BGH · V ZR 51/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die 3 000 DM und eine Anzahlung von 5PQ’DM auf den Grundstückskaufpreis wurden als bereits entrichtet bezeichnet* Wegen des Restkaufgeldes, das nach näheren Bestimmungen gestundet wurde* bestellte die Klägerin eine Briefhypothek von 7 800 DM und unterwarf sie sich der sofortigen Zwangsvollstreckung in ihr Vermögen mit Wirkung gegenüber dem jeweiligen Grundstückseigentümer« Die Übergabe wurde für den 16« September 1949 vereinbart« .Die. Verkäuferin übernahm die Gewähr für einen Mangel im Recht, dagegen stand sie gemäß. März 1950 ohne nähere Angabe von Gründen mitteilen lassen, sie werde den Kaufvertrag anfechten, den Kaufpreis zurückverlangen und die am Io April 1950 fällige Rate von 500 DM nicht zahlen® Am 10o August 1950 hat sie der Beklagten auf demselben Wege eröffnen lassen* ihr sei bereits am 20« März 1950 mitgeteilt worden* die Klägerin fühle sich durch unwahre Behauptungen der Witwe ü^pp betrogen* Diese habe nach •ihrem Einzug festgestellt, daß ihr bei Vertragsabschluß unwahre Tatsachen vorgespiegelt und wesentliche nachtei-. lige Umstände verschwiegen worden seien* Sie sei deshalb 3u weiteren Zahlungen nicht bereit und mache den Ansprüchen der' Beklagten gegenüber die Einrede der Arglist gel-tendo Auf Anzeige der Klägerin war inzwischen gegen Witwe fttppp, Justizinspektor H^p und dessen Frau ein staats-anwaltschaftliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, das indessen bis zur rechtskräftigen Entscheidung dieses Rechtsstreits vorläufig eingestellt worden isto Die Klägerin begehrt im Wege der Vollstreckungsgegenklage-, die Zwangsvollstreckung aus der angeführten Notariatsurkunde zugunsten der Beklagten gegen die Klägerin für unzulässig zu erklären«, Sie beruft sich auf die Begründung des Briefes ihres Prozeßbevollmächtigten vom 20® März 1950 und erhebt den Vorwurf des Betrugs sowohl gegen die Verkäuferin als auch gegen ihren Schwiegersohn als ihren Bevollmächtigteno In erster Linie weist sie dabei auf die ihr verheimlichte Baufälligkeit des Hauses hin« Sie will bewußt davon abgehalten worden sein, bei der Besichtigung den besonders baufälligen Teil des Kellers, die «Kasematte« anzusehen, indem m8n ihr Streitigkeiten mit Mietern vorgetäuscht habe, die von den Kaufsverhandlungen nichts hätten erfahren sollen, und indem man ihr die Auflage des Landrats vom 9*Juli 1948 verschwiegen habe® Ebenso will sie Uber den Wert des Schlossereiwerkzeuges und Uber die Verwertbarkeit der Tankstelle arglistig und in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise getäuscht worden sein® Demgemäß hält sie den Kaufvertrag schon gemäß § 138 BG® fUr nichtig!insbesondere stutzt sie sich aber auf ihre Anfechtung.® Die Beklagte hält diesen Vortrag fUr unbegründet® ;Ihrer Auffassung nach ist der sehlechte bauliche Zustand des Hauses und nicht, nur der "Kasematte« der Klägerin vor Abschluß des Kaufvertrages offenbar geworden« Sie macht geltend, für die Entschließung der Klägerin sei der Zustand des Hauses nicht ursächlich gewesen, sondern die besonders günstige Lage des GrundStücks für Geschäftszwek-ke* Die Klägerin habe erklärt, sie wolle das Haus abreis-sen und binnen Jahresfrist einen Neubau erstellen lassen« Sie sei auch nicht von einer gründlichen