BGH · V ZR 279/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Kleingarten- und Kleinpachtland-or.dnung bestimmte Ausschluß des Rechtswegs gilt nicht für die Knndigungsvorschriften des § 1 Abs« 2 a his e der Verordnung über Kündigungsschutz und andere kleingartenrechtliche Vorschriften iod.Fo vom I5o1201944o Von Rechts wegen Tatbestands Der Kläger ist Eigentümer eines etwa i?5 ha großen Grundstücks mit einem Einheitswert von durchschnittlich 1 000 DM je ha„ Das Grundstück wird seit 1923 von dem Beklagten auf Grund eines Zwangspachtvertrages als Kleingartenland genutzt^ Durch.Bescheid'des Regierungspräsidenten in Aurich vom 20- April 1928 wurde der Pachtzins auf 85 RM je ha und Jahr festgesetzt Diesen Pachtzins hat der Beklagte laufend bezahlt o Im Jahre 194-7 hat der Landkreis L^^ den Höchstpachtzins für Kleingartenland mit einem F.inheitswert von 900 bis 1 800 RM je ha allgemein auf 1,50 RM je a festgesetzte Mit Bescheid des Landkreises LpÄvom 19« Dezember 1952 wurde dem Kläger auf seinen Antrag vom 10. Mit Schreiben vom 17° Dezember 1953 kündigte der Klo.-ger das Pachtverhältnis wegen Nichtzahlung des höheren Pachtzinses und wegen unberechtigten Anbaus von Roggen und Hafer durch die Mitglieder des Beklagten. Er hält für den Rechtsstreit allein die untere Verwaltungsbehörde für zuständig« Im übrigen ist er der An-sicht, durch den Bescheid des Landkreises LflPvom 19» Dezember 1952 sei der Pachtzins nicht gestaltend auf 150 DM je ha festgesetzt wordene Der Bescheid enthalte lediglich Ordnung vom 31« Juli 1919 (RGBl 1371) - KIGPachtO -« Nach dieser Vorschrift werden Streitigkeiten, die sich, aus der Anwendung der Vorschriften der §§ 1 bis 3 ergehen, unter Ausschluß des Rechtswegs durch die untere Verwaltungsbehörde entschi zwar somit auch für die Ursprung liehe Vorschrift des § 3, nach dessen Absatz 1 Pachtverträge vom Verpächter nicht gekündigt werden durften und nach dessen Absatz 2'das Kündigungsverbot dann keine Anwendung fand, wenn ein wichtiger Grund für die Kündigung vorlag (Kaisenberg, Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung 3* Auf10 § 4 Anm 4)o Pie Vorschrift des § 3 ist jedoch aufgehoben worden und zwar dessen Absatz 2 durch § 1 Abs0 2 der Verordnung über den Kündigungsschutz von Kleingärten vom 27o September 1939 (RGBl I 1966) und im übrigen d.urch § 1 Abs, 1 Satz 3 der Verordnung über Kündigungsschutz und.andere kleingarten-rechtliche Vorschriften vom 23c Mai 1942 (RGBl I 343) c In der Verordnung vom 27 <» September 1939 wurde dem Verpächter auch das ICündigungsrecht aus wichtigem Grund genommen« mit der Passung vom 1 5 o ; Dezember 1944 gleichlautenden Verordnung vom 23« Mai 1942 wurde dagegen : dem Verpächter in den in § 1 Abs» 2 a bis e aufgeführten Pallen wieder ein Kündigungsrecht eingeräumt0 Pür diese Kündigungsvorschriften gilt j edoch, worin dem Berufungsgericht beizutreten ist, der in §4 Als, 1 KIGPachtO bestimmte Ausschluß des Rechtswegs nicht mehr« Denn während die Verordnung vom 27.« Soweit demgegenüber die Revision meint, das Berufungsgericht sei rechtsirrig der Auffassung, daß § 4 KIGPachtO aufgehoben sei, übersieht sie, daß das Berufungsgericht diese Vorschrift nicht als aufgehoben ansieht, sondern sie ohne Rechtsirrtum nur auf die ICündigungsvorschriften des § 1 Abs«, 2 a bis e KSchVO nicht für anwendbar hält» Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem von der Revision zitierten Schreiben des Riedersächsischen Ministers des Innern -r. b) Lern Berufungsgericht ist weiterhin darin beizutreten, daß der Nachprüfung der vom Kläger auf § 1 Abs» 2 a KSchVO gestützten Kündigung des Pachtvertrags auch nicht die vom Landkreis Lpp^mit Bescheid vom 21«. 3 » Das Berufungsgericht hat die Voraussetzungen der von dem Kläger nach § 1 Abs, 2 a KSchVO ausgesprochenen Kündigung des Pachtvertrags deshalb für gegeben erachtet, weil. durch den Bescheid des Landkreises L^M:Yom; 19« Dezember 1952 der Pachtzins verbindlich für beide Parteien von 85 DM auf 150 DM je ha und Jahr erhöht worden sei, der Beklagte aber weiterhin nur 85 DM je ha und Jahr bezahlt habe« Gegen diese Auslegung des Bescheids vom T9„Dezember 1952, die als Auslegung eines Verwaltungsaktes der freien Nachprüfung durch das Revisionsgericht unterliegt (BGHZ 3? zember 1952 den Pachtzins verbindlich für beide Parteien erhöhen wollte, ergibt sich, worin dem Berufungsgericht % beizutreten ist, schon aus der Begründung dieses Bescheids, in der ausgeführt ist, daß der Beklagte noch immer