BGH · V ZR 51/50
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
tigkeiten zwischen der Klägerin und der Beklagten zu 1« Die Klägerin klagte unter Berufung auf ihr Ni essbrauchsrecht gegen die Beklagte zu 1 auf Häumung der Wohnung« Die Klage wurde aber vom Amtsgericht Schwerte (3 0 77/45) und vom Landgericht Hagen (IS 141/46) mit der Begründung abgewiesen« dass das Nutzungsrecht des Erich (r^HHHfcauf seine Erben übergegangen sei und dem Niessbrauch vorgehe,, « Mit der jetzigen Klage begehrte die Klägerin ursprünglich in erster Linie Feststellung, dass der Vertrag vom 8« 9# 36 nichtig sei« in zweiter Linie hilfsweise Feststellung« dass das Hecht des Erich die Lastung und Nutzung der Grundstücke haben zu sollen« mit seinem Tode erloschen sei, in dritter Linie hilfsweise Feststellung, dass das Niessbrauchsrecht diesem Die Beklagten beantra£ten Klageabweisung« sie behrATpteten, s der Vertrag habe nur rechtlich festgelegt, was seit dem Tode des Vaters im allseitigen Einverständnis gehandhabt worden sei« Der Niess-brauch sei in Wahrheit nur als Altenteil gewollt gewesen, kraft dessen der Klägerin tatsächlich freies •Wohnrecht, 30«-DM monatlich, Butter, Milch und Gartenfrüchte sowie ein Stück Gartenland zur Nutzung laufend gewährt würden« Im übrigen hätten aber Erich nunmehr seine Erben, Anspruch auf den Besitz und die Nutzungen der Grundstücke,« Das Landgericht wies’ die Klage ab» rit ihrer Berufung verfolgte die Klägerin ihre Anträge weiter und stellte den weiteren Hilfsantrag, festzustellen, dass ihr das NiessbrauchsrecLt an dem Grundstücke £inschliessli ch_ äer_darauf_ betriebenen Geschäfte zustehe, auf das sich der Vertrag vom 8« 9« 1936 beziehe« Der erkennende Senat des Oberlandesgerichts vernahm Eugen Gpp|pp| als Zeugen und wies die Berufung zurück« Der* Oberste Gerichtshof für die Britische Zone hob* auf Revision der Klägerin das Urteil des Oberlandesgerichts insoweit auf, als sie mit ih- 1«) Dass die Klägerin mit ihrer Klage auf Räumung der Wohnung im Hause R^HBHPstrasse 0ß in gegen die Beklagte zu 1) rechtskräftig durch* Urteile des Amtsgerichts Schwerte vom 17« April 1946 und des Landgerichts Hagen vom 7« Januar -1947 äbgewiesen worden ist, stand der Erlassung des Urteils des Oberlandesgerichts vom 10« Mai 1949 nicht entgegen«’Die seiner zeitige Klage war zwar auf den behaupteten unbeschränkten Riessbrauch der Klägerin gestützt und die beiden Instanzgerichte haben ihn verneint, insbesondere das Recht der Beklagten zu 1) bejaht,ihre Wohnung in dem Grundstück R^^|^strasse ^, das dem Riessbrauch an sich unstreitig unterliegt, lax behalten« Rechtskräftig entschieden ist hierbei sion ist zuzugeben, dass ein Eigentümer, der sich verpflichtet, den Niessbrauch an einem Geschäftsunternehmen in seinem Hause zu gewähren, verpflichtet sein wird, die für das Unternehmen benötigten Baulichkeiten und Räume dem Niessbraucher zur Verfügung zu stellen, während eine dingliche Niess-brauchsbeStellung an wesentlichen Bestandteilen rechtlich nicht möglich ist (§ 93 BGB, RG 164, 199; Palandt 7« Aufl § 1030 Anm 2)« Darum handelt es sich jedoch im vorliegenden Palle nicht« Die Klägerin hatte beantragt, festzustellen, dass ihr das Niessbrauchsrecht an dem Grundstücke und den darauf mm mm betriebenen Geschäften zustehe* T/enn angesichts die*** ses Antrags das Urteil des OGH vom 210 Oktober 1948 unter II der Entscheidungsgründe den Niessbrauch am Grundstück zu dem Niessbrauch an den Geschäften in Gegensatz stellt und letzteren, weil ein solcher nicht vereinbart worden sei, verneint, so umfassen in diesem 3inne die Geschäfte gerade die Grundstücksbestandteile nicht* Gemeint