtverschaffung des Eigentums an dem Grundbesitz der Eheleute MflHHBläßt sich aus dem Vertrag vom 28« Februar 194o allein nicht ableiten«, Wollte man aber mit dem Berufungsgericht davon ausgehen, daß die Verträge vom 25« Januar und 28, Februar 1940 einen einheitlichen Tauschvertrag bilden«, und wollte man dem Umstand keine wesentliche Bedeutung bei-logen, daß bei diesen Rechtsgeschäften nicht dieselben Partner einander gegenüberstanden, so würde die rechtliche Würdigung nicht zu einem für die Kläger günstigeren-Ergebnis/Jfüh:cen,v--‘2war hätte dann d«'»s Deutsche Reich dafür einzustehen«, daß die Tauschgrundstückc an die Eheleute Metzger zurückerotattet werden mußten (§§ 55o9 434P 44o BGB)«, Aber die zunächst entstandenen Ansprüche der Kläger wegen Rechtsmängel dos Täusch-gegenstandes wären gemäß § 1 AKG erloschen (BGHZ 34P '«59? nicht gehindert, wenigstens das "Entgelt'* im Sinne des § 9 Abs» 1 AKG zu verlangen (vgl«, dazu auch Doll, AKG § 9 Anm, 3 Abs» 2 So 11-8 oben) o Bemerkt sei noch, daß § 10 Abso 2 des Gesetzentwurfes zu dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz dem Vertragspartner, der im lauschv/ege vom Deutschen Reich Grundstücke erworben hatte, die er auf Grund der Rückerstattunga-gesetzgebung später Zurückgaben mußte» einen Anspruch in Höhe von 10 des Schätzungswertes der zurückerstatteten Grundstücke zuerkannte® Diese Bestimmung wurde aber in das Gesetz nicht übernommen, weil man die Regelung dem in § 3 AKG angekündigten Gesetz überlassen wollte (vgl® den erwähnten Ausschussbericht aaO So 7 unten). Was die Revision zu dem Schadensersatzanspruch und Rechtsmängelanspruch und zu deren Umstellung noch vorträgt, geht sonach ins Leere® Solche Ansprüche gegen das Deutsche Reich sind von der beklagten Bundesrepublik nicht zu erfüllen; sie sind erloschen (§ 1 AKG)„ 3o Damit erweist sich die Revision, soweit sie sich gegen die Abweisung des.Hauptantrages wendet, als unbegründet«, Aber auch die Pcststellungshilfsanträge sind mit Recht zurückge— wiesen wordene Das trifft zunächst für den zweiten Hilfsantrag zu» wonach ein Anspruch auf Entschädigung nach enteignungsgleichen Grund-Sätzen festgestellt werden soll® Die Ansprüche der Kläger haben ihre Grundlage in einem Kaufvertrag uri<T nicht in einer Enteignungsverfügungo Sollte die französische Besatzungsmacht, wie noch zu prüfen sein wird (vgl« unten Nr® 4)? das Eigentum auf den Erblasser zurückübertragen haben, so ist jedenfalls nicht dargetan, daß sic es in der Folgezeit (nicht etwa nur requiriert, sondern) zwecks Reparation oder Restitution endgültig wieder entzogen hat® Das aber wäre die Voraussetzung für eine Berücksichtigung des Schadens im Rahmen des § 3 Abs® ? Der dem Erblasser dadurch entstandene Schaden, daß er zwar den Grundbesitz der Eheleute MflHH wieder zurückgeben mußte, aber an seiner Verkäuferin, der GrundStücksverwertungs-geocllachafts nach den Feststellungen des Berufungsgerichts keinen Rückgriff nehmen konnte (weil sie nicht mehr besteht), wird möglicherweise von der in § 3 AKG angekündigten Gesetzgebung erfaßt werden (vgl«, dazu §§ 5? 14 Abs„ 2 des Entwurfes eines Gesetzes zur Abgeltung von Reparations-, Restitutionsund Rückerstattungsschäden, Deutscher Bundesrat Drucksache Nr«, 246/63)0 Das mag auch auf Ansprüche wegen Rechtsmängel zutreffen, die gegen das Deutsche Reich bestanden und nach § 1 AKG erloschen sind (siehe vorstehende Ausführungen unter Nr«, 2), Den Klägern steht jedoch ein Entschädigungsanspruch gegen die beklagte Bundesrepublik aus dem vorgetragenen Sachverhalt nicht zu, weshalb auch die im dritten Hilfsantrag begehrte Feststellung, die auf dieser Grundlage ausgesprochen werden soll, nicht getroffen werden kann«, Für eine gegen die beklagte Bundes-repbulik gerichtete Feststellung des Inhalts, daß Rückgriffsrechte gegenüber dem Deutschen Reich oder der Grundstücksver-wertungsgesellschaft bestanden haben, fehlt es an dem Feststellungsinteresse der Kläger (BGHZ 34, 159, 165 ff; zustimmend Wolf, JZ 1963, 279, 282 ff; dazu noch F&aux de la Croix, ZfZ 1963, 244, 263 FuBn«, 34)«» ITicht entgegen steht die j Rechtsprechung des III«, Zivilsenats (DM § 3 Allgo KriegsfolgenG I Nr« 2; BGHZ 29, 28; Urteile vom 30* Oktober 1961, III ZR 95/60 j und 10. gesetzlichen Regelung Anspruchsgrundlagen im deutschen Recht bisher nicht gebe0.In allen diesen Fällen fehle es bereits an der sachlich-rechtlichen Voraussetzung für die Feststellung eines bestimmten Rechtsverhältnisses« Anders sei es für die verhältnismäßig kleine Gruppe jener Fälle;, in denen nach 1945 deutsche Stellen von hoher Hand in das Eigentum des Bürgers eingegriffen und Entschädigungsansprüche unter dem Gesichtspunkt der Enteignung oder des enteignungsgleichen Eingriffs ausgelost hätten» In diesen Fällen könne eine Feststellung des Entschä-digungsansprüchs grundsätzlich nicht in Frage gestellt werden» Aus den vorstehenden Darlegungen ergibt sich, daß die hier in Betracht stehenden Ansprüche in diesen der Feststellungsklage zugänglichen Kreis nicht fallen» Das Oberlandesgericht hat seine Feststellung, die französische Besatzungsmacht habe dem Erblasser den Grundbesitz gegen Zahlung von 12 900 RM wieder übergeben, ohne daß eine Rückauflassung erfolgt sei, nicht in den Kreis seiner rechtlichen Untersuchung einbezogen,, Dazu bestand aber Anlaßo Die Kläger hatten behauptet, daß damals ein Verkauf stattgefunden habe (GA 4? 63); die boklagte Bundesrepublik hatte dieser Darstellung nicht widersprochen (ßA 18)» Es handelt sich bei dem streitigen Truppenübungsplatz um unbewegliches Vermögen des Deutschen Reiches<> Dessen Vermögensrechte nahmen aber alsbald nach der militärischen Besetzung des deutschen Territoriums die Alliierten durch ihre Zonenbefehlshaber und die von diesen beauftragten Stellen wahr* Juni 1949 (J«0» S* 2043) ist das Vermögen des Deutschen Reiches auf die Länder aufgeteilt wordene Der von den Klägern behauptete "Verkauf1 des Truppenübungsplatzes dürfte in der Zwischenzeit erfolgt sein, da ein Kaufpreis in RM bezahlt worden ist« Daß die dabei tätig gewordene französische Dienststelle für einen Verkauf nicht zuständig gewesen sei, ist dem Berufungourtoil nicht zu entnehmen» Nach deutschen Recht sind allerdings bei der