einen Pachtzins von nur 0,85 BM je a- an den Kläger bezahle, obwohl für den Landkreis L^Hbereits im Jahre 1947 der Höchstpreis fütr Kleingartenland mit einem Einheitswert von 900 bis 1 300 RM auf 1,50 RM je a: festgesetzt worden sei, und daß es deshalb gerechtfertigt sei, den Pachtzins entsprechend dem Antrag des Klägers auf den im Jahre 1947 festgesetzten ßatz zu erhöheno Für die Absicht des Landkreises L^), den Pachtzins verbindlich für beide Parteien zu erhöhen, spricht weiterhin, daß der Landkreis über den Erhöhungsantrag erst entschieden hat, nachdem seine Bemühungen, den Beklagten zu einer gütlichen Erhöhung des Pachtzinses zu veranlassen, fehlgeschlagen waren0 Bei dieser Sachlage hätte, wie das Berufungsgericht zutreffend hervorhebt, eine bloße Genehmigung zur Erhöhung des Pachtzinses im Wege einer Vertragsänderung keinen Sinn gehabte Es bestehen auch keine rechtlichen Bedenken dagegen, eine dahingehende Befugnis des Landkreises Leer als untere Verwaltungsbehörde aus den gesetzlichen Vorschriften zu entnehmeno Ob sich diese Befugnis allerdings schon, wie das.Berufungsgericht ausführt, aus den Vorschriften der §§ 1 und 2 KlQPachtO ergibt, nach denen Kleingartenland nicht zu höheren als den von.der unteren'Verwaltungsbe- ■ horde festgesetzten Preisen verpachtet werden darf, wobei die Festsetzung der Preise unter Bertic k s i c h t i gun g der örtlichen Verhältnisse und des Krtragswertes der Grundstücke erfolgt, und' dies auch für künftig zu zahlende Preise gilt, wenn der Pachtvertrag schon vor dem Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen war, mag dahinstehen0 Pie Befugnis der unteren:Verwaltungsbehörde, den Pachtzins in Anpassung an die wirtschaftlichen Verhältnisse verbindlich für die Partner des Pachtvertrages zu erhöhen, muß jedenfalls dann als gegeben erachtet werden, wenn es sich wie hier um einen Zwangspachtvertrag handelt, bei dem der Pachtzins nach § 5 Abs„ 3 Satz 1 KIGPachtO festgesetzt und zuletzt vom .Regierungspräsidenten in Aurich mit Bescheid vom 20o April 1928 gemäß § 4 Abs* 3 KIGPachtO auf 85 n.I je ha ermäßigt wurde0 Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, :daß es nicht der Sinn der Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung sein kann, gegen den Willen des G-rundstückseigen tümers ein Zwangspachtverhältnis mit festgesetzten Pacht- \ preisen zuzula.ssen und den Grundstückseigentümer an dem einmal festgesetzten Pachtzins auch dann festzuhalten, wenn sich die nach § 1 Abs„ 2 KIG-PachtO für die Festsetzung des Pacht-, zins es maßgebend gewesenen wirtschaftlichen Verhaltnisse zu Ungunsten des Grundstückseigentümers derart geändert haben, daß eine Krhöhung des Pachtzinses der Billigkeit entspricht: Dies muß umsomehr gelten, als die Kündigungsbestimmungen des § 1 Abs0. Vorschrift des § 3 a MSchG entsprochen- ; de Bestimmung enthalten,, Der Landkreis Lflfc konnte deshalb den Pachtzins auf „ Antrag des Klägers mit Rücksicht auf die Änderung der Voraussetzungen, unter denen der Pachtzins im • Jahre 1928 auf 85 RM je ha festgesetzt worden war, verbindlich für beide Parteien auf 150 DM je ha erhöhen (Kaisenberg aaO 1 Amin 60; Maul, Das deutsche Kleingartenrecht, IV § Soweit die Revision demgegenüber meint, die ordentlichen Gerichte seien an den Bescheid des Landkreises vom 19o Dezember 1952 nicht gebunden, übersieht sie, daß die Erhöhung des Pachtzinses auf Grund des § 1 KIGPachtO erfolgte und Streitigkeiten, die sich aus der Anwendung dieser Vorschrift ergeben, nach § 4 KIGPachtO durch die Verwaltungsbehörden unter Ausschluß des Rechtswegs entschieden werden«,- 4o Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß der Beklagte den Bescheid des Landkreises L^^vom 19o Dezember 1952 in zwei Instanzen, nämlich, durch seine Beschwerde an den Regierungspräsidenten in ..Aurich und durch seine gegen die Zurückweisung der Beschwerde erhobene verwal-iche Klage sachlich bekämpft und deshalb richtig dahin verstanden hat, daß durch ihn -der Pachtzins verbindlich für beide Parteien erhöht wurde«. Auf Grund dieser Feststellung hat das Berufungsgericht ohne Rechtsix|rtum den von dem Beklagten behaupteten entschuldbaren Rechtsirrtum über seine Verpflichtung zur Zahlung des erhöhten Pachtzinses verneint und gegenüber dem schon damit eingetretenen Verzug des Beklagten mit der Zahlung des erhöhten Pachtzinses der späteren Auffassung des Beklagten,, es sei durch den Bescheid vom 19c Dezember 1952 der Pachtzins nicht unmittelbar heraufgesetzt worden«.