BGH · V ZR 58/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Klägerin ist Eigentümerin des Hauses "Dl in |* Sie hatte das Haus9 mit Ausnahme der von ihr und ihrem Ehemann bewohnten Eaume, seit dem 1.ö Dezember 1950 mit vollem Inventar an Frau Gertrud KflIP zu dem Betrieb ei- DM monatlich verpachtete, Der Pachtzins wurde stets pünktlich gezahlt<> Im Herbst 1952 hatte die Klägerin das Pachtverhältnis (aus hier nicht interessierenden persönlichen Gründen) zu dem 3Io März 1953 gekündigte Als die Beklagte durch ein Zeitungsinserat vom 6c Dezember 1952 eine Pension im südlichen Hochschwarzwald zu dem Frühjahr 1953 zu kaufen oder zu pachten suchte«, bot die Klägerin ihr das Haus ' an9 das die Beklagte am 14o Januar 1953 besichtigteo Die Klägerin-hat die Beklagt e - bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen9 daß Frau 500 DM Pacht monatlich zahlec Nach einem Schriftwechsel kam es zu dem Abschluß des Pachtvertrages vpm 15o März 1953p der von der Beklagten am 3«. als Pachtzins seien höchstens 200 DM monatlich angemessen gewesen«; Der Pachtvertrag verstoße deshalb gegen die guten Sitten» Die Klägerin habe ihr außerdem wider besseres Wissen erklärt 9;die Vorpäehterin sei glänzend ausgekommen» Sie habe, ihr auch arglistig den Schwammbefall im Keller verschwiegen« Die Beklagte hat deshalb nochmals den Pachtvertrag wegen arglistiger Täuschung angefochten und gleichzeitig den Rücktritt vom;Vertrag wegen Wegfalls der Geschäft sgrundlage erklärt mit der.Begründung5 die Klägerin habe ihr vor und bei Vertragsabschluß.zugesichert9 werde die offene TerrgäTsse zu einem Srjeiseraum für 20 Per-r sonen ausbauen« Die Beklagte erblickt in .dem Verhalten der Klägerin auch ein Verschulden beim Vertragsschluß9 das die Klägerin zu dem Ersatz des Vertrauensschadens verpflichte« Die Klägerin hat das tatsächliche Vorbringen der Beklagten bestritten« .1c Pie Frage,der Nichtigkeit des Pachtvertrages ist lediglich nach § 138 Abs 1 BGB zu beurteilen nachdem die Beklagte in der Berufungsinstanz die Voraussetzungen des Wuchers gemäß § 138 Abs 2 BGB nicht mehr geltend gemacht hat* ’ * ...» 'J'i** sionsbetrieb nicht auf gegeben haben würde, wenn die Klägerin ihr nicht gekündigt hätte* Es hält Anhaltspunkte dafür, daß der von Frau gezahlte Pacht zins-, unangemessen hoch gewesen ;_sei, nicht für gegeben und führt dazu aus? gezahlt habe, obgleich sie sich eine Köchin habe halten müssen und auch sonst hohe Personalausgaben gehabt habe, an der Erhöhung des Pachtzinses auf 600,DM keinen Anstoß genommen« Es möge zutreffen,, daß es großer Rührigkeit und angespannter Tätigkeit bedurft habe, um den Pachtzins von 600 DM aus der Pension "D^^^n herauszuwirtschaftene< Von einem groben Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung könne jedoch keine Rede sein,, auch wenn man nur einen Pachtzins von 500 DM für angemessen, halten wollte.* Abgesehen hiervon seien auch keine Anhaltspunkte für ein verwerfliches Verhalten der Klägerin gegeben* Die Beklagte habe nichts vorgetragen:«, was den Schluß rechtfertigen könnte, die Klägerin habe erkennen müssen, daß Frau Geld habe zusetzen müssen* Ob die Vorpäcliterin überhaupt gezwungen gewesen sei, Geld zuzuschießen> stehe ohnehin nicht fest , weil sie sich gev/eigert habe, hierüber Einzelheiten mit-zuteilen* b) Die Revision bekämpft die Feststellung des Berufungsgerichts«, Frau würde den Pensionsbetrieb nicht aufgegeben haben, wenn die Klägerin ihr nicht gekündigt hätte* Diese Feststellung beruht auf einer VTüdigung der Beweisaufnahmean die das Revisionsgericht gebunden ist, da eine Gesetzesverletzung nicht vorliegt0- Frau K^J^,. hat als Zeugin entgegen dem Vorbringen der Revision nicht ausgesagt«, , sie hätte wahrscheinlich selbst gekündigt, wenn die Kündigung nicht von der Klägerin ausgesprochen worden wäre , sondern erklärt ? Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Feststellung des Berufungsgerichts, die offensichtlich dahin aufzufassen ist., daß Frau,K^(p| ohne .die Kündigung: der: Klägerin die Pension zu dem 31 März, 1953 wegen der Höhe der Pacht nicht aufgegeben hätte, auf einer Gesetzesverletzüng beruhen soll* Ebensowenig kann ein Rechtsverstoß darin erblickt da die Frage der Angemessenheit des Pachtzinses im Einzelfali nicht ohne weiteres nach den Leistungen und Erfolgen eines Pächters beurteilt werden kamu Auch wenn Frau Verluste ge- daß er schon lange mit der Klägerin zusammenarbeite » Pie. Revision verweist <in diesem Zusammenhang weiter auf das dem Schriftsatz vom 250 Mai wonach seine Bekanntschaft mit der Familie der Klägerin .darauf beruht, daß diese ihm einmal vor Jahren die Pension zur Verpachtung in Auftrag gegeben habe und er als Häusermakilervbei- dein Kauf eines Grundstücks in Titisee eingeschaltet worden seil Das Vorbringen der Beklagten in den Tatsacheninstanzen enthält entgegen der Auffassung der Revision nichts:, was als ein Ablehnungsgesuch zu werten gewesen wäre* Wenn die Beklagte den Sachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit hätte ablehnen wollen, so hätte sie dies eindeutig erklären müssenc Das Berufungsgericht hatte auf Grund des Vorbringens der Beklagten keinen Anlaß, die Präge der Ablehnung des Sachverständigen zu erörtern, zu demal da es sich um eine Ablehnung nach Einreichung des Gutachtens gehandelt hatte, die nach § 406 Abs•.2. daß eine Pension in der Art und Lage wie Haus tr bei weitem nicht für 200 DM monatlich zu pachten sei, auf seine eigene Sachkenntnis gestützt und damit offen- die im Ergebnis richtig sein mag, jedoch die Einzelheiten des vorliegenden Palles nicht genügend berücksichtigt v Unzutreffend ist die Auffassung der Revision y in der Feststellung, daß man eine dem Haus entsprechende Pension nicht für 200 DM monatlich pachten könne 9 liege ein Trugschluß5 weil die Frage dahin hätte lauten müssen? Selbst wenn der angemessene Pachtzins unter 600 LM oder gar unter 500 LM liegen sollte und eine Pacht von 600 LM als unangemessen zu bezeichnen wäre, so würde dieser Umstand allein .auch bei einem auffälligen Mißverhältnis von Leistung und Gegenlesitung noch nicht die Nichtigkeit des Pachtvertrages zur Folge habeno Es inuß vielmehr ein subjektives Moment.;«,, ein sittlich verwerfliches Verhalten der Klägerin, hinzukommen0 Ein Rechtsgeschäft ist,wegen Sittenverstoßes gemäß § 138 Abs 1 BGB nur dann nichtig«, wenn außer dem Mißverhältnis von Leistung und Gegenleistung eine solche Gesinnung des die übermäßigen Vorteile beanspruchenden Ver- 1 ff 5 BGH vom 5c März 19519 IV ZR 107/50, NJ\7 1951, 397) * Daß das Berufungsgericht, wie die Revision meint, bei der Prüfung der Voraussetzungen des § 138 Abs; 1:BGB die Beweislast verkannt habe, trifft nicht zu«. Wenn ein grobes Mißverhältnis•zwischen Leistung und Gegenleistung vorliegt, so kann dies allerdings unter Umständen als ein Anzeichen für ein sittenwidriges Verhalten eines Vertragsteil'es gewertet, werden, so daß bei der Beurteilung der: Sittenwidrigkeit in der Regel eine Prüfung des objektiven Sachverhalts erforderlich sein wirdo Diese Prüfung hält:die Revision auch im vorliegenden Pall für, geboten, weil, wie die Beklagte meint, das Oberlandesgericht aus einem groben Mißverhältnis der,beiderseitigen Leistungen offensichtlich Rückschlüsse; auf die subjektive Seite gezogen haben würde» Dies ist jedoch nach der Begründung des angefochtenen;Urteils nicht der Pall0 Das ^ Berufungsgericht hat unabhängig von der Prage;, welcher Pachtzins als angemessen zu bezeichnen sein würde, ein sittlich verwerfliches, Verhalten der Klägerin verneint« Es hat sich der Beweiswürdigung des Landgerichts ange--schlossen, nach dessen;Ausführungen die Klägerin vor allem wegen der:pünktlichen und regelmäßigen unbeanstandeten Zahlung der Pacht durch Frau K^p|annehmen konnte und durfte, ' die Verpächterin habe den Pachtzins von 500 DM ohne weiteres aus der Pension herauswirtschaften können« Die allgemein gehaltene Äußerung, die Frau nach der Kündigung der Klägerin gegenüber gemacht hat«, sie sei wirtschaftlich nicht’zurecht gekommen, hat das Berufungsgericht nicht als entscheidend angesehen, zu demal Frau nähere Einzelhei- ten hierzu nicht mitgeteilt hat0 Auch insoweit ist ein Rechtsverstoß nicht ersichtliche Im übrigen hat die Revision gegen die