BGH · V ZR 268/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Mit der Klage wird begehrts die Feststellung der Nichtigkeit dieses Vertrages sowie die Verurteilung des Beklagten , aahin einzuwilligen, daß als Eigentümer des Grundstücks die beiden Geschwister in- Erbengemeinschaft eingetragen werden» Mit beiden Anträgen wird sonach die jedem Miterben gemäß § 2039 BGB zustehende Befugnis ausgeübt, zu dem Nachlaß gehörende Ansprüche, auch den Anspruch auf Berichtigung des Grundbuchs , zuguns ten aller Erben geltend zu machen, also auf Grund des sämtlichen Erben am Grund-' stück zustehenden Eigentums vom Bueheigenturner die Einwilligung in die Berichtigung des Grundbuchs zugunsten aller Miterben zu verlangen» Daß im vorliegenden Fall der Bucheigentümer selbst Miterbe: ist? ln einem solchen:Falle wirft sich die Frage auf, ob für -die' Bereehhung( desinjjjtre 1 jWertes der Leistungsklage, da bei Klage auf Berichtigung des Grundbuchs das Eigentum streitig ist und deshalb der Streitwert sich gemäß § 6 ZPO nach dem Werte des Grundstückes richtet, dieser ungeschmälert maßgebend ist oder ob davon ein dem Anteil des Beklagten an der Erbengemeihsehaft entsprechender Abzug zu machen ist. Bas Reichsgericht hat unter Aufgabe seiner früheren Rechtsprechung' die Auffassung vertreten, daß Streitwert der Wert des ganzen Grundstückes sei, wenn ein Miterbe auf Leistung an alle Erben gegen einen Drittschuldner klage (RGZ 149, 193). Richte sich die Klage aber gegen einen Mit-erben-Schuldner, so müsse ein seinem Erbteil entsprechender Abzug an dem Wert der mit der Klage beanspruchten Sache gemacht werden 'RG JV/ 1937, 228 Ir. TI f SeuffArch 92 Nr» 58; RGZ 156, 263 fj ebenso RGBK BGB 10. ein Miterbe Schuldner eines solchen Anspruches, so bezieht sich der Berichtigungsan-spruch nach seiner rechtlichen Ausgestaltung zwar auch auf das ganze Grundstück, nicht etwa auf die den klagenden Miterben zustehenGen Anteile° Bie Berichtigungsklage führt aber, anders als im Palle des Brittschuldners, nicht zur Löschung des beklagten Miterben im Grundbuch, sondern zu seiner Eintragung als Miterbe neben den übrigen Erben, Aus seinem buchmäßigen Alleineigentum wird eine Teilhaberschaft an einem Gesamthandseigentum, Bieses Ergebnis darf bei der Streitwertfesfsetzung neben der Berücksichtigung der recht-liehen Zusammenhänge nicht unbeachtet bleiben« Mit Recht betonen LangefBartholomeyczik (Erwerb, Sicherung und Ab-wicklung der Erbschaft S, 179 Fußnote 2), daß der Streitwert nach ''wirü;schaf11 ichen Gesichtspunkten festzusetzen sei und nicht von den rechtlichen Aufgaben der gesamthänderi- Dieser Anteil stehe außer Streit und müsse daher bei der Streitwertberechnung außer Ansatz bleiben, Daß dem Gesetzgeber diese auf wirtschaftlichen Erwägungen beruhende Betrachtungsweise nicht fremd ist# wenn es sich um die Bestimmung der Grundlage für die Berechnung von Abgaben und Gebühren handelt, ergibt sich aus § 5 Abs. 2 GrErwStG bzw« § 61 Abs« 1 Satz 2 KostO« Danach bleibt beim Eigentumsübergang vom Alleineigentümer auf eine Gesamthand, an-der der Alleineigentümer beteiligt ist, für die Berechnung der Grunderwerbsteuer und der Gebühr für die Eintragung des neuen Eigentümers im Grundbuch jener Anteil unberücksichtigt« Nach § 61 Abs, 4 Satz 2 GKG hat andererseits im Falle der Zwangsversteigerung zur Aufhebung der Gemeinschaft bei der Berechnung der Gebühr für die Erteilung des Zuschlages der Anteil des Erstehers am Gegenstand des Verfahrens auszuscheiden« Die diesen Regelungen zugrunde liegende wirtschaftliche Überlegung läßt sich auch für die Streitwertfestsetzung im vorliegenden Falle -.verwerten« Demnach ist als Streitwert für die Klage der Wert des Grundstücks anzuseheny abzüglich der' dem Anteil des Beklagten an der Erbschaft entsprechenden Quote# mithin der halbe Grundstückswerto Der Einheitswert des Grundstücks beträgt 26 600 DM» Erfahrungsgemäß ist der Verkehrswert höher* Dach einem vom Kläger vorgelegten Gutachten des Bauingenieurs Wöller vom 15= November 1954 hat das Haus einen Bauwert von 65 500 DM-» Wie hoch der maßgebende (BGHZ 179 236P 240) ■Ertragswert ist, ergibt sich aus dem Gutachten nicht* Unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände hält der Senat einen Grundstücks wert von 60 000 DM für 'gegeben* Demnach ist der Streitwert für die Klage auf 30 000 DM festzu-setzeho 2, Das Grundstück ist mit einem Nießbrauchsrecht für die Mutter der Erben belastet* Ersichtlich ist das Landgericht bei seiner Streitwertfestsetzung davon ausgegangen, daß dieses Recht den Wert des Grundstücks mindere* Das trifft nicht zu.. Gegen eine im Schrifttum vertretene Auffassung, daß Grundstückslasten den Grunds tückswert verringern, hat der Senat mit der herrschenden Meinung den Standpunkt eingenommen, daß bei der Berechnung des Wertes eines Grundstücks Hypotheken und Grundschulden außer Betracht zu bleiben haben (NJW 1954, 955)= Dasselbe muß auch für Nießbrauchsrechte gelten*.