Besichtigung des Hauses abgehalten, sondern im Gegenteil darauf hingewiesen worden, wegen der schlechten Tragfähigkeit der Holzkonstruktion im Speicher nichts zu lagern® Trotzdem habe sie diesen dann schwer belastet und damit den Zustand des Hauses verschlechterte Auch über das mitverkaufte Geschäft einschließlich Schlosserei und Tankstelle sei die Klägerin genau unterrichtet worden® 1« Pas Berufungsgericht ist der Auffassung, daß die Voraussetzungen weder für eine Anfechtung des Kaufvertrages vom 5o August 1949 wegen arglistiger_Täuschung der Klägerin, noch für eine Nichtigkeit dieses Vertrages wegen Verstoßes gegen die guten Sitten gegeben seien* Es schließt sich dabei den Feststellungen des Landgerichts an, die auf eine eingehende und erschöpfende Beweisaufnahme gegründet seien und auf einer zutreffenden Würdigung des Beweisergebnisses in allen Einzelheiten unter Beiziehung sämtlicher einschlägiger Akten und Urkunden und unter Besichtigung des Hauses beruhten* Es meint, alle Umstände seien vom Landgericht einer eingehenden und sorgfältigen Prüfung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht unterzogen worden, die für die Präge, ob eine Anfechtung des Kaufvertrages wegen arglistiger Täuschung oder einer Nichtigkeit wegen eines Verstoßes gegen die guten Sitten deshalb in Betracht kommen könnten, weil irreführende Angaben über den Bauzustand dca Hauses, den Wert des Geschäftes einschließlich des Schlossereiwerkzeuges und der Verwertbarkeit der Tankstelle gemacht worden wären* Im einzelnen Bie Auflage des Landrats vom 9o Juli 1948 führt es nicht auf Einschreiten von Amtswegen, sondern auf Veranlassung der Hauseigentümerin zurück, die damit eine Unterlage für ihr Räumungsverlangen gegen den Pächter hätte erlangen wollen. Auf die Kenntnis der Klägerin vom ‘Zustand des Hauses schließt das Landgericht auch aus ihrem sonstigen Verhalten vor und nach der Übergabe der Grundstücke bis zu dem März 1950« Das Landgericht sieht weiter zwar nicht als erwiesen an, daß die Klägerin die Auflage vom 9« Juli 1948 im einzelnen bei Vertragsschluß gekannt habe, hält aber eine weitere Aufklärungspflicht der Verkäuferin nicht für gegeben« Es meint, die späteren Auflagen und die'weitere Entwicklung seien von dieser Anfang August i949 schlechthin nicht zu erwarten gewesen, vielmehr durch Hinweise an die Baubehörde und Unterlassen der Giebelerneuerung von der Klägerin selbst eingeleitet und gefördert worden« Auf Grund der Aussage des sachverständigen Zeugen stellt das Landgericht-fest, daß anfangs noch möglich gewesen sei, das Haus wieder standfest zu machen« Den Umfang der Aufklärungspflicht der Verkäuferin bestimmt es nicht nur nach der Kenntnis der Klägerin vom Kauf gegenständ, sondern auch nach ihrem Verhalten und ihren Erklärungen« Hierzu führt es die damaligen, großzügigen Pläne der Klägerin für einen Umbau, ihre angeblich besonders günstige Vermögenslage, ihr außerordentlich geschäftsgewandtes Auftreten, ihre Kauflust am Grundstück allein wegen seiner Lage und ihr mangelndes Interesse an einer längeren Haltbarkeit des Gebäudes an« Unter Hinweis auf die im Eherechtsstreit und im Ermittlungsverfahren gegen die Verkäuferin und die Eheleute Haaf bekannt gewordene Persönlichkeit der Klägerin, die überdies bedenkenlos "einen Wortschwall