BGH · V ZR 24/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision der Kläger und die Anschlußrevision der Beklagten gegen das Urteil des 7o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Hamm^/Westf0) vom 260 Oktober 1962 werden mit der Maßgabe zurückgewiesen, daß im Umfang des Prozeßvergleichs vom 7o Juli 1959 der Antrag auf Sachentscheidung abgo-wlosen wird * In der neuen Verhandlung haben die Kläger ihre Ansprüche erweitert; sie verlangten nunmehr (Klageantrag Nr* 1) Zahlung von 835?98 DM9 die sie selber zur Schadenabehebung aufgewendet hätten5 ferner (Klageantrag Nr* 2) Beseitigung verschiedener9 unter a bis d aufgeführter Bergschäden - dazu gehörten u*a* (Buchet* c) die Schieflage der Fußböden in den oberen Stockwerken sowie (Buchst* d) alle übrigen durch Sachverständige zu ermittelnden behebbaren Schäden -9 und schließlich (Klageantrag Nr* 3) Zahlung eines vom Gericht festzusetsonden Betrages für den Minderwert9 den das Haus infolge nichtbchebbarer Bergschaden erlitten habe* Nach Beweisaufnahme ist am 7* Juli 1959 vor dem Landgericht ein Teilvcrglcieh geschlossen worden? Die Beklagte hat Klageabweisung beantragt» Nach ihrer Auffassung sind durch den Vergleich, vor dessen Abschluß alle angeblichen behebbaren Bergschäden eingehend erörtert ■ worden seien, die Klageanträge, Nr» 1 und 2 erledigt; die Irrtumsanfechtung greife nicht durch» Was den Antrag Nr» 3 anbetreffe, so habe die Zunahme der Schiefläge, soweit sie überhaupt bergbaubedingt sei, das haus nicht um mehr als die anerkannten 4 285 DM entwertet» Die darüber hinaus-gehenden Schäden seien auf fehlerhafte Bauweise und die während des Krieges in der Nähe niedergegangenen Luftrainen zurückzuführen; auch der starke Straßenverkehr habe sich schädigend auegewirkt» Im übrigen hätten die Kläger das in einfachster Bauart errichtete und in seiner Anlage technisch und wirtschaftlich überalterte Gebäude mangelhaft unterhalten». auf insgesamt 15 000 DM; eine weiter-gehende Entwertung durch den Bergbau erachtet es für nicht erwiesen; die Anfechtung des feilvergleichcs sei unwirksam-, weil kein Irrtum der Kläger über den Inhalt ihrer Erklärung Vorgelegen habe0 Dieses Urteil ist von beiden Parteien angefochtcn worden«. erklärt worden ist, erachtet das Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß für unbegründet* Im angefochtenen Urteil wird dazu unter Y/ürdigung des Bach-und Streitstandes, einschließlich der Vorgeschichte des Vergleichs, näher ausgeführt, zwar seien sich die Kläger damals möglicherweise nicht über den genauen Umfang der behebbaren Bergschäden und die Höhe der Beseitigungskosten im klaren gewesen; dabei handele es sich jedoch, da:- man alle diese Schäden habe regeln wollen, um einen unbeachtlichen Irrtum im Beweggrund* Vergleichsweise abgegolten seien freilich nur die am 7» Juli 1959 bereits vorhandenen Bergschäden; allein die Kläger hätten trotz richterlicher Auflage nicht dargelegt, daß und gegebenenfalls welche behebbaren Schäden sich infolge des Bergbaues nachträglich noch eingestellt hätten; deshalb müsse davon ausgegangen werden, daß sämtliche Schäden, auch soweit sie in der späteren Neufassung des Klageantrages Nr* 2 unter a bis g aufgeführt würden, schon bei Vergleichsabschluß vorhanden gewesen seien* Was die Revision hiergegen einwendet, ist nicht stichhaltig» Die Zeugenaussage