BGH · V ZR 280/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ist hai Monopolstellung eines Vertragsteils das Entgelt für seine Leistung sittenwidrig überhöht, so ist der Vertrag nichtig und nicht zu dem angemessenen*Entgelt wirkeam0 Dir Rothe und Pr. Mattem für Recht erkannts Auf die Revision der Beklagten wird unter Zurückweisung des Rechtsmittels im übrigen und unter entsprechender Aufhebung des Urteils des 1 o EerienZivilsenats des^Khmmergerichts vom■ ■ “Kante” gab, als motorisierte Verkaufsstätte, als fahrbares Zweiggeschäft mit eigens zugeteiltem Personal in den Außenbezirken ÜjH^Bpdergestalt ainzusetzen, daß das Fahrzeug nach einem dem Publikum bekanntgegebenen festgelegten Fahrplan an den jeweiligen Haltestellen etwa 10 Minuten als Verkaufsraum Verwendung finden sollte<, Während die Klägerin diese Verwendung des Fahrzeugs als vom Gemeingebrauch an den Straßen, mitumfaßt erachtete, sah die Beklagte als Eigentümerin des Straßenlandes in dieser Benutzung eine Sondernutsung, für die sie Gebühren verlangte, urn ein Verbot der Inbetriebsetzung des Fahrzeugs':, - zu dem sich dis Beklagte auf Grund des § 1004 BGB für berechtigt hielt? *ni t dem Selbstbedienungsfahrzeug, Als Vergütung bestimmtes liu te die agte 4 /K des Umsatzes mit der Aufforderung an 19 53 y 3> 4-0) s der auf eine Senatsvorlage; des Senators für Bau-und Wohnungswesen vom 20» Februar 1953 hin ergangen war .. Im ersten Rechtszug hat die Klägerin beantragt festzustellen j daß die Beklagte nicht kraft ihres Eigentums am Straßenland befugt sei /die Inbetriebnahme des Fahrzeugs Kante und seine Fahrten mit den Verkaufsaufenthalten zu verbieten oder von der Zahlung einer Vergütung abhängig zu Im Berufungsrechtszuge verfolgte die Klägerin ihre Anträge weiter, zu dem Hilfsantrag mit der Einschränkung, daß sic die höchstzulässige Vergütung auf 2 beschränkt haben wollte und äußerstenfalls die Feststellung der Nichtigkeit des zwischen den Parteien abgeschlossenen Vertrages begehrteo Das Kammergericht erholte ein Gutachten der Industrie- und Handelskammer Berlin* Mit seinem Urteil stellte es - unter Zurückweisung der Berufung im übrigen -foso, daß das zwischen den, Parteien auf der Grundlage des Schreibens der Beklagten vom 20* August 1953 abgeschlossene Vortragsverhä'ltnis die Beklagte, nur berechtige, von der Klägerin ein Entgelt bis zu 2 cß> des Jahresumsatzes zu verlangen* daß sie mit der Klägerin eine vertragliche Vergütung von 4 $ des Umsatzes vereinbart hat;* eine Mono-p0lstellung in einer gegen die guten Sitten verstoßenden vjeise ausgenutzto Die Monopolstellung sieht das Berufungsgericht darin, daß die Beklagte Eigentümerin nahezu des Berliner Straßenlandes ist, so daß die Klägerin ,roJ? das der Meinung ist, für den Verkäufer hielten die Vorteile und Nachteile des Verkaufs aus dem Verkaufsfahrseug 1- Lie Revision bezweifelt nicht den in der Rechtsprechung unter Billigung des Schrifttums zu dem Ausdruck gekommenen Grundsatz, daß eine Ausnützung eines Monopols dahingehend* daß der-Monopolinhaber sich unangemessene Vorteile, insbesondere unangemessen hohe Vergütungen für die Leistungen versprechen und gewähren läßt, unzulässig ist und gegen die guten Sitten verstößt (RGZ 99? teil sein Gewerbe su betreiben7 indem er anderswo ein 'Grundstück für seine Zwecke mietet, Konkurrenz ist liier für den Grundstückseigentüraer nicht ausgeschaltet, Unterwirft sich der Gewerbetreibende jedoch den Bedingungen der Beklagten nicht, so ist ihm die gewerbliche Be-tätigungV dis das Straßenland in Anspruch nimmt, auf allen Berliner Straßen verschlossen« Der Begriff des Monopols entfällt auch nicht deswegen9 weil von der in Frage stehenden gewerblichen Betätigung nicht die Existenz des Gewerbes abhängt, ihm vielmehr noch andere Betätigungs-moglichkeiten zur Verfügung stehenn Es genügt«,- daß eine von der Verkehrs auf fas sung gebilligte«, von einer größeren Zahl von Personen ausgeübte gewerbliche Tätigkeit; hier der Straßenhandel, in einem größeren Baum allein von dem Willen einer Person abhängjb«, das ist der Revision su zugeben«, daß die Klägerin ihr Fahrzeug schon beschafft hatte?als sie um Genehmigung bei der Beklagten einkanio Denn es fehlen Anhaltspunkte dafür«, daß für die Beklagte dieser Umstand bei der Bemessung der Vergütung eine Rolle gespielt hätte» Die Vergütung wurde danach' objektiven Gesichtspunkten entsprechend einem von vornherein durch den Senatsbeschluß festliegenden Tarif vereinbart«, An der Monopolstellung der Beklagten wird jedoch durch len Wegfall dieses vom Berufungsgericht zu Unrecht herangezogenen Gesichtspunktes im Ergebnis nichts geänderto 2c Was die Höhe der vereinbarten Vergütung anlangtg so hat das Berufungsgericht für seine Auffassung, die Beklagte habe sich Vermögensvorteile versprechen lassen. auch den Umstand herangezogen* daß der zuständige Fachsenator dem Senat zunächst nur einen Höchstsatz von 2 ■$.des Jahresumsatzes.:vorgeschlagen hatte* dieser Satz aber unter Berücksichtigung der vom Rat der Bürgermeister betonten notwendigen ,f?