loslasse", meint das Landgericht, der Verkäuferin und m sei diese bei den Vertragsverhandlungen nicht erkennbar gewesen und sie hätten keinen Anlaß gehabt, an der Ernsthaftigkeit dieser Beteuerungen und Pläne zu zweifeln« Unter diesen Umständen verneint es ihre weitere Aufklärungspflicht« Demgemäß lehnt es eine Verletzung der Aufklärungspflicht der Verkäuferin ab« Außerdem hält es eine solche auch nicht fiir ursächlich, da das nachträgliche Verhalten der Klägerin den Schluß rechtfertige, sie werde das Haus auch dann zu den Bedingungen des Vertrages vom 5* August 1949 gekauft haben, wenn ihr die angeblich erst später bekannt gewordenen Umstände schon damals bekannt -gewesen wären« Ein arglistiges Verhalten der Verkäuferin verneint das Landgericht auch wegen des Schlossereigeschäfts und des TahkstellenbetriebSo Dabei berücksichtigt es, daß für die Grundstücke und das Geschäft samt Tankstelle ein Einheitspreis von zunächst 10 850 DM, dann 11 500 DM vorgese- Zusammenfassend gelangt das Landgericht zu dem Ergebnis, daß die Klägerin wegen des Kaufob^ekts nicht arg-lstig getäuscht worden sei« Es hält sie hür für enttäuscht in ihren eigenen phantastischen Vorstellungen und Plänen« Daß ihre hochgespannten Erwartungen nicht in Erfüllung gegangen seien, führt es auf ihr eigenes Verhalten zurück, wobei auch die Spannungen mit ihrem Mann und ihr Ehebruch ihrem Vorwärtskommen in dem kleinen Ort hinderlich gewesen seien» Dabei weist es darauf hin, daß sie sechs Monate lang nicht daran gedacht habe, die Verantwortung für den Mißerfolg bei der Verkäuferin zu suchen, und erst nach völligem Zerwürfnis mit ihrem Mann und kurz vor Fälligkeit einer weiteren Kaufpreisrate darauf gekommen sei.. 2» Das Berufungsgericht billigt der Klägerin auch keine Einrede der Wandlung zu«» Dabei verweist es zunächst auf den Ausschluß der Haftung der Verkäuferin für Sachmängel gemäß § 5 Abs 2 des Kaufvei'trages® Hur bei arglistigem Verschweigen von Sachmängel spricht es diesem Ausschluß die Wirkung ab® In diesem Pall fordert es die gleichen Voraussetzungen wie für eine Anfechtung wegen arglistiger Täuschung® Mangels deren Vorliegen versagt es der Klägerin das Recht, den Kaufvertrag zu wandeln« Durch ein etwaiges fahrlässiges Verschweigen von Sachmängeln sieht es den Tatbestand der Arglist nieht als erfüllt an® gekannt oder mindestens infölge grober Fahrlässigkeit nicht gekannt habe, wie sich ebenfalls aus den Feststellungen des Landgerichts ergebe® Außerdem verweist es auf den Verlust des Rechts zur Wandlung gemäß § 464 BGB® Denn der Würdigung des Beweisergebnisses durch das Landgericht entnimmt es weiterhin, daß die Klägerin die Kaufsache längst vor dem ersten Beanstandungsschreiben vom 20c März 195>0 vorbehaltlos als Vertragserfüllung angenommen habe, obwohl ihr der Mängel bekannt gewesen sei® Eine Wandlung der Klägerin nur wegen des Geschäfts mit Schlossereieinrichtung und der Verwendbarkeit der Tankstelle gemäß § 47° Satz 2 BGB hält es ebenfalls für ausgeschlossen, da auch hier kein arglistiges Handeln der Verkäuferin oder ihrer Vertreter festgestellt, sei® Der Klagantrag richtet sich gegen die Zulässigkeit der Zwangsvollstreckung aus der Urkunde des Notariats Mannheim 3 H 1508/49 vom 5« August 1949 schlechthin, mithin in Ansehung sowohl der persönlichen Eox'derung