BGH · V ZR 28/67 vom 22.11.1968
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger hat im Jahre 1947 von seiner Mutter im Weg vorweggenommener Erbfolge ein Grundstück der Steuergemeinde GflHHHBzu Eigentum erhalten, auf dem er in den Jahren 1948 bis 1950 unter Mitwirkung der Beklagten das Wohnhaus errichtete. Sie hat eingewendet: Von einer unentgeltlichen Übereignung des Hausgrundstücks könne schon deshalb nicht gesprochen werden, weil sie bei der Errichtung des Hauses in großem Umfang selbst mitgewirkt und für den Bau des Hauses auch den überv/iegenden Teil der Waisenrenten ihrer Söhne aus früherer Ehe verwendet habe. Der Kläger habe zwar das ihm von seiner Mutter übergebene Grundstück in vorweggenommener Erbfolge zu Alleineigentum erhalten, aber erkennbar zu dem Zweck, den noch bei der Mutter wohnenden Ehegatten alsbald den gemeinsamen Bau einer eigenen Familienheimstatt zu ermöglichen. Nach dem Willen beider Parteien sei der Hausbau von vornherein als Gemeinschaftsleistung zu betrachten gewesen, und zwar so, wie wenn jeder gleichviel zur Errichtung des Hauses beitrüge. Auf Grund dieser Ausführungen ist das Berufungsgericht zu der Auffassung gelangt, daß hinsichtlich einer ideellen Grundstückshälfte die Eigentumsübertragung die dem Wesen der Ehe, der natürlichen Betrachtung und der tatsächlichen Übung entsprechende Folgerung daraus gewesen sei, daß beide Ehegatten seinerzeit nur durch ihr tatkräftiges Zusammenwirken imstande gewesen seien, das Haus zu errichten und deshalb insoweit weder objektiv noch nach dem Willen der Vertragsparteien eine unentgeltliche Zuwendung Vorgelegen habe. Hinsichtlich der anderen ideellen Grundstückshälfte sieht das Berufungsgericht die Eigentumsübertragung dagegen als Schenkung an, weil insoweit der Kläger die Beklagte aus seinem Vei'mÖgen bereichert habe und beide Ehegatten über die Unentgeltlichkeit der Zuwendung einig gewesen seien. 2c Da die Beklagte gegen ihre Verurteilung zur Auflassung einer ideellen Grundstückshälfte und zur Einräumung des Mitbesitzes an dem Grundstück keine Revision eingelegt hat, ist Gegenstand des Rechtsstreits jetzt nur noch die ideelle Grundstückshälfte, die nach dem angefochtenen Urteil der Beklagten zusteht. Gegenüber den dahingehenden Ausführungen des Berufungsgerichts rügt die Revision im wesentlichen Verletzung der §§ 1353 ff BGB mit folgender Begründung: Die Übertragung des Grundstücks auf die Beklagte sei nur dann keine unentgeltliche Zuwendung im Sinne der §§ 516 ff BGB gewesen, wenn sie in Erfüllung einer aus der Mitarbeit der Beklagten bei der Errichtung des Hauses sich ergebenden Verpflichtung des Klägers gegenüber der Beklagten erfolgt sei. Aber auch wenn der Beklagten aus dieser Mitarbeit ein Ausgleichsanspruch nach §§ 1371 ff BGB zu-gostanden hätte, so könne er allenfalls in Höhe von 3 500 BM entstanden sein, weil der Sachverständige die Arbeitsleistung der Beklagten bei der Errichtung des Hauses mit diesem Betrag bewertet habe. nach den Vorschriften der §§ 1353 ff BGB, insbesondere nach den güterrechtlichen Vorschriften der §§ 1363 ff "BOB zu beurteilen wäre, wenn also der Beklagten wegen ihrer Mitarbeit bei der Errichtung des Hauses nur der erst mit der Rechtskraft des Scheidungsurteils entstandene Ausgleichsanspruch nach §§ 1372, 1378 BGB und deshalb im Zeitpunkt des Abschlusses des Übergabevertrags ein Anspruch gegen den Kläger Überhaupt nicht zugestanden hätte, oder wenn ein in diesem Zeitpunkt schon entstandener Anspruch weniger als die Hälfte des Wertes des Anwesens betragen hätte; in beiden Fällen hätte, wenigstens in objektiver Hinsicht, eine unentgeltliche Zuwendung im Sinne der §§ 516 ff BGB Vorgelegen,, und zwar im ersten Fall in vollem Umfang und im zweiten zu dem überwiegenden Teil, so daß die Beklagte auch in diesem