BGH · V ZR 26/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BGB § 505 Der Grundsatz, daß die Ausübung des Vorkaufsrechts unwirksam ist, wenn der Vorkaufsberechtigte es zugleich ablehnt, die mit seiner Erklärung verbundenen Pflichten zu tragen,' gilt auch dann, wenn der Vorkaufsberechtigte die volle Bezahlung des von dom Vorkaufoverpflichteten vereinbarten Kaufpreises mit der Begründung von einer vorherigen gerichtlichen Über-Prüfung abhängig macht, es sei in ihm durch bestimmte Tatsachen der (sich später als unbegründet erweisende) Verdacht erweckt worden, daß durch die Ausgestaltung des Kaufvertrags, insbesondere hinsichtlich der Höhe des Kaufpreises, die Ausübung seines Vorkaufsrechts vereitelt oder erschwert werden sollte (Ergänzung zu LM § 505 BGB Nr0 3)» Der Vo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 16» November 1965 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr» Piepenbrock, Dr» Rothe, Dr0 Freitag, Dr. Mattem und Dr, Grell für Recht erkannt: Am 11« Juni I960 wurde dem Kläger, dem an den verkauften Grundstücken ein dingliches Vorkaufsrecht Zustand, von dem Notar Dr« 3pB> der den Kaufvertrag beurkundet hatte, eine Abschrift des Kaufvertrags unter Hinweis auf die Frist des § 510 3GB zugestellt« Daraufhin richtete der Kläger am 27• Juli I960 an den Gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Hof, an den Notar Dr« ßpp, an die "Familie Eduard MpH" in Epmp, und an den Beklagten zu 5 je einen Einschreibebrief, in dem es u«a« heißt: ’’Unser Mandant läßt Sie deshalb hiermit auf fordern, mit ihm einen Kaufvertrag über den genannten Grundbesitz abzuschließen und zwar nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen Uber das Vorkaufsrecht und zu denjenigen Bedingungen, die sich nach dem Gesetz und im Hinblick auf den Kaufvertrag des Notars Dr» Heinz in vom 19»3»1960 Der Kläger hat vorgetragens Er habe sein Vorkaufsrecht ordnungsgemäß ausgeübt» Infolgedessen sei zwischen ihm und den Beklagten zu 1 bis 4 der Kauf zu den Bedingungen zustandegekommen, welche die Beklagten zu 1 bis 4 mit dem Beklagten zu 5 vereinbart hatten» Als Kaufpreis seien jedoch nur 6 000 DM gerechtfertigt, wobei sowohl für den Grund und Boden entsprechend der Genehmigung der Preisbehörde als auch für das Gartenhaus je 3 000 DM anerkannt würden» Die weiteren 5 000 DM für angebliche Verbesserungen und Kultivierungsarbeiten seien lediglich vereinbart worden, um ihn von der Geltendmachung seines Vorkaufsrechts abzuhalten» Dieser Betrag sei in keiner Weise begründet» Schon vorher habe man ihm im Notariat einen Kaufvertrag zwischen den Beklagten vorgelegt, in dem ein Kaufpreis von nur 7 000 DM vereinbart gewesen sei» Als er daraufhin sein Vorkaufsrecht ausgeübt habe, sei ihm später mitgeteilt worden, daß dieser Vertrag mangels Gegenzeichnung der Mitglieder der Familie noch nicht bindend gewesen sei» 2o festzustellen, daß der Kläger als Vorkaufsberechtigter aus dem durch die Ausübung des Vorkaufsrechts zustande gekommenen Kaufvertrag zwischen ihm und den Beklagten zu 1 bis 4 als Vorkaufsverpflichteten lediglich einen Kaufpreis in Höhe von 6 000 DM, hilfsweise einen Kaufpreis, dessen Höhe das Gericht nach pflichtmäßigem Ermessen feststellt, schuldet; ten zu 2 und 3 damals aber nicht mehr bei diesen gewohnt hätten« Der Übersendung der Schreiben vom 27« Juli und 10» August I960 