BGH · V ZR 20/60 vom 11.10.1961
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Aus der Grundschuld wurden die Beklagten später nur in Höhe von 821,60 DM (1/10-Umstellung, nebst Zinsen) in Anspruch genommen; eine Hypothekengewinnabgabe war laut Finanzamtsbescheid von 1957 gemäß § 101 Abs.1-LAG nicht entstanden. Die Revision der Beklagten führte zur Aufhebung und Zurückverweisung (Urteil des erkennenden Senats vom 25- März 1959? In der neuen Berufungsverhandlung haben die Kläger Zahlung nur noch in Hohe von 2 411,20 DM nebst Zinsen begehrt und hinsichtlich der überschießenden 4 1651»37 DM um Feststellung gebeten, daß die Beklagten verpflichtet seien, ihnen diesen Betrag in der Weise zu zahlen, wie eine entsprechende Hypothekengewinnabgabe nach näherer Maßgabe der §§ 91 ff LAG zu tilgen wäre; zugleich sollte den Beklagten gestattet sein, sich von ihrer Ratenzahlungspflicht durch Entrichtung desjenigen Betrages zu befreien, der bei Bestehen einer Hypothekengewinnabgäbe nach den einschlägigen Bestimmungen im ZahlungsZeitpunkt als Ablösungsbetrag in Frage käme. 1. Ob die Kläger wegen des Vermögensvorteils, der den Beklagten infolge Nichterhebung einer Hypothekengewinnabgabe zugeflossen ist, gemäß § 242 BGB einen angemessenen Ausgleich verlangen können, läßt sich, wie der Senat im ersten Revisionsurteil dargelegt hat, erst dann abschließend entscheiden, wenn das Berufungsgericht zuvor die Bedeutung der Lastenausgleichsklausel in Nr. VI des Kaufvertrages sowie den genauen Umfang der hiernach von den Beklagten etv/a noch zu erbringenden Leistungen geklärt hat. Einen weiteren Grund für die Zurückverv/eisung der Sache bildete der Umstand, daß mit der Klage sofortige Zahlung in voller Höhe begehrt wurde, während die Beklagten nach Ansicht des Senats allenfalls zu denjenigen Leistungen verpflichtet sein könnten, die auf eine tatsächlich entstandene Abgabeschuld innerhalb eines längeren Zeitraumes in Wiederkehrenden Teilbeträgen zu entrichten wären; diesem Bedenken haben die Kläger in der neuen Berufungsverhandlung durch entsprechende Änderung ihres Klageantrages Rechnung getragen. Diese vertragliche Regelung ist, wie ebenfalls nunmehr fest3teht, noch heute gültig; denn die Kläger haben eine rechtsverbindliche Erklärung des Inhalts, daß sie von einem ihnen etwa erwachsenen oder in Zukunft erwachsenden Recht auf Abwälzung weiterer Lastenausgleichsabgaben keinen Gebrauch machen würden, entgegen der Anregung des erkennenden Senats im früheren Revisionsurteil (S. Daher war zu prüfen, ob mit einer zusätzlichen, über den jetzt eingeklagten Ausgleichsanspruch hinausgehenden Inanspruchnahme der Beklagten auf Grund der Lastenausgleichs-klausel zu rechnen ist, weil nur dann, wenn diese Möglichkeit zweifelsfrei nicht besteht, die Klage Erfolg haben könnte. Die Kläger haben behauptet (Schriftsatz vom 19» September 1959) die Beklagten liefen in der Tat keine Gefahr, noch zu weiteren Zahlungen für den Lastenausgleich herangezogen zu werden; es stehe nämlich jetzt schon fest, daß eine Erhöhung der Vermögensabgabe im Hinblick auf die Nichtentstehung eines Hypothekehgewinnabgabe-Anspruchs nicht eintrete. Zum Beweis haben sich die Kläger auf eine von Amts wegen einzuholende Auskunft des Finanzamts R^m^ berufen. Hieran anknüpfend stellt es fest, das Vorhandensein eines solchen Bescheides behaupteten die Kläger selbst nicht, obgleich sie von den Beklagten wiederholt auf die Notwendigkeit seiner Vorlegung hingev/iesen worden