des Rechtsanwalts KfllB, der als damaliger Prozeßbevollmächtigter der Kläger den Termin vom 7o Juli "<959 wahrgenommen und in Gegenwart eines der damaligen Kläger den Vergleich für sie abgeschlossen hat, ist im Berufungsurteil dahin gewürdigt worden (S„ 15 f), die von ihm bekundeten Tatsachen rechtfertigten nicht den Schluß, daß der Ausgleich der Schicflage in den oberen Stockwerken und die Beseitigung der Außenschäden nach den Vorstellungen, die der Zeuge und jener Kläger an dem genannten Tage gehabt hätten, nicht Gegenstand des Vergleichs gewesen seien» Dieser Würdigung wird entgegen der Ansicht der Revision nicht der Boden entzogen durch die spätere Bemerkung des Urteils (s» 20): ein Irrtum der Kläger über den Inhalt ihrer Erklärung ließe sieh auch denn nicht fest-stellen, wenn der Zeuge seine Aussage beschwören und außerdem das bestätigen sollte, was im Schriftsatz der Kläger vom 9o August 1962 in sein Wissen gestellt werde» Denn die Beeidigung stand im richterlichen Ermessen (§ 391 ZPO) und es ist kein Ermessensfehler ersichtlich» Der Berufungs-richter hat auch nicht, wie die Revision anzunehmen scheint, die Schilderung des Zeugen über den Verlauf des Verglcichs-termins für unglaubhaft erachtet, er hat sic vielmehr, wie der Zusammenhang der Urteiloausführungen ergibt (So 16), als richtig unterstellt, sich aber gleichwohl angesichts des näher beschriebenen Gesamtverhaltcns des Zeugen sowie der schriftlichen Ei'klärung des damaligen Klägers zu 4 vom 18» November 1959 nicht von einem Erklärungsirrtum zu überzeugen vermocht» Der weitere Beweisantrag war unerheblich, da er 3ich lediglich auf Meinungsäußerungen aus späterer Zeit - nach erfolgtem Verglcichsahochluß -bezog und nicht, wie die Revision behauptet, auf die Zeit daß das Berufungsgericht ein Beweisanzcicken für-einen soleben Irrtum auch nicht in dem Schriftsatz der Kläger vom 11o Juli 1959 erblickt hat» Dort wurde beantragt? V/enn die Revision einwendet9 die im Urteil angeführten Rinzelfälle, in denen die Kläger sich widersprüchlich verhalten hätten^ beträfen die Durchführung des Verfahrens, nämlich Einholung von Gutachten9 Ablehnung von Sachverständigen und dergleichen9 während es sich hier um die Behauptung materiellrechtlichcr Ansprüche handele, so übersieht sie einmal,, daß auch die im Schriftsatz vom 11o Juli 1959 beantragte Ausdehnung der Beweisaufnahme verfahrensrechtlicher Natur war; außerdem kommt es hier nicht so sehr auf den Unterschied zwischen Verfahrensund sachlichem Recht an5 als vielmehr auf die durch den A.kton-inhalt bestätigte Tatsache? daß die Antragstellung vom 11.» Juli 1959 nicht zwingend für einen Erklärungsirrtum bei dem vorangegangenen Verglciehsabcehluß spreche<0 liegt das Bestreben der Revision9 die geschilderte Verhaltensweise als entschuldbar und psychologisch verständlich darzutun5 neben der Sache» Daß alles9 was die Kläger Vorbringen^ wegen grundsätzlich widersprüchlichen Verhaltens unbeachtlich sei9 hat das Berufungsgericht nicht angenommen; damit erledigt sich die Rüge9 oine solche Verallgemeinerung vorletze Gesetz und Rechtsempfinden» ort-Entschädigung (Klageantrag Nr„ 3) als entscheidungsreif angesehen und dem Antrag der Kläger, die Sache gemäß § 539 ZPO an das Landgericht zurückzuverweisen, nicht entsprochen hat0 Allerdings lagen, wie auch das angefochtene Urteil festotellt, die Voraussetzungen dieser Vorschrift vor, da den Landgericht wesentliche Verfahrensfehler unterlaufen waren: es hat übersehen, daß die Kläger einen ihnen durch Bewciobeschluß von 20 Januar 1961 und Zusatzbeschluß vom 7.