BGH · V ZR 53/58 vom 01.10.1958
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Der Beklagte leugnet seine Pflicht zur Auskunfterteilung, weil das Vermächtnis von der Klägerin angenommen worden sei und den Wert des Pflichtteils erreiche. der Abkömmling Pflichtteilsberechtigte seiOb ein Pflichtteilsanspruch wegen Gleichwertigkeit des Vermächtnisses ausgeschlossen ist (§ 2307 Abs, 1 Satz 2 BGB) und wer dafür die Beweislast trägt; hält das Berufungsgericht für unerheblich. Die Entscheidung hängt einmal davon ab, ob § 2314 BGB \ das Bestehen eines Pflichtteilsanspruchs (Geldsummenanspruchs) ' oder nur des Pflichtteilsrechts (familienrechtliches Verhältnis •zu dem Erblasser im Sinne der §§ 2303 5 2309 BGB) voraussetzt, und zu dem anderen davon, ob nach § 2307 Abs, 1 Satz 2 BGB für den Vermächtnisnehmer bis zur Vermächtnisausschla-gung bei Gleichwertigkeit (oder Mehrwertigkeit) des Vermächtnisses gegenüber dem Pflichtteil nur der Pflichtteilsanspruch oder auch das Pflichtteilsrecht als solches ausgeschlossen ist. Die meisten Erläuterungsbücher behandeln den Auskunftsanspruch für § 2307 BGB überhaupt nicht, sondern nur für den ganz anders gelagerten § 2306, wo der Pflichtteilsberechtigte bis zur Ausschlagung Erbe ist und daher schon die zweite - negative - Voraussetzung d.es § 2314 BGB - "nicht Erbe" - fehlt (PlancV . Aufl« 5 Erman/Bartkol°®eyözik lo f sgmtlich in An. 1 zu § 2314)• Soweit die Bedeutung des Unterschieds zwischen Pflichtteilsrecht und Pflichtteilsanspruch erörtert wird, bleibt § 2314 BGB durchweg unerwähnt (Planck/Greiff Vorbem. Vermächtnisses, aber ohne nähere Begründung und im bloßen inschluß an den Pall des § 2506 BGB, bei dem, wie erörtert, der Auskunftsanspruch aus einem völlig anderen. Ein Auskunftsanspruch, der die Geltendmachung eines möglichen HauptanBpruchs vorbereiten soll, hat den Zweck, dem möglicherweise Berechtigten diejenigen tatsächlichen Kenntnisse zu verschaffen, die nötig sind zur Beurteilung, ob der - meist auf Geld oder Herausgabe gerichtete - Hauptanspruch besteht und in welchem Umfang. Dem Sinn und Zweck des Auskunftsanspruchs widerspräche es jedoch, würde man seine Geltendmachung weiter vom Nachweis abhängig machen, daß der Hauptanspruch auch der Höhe nach in irgend einem wenn auch unbestimmten Mindestumfang (mehr als Null) begründet sei. Dementsprechend wird von Rechtsprechung und Lehre noch über die gesetzlich geregelten einzelnen Auskunftsansprüche hinaus auf Grund von § 242 BGB ein Auskunftsanspruch immer dann bejaht, wenn jemand entschuldbar über Bestehen und Umfang seines Rechts Wenn dabei von Gläubiger und Schuldner des Hauptanspruchs gesprochen wird, so ist das, soweit die Anspruchshöhe in Frage steht, eine ungenaue Ausdrucksweise; gemeint ist der mögliche Gläubiger und der mögliche Schuldner; denn wenn gerade die Ungewißheit (auch) über den Bestand des Hauptanspruchs den Auskunftsanspruch begründet, so kann der Hachweis seines Bestandes auch der Höhe nach nicht schon Voraussetzung des Auskünfte-* anspruchs selbst sein. 1575 zitiert die Rechtsprechung im gleichen Sinne; er selbst ist zwar abweichender Auffassung, erkennt aber das praktische Bedürfnis ebenfalls an und will mit einem prozessualen Auskunftsanspruch helfen, der sich jedoch nicht durchgesetzt hat.) Allerdings wird gelegentlich veriangif, daß der Auskunft Fordernde das Bestehen eines Hauptanspruchs auch der Höhe nach (z. So setzt der Auskunftsanspruch des Auftraggebers' (§ 666 BGB; ihm folgend §§ 681, 713 BG3) das Bestehen und gegebenenfalls den Nachweis eines Auf-tragsverhältnißBeB voraus, aber nicht, daß der Beauftragte bereits aus der Geschäftsbesorgung etwas erlangt (oder das Geschäft auch nur ganz oder teilweise besorgt) hätte. 