BGH · V ZR 261/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
■ :■ besondere Mühe Namen und Anschrift des Ersatzpflichtigen durch Erkundigung zu verschaffen (BGH NJW 1955p 706 ---- IM BGB § 852 Nr. 4), sieht für den Beginn der Verjährungsfrist jedenfalls dann nicht der wirklichen Kenntnis vom "Urheber des Schadens" gleich, wenn der Geschädigte irrigerweise diese Kenntnis bereits zu haben glaubte Streithelferins hat der V, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 14, Mai 1958 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br, lasche und der Bundesrichter Schuster, Dr, Rothe,, Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Koblenz vom 13o Juli 1956 aufgehobene Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurück-verwiesen, dem auch die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens übertragen wird» \n weiterübertragen hat, ist ungeklärt Der Kläger behauptet, daß durch den wiedereröffneten Bergbaubetrieb das ihm und seiner Ehefrau gehörige Grundstück beschädigt' worden sei* Mit dieser Begründung stellte er im Mai 1953 gegen die Gewerkschaft einen Antrag auf Beweissicherung; das Verfahren wurde nicht durchgeführt, da die Beteiligten im Augenscheins terrain vom 29 c- Mai 1953 wegen schwebender 'VergleichsVerhandlungen sein Ruhen beantragten (i H 4/53 Amtsgericht 'Marienberg)* Nachdem in der Folgezeit dem Kläger und seiner Ehefrau für eine Schadensersatz] läge das Armenrecht versagt worden war (2 OH 89/53 Landgericht Koblenz), verklagte der Kläger im Sommer 1954 die "Gewerkschaft PÜHB, wiHÜHHH) iflP^erk in Hfl0( W|HH|H^)" und die EWAG auf Zahlung eines Teilbetrages von 1 500 DM und erwirkte gegen die Erstgenannte am 140 Oktober 1954 ein Versäumnisurteil; da- dieses Namens in Wirklichkeit nicht gab, und der Antrag des Klägers , das Versäumnisurteil dahin zu berichtigen, daß es gegen\lie jetzige Beklagte, die Gewerkschaft ergangen sei, wurde in der Beschwer- deinstanz, nachdem das Landgericht ihm zunächst stattgegeben hatte, durch Beschluß des Oberlandesgerichts vom 6 = Juli 1955 abgelehnt$ die Klage gegen die EWA Of verfiel der Abweisung (2 0 34/55 Landgericht Koblenz) .■» i9 Während das Bandgericht die Abweisung der Klage in erster Linie mit dem Fehlen einer "ausreichenden Spezifikation und Substantiierung des geltendgemachten Schadens-ersatzanspruchs" begründet und lediglich "darüber hinaus" den Anspruch auch als verjährt bezeichnet hatte, ist das Berufungsgerichte nachdem vom Kläger im zweiten Rechtszuge die fehlenden Angaben, über die Verteilung des eingeklagten Teilbetrages auf die; Einzelschäden nachgeholt worden waren, auf den ersten Abweisungsgrund des Landgerichts nicht mehr zurückgekommenv sondern'hat nur noch die Frage der Verjährung; geprüfto Insoweit ist es der 'Vorinstanz beigetrete.no Laut Feststellung des Berufungsgerichts hat der Kläger spätestens im März 1932-. der Kläger hätte sich die ihm zur Klageerhebung noch fehlenden Angaben unschwer verschaffen können, indem er entweder bei dem Bergamt in Diez anfragte oder das Grundbuch einsah; die Möglichkeit einer solchen, den Umständen nach zu demutbaren und ohne beson- Diese Erwägungen, mit denen das Berufungsgericht die klageabweisende Entscheidung des Landgerichts im Ergebnis gebilligt hat=, werden von der Revision als rechtsirrig bekämpft.» 