« Februar 1961 auf erlegten Auslagenvorschuß geleistet hatten, wenn auch erst hach Trist-ablauf, und hat infolgedessen den ungeordneten Sachvor-standigenbeweis zu Unrecht nicht erhoben; ferner sind die Kläger entgegen § 139 ZPO in der letzten mündlichen Verhandlung erster Instanz nicht darauf-hingewicscn worden, daß das Landgericht sie wegen der vermeintlichen Nichtzahlung oder wegen verspäteter Zahlung des Vorschusses mit diesem Beweismittel auszuschließen beabsiehtigtco Las Berufungsgericht hat gleichwohl von einer Zuruckverweisung Abstand genommen und nach § 540 ZPO selbst in der Sache entschieden,, weil es das für sachdienlich erachtete « Zur Begründung hat es u<>a0 ausgeführt, der Rechtsstreit sei schon einmal wegen Verfahrensmangels zurückverwiesen worden., und bei der Hartnäckigkeit und Schärfe, mit der er von den Parteien betrieben werde, müsse im Palle abermaliger Zurückverweisung damit gerechnet werden-, daß die endgültige Erledigung sich ungebührlich verzögere und daß erhebliche weitere Kosten entstünden; für die zusätzliche Beweisaufnahme stehe zwar jetzt lediglich ein Tatcachcnrcchtszug zur Verfügung, aber das komme auch in sonstigen Pällcn vor und verkürze unter den hier gegebenen Umständen die Kläger nicht wesentlich in ihren Rechten; soweit sie freilich dann in der Berufungsinstanz, um dort eine Beweisaufnahme zu vereiteln und Zurückverweisung an das Landgericht zu erzwinge^ die weitere Sachaufklärung bewußt verhindert und sich damit eine ihnen nicht sustehende Einflußnahme auf den Gang des Verfahrens angemaßt.hätten, sei der Beweis als nicht erbracht zu behandeln« Die Revision wendet ein-, diese Erwägungen seien unsachgemäß und vermöchten die "Selbstentscheidung’1 des Oberlandes gerichts keineswegs zu rechtfertigen« Das ist indessen nicht richtig« Macht der Berufungsrichtcr, wie im vorliegenden Fall, von seiner Befugnis nach § 540 ZPO Gebrauch, so sind die Gründe, aus denen er das Unterbleiben einer Zurückverweisung als sachdienlich ansah-, in der Revisionsinstanz daraufhin nachprüfbar, ob er nicht den Begriff der Bachdienlichkeit verkannt und die Grenzen seines Ermessens überschritten hat (Urteil des erkennenden Senats vom 16« Oktober 1953, V ZR 162/52, IM ZPO § 256 Nr« 16; vgl« auch BGHZ 23, 36, 50 f)0 Diese Nachprüfung ergibt hier keinen Recht3verstoß0 Das angefochtene Urteil bat das Interesse der Parteien an der Erhaltung zweier Tatsacheninstanzen einerseits3 sowie andererseits die UmständeP die aus Gründen der Prozeßwirtschaftlichkeit für ein Verbleiben der Sache im Berufungsrechtszug sprachen,, erschöpfend und in rechtlich nicht zu beanstandender Weise gegeneinander abgewogen; es weist insbesondere gegenüber dem Einwand der Kläger9 daß ihnen letzteren!alls die Möglichkeit genommen würde5 vom Berufungsgericht eingeholte Sachverständigengutachten anzugreifen und im Rahmen des § 4:2 ZPO die Einholung neuer Gutachten von anderen Sachverständigen zu beantragen,, zutreffend auf das unabdingbare Recht der Parteien hin? auch in zweiter Instanz zu dem Ergebnis der Beweisaufnahme Stellung zu nehmen und die ihnen angebracht