2 BGB) und die erbrechtlichen Auskunftsansprüche (§§ 2027, 2362, 2011, 2012, 2127; ähnlich §§ 2028, 2057 EGB) setzen eine bestimmte familienrechtliche oder erbrechtliche Stellung '('als Ehegatte, Erbe, Nachlaßgläubiger oder Nacherbe) voraus, aber nicht, daß der den Auskunftsgegenstand bildende Vermögensinbegriff (Zugewinn, Nachlaß usw.) einen Aktivwert darstellt,, was der Höhe nach Voraussetzung für die durch den Auskunftsanspruch vorzubereitenden Hauptahsprüche (auf Herausgabe usw.) wäre. h. die Befugnis, von einem bestimmten Anderen den Pflichtteil zu verlangen (§ 194 BGB; Planck/Greiff BGB paO § 2303 Arun.5.)., und ist eine bloße Geldsummenforderung (RGZ 116, 55 BGHZ 5, 12, 17)- Mit Rücksicht auf die unterschiedliche Bedeutung des Pflichtteilsrechts und des aus ihm unter Umständen entspringenden Pflichttoils-anspruchs hat das Reichsgericht (RGZ 65, 270, 275) in einem Palle, in dem' ein Pflichtteilsberechtigter als Besitzer eines Nachlaßgrundstücks auf Herausgabe in'Anspruch genommen wurde von einem Drittenj der vom Alleinerben auf Grund Nachlaßübergabevertrags das Eigentum daran erworben hatte, dem Pflichtteilsberechtigten sogar ein Zurückbehaltungsrecht aus dessen Pflichtteilsrecht versagt, weil die Herausgabeverpflichtung nicht auf demselben Rechtsverhältnis beruhe, aus dem er einen persönlichen Pflichtteilsanspruch gegen den Erwerber des Nachlasses.ableite. Dem Pflichtteilsanspruch des Trägers des Pflichtteilsrechts steht schließlich die Pflichtteilsverbindlichkeit des Trägers der Pflichtteilslast gegenüber (§ 1967 Abs. 2 BGB; vgl. b) Gemäß § 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB kann der Pflichtteilsberechtigte, der nicht Miterbe ist (andernfalls ständen ihm bereits die Befugnisse aus §§ 2027, 2028, 2038, 666, 681 BGB zu),' von dem oder den Erben Auskunft Über den Bestand des Nachlasses verlangen. Das Berufungsgericht fordert als Voraussetzung des Auskunftsanspruchs aus § 2314 BGB nur das Bestehen eines Pflichtteilsrechts im erörterten Sinne, nicht auch eines Pflichtteilsanspruchs« Die Revision bekämpft das zu Unrecht. Daß § 2314 BGB - abgesehen von dem hier erfüllten negativen Erfordernis, daß der Auskunftverlangende nicht Erbe ist - keinen Pflichtteilsanspruch, sondern nur das Bestehen des Pflichtteilsrechts als solchen voraussetzt, entspricht schon seinem Y.rortlaut, der nicht auf den Pflicht-teilsgl'äubiger, sondern auf den Pflichtteilsberechtigten abstellt. Es wäre wenig sinnvoll, den Hilfsanspruch von der gegebenenfalls erst zu beweisenden Voraussetzung des Bestands der Hauptforderung’ (Pflichtteilsforderung) abhängig zu machen, obwohl er dem möglicherweise Porderungs-berechtigten, der sich regelmäßig in Beweisnot befindet, erst die tatsächlichen Unterlagen für die Berechnung*liefern soll, ob und in welcher Höhe er eine Hauptforderung habe« Die beim Auskunftsanspruch des § 242 BGB (oben 1) gegebene Gefahr einer uferlosen Ausweitung ist im Pall des § 2314 BGB (ebenso wie bei den sonstigen gesetzlich geregelten Auskunftsansprüchen) von