BGH · V ZR 49/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Gesamtwert dieser Gebäulichkeiten beträgt mindestens 10 000 DjJo Durch notariellen Vertrag vom 24« März 1949 "übertrug” die Beklagte ihrem - dies dankend entgegennehmenden - Adoptivsöhne neben der bebauten Pläche noch einen Hof raum von 40 qm Größe >• insgesamt 210 qm der Parzelle 4BR Die "übertragene” Fläche nebst dem darauf stehenden Werkstattgebäude sollte noch vermessen werden« Zu einer Auflassung und Umschreibung im Grundbuch kam es zunächst nicht« Hans PflBB. über seine geführten Verhandlungen unterrichten* Am 12« November 1953 "übertrug” sie unter Bezugnahme auf den Vertrag vom 24* März 1949 durch notariellen Vertrag ihrem, dies dankend annehmenden Adoptivsöhne "von der noch in ihrem Eigentum stehenden Grund- und Bodenfläche ejlne weitere Teilfläche11 o Hans pflHB erklärte dabei, daß er weitere etwaige Ansprüche gegen seine Mutter nicht stelle, und zwar soweit diese Ansprüche auch aus dem Nachlaß seines 1949 verstorbenen Adoptivvaters und Ehemannes der Beklagten hergeleitet werden könnten« Die übertragenen Flächen sollten noch vermessen werden« Nach- ^ dem letzteres geschehen war und die übertragene Fläche die ParzellenbezeichnungHof- und Gebäudefläche, Größe 6,21 ar erhalten hatte, erklärten Mutter und Sohn im notariellen Vertrag vom 1« Februar 1954 die Auflassung der im Vertrag vom 12« November 1953 übertragenen Grundfläche und beantragten die Eintragung der Eigentumsver- . Die Klägerin hat beantragt, die Beklagte zur Zahlung von 10 000 DM nebst 6 £ Zinsen seit dem 12« Oktober 1954 zu verurteilen« Auf ihren Antrag erging unterm 9« Februar 1955 Versäumnlsurteil nach Klageantrag« Die Beklagte hat gegen das Versäumnisurteil Einspruch eingelegt und beantragt, das angefochtene Versäumnisurteil aufzuheben und die Klage abzuwaisen« Sie behauptete, ihrem Adoptivsohn hätten Ansprüche aus Anlaß der Errichtung der Gebäudeteile nie zugestanden« Im Hinblick auf das kommende Erbrecht oder in Erwartung, daß er noch zu Lebzeiten der Beklagten Eigentum an der bebauten Parzelle erlangen werde, habe » Unter dieser Voraussetzung habe er gebaut« Sein Verhalten seit Errichtung der Bauten lasse ferner nur den Schluß zu, daß er auf - etwaige - Bereicherungsanspruche verzichtet habe« Das komme insbesondere im Vertrag vom 24« März 1949 zu dem Ausdruck; dieser Vertrag sei, wie sich aus dem Vertrag vom 12« November 1953 ergebe, niemals aufgehoben worden« Zum mindesten stünden aber seit Abschluß des Vertrages vom 24 * März 1949 Bereicherungsansprüche ihres Adoptivsohnes unter der auflösenden Bedingung, daß das Eigentum an den überbauten Plächen bei der Beklagten verbleibe« Diese Bedingung sei nicht eingetreten« Schließlich werde der Klage die Einrede der Arglist entgegengehalten« Ihr Stiefsohn würde, hätte er Bereicherungsansprüche geltend gemacht, gerade wegen des Verlustes des Rechtes, auf dessen Übertragung er bereits einen vertraglichen Anspruch gehabt habe, einen Bereicherungsanspruch herleiten® Es sei zwischen ihr und ihrem Sohne klar gewesen, daß er keine Vergütung für die Bauten beanspruchen könne, daß er vielmehr auf dem Wege der Eigentumsübertragung abgegolten werde« All dies müsse auch die Klägerin als Zessionarin gegen sich gelten lassen« Die Klägerin hat um Aufrechterhaltung des Versäumnisurteils gebeten« Sie hat behauptet, der Vertrag vom 24«März 1949 sei von den Verträgsteilen wieder aufgehoben worden« Auf ..seine Bereicherungsansprüche habe Hans PlHHWnie verzichtet« Das ergehe sich klar aus dem Vertrage vom 12« November 1953« Wenn er in diesem Vertrage auf Ansprüche verzichtet