erscheinenden zusätzlichen Beweise enzutreten* Soweit die Revision unter Bezugnahme auf das Erläuterungsbuch von Baumbach/Lauterbach (ZPO 28o Aufl0 § 540 Anm0 2) geltend macht9 sachdienlich könne eine eigene Entscheidung des Berufungsgerichts nur dann sein? wenn der Sachverhalt bereits im ersten Rcchtszuge entweder völlig oder doch weitgehend geklärt sei,, läßt sie außer achts daß dieser Pall dort lediglich als Beispiel aufgeführt wird ("insbesondere dann^ wenn 0»o "); ebenso verhält es sich mit der weiteren Bemerkung9 ein Absehen von der Zurückverweisung müsse in Kauf genommen werden9 wenn die !etragsfrage zwar nicht ohne Beweisaufnahme9 aber doch ziemlich einfach zu entscheiden seio Auf solche Fälle ist der durch § 540 ZPO eingeräumte ErmessensSpielraum nicht beschränkt; auch der Verfahrenszweck9 das sachliche Recht zu schützen (RGZ 123b' 204? Da das angefochtene Urteil ohnehin davon ausgeht, daß das landgerichtliche Verfahren wesentliche Mängel im Sinne von § 539 ZPO auf gewiesen habe, erübrigt sich eine Stellungnahme zu der Ansicht der Revision, der Sachverständigenbeweis sei damals gar nicht auf Antrag der Kläger (§ 403 ZPO), sondern gemäß § 144 ZPO von Amts wegen angeordnet worden und das Landgericht habe daher die Beweisaufnahme nicht von einer Vorschußleistung ({>§ 4C2, 379) abhängig machen dürfen (unter Hinweis auf RGZ 1Q9, 66, 67; 1 *35 3 37 ? 39) o Ob die Kläger wirklich, wie das Urteil meint-, Veranlassung hatten, sich ira Kammertermin vom 180 Juli 1961 auf die Einzahlung des Vorschusses zu berufen und Durchführung der Beweisaufnahme zu beantragen, Denn dahingestellt bleiben, weil dies nur eine unter zahlreichen Erwägungen des Berufungsrichtors war und seine Ürmecsensentscheidung aus 5 540 ZPO bereits durch die übrigen Gründe getragen wird; infolgedessen kommt es auf das, was die Revision hiergegen ins Feld führt, nicht an0 Mit ihrer weiteren Rüge, das Berufungsgericht habe aus der langen Verfahrensdauer, der Intensität der Prozeßführung und der Höhe von Streitwert, und Kosten unrichtige Folgerungen gezogen, begibt die Revision sich auf das ihr verschlossene Gebiet der Tatsachenwürdigung * Für ihren Vorwurf, dem Berufungsrichter sei es lediglich darauf angekommen, einen lästigen Prozeß mit s ch«i erigen Parteien bald endgültig loszuverden, bietet der Akteninhalt keine Grundlage<, Daß die Prüfung ’wichtiger Tatfragen auch in anderen Fällen nur im Berufungsrochtesuge stattfindet - ZoB„ wenn die Klage in erster Instanz wegen Verjährung abgewiesen wurde, während das Berufungsgericht den Anspruch für nicht verjährt erachtet, odei* bei zulässiger Geltendmachung neuer Angriffs- oder Verteidigungsmittel erst in zweiter Instanz ist vom Berufungsgericht nicht, wie die Revision ihm unterstellt, als Argument für Wenn das Oberlandesgericht in entsprechender Anwendung der §§ 427, 441 Abs» 3 Satz 3, 444, 446, 453 Abs» 2, 454 Jibs# 1 ZPO, die seiner Ansicht nach einen allgemeinen Ver-fahronsgrundsatz zu dem Ausdruck bringen, wogen der Weigerung der Kläger, an der Beweisaufnahme mitzuwirken, die von ihnen behauptete bergbaubedingte Einsturzgefahr nicht als erwiesen angesehen hat, so ist das im Ergebnis unter den hier vorliegenden Umständen nicht zu beanstanden» Daf3 die Kläger mit der Durchführung des landgerichtlichen Beweisbeschlusses vom 20 Januar 1961 in der