an das Notariat komme keine rechte liehe Bedeutung zu, da weder der Notar noch der Notariatsinspektor ihr Vertreter oder Bevollmächtigter gewesen sei» Das Vorkaufsrecht sei auch deshalb nicht rechtsgültig ausgeübt worden, weil der Kläger nicht in die im notariellen Kaufvertrag vereinbarten Bedingungen eingetreten sei, sondern lediglich 6 000 DM Kaufpreis habe zahlen wollen» Im übrigen sei der Preis von 11 000 DM gerechtfertigte Der Beklagte zu 5 habe nämlich in mühseliger Arbeit das Gelände, das ursprünglich aus einer Lehmgrube und einem Teich bestanden habe und früher Ausbeutegelände für die nahe gelegene Ziegelei gewesen sei, eingefüllt und aus der Wildnis einen Garten gemacht o Der Preis von 11 000 DM sei auch von vornherein vorgesehen gewesen« Er sei nur in dem dem Kläger vorgelegten Vertragsentwurf vom 11« März I960 nicht angegeben worden, weil der Beklagte zu 5 den Betrag von 5 000 DM für seine Kultivierungsarbeiten aus steuerlichen Gründen in einem gesonderten Vertrag habe festlegen wollen« Auf anwaltlichen Rat sei dann der Entwurf durch Erhöhung des Kaufpreises von 7 000 DM auf 11 000 DM abgeändert worden« Das Berufungsgericht ist zunächst der Auffassung, daß der Kläger mit seinem Schreiben vom 27» Juli I960, das fUr die Ausübung des Vorkaufsrechts allein von Bedeutung sei, deshalb die Zweimonatsfrist des § 510 Abs« 2 BGB gewahrt habe, weil er das Schreiben auch an den Notar Dr. B^| gerichtet habe» Diese Erklärung der Ausübung des Vorkaufsrechts gegenüber dem Notar Dr» hätten die Beklagten zu 1 bis 4, so führt das Berufungsgericht weiter aus, schon auf Grund sogenannter An-schcinsvollmacht gegen sich gelten zu lassen; darüber hinaus sei sogar eine mindestens stillschweigende Bevollmächtigung des Notars Dr» durch die Beklagten zu 1 bis 4 zur Entgegennahme der Ausübungserklärung anzunehmen o Nach der weiteren Auffassung des Berufungsgerichts wird die Wirksamkeit der Erklärung der Ausübung dos Vorkaufsrechts durch den Kläger auch nicht durch die in seinem Schreiben vom 27« Juli I960 enthaltenen Einschränkungen beeinträchtigt» Diese Grundsätze werden von dem Berufungsgericht zwar anerkannt, wie sich schon daraus ergibt, daß es sich auf eine Entscheidung des Reichsgerichts und auf Schrifttumsstellen beruft, auf die sich auch der Senat in seinem aufgeführten Urteil bezieht» Das Berufungsgericht hält diese Grundsätze hier aber deshalb nicht für anwendbar, weil durch die Vorgeschichte des Vertrags vom 19« März I960 in dem Kläger der Verdacht erweckt worden sei, die Beklagten zu 1 bis 5 hätten in diesem Vertrag den Kaufpreis nur deshalb erhöht, um ihm die Ausübung des Vorkaufsrechts zu vereiteln oder mindestens zu erschweren o Bei dieser Sachlage sei es, so führt das Berufungsgericht aus, kein Verstoß gegen Treu und Glauben gewesen, wenn der Kläger sich bei der unbedingten Ausübung seines Vorkaufsrechts Vorbehalten habe, den vereinbarten Kaufpreis von 11 000 DM zunächst nicht zu zahlen, sondern auf seine gesetzliche und vertragliche Berechtigung hin gerichtlich nachprüfen zu lassen und dann erst entscheidungsgemäß zu zahlen« Den Verdacht des Klägers stützt das Berufungsgericht auf folgende Erwägungen: Der Notar Dr« habe mit Schreiben vom daß noch kein Kaufvertrag bestehe (vglo Schreiben des Klägers an den Notar vom 25* März I960) und die schriftliche Mitteilung des Notars M(|^(des