BGH · V ZR 37/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
März 1958 zu dem Vermögenspfleger des Beklagten zu 1 bestellte Rechtsanv/alt und der Kläger besprachen am 24« März 1958 die Rechtslage mit dem zuständigen Vormundschaftsrichter in der ihnen eröffnete, er werde die Zahlung eines Abfindungsbetrages von 60 000 DM aus 'dem Kindesvermögen nicht genehmigen, weil der Unterpachtvertrag mangels vormund-schaftcgerichtlicher Genehmigung unwirksam und das Pachtverhältnis in der Zwischenzeit auch aufgehoben worden sei, so daß das CJWD zur Räumung verpflichtet sei, wozu der Kläger als Eigentümer entsprechende Klage erheben könne. Unterm 31» März 1958 schloß aber der Kläger mit dem CJWD einen Vergleich, in dem sich dieses gegen Zahlung eines Betrages von 60 000 DM zur Räumung zu dem 1. d) Der. Verband steht auf dem Standpunkt, daß er zur Räumung des Herrenhauses auf Grund des oben erwähnten Pachtvertrages, welcher von Frau I^Hpl und Herrn Sch^Jiunterschrieben worden ist, nicht verpflichtet wäre und daß er vielmehr das Herrenhaus mit Park bis zu dem 30. Ob die Pachtverträge v/irksam sind, ist nach seiner Auffassung dabei ohne Bedeutung» Die Beklagten hätten jedenfalls durch freiwillige Zahlung einer Geldabfindung die Räumung des Herrenhauses erreichen müssen» Da sie nichts getan hätten, hätte er (Kläger) handeln müssen, um weiteren Schaden zu verhindern» Die Beklagten könnten Unwirksamkeit des Pachtvertrages auch nicht geltend machen, weil bei Abschluß des Kaufvertrages ausdrücklich, deren Gültigkeit von den Vertragsteilen vorausgesetzt worden sei» Eine Klage gegen das Jugenddorfwerk habe nicht in der Absicht der Vertragsteile gelegen und sei durch den Eintritt des Klägers in den Pachtvertrag ausgeschlossen worden. Die Beklagten haben um Klageabweisung gebeten» Sie sind der Auffassung, daß die Verpflichtung aus § 6 des Kaufvertrages durch die Bestimmung des § 7 dieses Vertrages gegenstandslos geworden sei» Der Kläger habe auch gar keinen Anlaß gehabt, eine Abfindung zu zahlen. die nach der Satzung des Verbandes erforderlichen Unterschriften von zwei vertretungsberechtigten Vorstandsmitgliedern trage und schließlich weil der Pachtvertrag auch vorzeitig aufgelöst worden sei® Aus allen diesen Gründen sei der Unterpächter (das zur sofortigen Räumung verpflichtet gewesen® Zur Klageerhebung wäre aber der Kläger als nunmehriger Eigentümer und auch nach § 7 des Kaufvertrages allein legitimiert gewesen® Die Beklagten hätten die Klage nicht einreichen können. Das Landgericht hat durch Teilurteil die Beklagten als Gesamtschuldner verurteilt, an den Kläger 30 000 DM nebst 4 $ Zinsen zu zahlen und den Kläger von der Verpflichtung zur Zahlung weiterer 30 000 DM an das J| freizuhalten. Durch Teilurteil vom 25® November I960 hat das Oberlandesgericht auf die Berufung des Beklagten zu 1 das Teilurtoil des Landgerichtes dahin abgeändert, daß die Klage gegen diesen Beklagten abgewiesen werde, soweit es sich um den Zahlungsanspruch von 30 000 DM nebst Zinsen und die Preihaltung von der Verpflichtung zur Zahlung weiterer 30 000 DM handelt. Diese Bestimmung habe die Verpflichtung zu dem Inhalt, mit zwangslosen Mitteln für die Räumung des Herrenhauses und dessen Übergabe zu sorgen» Den Vertragsteilen sei auch klar gewesen, daß das CJWD nicht unentgeltlich räumen werde. gewesen« Ein ausdrücklicher Antrag auf Genehmigung dieser Verpflichtung sei nicht gestellt worden« Die Genehmigung des Kaufvertrages lasse keinen Rückschluß darauf zu, daß das Vormundschafts-gericht diese versteckte Verpflichtung erkannt, geprüft und genehmigt habe« Die Prüfung des Vertrages sei im übrigen in dieser Hinsicht auch gar nicht erfolgt; denn der Vormundschaftsrichter habe noch bei der Unterredung mit dem Kläger am 24o März 1958 eine Genehmigung einer Abfindungssumme