wie des dinglichen Anspruchs« In diesem Umfange erstrebt auch die Revision den Erfolg der Klage» Die Klägerin hat indessen in keiner Weise dargetan, daßein gutgläubiger Erwerb der Beklagten als Abtretungsempfängerin z.ufolge Eintragung eines Widerspruchs im Grundbuehe zufolge eines Vermerkes auf dem Hypothekenbriefe oder zufolge ihrer Kenntnis von den Einwendungen der Klägerin gegen die Restkaufgeldfor-derung gemäß §§ 892, 1138 BGB ausgeschlossen wäre« Nach dem eigenen Vortrag der Klägerin hat die Beklagte die Hypothek von der als Gläubigerin im Grundbuch eingetragenen Witwe Manger erworben, so daß § 892 BGB unmittelbar ohne Heranziehen des § 1155 BGB anzuwenden wäre (vgl Staudinger BGB 9« Aufl, § 1155 Anm I 1 b| Güthe-Triebel, GBO, 6« Aufl, § 39 Anm 26)- Der Zeitpunkt der Abtretung an die Beklagte ist allerdings nicht vorgetragen» Dieser ist die vollstreckbare Ausfertigung durch das Amtsgericht Mannheim vom 26. Juli 1950 erteilt worden» Nun hat zwar die Klägerin am 20» März 1950 durch ihren Rechtsanwalt der Beklagten mitteilen lassen, daß sie deh Kaufvertrag anfechten werde» Es erscheint schon zweifelhaft, ob diese jeder sachlichen Begründung entbehrende Mitteilung geeignet war, den guten Glauben der Beklagten schon in diesem Zeitpunkt aus-zuschließen» Davon abzusehen ist nicht dargetan, daß diese Mitteilung vor der Abtretung der Hypothek an die Beklagte erfolgt ist« Die Tatsache, daß die Klägerin damals überhaupt ön die Beklagte schreiben ließ, läßt erkennen, daß sie ihr als Zessionarin bereits bekannt war« Daher ' muß die Abtretung vor dem 20«, März 1950 erfolgt sein* Die späteren Erklärungen vom 10«, August und 5* September 1950, mit denen sie die Anfechtung gegenüber der Beklagten und gegenüber der Verkäuferin erklärt haben will, liegen zeitlich nach der Erteilung der Vollstreckungsklausel, also erst recht nach der Abtretung der Hypothek* Die vorstehenden Bedenken berühren indessen den Angriff der Klägerin gegen die Vollstreckung wegen der persönlichen Forderung nicht* ... 2« Ferner ist darauf hinzuweisen, daß Anfechtung und Wand lungsverlangen nicht gegenüber der Beklagten, sondern gegenüber der Verkäuferin, der Witwe Manger, auszusprechen waren (RGZ 86, 305 0^$?% HO in HER 1929 Hr 796* und in Recht 1914 Er 474 %vgl auch RGZ 130, 215 § ferner Staudinger BGB, 9« Aufl, § 404 Anm I 1 Aba 2% Palandt, BGB 15o Aufl § 404 Anm 1 a$ BGB RGRK, 10* Aufl § 404 Anm 2)* Insofern wären die Erklärungen der Klägerin vom 20* März 1950 und IO* August 1950 rechtlich ohne Belang* Die Klägerin will indessen den Kaufvertrag am 5« September 1950 Hinsichtlich ihres erst im zweiten Rechtszuge geltend gemachten Verlan*-gens- auf Wandlung des Kaufvertrages hat die Klägerin aber gerade auf ihre Erklärung vom 20* März 1950 gegenüber der Beklagten verwiesen, in der schon mangels richtiger Adressatin keine wirksame Erklärung dieser Art erblickt werden könnte* Es müßte also, was die Beklagte zwar selbst in Betracht Zieht, indessen abschließend ablehnt, auf die dem Tatrichter nicht vorgelegte Erklärung der Klägerin . Kaufvertrages voraussetzt«, Zwar versagt das Reichsgericht aaO (S 4) dem Anfechtenden dieses Recht nicht schlechthin, erklärt es indessen für unzulässig, Ansprüche aus dem Vertrag unter Aufrechterhaltung der die Anfechtbarkeit