vornherein nicht gegeben, da er bereits ein ganz konkretes Rechtsverhältnis zwischen den Beteiligten - die Rechtsstellung des Pflichtteilsberechtigten gegenüber ’dem Erben - voraussetzt. schem Grunde, nämlich wegen mangelnden Bedürfnisses, wird der Auskunftsanspruch allerdings ausnahmsweise negativ mit dem Pflichtteilsanspruch gekoppelt insofern, als er dann verneint wird, wenn bereits feststeht, daß der Pflichtteilsberechtigte einen Pflichtteilsanspruch unter keinen Umständen erheben kann (RGZ 129, 239, 241, 242), so insbesondere nach rechtskräftiger Abweisung des Pflichtteilsanspruchs (SächsOLG 40, 125, 127/28); hierbei handelt es sich jedoch um einen Ausnahmetatbestand (rechtsvemichtende Einwendung), den der auf Auskunft Belangte (Erbe) zu behaupten und zu beweisen hat. Begrifflich ist Pflichtteilsberechtigter im Sinne von § 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB jeder, der zu dem durch § 2303 und 2309 BGB abgegrenzten Personenkreis gehört? Der Auskunftsanspruch ist nicht nur Ausfluß des Pflichtteilsrechts (RGZ 50, 225; 115, 27, 29), sondern gehört zu dem gesetzlichen Inhalt des Pflichtteilsrechts als solchen (Prot* zu dem BGB S. 3«- Baß ein angenommenes yermächtnis den Pflichtteilswert deckt, schließt nach § 2307 Abs. 1 Satz 2 BGB zwar den Pflichtteilsahspruch, aber nicht das Pflichtteilsrecht aus, Pflichtteilsberechtigte gehalten sein, bestimmte Zuwendungen des Erblassers anzunehmen, will er nicht den vollen oder den durch die Zuwendungen gedeckten Pflichtteil einbüßen (Mugdan aaO S. ter Erbteil hinterlassen, der gleich der Hälfte des Wertes seines gesetzlichen Erbteils oder■größer ist, dann benötigt .und hat er keinen Pflichtteilsanspruch, da er den Erbteil annehmen kann; schlägt er den Erbteil aus, so soll und kann er sich einen Pflichtteilsanspruch auch nicht verschaffen (vgl. RGEK BGB aaO § 2305 An. 2; Planck/Greiff, BGB aaO § 2305 An. 1), Ist ihm ein mit Beschränkungen und Beschwerungen belasteter Erbteil zugewendet, der die Hälfte des Wertes seines gesetzlichen Erbteils übersteigt,, so kommt ihm ein Pflichtteilsanspruch nicht zu, wenn er annimmt; in diesem Palle bleiben auch die Belastungen bestehen (vgl,: RGZ 113, 45, 48; RGSK BGB aaO § 2306 An. 3; SoergeVühard/ . Ist dem Pflichtteilsberechtigten ein hinter der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils zurückbleibender, mit Beschränkungen und Beschwerungen nicht belasteter Erbteil hinterlassen, so steht ihm bei dessen Annahme wegen des Wertunterschiedes ein Pflich'tteilsrestanspruch zu (§ 2305 BGB). Ist ihm ein geringerer oder gleichwertiger "belasteter Erbanteil zugewendet, so gelten im Palle der Annahme die Belastungen kraft Gesetzes als nicht angeordnet; ihm erwächst ein entsprechender Pflichtteilsrestan-spruch (§ 2306 Abs. 1 Satz 1 BGB; vgl. Schlägt er indessen aus, dann steht ihm, soweit der hinter-lassene Erbteil hinter dem Pflichtteil zurückbleibt, ein Pflichtteilsrestanspruch zu (§ *2305 BGB) , dessen Höhe sich nach dem Unterschiede zwischen der Hälfte des Wertes seines gesetzlichen Erbteils und dem Erbteil einschließlich der Belastungen richtet (vgl. RGZ 93, 3, 9; JW 1926, 154-3; RGHK BGB aaO § 2306 An. 2; Soergel/Ehard/Eder,'BGB aaO § 2306 An. 3)- Ist der Pflichtteilsberechtigte schließlich mit einem Vermächtnis gleich welchen Umfangs bedacht (vgl4 Planci/Greiff, BGB aaO § 2307 An. 1), dann kann er den