/ahrnehmung der fiskalischen Interessen BerlinsH und der "notwendigen Rücksichtnahme auf das stehende Gewerbe1’ dann auf 4 $ im Senatsbeschluß erhöht wurdec Bas Berufungsgericht bezeichnet diese beiden Gesichtspunkte als absolut sachfremd und ihre Heranziehung bei der Festsetzung des Hutzungsentgelts als unzulässig; da es sich nicht um die Höhe einer öffentlich-rechtlichen Gebühr gehandelt habec Hiergegen erhebt die Revision Bedenken,.-die jedoch im Endergebnis ohne Erfolg bleiben müssen» Da sich die Beklagte auf dem Gebiet des Privatrechts bewegte*konnte sie ihre fiskalischen Interessen berücksichtigen und wie ein Privater eine finanziell günstige Verwertung der gewährten Befugnisse ans treten 0.. Ab er auch wenn dies zutrifft und man weiter unterstellt; daß die Beklagte bei der nutzbringenden Verwertung ihres :Vermögens sozial- undewlrtschaftspolitische Ziele verfolgen durfte* ist daraus nicht abzuleiten* daß der Beklagten wegen der rechtlichen Möglichkeit, jene Interessen und diese Zwecke zu verfolgen* hinsichtlich der Hohe des Entgelts für Monopolleistungen keine.Grenze gesetzt wäre. daß auch solche Gesichtspunkte' angesichts des niedrigen Satzes der Vorgleicnsmieten ein 2 des Umsatzes übersteigendes Entgelt nicht rechtfertigen., Monopolstellung der Beklagten durch den Vertrag: hat das Berufungsgericht nicht dessen Nichtigkeit im ganzen angenommen, sondern seine Aufrechterhaltung mit einem Entgelt von 2 io des Jahresumsatzes« Bie Vorinstanz beruft sich dabei auf § 139 BGBo Bas Reichsgericht habe, erwägt sie, bei Pachtverträgen eines' Mündels, die über die Voll jährigkeit hinaus dauern sollten, aber trotzdem nicht v0rmundschafts-gerichtlich genehmigt worden waren^(§ 1822 Nr, 5 BGB), 11, Auflc § 139 Randnote 8)* In gleicher V/eise könne der hier in Frage stehende Vertrag in einen 1 gültigen Teil mit einem Entgelt von 2 f> und einen nichtigen (über 2 $) zerlegt gedacht werden! Für eine solche Auslegung spreche auch die Rechtsprechung zur Preisgesetzgebung, die insbesondere bei Gegenständen-des- täglichen Bedarfes Kaufgeschäfte mit unzulässig hohen Preisen zu dem Höchstpreis aufrechterhalten habe, Bie rechtlichen Folgerungen, die das Berufungsgericht für den vorliegenden Fall aus § 139 BGB ableitet, können nicht als zutreffend anerkannt werden« Bas Entgelt für die privatrechtliclie Erlaubnis' zur Benutzung einer Sache kann nicht der Hohe nach in Teile im Sinn des § 139 BGB zerlegt werden« Bie Vereinbarung gerade des Entgelts in der unzuläs- danken* daß der Sinn der Höchstpreisgesetzgebung sei* der Bevölkerung benötigte Ware zu erträglichen Preisen zu verschaffen, Auch ein etwaiger Kontrahierungszwang für die Be klagte* über dessen Bestehen hier nicht zu entscheiden ist würde nicht zur Aufrechterhaltung des nichtigen Vertrages . halt nicht abgeschlossen ist* es insbesondere an der - fre willigen oder erzwungenen i § 894 ZPO)- Annahmeerkläru ng der Beklagten fehlte Im Gegensatz zu der Auffassung des Berufungsgerichts ist daher auch der Hilfsantrag der Klägerin* dem es stattgegeben hat* unbegründet. letzter Linie gestellte'Hilfsantrag- der Klägerin auf l?estatellung der Nichtigkeit des zwischen den Parteien -liihsielitlich' der Straßenbenutzung bestehenden Vertrages, Dieser-Hilfsantrag kann ohne Anschlußrevision berücksichtigt werden (LM ZPO § 525 Nr« 1 - zur Berufung -)•* Demgemäß war das Urteil des Berufungsgerichts aufzuheben und unter Zurückweisung der Berufung im übrigen das Urteil des Landgerichts dahin abzuändern«; daß festgestellt wird, daß das zwischen den Parteien begründete Vertragsverhältnis nach § 138 BGB nichtig isti Die weitergehenden Anträge der .Revision waren zurückzuweisen„ Im Endergebnis ist die Klägerin demnach mit zwei Klagent ragen: unterlegen, während:ein Hilfsantrag durchdringt * Was den sachlichen- Gehalt der Ansprüche anlangt, so hat die Klägerin ihr ursprüngliches Ziel, ohne Entgelt das Straßengelände der Beklagten für ihr Verkaufsfahrzeug zu benutzen, nicht erreicht« Andererseits hat auch die Beklagte den Anspruch auf vertragsmäßige Vergütung, insbesondere in der vereinbarten Höhe, verlorene Sie ist auf einen Bereicherungsanspruch angewiesen« Bei dieser Sachlage erschien es angemessen, die Kosten des gesamten Rechtsstreits gegeneinander aufzuheben (§ 92 ZPO)«