damaligen Vertreters des Notars Dr« vom 11« April I960, daß es sich bisher nur um eine informatorische Anfrage vor Unterzeichnung und vormundschaftsgerichtlicher Genehmigung gehandelt habe, daß "auf anwaltschaftlichen Rat" nunmehr eine Neufassung unter Abänderung des Kaufpreises erfolgt sei (ohne daß die Gründe für die Änderung der Kaufpreishöhe auch nur erwähnt worden seien) und daß ein weiterer Schriftwechsel zwecklos sei, bevor der neue Vertrag vorliege, in dem Kläger, wenn er nunmehr geglaubt habe, 3ein Vorkaufsrecht noch nicht wirksam ausgeübt zu haben, den Verdacht erwecken müssen, daß die Kaufvertragsparteien den Preis in dem erst abzuschließenden oder inzwischen abgeschlossenen zweiten Vertrag nur deshalb geändert, insbesondere erhöht hätten, weil er sein Vorkaufsrecht ausüben werde, sich aber andernfalls mit einem geringeren Preis begnügt hätteno Paß der Kläger diesen Verdacht gehabt habe, sei schon mit aller Deutlichkeit in seinen Schreiben vom 25* März, sowie vom 5o, öo und 24» April I960 an den Notar und die Vertragsparteien zu dem Ausdruck gekommeno Die Beklagten behaupteten zwar, daß schon bei dem ersten Vertragsentwurf vom 11« März I960 zwischen ihnen von einem Kaufpreis von 11 000 DM ausgegangen worden sei, daß aber der Beklagte zu 5 den Betrag von 4 000 DM für seine Leistungen aus steuerlichen Gründen formell durch einen Zusatzvertrag habe sichern wollen« Es könne dahingestellt bleiben, ob dies zutreffe. Die Feststellungen des Berufungsgerichts rechtfertigen jedoch einen solchen Ausnahmefall nicht« Der auch von dem Berufungsgericht anerkannte Grundsatz, daß die Ausübung des Vorkaufsrechts unwirksam ist, wenn der Vorkaufsberechtigte es zugleich ablehnt, die mit seiner Erklärung verbundenen Pflichten zu tragen, wird von dem Senat in seinem Urteil vom 20« Juni 1962 damit begründet, daß das Gesetz an die Ausübung des Vorkaufsrechts unmittelbar die rechtliche Folge knüpft, daß der Berechtigte dem Verpflichteten das gleiche zu leisten und zu bieten hat wie der Dritte« Da nach dem Inhalt des Kaufvertrags vom 19° Mars I960 der Kaufpreisteil von 3 000 DM von dem Beklagten su 5 bereits bezahlt war und hinsichtlich des restlichen Kaufpreisteils von 8 000 DM rechtlich eine Aufrechnung des Beklagten zu 5 mit Gegenforderungen vorlag, hätte von dem Kläger alsbald nach der Ausübung seines Vorkaufsrechts sowohl der Betrag von 3 000 DM als auch der Betrag von 8 000 DM (vglo insoweit ebenfalls das Urteil des Senats vom 20o Juni 1962) und damit ein Gesamtbetrag von 11 000 DM an die Beklagten zu 1 bis 4 entrichtet werden müssen» Nachdem der Kläger dies nicht getan, die Zahlung von 5 000 DM des Kaufpreises vielmehr von einer vorherigen gerichtlichen Überprüfung abhängig gemacht hat, hat er die mit der Ausübung seines Vorkaufsrechts durch Gesetz und Vertrag verbundenen Verpflichtungen nicht erfüllt» Bei dieser Sachlage sind ohne weiteres die Voraussetzungen für die Anwendung des hier in Präge stehenden Grundsatzes von der Unwirksamkeit der Ausübung de3 Vorkaufsrechts gegeben» Das entspricht auch, wie von der Revision mit Recht hervorgehoben wird, nicht nur dem rechtsgestaltenden Charakter der Ausübung des Vorkaufsrechts, sondern wird auch von der Rechtssicherheit gefordert, die im Interesse des Vorkauf sverpflichteten und des Dritten eine alsbaldige Klarheit darüber gebietet, welche