seien. lichen Auskunft beantragten; ihnen müsse vielmehr überlassen bleiben, selbst das Nötige zu tun, um den Vermögensabgabebescheid zu erhalten; da sie über ein dahingehendes Tätig-werden nichts vortrügen, seien sie beweisfällig geblieben und so zu behandeln, als ob sie bislang vom Finanzamt keinen Bescheid bekommen hätten. Wenn im früheren Revisionsurteil von der unter gewissen Voraussetzungen bestehenden Notwendigkeit einer Klageabweisung ’’als zur Zeit unbegründet” gesprochen wurde, so war diese Bemerkung nicht, wie der Berufungsrichter es ersichtlich getan hat, für sich gesondert zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit den übrigen Urteilsausführungen. Mit ihm wird ein angemessener, dem Grundsatz von Treu und Glauben entsprechender Ausgleich dafür angestrebt, daß die Beklagten keine Hypothekengewinnabgabe zu entrichten brauchen und infolgedessen nach der Darstellung der Kläger wirtschaftlich günstiger dastehen, als bei Vertragsabschluß angenommen wurde (Erschütterung der Geschäftsgrundlage, Wegfall des Äquivalenzverhältnisses von Leistung und Gegenleistung)- Der auszugleichende Vermögenovorteil erführe aher eine Verringerung wenn die Beklagten genötigt wären, anstelle der Hypothekenge-v/innahgabe anderweitig Zahlungen auf eine - gleichfalls von ihnen übernommene - Vermögensabgabe schuld der Kläger zu leisten- Deshalb darf, solange mit einer solchen Möglichkeit auch nur entfernt zu rechnen ist, der Klage nicht stattgegeben werden, weil anderenfalls die Beklagten der Gefahr ausgesetzt sein würden, zweimal zahlen zu müssen, - was der Senat als ein grob unbilliges und daher zu vermeidendes Ergebnis bezeichnet hat- Vermeiden läßt es sich mit Sicherheit allein dann, wenn einwandfrei gewährleistet erscheint, daß eine Erhöhung der Vermögensabgabe infolge Wegfalls der Hypothekengewinnabgabe nicht eintritt- Daß durch einen rechtskräftigen Finanzamts-bescheid jeglicher Zweifel ausgeschlossen würde, lag nahe, aber die Erwähnung dieses Umstandes im Revisionsurteil bedeutete nicht, daß ein solcher Bescheid das einzige in Betracht kommende Beweismittel seiVon einer Verpflichtung der Kläger vollends, den genannten Bescheid von sich aus zu beschaffen und dem Gericht vorzulegen (im Sinne einer ihnen als Partei obliegenden Prozeßhandlung), hat der Senat nirgends gesprochen, sondern lediglich zu dem Ausdruck gebracht, der Bescheid müsse mindestens im Zeitpunkt der Urteilsfällung "vorliegen", d.h. vom Finanzamt erlassen worden sein; wenn also das Berufungsgericht eine "Vorlagepflicht" der Kläger annimmt, so mißversteht es die Urteilsausführungen, - die im übrigen nicht so sehr auf das formale Vorhandensein eines amtlichen Schriftstücks als vielmehr sachlich darauf abstellten, daß unzweideutig geklärt werden müsse, ob die Beklagten Bas Berufungsgericht hat das Vorbringen der Kläger im Schriftsatz vom 19» September 1959 unbeachtet gelassen und stattdessen auf ihre vermeintliche Pflicht zur Vorlegung des Vermögensabgabebescheides abgehoben. Bas war schon aus dem Grunde nicht unbedenklich, weil ein solcher Bescheid, worauf die Revision zutreffend hinweist, für sich allein noch keinen Aufschluß darüber gegeben hätte, ob er auch rechtskräftig sei; der schriftsätzliche Sachvor-trag ging inhaltlich weiter tfnd schloß durch seine Fassung November 1959 als Bestreiten aufgefaßt werden konnte, mag dahinstehen, da er auf jeden Pall erst nach Schluß der mündlichen Verhandlung eingegangen ist und den Beklagten eine