begründenden Behauptungen zu verfolgen« Eine abschließende Beurteilung hierzu sowie eine Erörterung, ob im Berufungsverlangen der Klägerin eine eventuelle oder alternative Anspruchsverfolgung erblickt werden könnte, bedarf es indessen nicht«, Denn das Klagverlangen der Klägerin, soweit es nicht unter dem Gesichtspunkt des § 138 BGB noch besonders zu prüfen ist, scheitert schon aus der nachstehenden Erwägung (unter XV). Indessen hat es gefordert, daß der in Anspruch Genommene in diesem Pall klar zu erkennen geben muß, den durch Betrug des Gegners erschlichenen Vertrag zu lösen (vgl RGZ 60, 294 /2967)° In dieser •Beziehung käme es hier auf den Vortrag der Beklagten an, die Klägerin sei bisher mit den Kauf grund stücken in einer Weise verfahren, daß es ihr nichtmehr gestattet sein könne sich vom Vertrag loszusagen«, Auf der anderen Seite könnten, falls dem Sachvortrag der Klägerin zu folgen wäre, zu cy >' ' ' ihren Gunsten nicht nur die vom Reichsgericht aaO zugebilligte Einrede der Arglist, sondern Ansprüche aus unerlaubter Handlung gemäß §§ 823 ff BGS in Betracht kommen, die auch auf eine Freistellung von der übernommenen Verbindlichkeit zielen würden« Beim Kauf ist hierbei aber § 464 BGS zu beachten. Danach stehen dem Käufer die Gewährleistungsansprüche der §§ 462, 463 BGS nicht zu, wenn er eine mangelhafte Sache in Kenntnis des Mangels vorbehaltlos annimmt« Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts gilt dies auch bei arglistigem Verschweigen eines Mangels (RGZ 101, 64 /7$/) und führt die vorbehaltlose Annahme der Kaufsache in diesem Falle sogar zu dem Verlust etwaiger Schadensersatzansprüche aus unerlaubter Handlung (RGZ 39, 104) * Hier wirkt sich der Grundgedanke in besonderer Weise aus, daß nach Deliktsrecht in der Regel keine strengere Haftung eintreten kann, wenn die vertragliche Haftung auf bestimmte Schuldformen begrenzt ist (RGZ 66, 363)* Der Bundesgerichtshof hat sich im Urteil vom 20« Oktober 1953 - I ZR 125/52 (NJW 1954, 145 ~ MDR 1954, 54) dieser Auffassung angeschlossen» In dieser Beziehung stellt das Berufungsgericht unter Übernahme der Beweiswürdigung des Dandgerichts in tatsächlicher Hinsicht fest, daß die Klägerin die Kaufsache vorbehaltlos als Vertragserfüllung angenommen habe, obwohl ihr der Mangel bekannt gewesen sei. Die Verkäuferin sei sieh der Botwendigkeit erheblicher, für sie nicht tragbarer Aufwendungen bewußt gewesen, Das Berufungsgericht hätte daher ihre Offenbarungspflicht unter diesem Gesichtspunkt prüfen müssen. Mit dieser Erwägung gibt er zu erkennen, daß er aie von der Revision angeführte Ankündigung (Botwendigkeit eines Gesamtabbruchs) nicht übersehen und auch berücksichtigt hat» Wenn er ihr in Anbetracht des Ergebnisses der Aufsichtstätigkeit der Baubehörde, die unter Schließung der Akten zu dem Ergebnis kam, daß es weiterer Anordnungen nicht bedurfte, und solche auch damals nicht verfügte, keine wesentliche Bedeutung beilegt, und demgemäß eine Offenbarungspflicht * der Verkäuferin verneint, so liegt das im Rahmen der tatrichterlichen Prüfung. Soweit es sich um'die Anfechtbarkeit handelt, kann die Auffassung des Tatrichters, daß selbst ein Verschweigen von Mängeln des Hauses durch die Verkäuferin für die Entschließung der Klägerin nicht ursächlich gewesen wäre, nicht durch die