BGH · V ZR 12/61 vom 08.06.1962
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In § 1 des Vertrages setzten sich die Ehegatten gegenseitig zu befreiten Vorerben ein; in § 2 wurden die beiden Beklagten und der Großsohn eines gefallenen Bruders des Erblasser nals Nacherbe mit dem Tod des Vorerben eingesetzt”. Der Kläger, der einzige Sohn eines gefallenen Bruders der Erblasserin; - der auch mit Vermächtnissen nach §§ 5 und 8 des Vertrags bedacht ist, hat vorliegende Klage erhoben mit dem Antrag, festzustellen, daß die Beklagten nicht Erben der am 1« Mai 1957 in Celle verstorbenen Martha Kl(|^-geworden sind« Ip Der Tatriehter ist sich bewußt, daß in der maßgebenden letztwilligen Verfügung, in dem Erbvertrag vom 30« Mai 1932, vom überlebenden Ehegatten nicht ausdrücklich eine Erbeinsetzung über sein Vermögen erfolgt ist; die in § 2 des Vertrages genannten Personen sind "als Nacherben” eingesetzt worden, dem Wortlaut hach enthält diese Bestimmung daher nur eine Verfügung über den Nachlaß des Erstverstorbenen• Bas Berufungsgericht stellt jedoch in tatsächlicher Hinsicht fest, der Wille der Eheleute wie er seinen Aus- druck in dem Erbvertrag vom 30» Mai 1932 und in dem Nachtrag dazu vom 26» Februar 1933 gefunden habe, sei darauf gerichtet gewesen, die in § 2 des Vertrags zu Nacherben bestimmten Personen auch zu Erben des zuletzt Versterbenden einzusetzen» Allerdings sei der Nachlaß des erstverstorbenen Ehemannes - als Vorerbschaft -in der Hand der überlebenden Ehefrau eine von ihrem Vermögen gesonderte, rechtlich selbständige Vermögensmasse geblieben, §§ 2280, 2269 BGB also nicht anzuwenden. Bas Berufungsgericht begründet diesd Feststellung mit folgenden Überlegungen: Für den Fall, daß die Ehefrau zuerst verstorben und der Ehemann Überlebender gewesen wäre, ergebe sich unmittelbar aus dem Vertrag (vgl* §§ 2,3 und 5), daß die als "Nacherben" bestimmten Personen die Erben des zuletzt Verstorbenen sein sollten. Es sei kein Anhalt dafür erkenntlich, daß die Erblasser für den Fall, der nun wirklich eingetreten sei (Ehemann als Erstverstorbener), eine andere Regelung hätten treffen wollen. Ferner seien die Erblasser von dem Willen geleitet gewesen, beide Nachlässe nach dem Tod des überlebenden in der Hand der in § 2 des Vertrage bezeichneten Personen zu vereinigen. Allerdings habe die Ehefrau unstreitig im Zeitpunkt der letztwilligen Verfügung nicht mehr Vermögen gehabt, als das, worüber die Ehegatten vollständig in § 8 des Vertrages verfügt hätten. Überdies seien den Bedachten einzelne Gegenstände zugewendet worden* Nach dem Sinn des § 8 sollten die Bedachten nicht als Erbengemeinschaft nach der Erblasserin angesehen worden; auch stellten die einzelnen Anordnungen keine Zuwendungen von Bruchteilen des Nachlasses dar* Erben des Ehemannes sollten auch dann, wenn er Überlebender gewesen wäre fnach ihm also keine Vorerbschaft eingetreten wäre) nicht seine gesetzlichen Erben, sondern die als Nacherben bezeichneten Personen sein« Der weitere Schluß des Berufungsgerichts, das Gleiche müsse für den eingetretenen Pall gelten (Ehefrau ist Überlobende), ist nicht gleichermaßen zwingend, weil nämlich die Ehegatten davon ausgegangen sein konnten, daß auch das beim Tode der überlebenden Ehefrau vorhandeine Vermögen insgesamt durch die Vermächtnisse aufgezehrt Cvgl« § 8 ) und damit eine Erbeinsetzung nach der Frau - mindestens praktisch - nicht erforderlich sei« Der Schluß des Berufungsgerichts ist aber durchaus möglich, insbesondere darum, weil nach dem Gesetz irgend ein Erbe vorhanden sein müßte und weiter, was der Tatrichter ausdrücklich feststellt -irgendein Vermögenserwerb der Ehefrau bis zu ihrem Tode nicht ausgeschlossen war« Damit entfallen aber auch alle anderen Rügen, die die Revision zur Auslegung vorbringt: Nach der in § 2087 Abs« 1 BGB niedergelegten Auslegungsregel bedarf es nicht der Bezeichnung als Erbe, wenn der Erblasser