Nachbringungs-befugnis gemäß § 272 a ZPO nicht zustand. Ber Hinweis des Berufungsgerichts auf die Vorschriften der §§ 432 Abs\ 2, 420 ZPO, deren Voraussetzungen es anscheinend für nicht gegeben erachtet, ist verfehlt, da die "amtliche Auskunft" nicht unter den Begriff des Urkundenbeweises fällt. Eine abschließende Entscheidung (§ 565 Abs.3 ZPO) ist dem Revisionsgericht nicht möglich; es kann insbesondere nicht, wie die Revision in der mündlichen Verhandlung angeregt hat, schon jetzt der Klage - weil angeblich die Vermögensabgabe-Erhöhung keinesfalls größer als die Hälfte der weggefallenen Hypothekengewinnabgabe sein würde - in Höhe des halben eingeklagten Betrages stattgeben. März 1959 keine Bedenken erhoben, aber das hinderte, nachdem eine Zurückverweisung in die Berufungsinstanz erfolgt war, die Beklagten nicht, ihren Sachvortrag zu diesem Punkt zu ergjänzen, neue Tatsachenbehauptungen aufzustellen und dafür Beweis anzutretenr Bie Ansicht der Kläger, das Berufungsgericht sei nach § 565 Abs. 2 ZPO an das frühere Revisionsurteil auch insoweit gebunden (Schriftsatz vom 19. Juni 1959 behauptet und durch Benennung des Zeugen Pritz Z^BB unter Beweis gestellt, clie Parteien hätten bei den Vertragsver-handlungen bereits gewußt oder doch mit der Möglichkeit gerechnet, daß auf die zu übernehmende Grundschuld eine Hypothekengewinnabgabe entweder überhaupt nicht oder mindestens nicht in voller Höhe von 9/10 des Nennbetrages erhoben werden würde. Allerdings entfiele dann nicht, wie die Beklagten irrigerweise annehmen, ihre Ausgleichspflicht aus dem Gesichtspunkt des Risikogeschäfts, weil sich, .v/enn ein solches Geschäft wirklich vorläge, dieser Umstand nur für diejenige Vertragspartei nachteilig auswirken könnte, die das betreffende Risiko eingegangen ist, nicht dagegen zu dem Nachteil der anderen Partei; spekulativ gehandelt hätten hier allenfalls die Beklagten selbst, indem sie - die Richtigkeit ihrer Behauptung unterstellt - sich dem Wagnis aussetzten, bei Fehlschlagen ihrer Hoffnung den vollen Betrag der Hypothekengewinnabgabe bezahlen zu müssen, während die wirtschaftliche Lage der Kläger - die im einen wie im anderen Palle den Barkaufpreis bekamen - schv/erlich dadurch berührt worden wäre, ob die Beklagten an das Finanzamt zahlen mußten oder nicht. Eine andere Frage ist jedoch, ob nicht, falls beide Parteien (also auch die Kläger) schon bei Vertragsabschluß mit einer möglichen Freistellung vom Lastenausgleich rechneten, es am Erfordernis eines Wegfalls oder einer Erschütterung der Geschäftsgrundlage fehlen würde; denn die Vertragschließenden hätten dann die erwähnte Möglichkeit mit in den Kreis ihrer Erwägungen einbezogen gehabt; wenn sie gleichwohl für diesen Pall keine besondere vertragliche Regelung etwa in dem Sinne trafen, daß die Beklagten gegebenenfalls eine Nachzahlung auf den Kaufpreis zu leisten hätten, so behielte es endgültig bei dem ursprünglichen Vertragsinhalt sein Bewenden, und für einen Ausgleichsanspruch v/äre dann kein Raum (Urteil des Senats vom 25. Führt die neue Tatsachenverhandlung zu dem Ergebnis, daß den Klägern nach Treu und Glauben ein Ausgleichsanspruch zusteht, so wird schließlich noch die Höhe dieses Anspruchs einer Erörterung bedürfen. Fraglich wäre indessen, ob es wirklich dem Grundgedanken des § 242 BGB entspricht, den vorteilhaften Verlauf der Dinge, mit dem die Vertragschließenden nicht gerechnet haben, nur einem von ihnen zugute kommen zu lassen, während der andere leer ausgeht.