Aussage des Zeugen erschüttert werden« Denn es kommt nicht darauf an, welche Auffassung dieser als Grundstücksmakler nachträglich von der Einstellung einer von ihm beratenen Kaufpartei gehabt hat, sondern darauf, welche diese selbst zur Zeit der Kaufverhandlungen eingenommen hat« Bei seiner ersten Vernehmung am 16« Januar 1951 im Armenrechtsverfahren, die insoweit durch Vorhalt an den Zeugen auch zu dem Gegenstand des Rechts streita selbst gemacht worden ist, hat der Zeuge auch bekundet, daß es der Klägerin in erster Linie auf die Lage Scheidet für den Eall des § 463 BGB zwar die Ursächlichkeit einer Täuschung für den Kaufentschluß der Klägerin aus, so ist es für die Beurteilung einer'etwaigen Arglist der Verkäuferin doch von Bedeutung, welchen Eindruck sie von den Erwägungen und Plänen der Klägerin hatte, wie diese sich aus ihren Äußerungen und ihrem gesamten Verhalten ergaben« Auch in diesem Punkte hat der Tatrichter alle Umstände erschöpfend gewürdigt« Daran ändert auch der Umstand nichts, daß dem Landgericht der Tatbestand des § 463 BGB noch nicht zur Beurteilung vor lag; denn das Berufungsgericht trifft auch eigene Feststellungen« Der Revision kann auch darin nicht gefolgt werden, daß das Berufungsgericht der Aussage des Zeugen er wür- de nach Besichtigung des Kellers der Klägerin vom Kauf abgeraten haben, und seiner ^on der Zeugin selbst bekundeten Empfehlung, der Klägerin nichts mehr vom Hause zu sagen, weil "sie ihm gestern abend bös den Kopf voll gemacht habe, eB wäre so schlecht", eine Bestätigung der Befürchtung der Verkäuferin hätte entnehmen müssen, die Klägerin werde abspringen« Es ist hier auf den bereits oben ausgeführten Gedankengang zu verweisen, daß es angesichts der tatrichterlichen Feststellung, die Klägerin habe den Keller gesehen, nicht auf etwaige Vorstellungen der Verkäuferin entscheidend ankam« Aus demselben Grunde kann die Revision auch nicht auf etwaige Erwägungen verweisen, die sich der Verkäuferin aus der Abbruchsandrohung des Landrats im Zusammenhang mit den Ausbauplänen der Klägerin hätten aufdrängen müssen« Der Tatrichter nimmt auch eingehend zu dem Schreiben vom 12« Juli seine Anfrage vom 7» Juli 1949 namens der Klägerin im Aufträge der Verkäuferin aufgefordert hatte, hei Rücksprachen in Bpppnur im 2« Stockwerk nachzufragen« Er weist auf die beträchtlichen Differenzen mit den Mietern des Hauses und die Erfahrungstatsache hin, daß solche fUr Kauf Verhandlungen nicht förderlich seien- Wenn er unter diesen Umständen der Aufforderung nicht entnimmt, daß unlautere Absichten auf der Verkäuferseite Vorgelegen hätten,* so ist diese tatrichterliche Würdigung nicht gemäß § 286 ZPO zu beanstanden« Mit der Verfügung des Landrats vom 9« Juli 1948 brauchte sich der Tatrichter in diesem Zusammenhang nicht nochmals ausdrücklich zu befassen, nachdem er sie zuvor eingehend gewürdigt hatte« Auch dieser Büge kann daher nicht stattgegeben werden« Is begegnet keinen Bedenken, wenn der Tatrichter die Kenntnis eines etwaigen Leichtsinns oder einer*etwaigen Unerfahrenheit der Klägerin auf Seiten der Verkäuferin bzw, ihres Vertreters als nicht feststellbar bezeichnet und dies auch für ein Mißverhältnis der beiderseitigen* Leistungen im Sinne der angeführten Vorschrift ausspripht, Die Revision erhebt hierzu keine Rügen«