aus dem Kaufpreis abgelehnt und auch zudem bei Genehmigung des Kaufvertrages die Verfügung über den Kaufpreis ausdrücklich seiner Genehmigung unterstellt« Pachtvertrag der Vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung bedürfe, so setzt sie sich mit der anders lautenden Feststellung des Berufungsurteils in Gegensatz und kann schon deshalb damit nicht gehört werden« Dafür, daß das Berufungsgericht bei seiner Auslegung übersehen habe, daß das.Interesse des Klägers ausschließlich in der Räumung des Herrenhauses bestanden habe, nicht aber in der Zahlung einer Abfindungssumme, läßt sich aus den Urteilsgründen kein Anhaltspunkt entnehmen» Inwiefern aber das Berufungsgericht den Kläger beschwert, wenn es gerade dessen Darstellung bei seiner Anhörung vor dem Berufungsgericht verwertet und sich ihr anschließt, auch wenn sie der Sach-schilderung der Beklagten widersprach, ist nicht erfindlich» Von einer Überschreitung der Auslegungsbefugnis kann nach alledem keine Rede sein» Im übrigen übersieht die Revision, daß das Berufungsgericht § 6 Abs» 3 des Vertrages nicht dahin ausgelegt hat, die dortige Verpflichtung habe nur darin bestanden, eine Geldabfindung zu leisten» Vielmehr hatten danach die Beklagten die Verpflichtung, für die Räumung des Herrenhauses und dessen Übergabe an den Kläger zu sorgen» Sie wären ihrer Verpflichtung auch dann nachgekommen, wenn sie das etwa durch Überlassung oder Vermittlung eines anderen geeigneten Objektes zur festgelegten Räumung hätten bestimmen können, also ohne Zahlung einer Ablösungssumme» genehmigen, bedurfte es nicht« Dabei gingen die Vertrags-teile nach den Urteilsfeststellungen von der Unkündbarkeit des Unterpachtvertrages aus und sahen die Verpflichtung der Beklagten vor, mit zwanglosen Mitteln, also insbesondere durch Zahlung einer Gcldabfindung, das zur freiwilligen Räumung des Herrenhauses zu veranlassen« Die Genehmigung des Kaufvertrages durch den VormundSchafts-richtor schließt § 6 Abs« 3 des Kaufvertrages nicht aus. Kaufvertrages im Zusammenhang mit den §§ 2, 3«, 7 unschwer entnommen werden, daß zur Erfüllung der Verpflichtung aus § 6 Abs.3 (Übergabe des Herrenhauses zu dem 1. Wenn der Vormundschaftsrichter die Verfügung über den Kaufpreis aber ausdrücklich unter seine Genehmigung gestellt hat, so muß das dahin verstanden werden, daß die Verwendung des Kaufpreises der Muttor oder dem Pfleger nicht frei überlassen wurde; die Genehmigung des Rechtsgeschäftes als solchen war davon nicht berührt. Es trifft mithin nicht den Kern der Sache, wenn das Berufungsgericht zur Stütze seiner Auffassung darauf hinweist, der Vormund und die Inhaberin der elter- • liehen Gewalt hätten zu dem Abschluß eines Vergleiches mit dem die vormundschaftsgerichtliche Genehmigung oinholcn müssen. die Frage, ob eine Verpflichtung aus § 6 Abs0 3 des Vertrages zur Aufbringung von Mitteln durch den Vormund-cchaftsrichter rechtswirksam genehmigt war, mit der Frage, ob ein zur Erfüllung dieser Verpflichtung eingegangener Vergleich einer besonderen Vormundschafts-gerichtlichen Genehmigung bedurfte« War eine Verpflichtung rechtswirksam entstanden, so entfiel sie nicht etwa schon deshalb, weil sich der Vormundschaftsrichter aus irgendwelchen Gründen außerstande sah, Mittel zu ihrer Erfüllung bereitzustcllen« Zu prüfen war deshalb nur, ob eine rechtsgültige Verpflichtung durch vormundschaftsgerichtliche Genehmigung entstanden war« Das ist aber entgegen dem Berufungsgericht zu bejahen« Ergab sich, daß dieses, v/ie erwartet, nur gegen Zahlung einer Abfindungssumme zur Räumung bereit war, so mußte der Beklagte zu 1 die erforderlichen Mittel dazu zur Verfügung stellen* Denn nach der Auslegung des Berufungsgerichtes bestand der wesentliche Inhalt des § 6 Abs* 3 des Kaufvertrages gerade darin, eine Abfindungssumme auf-zu