Berufungsinstanz keineswegs einverstanden seien, haben sie im Schriftsatz vom 9o August 1962, worin sie zu dem Gutachten Waf|P Stellung nahmen und die Objektivität des Sachverständigen anzweifelten, unmißverständlich zu dem Ausdruck gebracht; daraus ergab sich im Zusammenhang mit den von Dr0 geschilderten Vorfällen zugleich ihre Vereitelungsabsichtc Die verfahrensrechtliche Befugnis, immer wieder um Zurückvorweisung des Rechtsstreits an das landgericlit zu bitten, hat « ihnen der Berufungsrichter nicht abgesprochen; er war lediglich - und zwar, wie dargolegt, ohne Ermessencvcrstoß -der Ansicht, die Zurückverweisung sei nicht sachdienliche Auf die vom angefochtenen Urteil offen gelassene und von der Revision verneinte Präge, ob »nstelle des vollbesetzten Senats auch der Kinzolrichter des Cbcrlandesgcrichts über den Zui^ckverweisungsantrag hätte entscheiden könne (§§ 349p 523 a ZPO), kommt es nicht an, da unstreitig keine Einzel-richterentscheidung ergangen ist» Eine Verzichtsorklärung der Kläger hat das Berufungsgericht in dem übereinstimmenden Antrag der Parteien vom 25» Januar 1962, die Beweisaufnahme vor dem Einzelrichter durchzüführep. hatten verlangen können, so liegt darin entgegen der Revision auch keine Feststellung des Inhalts, es sei von ihnen ein förmlicher Aufhebungsantrag gestellt worden* Daß ihrerseits die Absicht bestand, weitere Beweiserhebungen in zweiter Instanz zu vereiteln, wird durch das, was die Revision Uber die angeblich berechtigte .Enttäuschung und Verärgerung der Kläger vorträgt, nicht widerlegt* Ebensowenig spielt es eine Rolle, in welcher zeitlichen Reihenfolge die verschiedenen während des Berufungsrechtszuges eingeholten Gutachten erstattet worden sind und ob hierüber zwischen dem Gericht und den Klägern Meinungsverschiedenheiten bestanden haben* Da die Kläger den Beweisantrag, dessen Ausführung nach Ansicht des Berufungsgerichts an ihrer Weigerung gescheitert ist, später nicht wiederholt haben, kommt es auch nicht auf die - im angefochtenen Urteil überflüssiger-weise erörterte - Frage an, ob ihnen^eine solche Wiederholung durch § 529 Abs* 2 und 3 ZPO verwehrt gewesen wäre* 3<> Die Revision rügt Verletzung der §§ 286, 371 Z?0, weil das Berufungsgericht dem Antrag der Kläger im Schriftsatz vom 7o November 1957, zwecks Ermittlung der Schieflage und der dadurch entstandenen Cchäden einen Augenschein einzunehmen, nicht entsprochen habe* Dieser Beweisantrag ist jedoch in einem weit zurückliegenden Stadium des seit mehr als neun Jahren schwebenden Prozesses gestellt worden, und zwar zur Begründung der Berufung, mit der die Kläger das damals vorliegende erste Landgerichtsurteil vo*&e 24o Mai 1957 anfochtcn* Das Urteil wurde später wegen Ver-fahrensverstoßes aufgehoben und die Sache an das Landgericht zurückverwiesen* In der Folgezeit hat in zwei Instanzen eine umfangreiche Beweisaufnahme stattgefunden, zu der die Kläger wiederholt Stellung genommen haben* Auf den zwischen Bergbau und Gebäudeschaden im Sinne von § 249 £GB müsse stets angenommen werden, falls die Möglichkeit der Schadencherbeiführung durch die bergbauliche Tätigkeit nach allgemeiner Lebenserfahrung nicht außerhalb jeder Wahrscheinlichkeit liege« Las sei nach den Feststellungen im Urteil hier der Fall; der Prozentsatz berbbaufremder Mitverursachung sei hier sogar noch viel geringer