letzteren Fall nach § 531 Abs. 2 BGB zur Rückübertragung des ganzen Grundstücks auf den Kläger verpflichtet gewesen wäre (Urteil des Senats vom 23» Mai 1959 » V ZH 140/58 BGHZ 30, 120). Bas Berufungsgericht hat jedoch sein Urteil nicht auf die Vorschriften der §§ 1353 ff BGB, sondern, wie sich jedenfalls aus dem Zusammenhang seiner Urteilsgründe ergibt, auf rechtsgeschäftliche Vereinbarungen gestützt, welche die Parteien nach seiner Auffassung bei dem Erwerb des Grundstücks und bei der Errichtung des Hauses getroffen haben. Bei der rechtlichen Beurteilung der von ihm fest-gestellten rechtsgeschäftlichen Vereinbarung der Parteien hat das Berufungsgericht, was auch nahelag, eine Gesellschaft im Sinne der §§ 705 ff BGB erwogen, eine solche Jedoch unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs abgeiehnt. Diese Rechtsprechung geht dahin, daß der mit dem Erwerb des Grundstücks und der Errichtung des Hauses verfolgte Zweck der Schaffung einer Familienheimstatt deshalb keinen besonderen Zusammenschluß der Ehegatten erfordert, weil sich die Verpflichtung der Eheleute, die sich aus der ehelichen Gemeinschaft ergebenden Zwecke zu fördern und sich dabei auch durch Vermögensaufwendungen zu unterstützen, bereits unmittelbar aus dem Yfesen der ehelichen Lebensgemeinschaft ergibt (NJY/ 1951, 352, 353; FamRZ I960, Da aus dieser Begründung zu entnehmen ist, daß eine Gesellschaft im Sinne der §§ 705 ff BGB nur deshalb verneint wird, weil die Verpflichtung zur Erreichung eines gemeinsamen Zwecks, die Gegenstand der Gesellschaft ist, bereits aus dem Wesen der ehelichen Lebensgemeinschaft folgt, und nach der rechtlich nicht zu beanstandenden Feststellung des Berufungsgerichts der Hausbau (unter Einbeziehung des Grundstücks) nach dem Y/illen beider Parteien von vornherein als Gemeinschaftsleistung zu betrachten war,und zwar so, wie wenn jeder gleich viel zur Errichtung des Hauses beitrüge, bestehen keine rechtlichen Bedenken, auf diesen Sachverhalt die Vorschriften der §§ 741 ff BGB über die Gemeinschaft und damit auch die des § 742 BGB anzuwenden Da zur Widerlegung dieser gesetzlichen Vermutung nichts ersichtlich und auch von der Revision in dieser Hinsicht nichts dargetan ist, ist das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum zu dem Ergebnis gekommen, daß das in Präge stehende Hausgrundstück der Beklagten zur Hälfte zustand und deshalb insoweit schon objektiv keine Schenkung im Sinne der §§ 516 ff BGB, 4« Die Revision bittet sodann um Nachprüfung, ob der unentgeltliche Charakter der Eigentumsübertragung nicht bereits aus dem Übergabevertrag vom 14« August 1962 in Verbindung mit der von dem Kläger (bei seiner zweiten Vernehmung durch das Berufungsgericht) gegebenen Situation im August 1962 erwiesen werde; so heiße es in Abschnitt I des Vertrags ausdrücklich, daß auf dem Grundstück "durch den Eigentümer Ludwig Bäsch" das Anwesen Sandgraben Nr. 20 errichtet worden sei. Wäre mit der Eigentumsübertragung von den Parteien, so meint die Revision, ein Ausgleich für die von der Beklagten geleistete Kitarbeit beabsichtigt gewesen, so hätte es nahe gelegen, die causa dieses Rechtsgeschäfts hier ausdrücklich niederzulegen; der Wortlaut dieser Formulierung deute demgegenüber jedoch darauf hin, daß eine unentgeltliche Zuwendung bezweckt gewesen sei; das werde durch die Darlegung des Klägers bestätigt, nach welcher der Grund für die Eigentumsübertragung die Sicherung der Beklagten, nicht dagegen die Befriedigung eines etwaigen Ausgleichsanspruchs gewesen sei. Diese Auslegung war entgegen der Meinung der Revision notwendig, weil, wie das Berufungsgericht mit Recht hervorhebt, aus der Vertragsurkunde nicht hervorgeht, aus welchen Gründen der Kläger sein Alleineigentum an dem Hausgrundstück an die Beklagte übertragen hat.