waren vielmehr die Nutzung aus dem Geschäftsbetrieb, Niessbrauchsrechte an' den Waren und dergl«, und verneint wurde die Präge, ob der Niessbrauch am Grundstück sich auch auf die da-» Das Berufungsgericht hat den Vertrag vom 8* September 1936 dahin ausgelegt, dass in ihm ein unbeschränkter Niessbrauch für die Klägerin bestellt worden sei und dass die Verwaltung und Hutzung der Grundstücke nur tatsächlich und jäl^erzeit widerruflich Erich ten zu 1) und 2) als seinen Rechtsnachfolgern - zustehen sollte« Die Auslegung des Tatrichters kann das Revisionsgericht nur dahin nachprüfen, ob sie gegen Denk- oder allgemeine Erfahrung^sätze verstösst, unmöglich ist, insbesondere mit dem Wortlaut unvereinbar, anerkannte Auslegungsgrundsätze, insbesondere die §§ 133* 157 BGB verletzt oder wesentlichen Aus-legungsstoff ausser Acht lässt (RG 156# 133; 161, 293; 169, 124'; OGH 1, 137).« 1*) Unbegründet ist die Rüge der Revision^ das Berufungsgericht habe die Beweislast verkannt« Die Klägerin hat allerdings» den Umfang ihres Ni es sbrauchsrecht es , wenn er sich nicht aus der Eintragung im Grundbuch ergibt (§ 891 BGB), nach allgemeinen Grundsätzen zu beweisen« Soweit jedoch auf den*Sinn des'Vertrages für den Umfang des Rechts zurückzugehen ist, scheidet die Beweislast aus, weil sie für die .jgrkundenaus 1 egung nur insoweit eine Rollet-spielt, als sich eine Partei auf ein verständiger Sinn wäre schlechterdings nicht festzustelien (JW 1920, 801 Nr 7)o Das Berufungsgericht hat auch nicht, wie die Revision meint, seine Vertragsauslegung zu Gunsten der Klägerin auf eine blosse Wahrscheinlichkeit gegründet, vielmehr hat es seine Auslegung als die Willensmeinung der Parteien nach der Vorgeschichte des Vertrages und den sonstigen Umständen für wahrscheinlich erachtet und die volle Überzeugung schliesslich durch die sachlich übereinstimmende Aussage der Zeugen Eugen ^ Dr* erlangt* 2«) Wie bereits im Urteil des OGH (IV der Entscheidungsgründe) ausgeflihrt ist, ist der Vertrag von 1936 in den entscheidenden §§ 3 und 4 entgegen der Auffassung des Landgerichts Hagen unklar, daher auslegungsfähig und - bedürftig (RGRK 9« Aufl § 131 Anm 1)« Die vom Berufungsgericht vorgenomme-ne Auslegung scheitert weder daran, dass hach § 4 die Übergabe der Grundstücke an Erichj G^HIB erfolgen sollte, noch daran, dass er weiter I^stung und Nutzung an ihnen haben sollte« Zunächst ist zu beachten, dass es sich um einen Übereignungs~ vertrag zwischen Eugen und Erich han- delte, dem die Klägerin nur zustimmte« Die Bestimmung über die Übergabe ist offenbar formelhaft in die Urkunde aufgenoimen, was schon daraus erhellt, dass sie erfolgen sollte, soweit sie etwa noch nicht stattgefunden hätte;denn hierüber mussten die sämtlich persönlich erschienenen Vertragsbeteiligten Bescheid wissen« Der Ausdruck "soll" weist nicht mit Notwendigkeit auf eine Rechtspflicht der Klägerin hin, Erich die Nutzungen zu gewähren, 3fbn~ dem kann auch bedeuten; dass der bestehende Zustand zunächst weiterdauern sollte, wobei indessen die für die Klägerin aus dem Niessbrauch sich ergebenden Rechte und Verpflichtungen zu beachten waren, d«h« ihre Rechte bereiteten der Nutzung des Erich .ein Ende, wenn die Klägerin sie geltend machte, was aber notwendigerweise ihre Verpflichtung nach sich zog, dann die Lasten selbst zu. tragen (§§ 1041; 1045; 1047 BGB)* Umgekehrt wäre nicht einzusehen, welche Verpflichtungen der Klägerin aus dem Niessbrauch erwachsen sollten, wenn dieser für sie nur ein Recht auf Altenteil * begründen würde, wie die Beklagten meinen« Der Wortlaut der Vertragsurkunde macht demnach keinen Beweis der Klägerin erforderlich, dass