als in EGZ 130, 161, wo er immerhin 44 ^ betragen habe« Unter diesen Umständen,, meint die Revision, könne sich die volle Schadenshaftung der Beklagten aus § 148 PrBergG selbst dann nicht mindern;, wenn wirklich an einzelnen Stellen des Gebäudes Neubausenkungen festgestellt wären«, und es sei daher gleichgültig, o^ das Berufungsgericht mit Recht eine Mit-Verursachung des Schadens durch bergbaufremde Senkungen als erwiesen angesehen habe oder nicht. von vornherein mindert, überhaupt die Ursächlichkeit oder nicht eigentlich die Frage der Schadenshöhe zur Erörterung steht (Westhoff aaO S0 21 ; Isay aaO §148 Anim 22 Stichwort ’'Gebäude1' Nr* 3)\> Auf jeden Fall ist für eine Einbe-Ziehung solcher nicht bergbaubedingten Schäden in den Ersatzanspruch des Grundeigentümers nach § 148 PrBergG nur Raum, wenn ein einheitlicher Schaden vorliegt, der sich nicht nach seinen Ursachen in zeitlich oder räumlich ab-grenzbare feile zerlegen läßt; allein mit dieser Einschränkung hat das Reichsgericht den erwähnten Grundsatz aufgestellt (RGZ aaO), und es befindet sich dabei im Einklang mit dem Schrifttum (z0B0 Reuß/Grotefend/Dapprich aaO § 148 Annw 3; ebenso bereits Westhoff aaO Sö 131? (BU S0 39)o Die Kläger haben, wie das angefochtene Urteil feststellt, der Beklagten den Nachweis solcher bergbau-fremden Ursachen durch ihr Verhalten unmöglich gemacht* Sie können daher einen höheren Minderwert nicht mit diesen Ursachen begründet Die erwähnten Schäden teilen mithin nicht notwendig das rechtliche Schicksal der übrigen* Den Nachweis, daß sie durch den Bergbau der Beklagten verursacht worden seien hat das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum als nicht erbracht angesehen (vgl* oben Nr* 2)0 Unter diesen Umständen V ZR 2 0/62, S« 7) - dabei zu dem Ergebnis gelangt ist, eine Anwendung des sogenannten Ertragswertverfahrens (§§ 7 ff ec.0) sei hier in Ermangelung hinreichender tatsächlicher Anknüpfungspunkte nicht möglich und man müsse deshalb das Bachwertverfahren (§§ 14 ff) anwenden, so ist das aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden* Für die Annahme, daß es Labei, wie die Revision ihm vorwirft, die von den Klägern mit Schriftsatz vom 180 November 1960 überreichte Wirtschaftlichkeitsberechnung übersehen hätte, besteht kein Anhalt; diese Berechnung war aber als Grundlage für eine auch nur einigermaßen zuverlässige Wertermittlung mindestens ebensowenig geeignet wie die Angaben im Sachverständigengutachten Nordhoff vom 5c, März 1957 (S* 4! und wie die als Anlage zu dem Schriftsatz der Kläger vom 11 * Januar 1961 vorgelegte Wertschätzung des Architekten Voigt, mit denen beiden sich das angefochtene Urteil (So 28 f) auseinandergesetzt hat; auch auf die Berechnung vom November I960 traf das dort Gesagte zu, daß sie zeit“ lieh überholt war und nicht durchweg auf die tatsächlichen Einkünfte des Hauses, sondern auf angeblich erzielbare Mieteinnahmen abstellte* Eine Pflicht« die Kläger gemäß §139 ZPO zur Vervollständigung ihres Tatsachenvorbringens aufzufordern, bestand für das Berufungsgericht nicht; es konnte angesichts der Fülle des bereits Vorgetragenen davon ausgehen, weiterer Prozeßstoff stehe den anwaltlich vertretenen Klägern nicht mehr zu Gebote, zu demal da diese schon vor dem Landgericht keine Schadensberechnung nach dem Ertragswert erreicht hatten und dadurch