habe, so habe dies der Zessionarin gegenüber keine Bedeutung, weil sie schon vorher die Ansprüche abgetreten erhalten habe« Die Vorschrift des § 951 Abs, 1 BGB sei nicht zwingend; eine abweichende Vereinbarung könnten die Beteiligten treffen, Schon die Behauptung der Beklagten, ihr Adoptivsohn habe von vornherein keine Ansprüche geltend machen wollen und in dem Bewußtsein gebaut, daß das Eigentum an dem Bauwerk seinen Adoptiveltern zufallen werde, ohne daß er eine Gegenleistung beanspruchen wolle, erscheine nicht unglaubhaft, Hans FHpihabe umso mehr Veranlassung gehabt, von vornherein diesen Hechtsverlust in Kauf zu nehmen, als ihm der Grundbesitz seiner^ Eltern aller Voraussicht nach später als Erbe zufiel, er also praktisch für sich selbst baute« Diese Auffassung sei auch lebensnahe« Hinzu komme, daß die im übrigen vermögenslosen Eltern wohl kaum ihre Genehmigung zur Errichtung des Baues gegeben hätten, wenn ihr Sohn nicht auf die Geltendmachung von Bereicherungsansprüchen von Anfang an verzichtet hätte«. Da die Parteien somit in zulässiger Weise eine dem § 951 BGB widersprechende Vereinbarung getroffen hätten, habe von vornherein ein Anspruch des Sohnes fHH gegen seine Mutter nicht bestandene Diese Gründe sprächen aber auch dafür, daß, wenn nicht ein Ausschluß der Rechtsfolgen vorliege, Hans PflMfc zu demindest auf seine Ansprüche verzichtet habe« Nach der unwiderlegten Behauptung der Beklagten habe ihr Adoptivsohn das V/erkstattgebäude schon 1929* den Anbau einige Jahre später und lediglich die Aufstockung erst 1947 errichtet« Wenn er trotzdem jahrelang, obwohl zeitweise ein gespanntes Verhältnis zwischen ihm und seiner Mutter bestanden habe, keine Ansprüche wegen dieser Bauten gestellt habe, so spreche das dafür, daß er angesichts seiner Stellung als alleiniger Erbe auf seine Ansprüche verzichtet habe« Spätestens sei.das durch den Vertrag vom 24« März 1949 geschehen« Ausdrücklich sei dort zwar von einem Verzicht nicht gesprochen worden« Dieses sei aber auch nicht nötig gewesen, weil sich die Vertragschließenden einig gewesen wären, daß Hans keine Ansprüche stellen wolle und stellen könne, da ihm später das Grundstück im \7ege der Erbfolge sowieso zufallen würde« Der für den Erbfall vorgesehene Rechtsübergang sei durch den Vortrag vom 24« Käi*z 1949 vorweggenommen worden, um dem Sohn eine Kreditunterläge zu verschaffen« Dieser Vertrag, 1o Auf Grund verschiedener Erwägungen, die ihren Ausgangspunkt- stets in der Besonderheit des vorliegenden Palles haben, hat das Oberlandesgericht die Überzeugung gewonnen, daß Hans PflHB niemals einen Anspruch gegen seine Eltern aus § 951 BGB erworben habe, weil er auf die Geltendmachung solcher Ansprüche von vornherein verzichtet habe« Bas Berufungsgericht hätte in diesem Zusammenhang noch anführen können, daß nach der Bekundung des Zeugen Hans PflBB der Vater PMH^vor den Baubeginn ausdrücklich erklärt habe? Die Revision übersieht nämlich, daß der Zeuge vorher bekundet hatte, er sei des Glaubens gewesen, daß ihm durch den Vertrag vom 24j_März_J942 die Werkstatt gehöre« Gegen Schluß seiner Vernehmung hat er auf Vorhalt angegeben, ihm sei 1949 gesagt worden, das Gebäude gehöre ihm nicht, weil ihm das Grundstück nicht gehöre« Betrachtet man die von der Revision angeführte Stelle der Zeugenvernehmung in ihrem Zusammenhang, so ergibt sich, daß der Zeuge glaubte, durch den Vertrag vom Jahre 1949 Eigentum an Grund und Boden und damit der Werkstatt erhalten zu haben« Daraus folgt seine Meinung, er habe keine Ansprüche gegen seine Mutter« Die angeführte Äußerung des Zeugen steht mithin nicht im Widerspruch zur Auffassung