BGH · V ZR 57/67 vom 06.03.1970
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BGB § 518 Sind Gegenstand eines Schenkungsversprechens nur Besitz und Nutzung einer Sache, so wird der Mangel der Beurkundungsform schon dadurch geheilt, daß der Schenker die Sache dem Beschenkten einmalig zu dem Zweck dieser Nutzung übergibt. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 6«, März 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Augustin und der Bundesrichter Dra Freitag, Dr. Mattem, Hill und Offterdinger für Recht erkannt: Die Erstbeklagte ist die Schwester des geschiedenen Ehemanns der Klägerin, Leo und öeit 1946 in zweiter Ehe mit dem Zweitbeklagten verheiratet« Das Berufungsgericht stellt in tatsächlicher Hinsicht fest: Mit dem Familienvertrag 1939 hätten die Beteiligten für die Erstbeklagte ein unentgeltliches schuldrechtliches Wohnrecht auf Lebenszeit an dem damals von ihr bev/obnten Zimmer im ersten Stock begründet» Hach dem Tod der Eltern hätten die Klägerin und ihr Ehemann mit der Erstbeklagten eine Vertragsänderung dahin vereinbart, daß sich das Wohnrecht der Erstbeklagten auf die bisherige Eltern-v/ohnung im Erdgeschoß (mit Kelleranteil und Waschhaus) beziehe und künftig ein Entgelt dafür zu leisten sei« Bern Gesellschaftsvertrag wesentlich ist das Bestehen eines gemeinsamen Zwecks (§ 705 BGB)» Ber gemeinsame Zweck kann allerdings mit gleichzeitig verfolgten Einzelzwecken der Beteiligten verbunden sein - das wird sogar die Regel bilden er braucht auch nicht, der Endzweck zu sein, es genügt, wenn er ein dem Endzweck der Beteiligten dienendes Mittel ist» Bie Beteiligten müssen sich aber jedenfalls verpflichten, den gemeinsamen Zweck in der durch den Vertrag vorgesehenen Weise zu fördern; die erbrachten Leistungen sollen nicht, wie bei Austauschverträgen, dem Einzelver-mögen der Beteiligten zufließen, sondern dem gemeinsamen Zweck dienen» Zur Gesellschaft gehört daher auch eine, wenn auch nur lose, Gemeinsehaftsorganisation zwischen den Beteiligten,. Der Tatrichter hat es für den vorliegenden Pall verneint, weil sich aus dem Eamilienvertrag kein gemeinsamer Vorteil für alle Vertragsparteien ergebe; einen Vorteil hat>e der Vertrag nur den Eltern Kfm^^ und ihrer erstbeklagten Tochter geboten, nämlich ein unkündbares Wohnrecht^ während die Miteigentümer des Hauses, der Sohn Leo und die Klägerin als seine damalige Ehefrau, zur Gewährung dieses Wohnrechts verpflichtet gewesen seien. Die Revision sieht einen gemeinsamen Gesellschaftszweck in der Gewährung und Erhaltung eines Heimes für olle Mitglieder der Großfamilie sie bezieht sich dafür auf die nach dem Vertragswortlaut allen Vertragschließenden auf erlegte n Vorsorge, daß das Haus erhalten bleibt", sowie auf die Vorteile, die auch die Eigentümer aus dem Vertrag gehabt hätten; durch Beiträge auch der übrigen Beteiligten zur Hausabzahlung und durch Zusammen- t leben und Zusammenhalt der Großfamilie gerade in der unsicheren Kriegs- und Nachkriegszeit. bot, ergibt noch nichts Zwingendes für einen Gesellschafts-Vertrag und gegen einen bloßen Austauschvertrag (Gebrauchsüberlassungsvertrag)«, Und auch die Abzahlung und Erhaltung des Hauses war selbst dann, wenn sie dem gemeinsamen Interesse aller Beteiligten entsprach, zwar möglicher, aber nicht notwendiger Gegenstand gemeinsamer rechtsgeschäftlicher Zweckvereinbarung im Sinne eines - typischen oder atypischen Gesellschaftsverhältnisses. Bewirkt im Sinne jener Vorschrift ist die schenkweise versprochene Leistung dann, wenn der Schenker alles getan hat, was von seiner Seite zu dem Erwerb des Schenkgegenstands durch den Beschenkten erforderlich ist (vgl. das von seiner Seite aus