BGH · V ZR 33/66 vom 12.05.1967
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 12o Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 27o Januar 1966 aufgehoben» Pie Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Bei i/ungsgericht zurüekverwiesen, dem auch die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens übertragen wird.» F^l^straße f| gelegenen, mit einem Wohnhaus bebauten und im Grundbuch von Pi|BBBHB3snd Blatt BHB eingetragenen Grundstücks» Durch notariellen Vertrag vom 11o Juni 1964 (119 ff GA) verkaufte die Klägerin zu 1) das Grundstück an den Beklagteno Sie handelte dabei im eigenen Namen und zugleich in dem der Klägerin zu 2), deren Vollmacht sie nachzureichen versprach» Per Kaufpreis, der sich auf 75 000 PM belief, war spätestens am lo August 1964 zu zahlen» Per Kaufvertrag enthielt weiter u»a» folgende Vereinbarungen; § 7 Das Kauf gr und stück wird dem Käufer am 1« Juli 1964 übergeben* Mit diesem Tage gehen alle Hechte und hasten, Nutzungen, Steuern und öffentliche Abgaben auf den Käufer über, desgleichen die Gefahr des zufälligen Untergangs und der zufälligen Verschlechterung« Das Landgericht hat der Klage hinsichtlich der Hauptforderung uneingeschränkt, hinsichtlich des Anspruchs auf Zahlung von Verzugszinsen erst für die Zeit ab 2« August 1964 stattgegeben, da der Beklagte erst an dieseta Tage Kenntnis von der Zustimmungserklärung der Klägerin zu 2) erhalten habe. Der Bescheid des Bezirksamts enthielt den Hinweis, dafS nach dem Ergebnis einer bauaufsichtliehen Besichtigung des Dachgeschosses mehrere Konstruktionshölzer des Dachstuhls so stark von tierischen Holzschädlingen befallen seien, daß die Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet sei» Die hinter den Y/andverkleidungen befindlichen Hölzer der Wohnungseinbauten hätten nicht überprüft werden können« Der Bescheid enthielt ferner mehrere Auflagen (Behebung der fostgestellten Schäden, Freilegung der nicht sichtbaren Konstruktionshölzer zur weiteren Überprüfung, Durchführung der nach deren Ergebnis etwa weiter erforderlichen Maßnahmen)« Der Beklagte bezifferte die Kosten, die durch die Beseitigung der Mängel voraussichtlich entstehen würden, zunächst auf 15 000 DM| später machte er unter Hinweis auf Holzbockbefall weiterer Teile des Hauses geltend, die Kosten überstiegen die restliche Kaufpreisforderung der Klägerinnen« Für den schon bei Vertragsabschluß vorhandenen Befall müßten die Klägerinnen einstehen, weil die Parteien sich damals darüber einig gewesen seien, daß § 4 Abs« 2 des Vertrags eine entsprechende Zusicherung enthalte« Das Berufungsgericht hat die Berufung des Beklagten zurüekgewiesen« Mit der Revision verfolgt der Beklagte sein Begehren auf Abweisung der Klage weiter und bittet Das Berufungsgericht läßt dahingestellt, ob der von dem Beklagten behauptete, als Sachmangel im Sinne des § 459 BOB zu wertende Holzbockbefall unter den in § 4 Abs« 1 des Kaufvertrags vereinbarten Ausschluß Jeglicher Mängelhaftung falle, oder ob die Klägerinnen zu-gesichert hätten, das Haus sei nicht mit Holzbock behaftet (§ 459 Abs« 2 BOB}« Denn Jedenfalls greife insoweit, so meint das Berufungsgericht, die von den Klägerinnen erhobene Verjährungseinrede gegen etwaige Ge währ1eistungs-ansprüehe des Beklagten durch« Nach § 477 Abs« 1 Satz 1 BOB Da das Grundstück nach § 7 des Kaufvertrags am 1« Juli 1964 übergeben worden sei, sei die Verjährungsfrist mit dem 50* Juni 1965 abgelaufen« Der Beginn der in § 477 BGB geregelten Verjährungsfrist setzte außer der Öbex*gabe des Grundstücks die volle Hechtsgültigkeit des Vertrags voraus« Solange diese noch in der Schwebe war und dem Beklagten aus diesem Grunde noch keine Gewährleistungsansprüche zustanden, war auch für den Beginn der Verjährung solcher Ansprüche kein Raum« hängt die Rechtsgültigkeit eines Vertrags von einer Genenmigung ab, so ändert die rückwirkende Kraft der später erteilten Genehmigung (§ 184 BGB) nichts an der bis zu ihrer Erteilung bestehenden Ungewißheit, die faktisch der Geltendmachung von Gewährleistungsansprüchen entgegenstand« Trots der Rückwirkung beginnt die Vex*-jährung daher in einem derartigen Fall nach einhelliger Aneicht nicht vor der Erteilung der Genehmigung (Stau-dinger/Ostler BGB 11« Aufl« § 477 Nr« 26s BGB RGRK XX« Aufl* § 477 Annu 4; Balandt BGB 26« Aufl* § 477 Anau 2? Juli 1964» in dem die Klägerin zu 2) ihre Zustimmung zu dem Kaufvertrag vom 11 * Juni 1964 erteilte, dem Beklagten erst am 2o August 1964 zugegangen ist, stand erst in diesem Zeitpunkt die volle Rechtswirksamkeit des Vertrags fest« Erst von da ab kam auch die Verjährung etwaiger Gewährleistungsansprüche des Beklagten in Betracht. Im Urteil des Landgerichts wird ausdrücklich festgestellt, die Klägerin zu 1) habe den Vertrag uzugleich als vollmachtslose Vertreterin für die Klägerin zu 2)*1 geschlossen, und es spricht nichts dafür, daß das Berufungsgericht sich zu dieser Feststellung hätte in Widerspruch setzen wollen? Der Schriftsatz war zwar nicht unmittelbar an die Klägerinnen gerichtet, jedoch ersichtlich dazu bestimmt, durch dio vom Berufungsgericht zu veranlassende Übersendung einer Abschrift an den Prozeöbevollmäehtigten der Klägerinnen zu deren Kenntnis zu gelangen» Hach einem Aktenvermerk vom 27» Juli 1965 ist die Abschrift dann auch an diesem fage, also vor Ablauf der Verjährungsfrist, vom Berufungsgericht weitorgeleitet worden« Las Berufungsgericht hat offen gelassen, ob die Klägerinnen in dem Vertrag vom 11« Juni 1964 zugesichert haben, daß das verkaufte Haus frei von Holzbockbefall sei, und ob - gegebenenfalls zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang {§§ 459 und 462 BGB) - das Haus Holzbockbefall aufwies» La diese Feststellungen nicht in der Revisionsinutanz getroffen werden können, war die Sache unter Aufhebung des angefochtenen Urteils an das Berufungsgericht zurück-suverweisen, ohne daß die weiteren Angriffe der Revision erörtert zu werden brauchten» Da die Entscheidung Uber die Kosten des Revisionsverfahrens vom endgültigen Ausgang des Rechtsstreits abhängt, war dem Berufungsgericht auch diese Entscheidung zu übertragen»