vollen Pflichtteil verlangen, wenn er ausschlägt (§2307 Abs. 1 Satz 1 BGB). Schlägt er jedoch nicht aus, so hat er nur einen Pflichtteilsrestanspruch, soweit der Wert des Vermächtnissen nicht reicht (§ 2307 Abs. 1 Satz 2 BGB); in diesem Palle bleiben etwaige Beschränkungen und Beschwerungen des Vermächtnisses zwar bestehen, aber bei der Berechnung des Vermächtniswerts außer Betracht, auch wenn dadurch der reine Wert des Vermächtnisses, den Pflichtteil nicht erreicht (vgl. b) Hiernach ist der Auskunftsanspruch des pflichtteilsberechtigten Vermächtnisnehmers, der das Vermächtnis annimmt, zunächst unbedenklich dann gegeben, wenn das Vermächtnis den Pflichtteil wertmäßig nicht erreicht; denn in diesem Palle steht ihm nicht nur das Pflichtteilsrecht, sondern auch ein Pflichtteilsrestanspruch in Höhe des Wertunterschieds zu (insoweit entsprechend dem Pall der Erbeinsetzung, § 2305 BGB). Vermächtnis den Wert des Pflichtteils mindestens erreicht, ist ein Pflichttcilsanspruch ausgeschlossen; es fragt sich, oh hier auch das Pflichtteilsrecht seihst ausgeschlossen ist. Pas ist zwanglos dahin zu verstehen, daß nicht das Pflichtteilsrecht als solches, sondern nur der Pflichbteilsan-spruchim Umfang des Vermächtnisses ausgeschlossen werden soll« Penn die Bezeichnung "Pflichtteilsberechtigter" oder "pflichtteilsberechtigt" wird vom Gesetz auch sonst in Bällen verwendet, wo ein Pflichtteilsanspruch zunächst nicht besteht, weil die in Betracht kommende Person nicht von der Erbfolge ausgeschlossen ist (§ 2303 BGB)s so in §§ 2305, Ein solches Auskunftsbedürfnis besteht für .den mit einem Vermächtnis bedachten Verwandten oder Ehegatten nicht nur dann, wenn er das Vermächtnis ausgeschlagen hat, sondern auch und gerade schon vorher, damit er sich über die Annahme oder Ausschlagung des Vermächtnisses schlüssig werden kann, und nicht nur dann, wenn der Vermächtniswert den Pflicht- 4c Wach allem geht die Ansicht der Revision fehl, der Klägerin sei der Weg des § 2314 BGB zunächst noch verschlossen, weil sie zuvor nachweisen müsse, daß das Vermächtnis nicht ausreiche und daß ihr infolgedessen noch ein Pflichtteilsrestanspruch zustehe, ehe sie mit Hilfe des Auskunftsanspruchs die Höhe dieser Forderung zu ermitteln berechtigt sei. Zv;ci-feihaft kann hier allerdings sein, ob beim Pflichtteilsrestanspruch des § 2307 Abs. 1 Satz 2 BGB zu dem Klaggrund auch gehört, daß das Vermächtnis entweder ausgeschlagen sei oder den Pflichtteilswert nicht voll decke; das hängt mit der umstrittenen Frage zusammen, ob der Pflichttcils-anspruch des Vermächtnisnehmers im Umfang der Wertdeckung erst nach Vermächtnisausschlagung entsteht (so die heute herrschende Meinung: Zitelmann, ArchBR 29, 159» 160 ff; Staudinger/Herzfelder, BGB 9. Erst wenn der Pflichtteilsberechtigte ohne oder nach Einholung der in § 2314 BGB umschriebenen Auskunft den Pflichtteilsrestanspruch' des § 2507 Abs. 1 Satz 2 BGB erhebt, kommt die in dieser Vorschrift enthaltene Beweislastverteilung zu dem Zuge; erst dann mag ihm der volle Nachweis dafür obliegen, welchen Wert das ihm zugewandte Vermächtnis hat, und gegebenenfalls, daß die Auskunft zu seinem Nachteil unrichtig erteilt worden und daß und inwieweit infolgedessen die Hälfte d.eB Wertes seines der Pflichtteilsberechnung zugrunde zu legenden Erbteils dementsprechend höher und der Pflichtteilsrestanspruch folglich größer ist.