sein Vermögen dem Bedachten zuwendet« Teilt ein Erblasser aber bewußt sein ganzes Vermögen unter Vermachtnisnehmexn auf, so greift diese Auslegungsregel nicht ein« In diesem Pall hat der Erbe allenfalls, wenn der Erblasser bis zu dem Erbfall keinen Vermögenszuwachs mehr erlangt hat, den Nachlaß insgesamt den Vermächtnisnehmern nach Maßgabe der einzelnen Vermächtnisse herauszugeben« Wenn der Tatrichter.den von einem Notar gebrauchten Begriff Vermächtnisnehmer auffaßt, wie er im Gesetz verwendet wird und auch entsprechende Gesetzeskenntnis des Notars unterstellt, so geht er vom normalen Sprachgebrauch und der allgemeinen Lebenserfahrung aus; eine Vernehmung des Notars, ob er den Gesetzesbegriff etwa nicht irrtümlich auf einen anderen, von diesem Begriff nicht erfaßten Sachverhalt angewendet hat, bedurfte es nicht» Spricht aber nichts dafUr, daß in der Verfügung als Vermächtnisnehmer bezeichneten Bedachten in Wirklichkeit Erben der Ehefrau sein sollten, so ist im Falle eines weiteren Vermögenserwerbes durch den Erblasser in dem Zeitraum zwischen seiner letztwilligen Verfügung und dem Erbfall auch nicht § 2089 BGB oder § 2088 BGB anzuwenden« Ebensowenig läßt sich aus der Anordnung von Ersatzvermächtnisnehmern (vgl« § 8 letzter Absatz, Satz 2) etwas für den Standpunkt des Klägers gewinnen« Denkbar wäre allenfalls, die Ehefrau habe für ihren Nachlaß - im Vorversterbensfalle - zwar einen Nacherben, nicht aber - im Letztversterbensfalle -einen Erben einsetzen wollen, weil ein solcher praktisch doct# nichts vom Nachlaß bekommen hätte« Hätte sie diesen Willen gehabt, so wäre allerdings nach dem vorliegenden Hergang die gesetzliche Erbfolge nach ihr eingetreten« Diese Möglichkeit hat der Tatricfeter gesehen, aber nach Würdigung der gesamten Verhältnisse ausgeschlossen« Diese Auslegung ist möglich und entgegen der in der mündlichen Verhandlung erhobenen, weiteren Rüge auch mit dem Wortlaut des Vertrags vereinbar« Ein Verstoß gegen allgemeine Erfahrungssätze oder Denkgesetze ist nicht ersichtlich» Dafür, daß der ITatrichter den in § 7 des Vertrags verwendeten Ausdruck “Teilungsanordnung" übersehen hätte, spricht nichts» Dies lomso weniger, als es sich um ein vom Ehemann ausgesetztes Vermächtnis handelte« ■HB dafür Beweis angetreten, daß die Erblasser die gewollte Erbregelung im Zeitpunkt der Errichtung des Erbvertrags und des Nachtragsvertrags wiederholt mit dem genannten Zeugen besprochen hätten» Br» Be^-sei daher persönlich über den Willen der Erblasser hinreichend unterrichtet» Er werde demgemäß auch bekunden müssen, daß die Erblasserin immer davon ausgegangen sei, sie würde nach dem Erbvertrag allein von ihren gesetzlichen Erben beerbt werden» Sie sei auch davon ausgegangen, daß kein Gesamtnachlaß oder kein Gesamtvermögen entstehen solle, sondern daß die beiden Vermögensmassen immer völlig getrennt behandelt werden sollten« Bas Berufungsgericht bäit den Beweisantritt für unerheblich, weil es für die Auslegung des Vertrages nicht nur auf die Vorstellungen der Ehefrau, sondern auch auf den Willen des Vertragspartners ankomme» Baneben sei der Sachvortrag gemäß §§ $23» 283 Abs»2, Der Beklagte zu 2 war ln der mündlichen Verhandlung über die Revision nicht vertreten» Unter den gegebenen Umständen war der Antrag des Revisionsklägers dahin auszulegen9 das Versäumnisurteil zu erlassen« (Vgl» das zur Veröffentlichung in der amtlichen Sammlung vorgesehene Urteil des Senats vom 4» April 1962 -V ZR 110/60)« Es war dementsprechend durch Versäumnisurteil zu erkennen» da der Beklagte zu 2 zu dem Termin ordnungsgemäß geladen war« In der Sache hat die Revision auch gegen den Beklagten zu 2 keinen Erfolg»da bei Zugrundelegung der vom Berufungsgericht ohne Pro-z^ßverstoß getroffenen» tatsächlichen Feststellungen und bei der Unbegründetheit der materiellerechtlichen Revisionsrügen die vom Kläger begehrte Fgst-stollung nicht getroffen werden kann«