bringen und damit die Räumung zu ermöglichen (Urteilsabschrift S* 25) - Daß das etwa gegen Zahlung einer Abfindungssumme nicht bereit gewesen wäre, zu räumen, ist von keiner Seite behauptet worden» Für die Übergabe des geräumten Herrenhauses war ein Zeitraum nach dem Kalender bestimmt* Die Beklagten sind ihrer Verpflichtung zu diesem Zeitpunkt nicht nachgekommen* Sie haben daher den durch Verzug dem Kläger entstandenen Schaden zu ersetzen (§ 286 BGB)* Der Umstand, daß der Vormundschaftsrichter sich nicht in der Lage sah, Beträge aus dem Kaufpreis zur Verfügung zu stellen, schließt den Verzug nicht aus. Da es sich hier um eine Verpflichtung handelt, deren Schwerpunkt in der Beschaffung von Geldmitteln lag, entlastet in entsprechender Anwendung des § 279 BGB das Nichtvorhandensein von verfügbaren Geldmitteln den Beklagten zu 1 nicht ,(Palandt, aaO § 279 An. 3; § 285 Anm* 1)* Überdies stand sowohl der Mutter wie dem Pfleger, worauf die Revision zutreffend hinweist, das Rechtsmittel der Beschwerde zu, wenn der Vormundschaftsrichter sich endgültig weigerte, Mittel zur Erfüllung der Verpflichtung in angemessener Weise zur Verfügung zu stellen* Solange dies nicht geschehen ist, die Beteiligten sich vielmehr mit der mündlichen Auskunft des Vormundschaftsrichters begnügten, hatten sie nicht alles getan, um ihrer Verpflichtung aus § 6 Abs* 3 des Kaufvertrages nachzukommen (vgl* RGZ 104, 111; 110, 17)- 3» Das Berufungsgericht verneint schließlich einen Schadensersatzanspruch wegen Vertragsverletzung mit Rücksicht auf das ganz überwiegende Verschulden des Klägerso Der eigentlich Verpflichtete im Verhältnis zwischen den beiden Beklagten sei der Beklagte zu 2« Da dieser am 16o Juli 1957 das Hauptpachtverhältnis aufgehoben habe, sei für den Kläger der VSTeg eröffnet worden, von dem unmittelbar die Räumung des Herrenhauses zu verlangen, woraus der Beklagte zu 2 unter Umständen schadens-crsatzpflichtig hätte werden können* Die Gewährung einer Abfindungssumme in Höhe von 150 000 DM (§ 3 des Vertrages) sollte den Beklagten zu 2 gerade in den Stand setzen, das abzufinden• Dann hätte aber der Kläger nicht ohne Sicherheit an den Beklagten zu 2 diesen Betrag ganz auszahlen dürfen« Er hätte nämlich, wenn er die Abfindung an das gezahlt hätte, gegenüber dem Beklagten zu 2 aufrechnen können und so den eigenen Schaden vermieden, vorausgesetzt, daß er den ganzen Betrag von 150 000 DM nicht an den Beklagten zu 2 bezahlt hätte» . März 1958 an den Kläger zu übergeben« Da sich etwas Gegenteiliges nicht aus dem Vortrag ergibt, kann der Kläger Leistung von jedem verlangen, ohne daß ein Schuldner berechtigt wäre, den Kläger an den anderen zu verweisen (§ 421 BGB)» Es bestand auch kein Anlaß für den Kläger, von der Entschädigungssumme (150 000 DM) im Interesse des Beklagten zu 1 einen Betrag zurückzuhaltcn, um ihn gegebenenfalls gegen die Zahlung einer Abfindungssumme an das auf rechnen zu können. Schadloohaltung des nicht rechtzeitig nachkommen« Der Betrag von 150 000 DM wurde nach den Urteilsfeststcllungen zwar noch vor dem Vergleich mit fehlt aber«, So läßt sich daher aus den Urteilsgründen nicht entnehmen, daß im Zeitpunkt der Zahlung der Abfindungssumme an den Beklagten zu 2 der mi Kläger bereits Anlaß hatte, die Vertragsuntreue des Beklagten zu 2 in Rechnung zu stellen« Es kann daher auch dahinstehen, ob der Kläger in diesem Pall überhaupt verpflichtet gewesen wäre, das Interesse des Beklagten zu 1 zu "bedenken11, wie dies das Berufungsgericht angenommen hat« Die; Revision weist mit Recht darauf hin, daß § 3 des Kaufvertrages Abmachungen nur zwischen dem Kläger und dem Beklagten zu 2 enthält« Sie hatten dem Beklagten zu 1 gegenüber als dem weiteren Gesamtschuldner, was die Gesamtschuld selbst anlangt, keine befreiende V/irlcung (§ 425 BGB)« Die