BGH · V ZR 277/82 vom 27.04.1984
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 14« Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf von 19« Novenber 1982 aufgehoben« Von Rechts wegen Tatbestand Der Beklagte kaufte durch notariellen Vertrag von SU 1976 von den Landwirt MuB das in Grundbuch von Bam^B Blatt SN7 verzeichnete 7 589 qn große Grundstück Flur % Nr. So, das nit einen Erbbaurecht zugunsten der Klägerin belastet war« MuB verpflichtete sich in den Vertrag, das Erbbaurecht zur Löschung zu bringen, und traf in Anschluß an die Kaufverhandlung vor denselben Notar eine "'Vereinbarung” nit der Klägerin, daß diese "für den Fall der Durchführung dieses Kaufvertrages ••• auf ihr Erbbaurecht verzichtet"• Dann heißt es: "Besitz, Nutzungen, Lasten und Gefahr gehen auf den Käufer mit der Kaufpreis Zahlung über." Oie Klägerin war schon 1974 durch Bescheid der Stadt Ntfü als Erbbauberechtigte für das Grundstück Flur 9, Flurstück das später in die Flurstücke ^9 und mo aufgeteilt wurde, zur Zahlung eines Kanalanschlußbeitrages in Höhe von 157 727,36 OM herangezogen worden; sie hatte den Bescheid angefochten und sich in dem anschließenden Verwaltungsstreitverfahren am 26. Die Klägerin» die sich vorsorglich Ansprüche des früheren Eigentümers Mufli hat abtreten lassen» hat den Beklagten auf Zahlung dieses Betrages an die Stadt NflM ln Anspruch genommen. Dies ergebe sich aus dem Zusammenhang des zwischen dem Beklagten und MuS geschlossenen Kaufvertrages mit dem am selben Tage zwischen MuH und der Klägerin vorgenommenen Rechtsgeschäft über den Verzicht auf das Erbbaurecht« Die Klägerin sei zu dessen Aufgabe nur "für den Fall der Durchführung des Kaufvertrages” und "unter den genannten Umständen” bereit» sich also mit Muhr einig gewesen» daß sie auf ihr umfassendes dingliches Recht nur verzichte» wenn ihr die vom Beklagten im Kaufvertrag übernommene Verpflichtung zugute komme» soweit sie selbst mit Verbindlichkeiten aus dem Grundstück belastet sei« Die Begünstigung der Klägerin habe sich offensichtlich auch auf die bereits entstandenen Abgabeschulden bezogen» zu deren Übernahme sich der Beklagte verpflichtet habe« Ob er von der Drittbegünstigung gewußt habe oder nicht» spiele keine Rolle. 1« Ein Vertrag zugunsten der Klägerin als Dritter im Sinne des § 328 BGB» den das Berufungsgericht hier angenommen hat» könnte nur der zwischen MuB und dem Beklagten geschlossene Kaufvertrag sein» wie die Revision zutreffend ausführt« Wenn sie weiter meint» es könne deshalb nur fraglich sein» ob allein aus diesem Kaufvertrag auf einen Vertrag zugunsten der Klägerin geschlossen werden könne» und die Berücksichtigung des zwischen der Klägerin und MuB geschlossenen Vertrages - zur Auslegung - für nicht möglich hält» weil dieser erst später geschlossen worden sei» sieht sie allerdings die zur Auslegung des Kaufvertrages heranzuziehenden Umstände zu eng« Auch das Verhalten der Vertragspartner nach Abschluß des auszulegenden Vertrages kann Auf den Willen und die Vorstellungen eines Dritten» hier der Klägerin» bei späteren Abmachungen mit einen der Vertragspartner - hier: Vereinbarung der Klägerin alt Mu® über den Verzicht auf das Erbbaurecht - kann es jedoch nicht ankommen. Die Ausführungen des Berufungsgerichts über den Zusammenhang zwischen dem Kaufvertrag und dem von der Klägerin erklärten Erbbauverzicht sind deshalb nicht frei von Rechtsirrtun« 2« Das Berufungsgericht meint zudem» die Begünstigung der Klägerin habe sich offensichtlich auch auf die bereits entstandenen Abgabeschulden erstreckt» zu deren Übernahme sich der Beklagte kaufvertraglich verpflichtet habe« Es führt dazu weiter aus: Regelmäßig entspreche es zwar dem Interesse des Käufers eines Grundstücks» die Öffentlich-rechtlichen Lasten erst ab dem Zeitpunkt zu übernehmen» ab dem Ihm auch die Nutzungen zustünden» also üblicherweise ab Besitzübergang; eine derartige Einschränkung enthalte jedoch der notariell beurkundete Kaufvertrag vom 9« WKKk 1976 nicht« Der Beklagte habe die Volletändig-keltsvermutung des § 415 Abs« 1 ZPO nicht entkräften kOnnen« Seine Behauptung» er sei über die Abweichung von dem einschränkenden Vertragsentwurf bei Beurkundung des endgültigen Geschäfts Im unklaren geblieben» reiche nicht aus» um die Beweiskraft der öffentlichen Urkunde zu erschüttern.