BGH · V ZR 41/78
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
§ 1 Abs. 1 Satz 2 KSchVO, wonach befristete Pachtverhältnisse über Kleingärten als auf unbestimmte Zeit verlängert gelten, ist im Rahmen des derzeitigen Regelungssystems des Kleingartenrechts mit dem Grundgesetz unvereinbar (BVerfG Beschl. Da das Bundesverfassungsgericht jedoch nur den Verfassungsverstoß festgestellt und nicht auch die Nichtigkeitsfolge ausgesprochen hat, haben die Gerichte einschlägige anhängige Verfahren auszusetzen, bis der Gesetzgeber die verfassungswidrige Regelung durch eine mit dem Grundgesetz in Einklang stehende ersetzt. Der Beklagte verweigert die Herausgabe und macht geltend, daß gemäß § 1 Abs. 1 Satz 2 der Verordnung über Kündigungsschutz und andere kleingartenrechtliche Vorschriften (Kündigungsschutz Verordnung) i.d.F. vom 15. Juni 1979» 1 BvL 19/76, DVB1 80, 158 ausgesprochen, daß die KündigungsschutzVerordnung sowie das Gesetz zur Änderung und Ergänzung kleingartenrechtlicher Vorschriften vom 28. 1013 - KÄndG -) insoweit mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sind, als ein Kleingartenpachtverhältnis, das nach den Vorschriften des Kleingartenrechts der Preisbindung unterliegt und unbefristet ist, von einem privaten Verpächter nur nach Maßgabe des § 1 KSchVO gekündigt werden kann. Nach den Ausführungen des Bundesverfassungsgerichts geht das Regelungssystem des Kleingartenrechts in seiner derzeitigen Ausgestaltung, die einerseits keine Befristung der Vertragsdauer zuläßt, andererseits die Kündigungsmöglichkeiten sehr eng begrenzt und gleichzeitig zu einem ungewöhnlich niedrigen Pachtzins führt, über den Rahmen einer nach Art. 14 Abs. 1 und 2 GG zulässigen Inhaltsbestimmung hinaus. Die Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz betrifft auch § 1 Abs. 1 Satz 2 KSchVO, weil nach dieser Vorschrift befristet abgeschlossene Pachtverhältnisse als auf unbestimmte Zeit verlängert gelten und daher nach den Vorschriften des Kleingartenrechts unbefristet sind. Juni 1979 weiter ausgeführt hat, können die verfassungsrechtlichen Erwägungen - abgesehen von den (hier nicht einschlägigen) § 1 Abs.3 KSchVO und § 2 Abs. 2 KÄndG - nicht dazu führen, die einschlägigen Vorschriften über den Kündigungsschutz für verfassungswidrig zu erklären; vielmehr rechtfertigen sie nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts nur den Ausspruch, daß die kleingärtnerischen Vorschriften insoweit mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sind, als ein Pachtverhältnis - auch wenn es für eine bestimmte Zeit abgeschlossen wurde - allein aus den gesetzlich normierten Kündigungs-gründen aufgelöst werden kann; wie der Gesetzgeber den verfassungsrechtlichen Bedenken abhelfe, obliege seiner Entscheidung. Vielmehr sind sie - auch ohne Grundlage in einer Verfahrensvorschrift des einfachen Gesetzesrechts (§ 148 ZPO) - gehalten, das Verfahren auszusetzen, bis der Gesetzgeber die verfassungswidrige Vorschrift durch eine mit der Verfassung in Einklang stehende Regelung