Beweiswürdigung keine Einwendungen erhoben, so daß, da auch sonst keine Re eilt sverle t zung vorliegt, die Si t t enwidrigkeit de s Pachtvertrages mit dem Berufungsgericht zu. 2o Die Anfechtung des Vertrages würde nach § 123 Abs 1 BGB begründet sein, wenn die Klägerin die Beklagte über die Rentabilität des Pensionsbetriebes arglistig getäuscht hätte Auch diese Voraussetzungen hält das Berufungsgericht nicht für gegebeno Die Angriffe der Revision, die sich lediglich gegen die Beweiswürdigung richten, sind nicht .begründete, Bas Berufungsgericht geht, ohne daß ihm ein Rechtsverstoß zur Last zu legen wäre, davon aus, daß die Klägerin keine genauere Kenntnis von der Wirtschaftlichkeit des Pensionsbetriebes ihrer Pächterin gehabt habe0 Bie Revision meint, es sei hierbei nicht berücksichtigt, daß die Klägerin bis zur Verpachtung:selbst die Pension geführt habe und deshalb sachkundig gewesen seio Es ist nicht anzunehmen, daß das Berufungsgericht diese Tatsache, obwohl es sie nicht ausdrücklich erwähnt;,: über sehen habe c Es hat ihr offensichtlich keine entscheidende Bedeutung beigelegt, weil seit der Verpachtung an Frau bereits zwei Jahre vergangen wareiii der Fremdenverkehr in dieser Zeit gerade im Schwarzwald eins erhebliche Steigerung erfahren hatte und im übrigen die Klä- Wegen des Schwair.mbe-falls im Keller hat das Berufungsgericht ebenfalls.eine arglistige Täuschung der Klägerin verneinte Hiergegen hat die Revision keine Einwendungen erhobene Bas Revisionsgericht ist somit? 4c Ein Schadensersatzanspruch der Beklagten wegen Verschuldens der,Klägerin beim Vertragsschluß ist ebenfalls nicht begründete Bas Berufungsgericht hält den Beweis für ein schuldhaftes Verhalten der Klägerin bei; den Vertragsverhandlungen nicht für, erbrachto Bas Vorbringen der Revision/ durch*die Rügen zur Beweisaufnahme in der Frage der arglistigen Täuschung sei den Erwägungen des Berufungsgerichts über das Fehlen eines Verschuldens der Klägerin beim Vertragsschluß die tatsächliche Grundlage entzogen? bei den Vertragsverhandlungen nicht ausschließto Die Haftung für Verschulden beim Vertragsschluß beruht auf einer Verletzung der Treuepflicht9 die jedem Vertragsteil dem anderen gegenüber bei den VertragsVerhandlungen obliegt und die vor allem die Offenbarung von Umständen erfordert * von denen der eine Teil sich sagen muß*, daß sie für den andern Teil erheblich sein könnenc Dies hat das Berufungsgericht nicht verkannt^ Mit der Revision mag davon ausgegangen werden«, daß die Äußerung der Klägerin* Frau K^J^ sei es gut gegangen* für die Klägerin erkennbar den Entschluß der Beklagten* die Pension zu pachten, ausschlag:-gebend beeinflußt hat» Bas Berufungsgericht hat jedoch ohne Rechtsverstoß den Beweis für die Unrichtigkeit der Äußerung der Klägerin nicht als erbracht angesehene Selbst wenn diese Beweiswürdigung zu beanstanden wäre und die Bemerkung der Klägerin objektiv unrichtig gewesen sein sollte so würde ein Verschulden der Klägerin nur dann vorliegen*" wenn die Klägerin erkennen mußte* daß Frau K^(P den Pachtzins aus der Pension nicht herauswirtschaften konnte« Pies ist nach den Feststellungen des Berufungsgerichts*: wonach die Klägerin den Eindruck gewonnen hätte* daß Frau K^flP sehr.gut ausgenommen sei* nicht der Falle Pie von der Revision hervorgehobene Tatsache, daß nicht selten gerade,: mit Verlust arbeitende-Geschäftsleute über ihre Verhältnisse leben*, besagt nichts dafür* daß die Klägerin dies auch von der Frau K^H hätte ahnehmen und daraus Rückschlüsse auf die Rentabilität des.Pensionsbetriebes hatte ziehen müssend Pie .etwaige Kündigungsabsicht der Frau K£| .^P ist ebenso wie ihre angebliche Weigerung, der; Beklagten über die Wirtschaftlichkeit der Pension Auskunft zu geben, für die Frage eines Verschuldens der Klägerin bei den Vertragsverhandlungen ohne Bedeutung» Pas Berufungsgericht hat danach, ohne daß eine Rechtsverletzung ersichtlich wäre, eine Haftung der Klägerin wegen Verschuldens heim Vertragsschluß verneinte Die Revision mußte deshalb als unbegründet zurückgewiesen werdenc Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 ZPO