die Parteien etwas anderes als das in der Urkunde Niedergelegte gewollt hätten, wie die Revision behauptete Das Berufungsgericht hat auch nicht wesentlichen Auslegun~sstoff ausser Acht gelassen« Es war sich ersichtlich bewusst, dass bei Abschluss des Vertrages Erich G^HfHfc^ie beiden Geschäfte führte und aus ihnen den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zog* Im Tatbestand des Berufungsurteils ist ausgeführt; dass Erich der Klägerin gemeinsamen Haushalt führte, und in den Gründen des Berufungsurteils ist dargelegt, dass dieser bestehende Zustand fortgeführt werden sollte« Das Berufungsgericht hat jedoch diesem Umstand fiir eine den Beklagten günstige Auslegung offenbar keine Bedeutung beigemessen, möglicherweise deswegen, weil es feststellte, dass Erich im entzogen würde.und er das Haus räumen müsste, gar nicht ernsthaft in Erwägung gezogen hat, ebensowenig den 1936 ganz unwahrscheinlichen Fall, dass er vor seiner Mutter sterben würde*, Rer von Erich übernommenen Grundsttteksbelastung l^das Berufungsgericht nur im Tatbestand Erwähnung* Dass es sie für die Vertragsaxislegung unberücksichtigt gelassen hätte, ist daraus aber nicht zu schliessen*, (RG Gruchot 55, 922) das Gericht nicht gehalten, alles, was es für unerheblich hält, ausdrücklich zu erörtern« Den vor dem Vertrag tatsächlich bestehenden Zustand hat das Berufungsgericht bei seiner Auslegung herangezogen« Die Rüge, es habe diesenAuslegungsbehelf ausser Acht gelassen, ist also unbegründet« Wenn es den Zustand nicht in dem von dem Beklagten gewünschten Sinne berücksichtigt hat, sdndern zu der Auffassung gekommen ist, dass die Umwandlung des nur treuhänderischen Eigentums des Eugen das Volleigentum des Erich 2U der Bestellung ‘eines Niessbrauchs für die Klägerin mit dem vollen gesetzlich vorgesehenen Umfang geführt habe, so kann dem aus Rechtsgründen umsoweniger entgegengetreten werden, als auch vor dem Vertrag vom 8«9« 1936 Erich G^HMHl &ein Recht auf die Ver^ waltung und Nutzung der Grundstücke gehabt hatte« te das Berufungsgericht keinen Anlass, da diese Be-* hauptung bestritten und ohne Beweis geblieben war (Schriftsatz vom'11« 7p 1947 Bl 29 A)« Es wäre Sache der Beklagten gewesen, schon bei der Vernehmung des Zeugen‘Klarheit ^zu schaffen,, wenn sie auf jenen Umstand besonderes-Gewicht legten« Ganz dahin steht insbesondere, ob der Zeuge die Klägerin veranlasst . sen« «««»«”• veranlasst» Auch hier liegt kein Ver~ stoss de^s Berufungsgerichts gegen die Pflicht vor, den gesamten Inhalt der Verhandlung zu berücksichtigen und die leitenden Gründe für die richterliche Überzeugung abzugeben* zu demal da das Berufungsgericht den Zeugen ohnedies als am Ausgang' des Rechtsstreits nicht uninteressiert bezeichnet»* Wenn die Klage auf Pest Stellung des Riessbrauchs insoweit abgewiesen worden ist, als sie sich auf die Geschäfte bezog* so ist das für die Präge, oY> die Klägerin nach dem Vertrag die Geschäftsführung fä:r die_Grundstücke sollte entziehen Können, ohne Bedeutung« Bie Abweisung brachte nur zu dem Ausdruck; dass an den Geschäften überhaupt kein Riessbrauch, bestellt worden war« Bie Präge, welchen Inhalt er gehabt hätte* ist überhaupt nicht erörtert worden» Ausserdem hätten Ausführungen des Berufungsgerichts und des Obersten Gerichtshofes zu diesem rechtskräf-tig abgewiesenen Teil der Klage keine bindende Kraft .für die Entscheidung des 'anhängig gebliebenen Teiles» Ziehung der Geschäftsführung für diei Grundstücke befasste, da nur mehr diese mit dem Niessbrauch an den Grundstücken im Berufungsverfahren nach der Zurüc^erweisung des Rechtsstreits an das Oberlandesgericht zu erörtern war*