BGH · V ZR 35/78
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am selben Tag schlossen die Eltern der Klägerin vor Verkündung des Scheidungsurteils einen gerichtlichen Vergleich, in dem sich der Beklagte u.a. verpflichtete, seinen Miteigentumsanteil an einem Grundstück in BfmHBI, HflHHB*weg auf die Klägerin zu übertragen, belastet mit einem lebens- In dem erwähnten Vergleich verpflichtete sich der Beklagte u.a. weiter, für die Klägerin monatlich 400 DM Unterhalt zu zahlen und ihr die Hälfte eines Festgeldbetrages zur Sicherung der Ausbildung zu übertragen. Die Klägerin hat eine arglistige Täuschung bestritten und behauptet, daß der Beklagte die ihr in dem Scheidungsfolgenvergleich zugedachten Vermögenswerte ihr in jedem Falle zugewendet haben würde. Das Berufungsgericht hat den Scheidungsfolgenvergleich, soweit er den Beklagten verpflichtet, seine Miteigentumshälfte an dem Grundstück in Berghausen auf die Klägerin zu übertragen, als berechtigenden Vertrag zugunsten eines Dritten im Sinne des § 328 BGB angesehen. Es hat offengelassen, ob die Anfechtung des Vergleichs wegen arglistiger Täuschung begründet ist, und hat festgestellt, daß Jedenfalls der Anspruch der Klägerin auf Übereignung der Miteigentumshälfte - unabhängig von dem Schick001 der sonstigen Bestimmungen des Scheidungsfolgen-vergle ben sollte (§ 139 BGB). Eine ausdrückliche Bestimmung darüber, daß die Klägerin einen eigenen Anspruch auf Übereignung der Miteigentumshälfte an dem Hausgrundstück erlangen sollte, enthält der Vergleich nicht. In Ermangelung einer besonderen Bestimmung ist aus den Umständen, insbesondere aus dem Zwecke des Vertrags, zu entnehmen, ob der Dritte ein eigenes Recht auf die Leistung erwerben soll oder nicht. Das Berufungsurteil verweist insoweit nur auf das Urteil des Landgerichts; doch ist auch dort ohne nähere Begründung lediglich formelhaft ausgeführt, ”aus den Umständen, insbesondere aus dem Zweck des Vertrages”, ergebe sich, daß die Klägerin unmittelbar das Recht erwerben sollte, von dem Beklagten die ihr versprochene Leistung zu fordern. Die Revision rügt hierzu mit Recht, das Berufungsgericht habe unter Beweis gestellten Tatsachenvortrag des Beklagten unberücksichtigt gelassen: In der Berufungsbegründung vom 2. April 1976 - hat der Beklagte vorgetragen, daß die Vereinbarung über die Miteigentumshälfte nicht im Interesse der Klägerin, sondern ausschließlich im Interesse der Mutter der Klägerin und des Beklagten getroffen worden sei; sie habe lediglich eine gewisse Einschränkung des ursprünglichen Begehrens der Mutter der Klägerin dargestellt, ihr, der Mutter, den Miteigentumsanteil zu überlassen, damit ihr künftig der gesamte Nutzen und der Ertrag des ursprünglich gemeinsamen Grundbesitzes zur Verfügung stehe. Die Revision rügt weiter, daß das Berufungsgericht verfahrensfehlerhaft ohne Ausschöpfung des Prozeßstoffs angenommen habe, der Kläger hätte der Beklagten seinen Miteigentumsanteil an dem Grundstück in Berghausen auch dann versprochen, wenn er gewußt hätte, daß der Scheidungsfolgenvergleich eines Tages mit Erfolg wegen arglistiger Täuschung angefochten würde. Das Berufungsgericht hat insbesondere nicht den Umstand gewürdigt, daß nach dem Vergleich die Klägerin lediglich ein mit einem lebenslänglichen Nießbrauchsrecht ihrer Mutter belastetes Miteigentum an dem Hausgrundstück erlangen sollte und daß sie nun, falls ein solches Nießbrauchsrecht wegen erfolgreicher Anfechtung des Scheidungsfolgenvergleiches nicht bestellt würde, insoweit sogar einen unbelasteten Miteigentumsanteil - mithin mehr als ihr nach dem Vertrage zukam - zugewendet erhielte.