Beklagten sind ihrer Verpflichtung zur fristgemäßen Übergabe des geräumten Herrenhauses nicht nachgekommen« Da sie auch nach dem 1« März 1958 nicht Willens waren, ihrer Verpflichtung gerecht zu werden, durfte der Kläger, um den ihm entstehenden Schaden zu mindern, selbst Verhandlungen mit dem auf nehmen und die Räumung herbeizuführen suchen« Er hatte dabei die Interessen der Beklagten zu wahren« Ihm wurde aber nach dem Vortrag der Beklagten noch vor dem Vergleichsabschluß vom Vormundschaftsrichter mitgeteilt, daß die Pachtverträge dem J bezahlt, eine genauere Zeitbestimmung nicht vormundschaftsgerichtlich genehmigt worden seien und daß nach Aufhebung des Pachtvertrages weder die Mutter des Beklagten zu 1 noch der Beklagte zu 2 das Unterpachtverhältnis kündigen konnten„ Es kann nun dahinstehen, ob der Pachtvertrag, v/eil er nicht genehmigt wurde, unwirksam war oder wenigstens für eine gewisse Zeit (bis zu dem 15. Februar 1964, § 139 BGB, vgl, HGZ 114, 35, BGH IFJW 1962, 734) als abgeschlossen zu gelten hat» Geht man von der Ungültigkeit des Pachtvertrages aus, so war allein der Kläger als Eigentümer des Grundstücks in der läge, die Räumung seitens des Unterpächters im Wege der Klage zu erzwingen (§ 935 BGB); § 556 Abs» 3 BGB käme dann allerdings nicht zur Anwendung (vglo RGZ 156, 150)«, Geht man von der zeitweisen Gültigkeit aus, so war der Pachtvertrag jedenfalls durch die Vereinbarung zwisehen dem Kläger und dem Beklagten zu 2 zu dem Io Oktober 1957 vorzeitig beendeto Damit war zwar das Unterpachtverhältnis zwischen dem Beklagten zu 2 und dem noch nicht beendet» Aber dem Kläger gegenüber hätte der Unterpächter kein Recht mehr zu dem Besitz gehabt, und es konnte von jenem Räumung verlangt werden (§ 556 Abs» 3 BGB), ohne daß sich der Unterpächter auf die Zustimmung der Mutter des Beklagten zu 1 zu dem Unterpachtvertrag hätte berufen können«, Allerdings standen dem Unterpächter, vorausgesetzt, daß der Unterpachtvertrag überhaupt gültig zustandegekommen ist, was das Berufungsgericht dahingestellt sein läßt, gegenüber dem Beklagten zu 2 unter Umständen Schadensersatzansprüche wegen vorzeitiger Räumung zu« Ob der Kläger für sie einzu-stehen hat, erscheint zweifelhaft» Doch kann insoweit eine abschließende Würdigung dahinstehen» Jedenfalls hätte der Unterpächter die Räumungsklage nicht aufhalten können (§ 556 Abs« 2 BGB; Palandt aaO § 556 An. 3). zur Währung der Belange der Beklagten nicht hätte eine Klage auf Räumung durchführen müssen, statt einen Vergleich abzuschließen (§ 254 Abs» 2 BGB)«, Möglicherweise wären nämlich die für den Kläger durch die spätere Räumung dos Herrenhauses entstehenden Verluste geringer gewesen als die an das b ©zahlte Ausgleichs summe«, Bas Berufungsgericht hat von seinem Rechtsstandpunkt aus zu dieser Präge nicht Stellung zu nehmen brauchen» Es wird das in der neuen Verhandlung naohholen müssen» Dabei wird aber auch zu prüfen sein, ob dem Kläger ein Vorwurf zu machen ist, wenn er etwa aus Rechtsunkenntnis und wegen der Ungewißheit eines anzustrengenden Räumungs-prozessos nicht das richtige Mittel zur Verminderung des Schadens ergriffen hat» Erweist sich die Abweisung der Klage gegen den Beklagten zu 1 aus den vorstehend erörterten Gründen als nicht frei von Rechtsirrtum, so muß schon deshalb das angefochtene Urteil aufgehoben werden» Gegen die Abweisung der Klage, soweit sie auf weitere Klagegründe gestützt wurde, bestehen andererseits keine durchgreifenden Bedenken» Bas gilt sowohl für die Verpflichtung aus Geschäftsführung ohne Auftrag wie aus Verschulden bei Vertragsschluß, aus unerlaubter Handlung und aus abgeleitetem Rechte» Bio Revision wendet sich in diesem Zusammenhang im wesentlichen auch nur gegen die BeweisWürdigung des Berufungsgerichtes und kann schon aus diesem Grunde nicht durchdringen»