BGH · V ZR 308/81 vom 04.02.1983
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Von Rechts wegen Tatbestand Am W, 1975 protokollierte ‘der Beklagte das Angebot des Klägers und die Annahmeerklärung der Eheleute ZBBB über den Abschluß eines ”Kaufanwärterverträges” (Vorvertrag) zu dem Erwerb einer Eigentumswohnung im Rahmen eines näher be zeichneten Bauvorhabens in DaMHHHHEttHBMfc. Für die Eheleute ZflB war ”die Eigentumswohnung im III. In einem Vorprozeß zwischen dem Kläger und den Eheleuten ZflHB entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main durch - rechtskräftiges - Urteil vom 6. Der Beklagte hat eine schuldhafte Amtspflichtverletzung geleugnet und die Schadensberechnung des Klägers bestritten. Der Notar darf sich nicht damit begnügen, eine Urkunde herzustellen, in welcher der rechtsgeschäftliche Wille einen nur unvollkommenen Ausdruck findet und daher auslegungsbedürftig ist, sondern muß den ffsichersten" Weg gehen (ständige Rechtsprechung, vgl. b) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes erstreckt sich bei einem Vertrag, durch den sich der eine Teil zur Veräußerung eines Grundstücks oder einer Eigentumswohnung verpflichtet, das Beurkundungserforderais nach § 313 BGB, § 4 Abs.3 WEG nicht nur auf die Grundstücksübereignungspflicht, sondern auf alle Vereinbarungen, aus denen sich nach dem Willen der Vertragspartner das schuldrechtliche Veräußerungsgeschäft zusammensetzt; dabei spielt keine Rolle, inwieweit die einzelnen Ansprüche aus dem Vertrag nach Kaufoder Werkvertragsrecht zu beurteilen sind (BGH Urteile vom 13. Auch in dieser Entscheidung ist er zwar davon ausgegangen, daß eine Baubeschreibung, die weder im Text der notariellen Urkunde enthalten noch zur Anlage der Niederschrift gemacht worden ist, "für sich allein betrachtet, nicht Gegenstand der Beurkundung geworden" ist; er hat aber gemeint, dem Schutzzweck des §313 BGB sei noch genügt, wenn wenigstens der Hauptinhalt der Verpflichtungen in hinlänglich klaren Umrissen im Text der formgerechten Urkunde selbst angegeben sei; dann sei eine Auslegung unter Berücksichtigung der - nicht formgerechten - Baubeschreibung nicht ausgeschlossen. Der Gesetzgeber hat diese Rechtsprechung, soweit sie - wie hier - die ersetzende Verweisung auf privatschriftliche Urkunden betraf,, im Gesetz zur Änderung und Ergänzung beurkundungsrechtlicher Vorschriften - Beurkundungsänderungsgesetz (BeurkÄndG) -vom 20. Lediglich für die Vergangenheit hat er angeordnet, daß das Rechtsgeschäft (abgesehen von bereits im gegenteiligen Sinne rechtskräftig entschiedenen Fällen) nicht deshalb nichtig ist, weil die privatschriftliche Urkunde nicht nach § 9 Abs. 1 Satz 2 BeurkG beigefügt (oder nicht nach §13 BeurkG vorgelesen) worden ist; Voraussetzung hierfür ist, daß sich der Hauptinhalt der durch das Rechtsgeschäft zu begründenden Rechte und Pflichten in hinlänglich klaren Umrissen aus der Niederschrift ergibt (§ 1 Abs. 1 Satz 2 BeurkÄndG). Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts hat der Gesetzgeber damit selbst für die Vergangenheit nicht etwa die Bezugnahme auf privatschriftliche Urkunden ohne deren Beifügung zur notariellen Niederschrift für eine amtspflichtgemäße Form der notariellen Beurkundung (außerhalb des § 9 BeurkG) erklärt; er hat insoweit auch nicht das Senatsurteil vom 23. Mai 1971) korrigiert und erst recht nicht, wie die Revisionserwiderung meint, •'signalisiert”, daß er die neuere Senatsrechtsprechung auch zur ersetzenden Verweisung auf privatschriftliche Urkunden für einen "Irrweg” hält. Vielmehr hat er lediglich im Hinblick auf BGHZ 63, 359 aus Gründen des Vertrauensschutzes "bis zu dem Bekanntwerden dieser Entscheidung" (vom 23. Da der Beklagte als beurkundender Notar verpflichtet war, den sichersten Weg der Beurkundung zu wählen, hat er dadurch, daß er die Baubeschreibung der Niederschrift nicht beifügte und die Beteiligten auf die möglichen Rechtsfolgen dieser Unterlassung auch nicht hinwies, objektiv seine Amtspflicht verletzt (ebenso schon BGHZ 70, 374, 375). Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist das Verschulden eines (Beamten oder) Notar regelmäßig zu verneinen, wenn ein mit mehreren Rechtskundige besetztes Kollegialgericht nach mündlicher Verhandlung desse Vorgehen als pflichtgemäß und objektiv rechtmäßig bewertet hat. Diese Richtlinie muß entgegen der Ansicht der Revision auch dann gelten, wenn das Kollegialgericht - wie hier - die Revision gegen sein Urteil zugelassen hat; denn es zieht hierdurch die Richtigkeit seiner Beurteilung nicht etwa selbst in Zweifel, sondern ermöglicht lediglich die Anrufung des Revisionsgerichts. Eine Ausnahme von der genannten Regel wird allerdings für den Fall gemacht, daß das Kollegialgericht die Rechtslage trotz eindeutiger und klarer Vorschriften verkannt oder eine eindeutige Bestimmung handgreiflich falsch ausgelegt hat (BGHZ 27, 338, 343; BGH Urteile vom 28 Juni 1971, Januar 1975) Pläne nach einhellig vertretener Ansicht nicht anlagefähig im Sinne des § 9 Abs. 1 Satz 2 BeurkG waren; insoweit hat in der Tat erst das Senatsurteil vom 6. Dagegen war die Rechtslage bei der Bezugnahme auf privatschriftliche Baubeschreibungen keineswegs, wie das Berufungsgericht meint, ’‘ähnlich”: Die Anlagefähigkeit von Baubeschreibungen ist zu keinem Zeitpunkt in Zweifel gezogen worden. In der vom Berufungsgericht als Beleg angeführten Entscheidung BGHZ 63, 359, 361 hat der Senat nicht ausgesprochen, daß eine Beurkundung entgegen § 9 BeurkG schlechthin zulässig und amtspflichtgemäß sei; er hat lediglich den Standpunkt eingenommen, daß die Bezugnahme auf eine - entgegen § 9 BeurkG - nicht beigefügte Baubeschreibung nicht zur Formnichtigkeit des Vertrages zu führen brauche; zugleich hat er darauf hingewiesen, daß der Notar in Zweifelsfällen "vorsichtshalber zur Mitbeurkundung raten" werde (vgl. Der Beklagte durfte sich aber, wie im Ansatz übrigens wohl auch das Berufungsgericht nicht verkennt, nicht damit begnügen, eine solche Urkunde herzustellen, in der der rechtsgeschäftliche Wille nur "unvollkommen Ausdruck gefunden hat", sondern mußte den sichersten Weg wählen (BGHZ 70, 374, 375; vgl. b) Die vom Berufungsgericht verkannte Rechtslage beruht aber nicht - jedenfalls nicht allein - auf eindeutigen und klaren Vorschriften (§ 9 BeurkG, § 313 Satz 1 BGB); von Bedeutung für die Auslegung der Vorschriften konnte vielmehr auch die unklar gebliebene Beurteilung ihres Zusammenspiels Dabei kann auch nicht unberücksichtigt bleiben, daß nach den Feststellungen des Berufungsgerichts die formlose Bezugnahme auf privatschriftliche Baubeschreibungen im Januar 1975 ’’der allgemein üblichen Praxis entsprach” und der Senat in BGHZ 63, 359, 362 ausdrücklich ”den praktischen Bedürfnissen” Rechnung tragen wollte. Die Gemengelage von Gesetzes- und (zeitweilig schwankendem) Richterrecht schuf vor dem Hintergrund - wirklicher oder vermeintlicher - praktischer Bedürfnisse eine unklare Rechtslage, die zwar in erster Linie die Frage der Formwirksamkeit betraf, letztlich aber auch Zweifel hinsichtlich noch amtspflichtgemäßer Vereinfachungen durch den Notar bei der Beurkundung vor ihm abgegebener Erklärungen der Beteiligten begründen konnte. Nach alledem liegt für die Beurteilung des Verschuldens des Beklagten keine Ausnahme von der Regel vor, daß ein Verschulden des Notars zu verneinen ist, wenn - wie hier - ein Kollegialgericht das beanstandete Verhalten als pflichtgemäß und objektiv rechtmäßig bewertet hat.