auf die Notwendigkeit, alle etwa noch zurückgehaltenen Behauptungen nachzuholen, hingewiesen worden waren0 Wenn nach § 8 Abs* 1 der Verordnung vom 7« August 1961 bei Ermittlung des Gebäudeertragswertes von dem ’'nachhaltig erzielbaren" jährlichen Reinertrag ausgegangen werden soll, so liegt entgegen der Meinung der Revision kein Hechtsverstoß darin, daß das Berufungsgericht die tatsächlich erzielten Einkünfte für maßgebend erachtet hat und nicht die nach Nordhoffs und Voigts Ansicht erzielbaren; denn abgesehen davon, daß die Verordnung nicht unmittelbar für den hier zu entscheidenden Pall gilt und vom angefochtenen Urteil (S. bauten Raum veranlaßt haben; mit den Einwendungen der Kläger hiergegen (Schriftsatz vom 23o Januar 196t, So 2) hat sich das angefochtene Urteil auseinandergesetzt und sie - u,a« mangels Substantiierung - für unbegründet erachtet0 Dieser Standpunkt ist auch nicht Uunfolgerichtig", wie die Revision meint; es kann insoweit auf § 17 Abs« 2 der erwähnten Verordnung vom 7o August 1961 verwiesen werden» hätten die Kläger sich verlassene Die Beklagte dürfe sich daher ihnen gegenüber nicht auf Verjährun berufene Die Anschlußrevioion rügt Verletzung des § 151 PrBergG« Sie räumt ein* daß gegen die Verjährungseinrede unter gewissen Umständen der Ucgeneinwand der Arglist gerechtfertigt sein könne* meint indessen* hier lägen die Voraussetzungen des § 242 BGB nicht schon deshalb vor* weil die Beklagte es im Jahre 191 ^unterlassen habe* sich auf Verjährung zu berufen* - ganz abgesehen davon* daß dies gar nicht die jetzige Beklagte* sondern ihre Rechtsvorgängerin gewesen seio Das Berufungsgericht erachtet jedoch den damaligen Vorgang nicht für allein ausschlaggebend; es erwähnt ihn im Sinne eines Beispielfalles und erblickt darin nur ein Beweisanzcichcn für die von ihm festgestellte allgemeine Gepflogenheit? daraus hervorgeht, daß die letzte Schadensabgeltung vor 1919 unstreitig bereits im Jahre 1903 stattgefunden hat (Tatbestand des landgerichtlichen Urteils)* Wenn aus dem angegebenen Grunde, wie im Urteil festgestellt wird, die Beklagte sowie ihre Rechtsvorgängerin fast nie Verjährung gegenüber Minderwertansprüchen eingewendet und die Kläger sich auf diese Übung verlassen haben, so unterliegt die Ansicht des Cberlandesgerichts, der Beklagten sei die Geltendmachung der Einrede aus §151 PrBergG verwehrt, keinen rechtlichen Bedenken* Bin Schuldner, der sich auf Verjährung beruft, obgleich er durch sein Verhalten, sei es auch unbeabsichtigt, den Gläubiger von einer rechtzeitigen Klageerhebung abgehalten hat, verstößt nach höchstrichterlicher Rechtsprechung gegen Treu und Glauben (RGZ 11 5, 135, 137; BGHZ 9, 1, 5 f; Urteil vö.m 7* August 1959? Im vorliegenden Fall hat die Beklagte sogar noch nach Klageerhebung Teilanerkenntnisse abgegeben* Sic hat außerdem während des Prozesses wiederholt hervorgehoben, daß sie ihre Pflicht zur Zahlung einer ITinderwertentschädigung als solche niemals geleugnet habe, und hat sich auch für die Zukunft ausdrücklich bereit erklärt, alle nachweislich durch ihren Bergbau verursachten Schäden den Klägern zu ersetzen (Schriftsätze vom 24° Oktober 1956 und 27» Dezember 1957)° Brst im Mai 1959, nach dreijähriger Prozeßdauer und nachdem der Rechtsstreit bereits vor dem Oberlandesgericht geschwebt hatte und von dort an das Landgericht