Erforderliche auch für die Zukunft vollständig getätigt (Böhle-Stamschräder bei Erman BGB 4« Aufl. es für § 518 Abs. 2 BGB entscheidend nicht darauf an* ob die erbrachte Leistung Versorgungscharakter hat, sondern ob sie die ganze vom Schenker versprochene Tätigkeit oder nur einen Teil davon darstellt; letzteres kann bei wiederkehrenden Leistungen (zu nur einem Teil des vorgesehenen Seitraums)zutreffen, aber nicht bei nur einmalig geschuldeten Leistungen wie einer Besitzüberlassungo Die in § 567 Satz 1 BGB begründete Möglichkeit, daß längere Mietverhältnisse nach 30 Jahren gekündigt v/erden können, gilt nach Satz 2 aaO dann nicht, v/enn der Vertrag für die Lebenszeit des einen oder andern Teils geschlossen ist0 Im letzteren Sinn hat das Oberlandesgericht den Familienvertrag ausgelegt. Ein Rechtsfehler des angefochtenen Urteils ergibt sich auch nicht hinsichtlich der Person des Z\^eitbeklagten, weil nur seine Ehefrau und nicht auch er selbst Partner des Familienvertrags sei. Die von der Revision verneinte Frage, ob der Zweitbeklagte selbst Mieter geworden ist oder sonstwie ein eigenes Wohnrecht hat, ist vom Oberlandesgericht richtigerv/eise offen gelassen worden. Besteht ein eigenes Besitzrecht des Zweitbeklagten nicht, wovon in diesem Hechtszug auszugehen ist, so könnte die Klägerin zwar heim Vorliegen eines Raumungsansprucbs gegen die Erstheklagte ohne weiteres auch vom Zweitbeklagten die Räumung verlangen» Solange jedoch die Erstbeklagte der Klägerin gegenüber zu dem Besitz der Wohnung berechtigt ist und sie als Ehewohnung zusammen mit dem Zweitbeklagten benutzt, kann die Klägerin auch gegen den Zweitbeklagten mit einem Räumungsbegehren nicht durchdrungen. Ein Wobnraumüberlassungsvertrag jedenfalls der vorliegenden Art ist, wenn keine besonderen Anhaltspunkte für das Gregenteil vorliegen, entsprechend der Verkehrsauffassung (§ 157 BGB) in der Regel dahin auszulegen, daß der Raum-nutzungsberechtigte dem Nutzunggewährenden gegenüber berechtigt ist, in die ihm zu dem Gebrauch zustehende Wohnung auch seinen Ehegatten aufzunehmen (vgl» Mezger bei Soergel/ Siebert BGB 10 Aufl» § 535 Rdn» 39; ferner zur neuesten Recbtsentwicklung §§ 569 a und 569 b BGB in der Passung des Gesetzes vom 14. die Scheidung der Ehe zwischen dem Sohn Leo und der Klägerin, die Ehescheidung und Wiederheirat der beklagten Tochter, ihr und ihres Ehemanns Rentenberecb-tigungp Es hat ein loslösungsrecht der Klägerin nach § 242 BGB verneint, weil trotz dieser Entwicklung der Verhältnisse die Fortsetzung der Wohnungsgewährung an die Beklagten für die Klägerin nicht unzu demutbar sei«, Biese Würdigung enthält keinen Rechtsirrtum (vglo Senatsurteil vom 20o März 1953 V ZR 123/51 IM BGB § 247 Nr. 1). Schließlich hat das Berufungsgericht auch nicht verkannt, daß die Beklagten jetzt andere und mehr Räume inne haben, als der Erstbeklagten im Familienvertrag zugewiesen wurden» Es hat jedoch tatrichterlich fest-gestellt, daß die Klägerin und die Erstbeklagte über diesen Raumwechsel eine Vereinbarung getroffen haben, wonach sich das Nutzungsrecht der Erstbeklagten seit dem Tod der Eltern auf deren bisherige Wohnung erstreckte» Wirksamkeitsbedenken aus § 566 BGB bestehen nicht, weil bereits der schriftliche Hauptvertrag von 1939 eine lebenslängliche Raumüberlassung sowohl für die Eltern als auch für die Erstbeklagte bestimmt und sich sowohl auf das Obergeschoßzimmer als auch auf die Erdgeschoßwohnung erstreckt, so daß die spätere Vereinbarung keinen neuen Vertrag oder auch nur eine Änderung des alten Vertrags, sondern nur eine Konkretisierung seines Inhalts darstellt» Auch einen sonstigen Rechtsirrtum vermag’die Revision hier nicht aufzuzeigen»