Gegenleistung der Vorkaufsberechtigte dem Vorkaufsverpflichteten zu bewirken hat und ob der Dritte das von ihm durch den Kaufvertrag Erlangte behalten darf» Damit ist aber eine vorherige Überprüfung der Präge, ob der Vorkaufsberechtigte dem Vorkaufsverpflichteten den von diesem mit dem Dritten vereinbarten Kaufpreis in voller Höhe zu bezahlen hat, unvereinbar» Es kann deshalb insoweit auch nicht von einem Ausnahmefall im Sinne des Urteils dos Senats gesprochen werden» Der Grundsatz«, daß die Ausübung de3 Vorkaufsrechts unwirksam ist«, wenn der Vorkaufsberechtigte es zugleich ablehnt, die mit seiner Erklärung verbundenen Pflichten zu tragen, gilt somit auch dann, wenn der Vorkaufsberechtigte die volle Bezahlung des von dem Vorkaufsverpflichteten verein-barten Kaufpreises mit der Begründung von einer vorherigen gerichtlichen Überprüfung abhängig macht, es sei in ihm durch bestimmte Tatsachen der (sich später als unbegründet erweisende) Verdacht erweckt worden, daß durch die Ausgestaltung des Kaufvertrags, insbesondere hinsichtlich der Höhe des Kaufpreises, die Ausübung seines Vorkaufsrechts vereitelt und erschwert werden sollte» Diesem Ergebnis steht nicht entgegen, daß der Kläger in der Berufungsinstanz beantragt hat, den Beklagten zu 5 Zug um Zug gegen Zahlung von 11 000 DM zu verurteilen, und damit, wie sich auch aus der Berufungsbeantwortung vom 1» Oktober 1962 ergibt, zu dem Ausdruck gebracht hat, für die Grundstücke 11 000 DM zahlen zu müssen» Wenn darin eine nochmalige Ausübung des Vorkaufsrechts zu erblicken wäre, so wäre sie verspätet, weil der Lauf der Zweimonatsfrist des § 510 Abs» 2 BGB nach den Feststellungen des Berufungsgerichts mit der am 11» Juni I960 im Auftrag der Verkäufer durch den Notar Dr» Buck erfolgten Zustellung des Kaufvertrags vom 19- März I960 an den Kläger begonnen hat und die Frist daher mit dem 11. Bei dieser Sachlage könnte die Klage nur dann Erfolg haben9 wenn dem Kläger der Nachweis gelingen würde, daß ihm tatsächlich durch die Festsetzung des Kaufpreises auf 11 000 DM die Ausübung seines Vorkaufsrechts vereitelt oder erschwert werden sollte; in diesem Falle wäre nämlich der Kaufvertrag dem Kläger gegenüber in dem ihn benachteiligenden Umfang unwirksam (Urteil des Senats vom 20. Hierzu hat aber weder das Berufungsgericht Feststellungen getroffen, noch ergeben sich insoweit aus dem Vortrag des Klägers irgendwelche Anhaltspunkte« Vielmehr hat schon das Landgericht in seinem Urteil, ohne daß dies von dem Kläger in der Berufungsinstanz beanstandet wurde, ausgeführt, die von den Beklagten für die Erhöhung des Kaufpreises auf 11 000 DM angegebenen Gründe seien von dem Kläger nicht widerlegt worden« Wenn es in der von dem Landgericht eingeholten Auskunft der Stadtverwaltung vom 31o Juli 1961 heißt, es könne für den Pflanzenbestand ein Betrag von rund 750 DM und für die Planierungsarbeiten sowie für die Bodenverbesserungen ein weiterer Betrag von rund 1 500 DM gerechnet werden, demgegenüber aber in dem Kaufvertrag vom 19» März I960 insgesamt 5 000 DM festgesetzt worden sind, so ist darauf hinzuv/eison, daß die Beklagten in der Gestaltung des Kaufvertrags vom 19» März I960 völlig frei waren und auch die Höhe des Kaufpreises grundsätzlich nach Belieben festsetzen konnten; vorbehaltlich der für sittenwidrige Umgehungsgeschäfte geltenden Einschränkungen