zurückverwiesen worden war9 ist die Beklagte plötzlich mit der Verjährungseinrede hervorgetreteru Durch ihre vorangegangenen Erklärungen ist zv;ar nicht«, wie die Kläger meinen (Schriftsatz vom 10«, Sentoi ber 1963)9 eine Verjährungsunterbrechung gemäß § 2 08 BGB eingetreten, da die Prist des § 151 PrBergG, wie dos ange-fochtene Urteil unterstollt, bei Prozeßbeginn bereits abge-laufen war (RG-Z 78«, 130, 131 ) <> Die Erhebung der Yer jährungs-einrede durch die Beklagte ist aber mit Rücksicht auf ihr-: Gesamtverhalten eine unzulässige Rechtsausübung (§ 242 BGB) 0 Daran ändert entgegen der Meinung der Anschlui?revision auch die Tatsache nichts, daß die Kläger, wie das Berufungsgericht in anderem Zusammenhang fest gestellt hat, durch ihre Weigerung, bei der zweitinstanzlichen Beweisaufnahme mitzuwirken, die weitere Sachaufklärung hinsichtlich der Schadens-höhe verhindert haben0 Denn dadurch wurde unter den hier gegebenen Umständen die Unzulässigkeit der Yerjahrungseinrede nicht wieder aus der V/clt geschafft; die Dichtauf-klärung wirkte sich vielmehr lediglich für die Kläger selbst nachteilig aus, nicht aber für die Beklagte* Zu Unrecht hält die -Anschlußrevision dem entgegen., die Frage, ob die Verfahren gleichwertig seien, lasse sich erst hinterher, auf Grund des Ergebnisses, beantworten und man müsse daher beide Verfahren durchführen, um fest-steilen zu können, ob sie wirklich zu dem gleichen Ergebnis führten« Daß Ertragswert- und Sachwertverfahren einander gleichrangig sind, ist vielmehr eine Erfahrungstatsache, die das angefochtene Urteil zutreffend aus der Regelung in der mehrfach erwähnten Verordnung vom 7« August 1961 entnommen hat« Dort werden in § 3 Abs« 3 die beiden Verfahren ohne Hangunterschied nebeneinander aufgeführt und mit der Maßgabe zur Auswahl gestellt, daß bei dieser die für die Wertbeurteilung im gewöhnlichen Geschäftsverkehr bestehenden Gepflogenheiten berücksichtigt werden sollen« Die Behauptung der Anschluß revision«, man müsse sowohl das eine als auch das andere durchführen und im Falle unterschiedlicher Ergebnisse eine Ausgleichung vornehmen, ist also nicht richtig« Baß das Berufungsgericht, als es sich für das Sachwertverfahren entschied, die erwähnten Geschäftsgepflogenheiten außer acht gelassen habe, ist weder behauptet worden noch sonst ersichtlich« 3* Die Gründe, aus denen der Berufungsrichter, mit dem Landgericht übereinstimmend, bei seiner Schätzung des bergbaubedingten Minderwertes gemäß § 287 ZPO über den von den beiden Sachverständigen P0B und errechneten Schadensbetrag hinausgegangen ist, hat er in seinem Urteil (So A3 unten bis 45 Mitte) eingehend und rechtsirrtumsfrei dargelegt« Es trifft somit nicht zu, daß für diese “Mehrschätzung” 9 wie die Anschlußrevision behauptet, ''keinerlei Anhalt'1 vorlioge« Ben von ihr als übergangen gerügten Btweis-anträgen im Schriftsatz vom 4« September 1962 (s« 8) brauchte IIIo Da das Berufungsurteil auch keinen sonstigen von Amts wegen zu beachtenden Rechtsfehler erkennen läßt, mußten Revision und Anschlußrevioion als unbegründet zurückgewiesen werden* Zwecks Klarstellung war indessen auszu-sprechen, daß im Umfange des gerichtlichen feilvergleichs vom 7o Juli 1959 nicht die Klage, sondern nur der Antrag auf Sachentscheidung abgewiesen wird (vgl« Stein/Jonas/ Schönke, ZPO 180 Aufl» § 794 II 3 a)«