des Berufungsgerichtes, der Zeuge habe von vornherein auf Ersatzansprüche Verzicht leisten wollen« 2« Wollte man annebmen, der Zeuge habe nicht von vornherein auf Ersatz verzichtet, so hat er dies nach Auffassung des Berufungsgerichts jedenfalls dadurch getan, daß er angesichts seiner Stellung als künftiger Per Einwand der Revision, iHHBhabe sich als Inhaber eines dinglichen Rechtes an der Werkstatt' angesehen* auf dieses Recht habe er nicht verzichten, es vielmehr durch den Erwerb des Eigentums an der bebauten Grundfläche noch verstärken wollen, geht fehl, weil die Revision, wie bereits unter 1 bemerkt, die Aussagen des Pirker nicht in ihrem Zusammenhang mit dessen sonstigen Angaben wertet. Wenn, wie dies das Berufungsgericht für möglich hält, der Verzicht unter der auf lösenden Bedingung stand, daß der Zeuge Hans Pirker Eigentum an den übertragenen Flächen erlangen werde* so hätte die Klägerin durch die Abtretung vom 12. orden v 30 blieb es auch bei dem allenfalls auflösend bedingten Verzicht« Warm diese Bedingung end-gill tig ausfiel und in welcher Absicht die Vertragschließenden bei der Durchführung des Vertrages tätig wurden, hat für die Gültigkeit des Vertrages vom 24- « März 1949 keine Bedeutung« Der bezeicbnete Vertrag kann schon deshalb nicht als "kollusives Zusammenwirken” der Parteien angesehen werden, weil z«Zt« des Vertragsabschlusses von dem späteren Vorgehen der Klägerin gegen die Beklagte und ihren Sohn noch nichts bekannt sein konnte« Auch das Schreiben der Beklagten vom 10« November 1953 brauchte das Berufungsgericht von seinem Standpunkt aus nicht zu beachten« In diesem Schreiben hatte die Beklagte der Klägerin mitgeteilt,, sie trete hiermit ihrem Sohne die Grundfläche, auf dem die Werkstatt^ errichtet worden sei, sowie den gesamten Grund und Boden, der im Rücken dieses Gebäudes liege, als sein väterliches Erbe auf Lebzeiten ab? diese Zuschrift gelte- als Abtretungsurkunde« Die Meinung der Revision, die Beklagte habe damit den Vertrag vom 24- März 1949 aufgehoben, findet in diesem Schreiben keine Stütze« Da jener Vertrag lediglich die Verpflichtung zur Übertragung herbeiführte und die Parteien wußten, daß er bisher noch nicht ausgeführt war, konnte davon ausgegangen werden, daß mit dem Schreiben vom 10« November 1953 die Beklagte gerade die Durchführung des Vertrages von 1949 mitteilen wollte, die sie denn auch zwei Tage danach vornahm« Daß SMHtt diesen Vertrag hat aufheben wollen, hat das Berufungsgericht verneint« Es hat auch die Tatsache, daß die Beklagte sich'iSifjSrozeß zunächst nur auf den Vertrag vom 12« November 1953 berufen hatte, berücksichtigt, wenn auch nicht mit dem Ergebnis, das von der Revision gewünscht wird« Gegen ein Zusammenarbeiten der Beklagten mit ihrem Adoptivsöhne zwecks Vereitelung der Ansprüche der Klägerin spricht im übrigen die Tatsache daß sie im Schreiben vom 10* November 1953 der Klägerin Kenntnis von der beabsichtigten Übertragung des Grundstücks auf ihren Adoptivsohn gab* Der Klägerin war dadurch die Möglichkeit ei’öffnet, sich durch Belastung dieses Grundstücks eine Sicherstellung ihrer Forderung zu beschaffen, wie dies die Yolksbank Castyop-Eauxel durch Grundschuldbestellung vom 23* Dezember 1953 noch zu erreichen wußte„ 5* Ob die Ausführungen des Berufungsgerichts zur Frage der Verwirkung einer rechtlichen Nachprüfung standhalten, kann dahinstehen* Die angefochtene Entscheidung wird jedenfalls von den Darlegungen getragen, die sich mit der Annahme eines ursprünglichen Verzichts auf Bereicherungsansprüche und eines Erlaßvertrages befassender im Vertrag vom 24« März 1949 enthalten sei*