2» Nicht stichhaltig sind die Einwendungen der Revision gegen die Nichtberücksichtigung der - angeblich - im Beweissicherungsverfahren 1 H 4/53 getroffenen Feststellungen:, der Zeugenaussage des Amtsgerichtsrats Dr» St^^^im Vorprozeß und des auf die Schadenshöhe bezüglichen Sach-vortrages in der Beruf ungsbegiiindung vom 1h Mai 1956» Auf diese Dinge einzugehen, hatte das Berufungsgericht von seinem Standpunkt aus keinen Anlaß, da es die Verjährungseinred e für durchgreifend erachtete »Daß etwa nach, dem März 1952 noch, andere Bergschäden aufgetreten seien, die mit den im Vorprozeß geltend gemachten außer jedem Zusammenhang gestanden und deshalb möglicherweise eine neue Verjährungsfrist .hätten in Lauf setzen können, war vom Kläger in den Vorinstanzen nicht behauptet worden» Als mißverständlich erweisen sich die Ausführungen der Revision über die zeitliche Reihenfolge der gerichtlichen Verfahren, die dem gegenwärtigen Rechtsstreit vorangegangen sind;'der Prozeß 9 0 'S 33/54? den sie falschlicherweise vor das Armenrechisver-fähren 2 OH 89/53 verlegt, ist in .Wirklichkeit sachgleich mit dem - hier als "Vorproseß" bezeichneten - Rechtsstreit 2 0 34/55 (nur das Aktenzeichen hatte gewechselt), und dieser wurde erst nach Verweigerung des Armenrechts (Beschluß vo m S o Mä r z 1954) anh an gig„ 5, Die Revision wendet sieh jedoch mit Recht gegen den Standpunkt des Berufungsgerichts in der Verjährungs-frage* Nach der einschlägigen Vorschrift des § 151 PrBergU müssen Ansprüche auf Ersatz von Bergschäden "von dem Be-schädigten innerhalb drei Jahren? und zwar nicht nur von dem,Schadenseintritt als solchem, sondern vor allem auch von der Person des zu dem Schadensersatz Verpflichteten«.' Es -fragt sich indessen, welchen Er ad von Gewi ß he it diese Kenntnis erreicht haben mußt In Rechtsprechung und Schrifttum ist man sich darüber einig, daß zur Kenntnis bloße Vermutungen nicht genüge n, daß es andererseits aber auch keines’’unanfechtbarem, durch die objektive; Richtigkeit bedingten” Wissens bedarfo- Für notwendig und ausreichend wird vielmehr gehalten "eine nach vorsichtigen und verständigen Erwägungen zur Erhebung einer Klage genügende Wissenschaft” (so RG ZBergR 55, 106, 107)o Die Kenntnis des Geschädigten muß so beschaffen sein, daß ein verständiger Mann daraufhin eine Schadens ersatzklage gegen einen bestimmten Urheber mit. daß die bloße Möglichkeit der Kenntniserlangung oder eine auf 'Fahrlässigkeit beruhende Unkenntnis des Geschädigten nicht der wirklichen Kenntnis gleichgestellt werden kann; "Kennenkönnen" oder "Kennenmüssen" genügt somit nicht (RG ZBergR 45, 482., 485? so müsse "schon mit;dem Eintritt dieser Möglichkeit" der Zeitpunkt der Kenntnis erläbgüng für gegeben erachtet werden, Dabei handele es sich -so führt das ängefochtene Urteil aus - nicht um die Präge; des Kennenmüssens? ihnen zugleich auch die Person des Ersatzpflichtigen "so gut wie gegeben" sei, sei der vollen Kenntnis im Sinne von § 151 PrBergG gleichzusetzen,:. als es den Kläger wegen Unterlassung zu demutbarer und ohne besondere Mühe durchzuführender Erkundigungen nach der Person des Ersatzpflichtigen so behandelte? wähnt und die Entscheiduhgsgründe 'wiederholen einige Wendungen daraus nahezu wörtlich* In der Entscheidung vom 9* Februar 1955 ging es um Schadensersatzansprüche aus einem Verkehrsunfall| ■ die Verletzte wußte, daß der Führer des Straßenbahnwagens, mit dem sie gefahren war, den Unfall verursacht hatte, sie kannte aber seinen Namen und seine Anschrift nicht und machte in der Folgezeit auch keine Anstalten, sich diese Kenntnis zu verschaffen„ Es kann dahingestellt bleiben, ob der VI* Zivilsenat, wenn er unter den geschilderten Umständen die Verjährungsfrist bereits einige Monate nach dem Unfall als in Lauf gesetzt erachtete, seine Entscheidung lediglich auf die Besonderheiten dieses Sachverhalts abgestellt hat, oder ob er damit - worauf die uneingeschränkte Passung des Leitsatzes und die Hinweise aufMüller (Straßenverkehrsrecht 18o Aufl* II b 2; vgl., 3 et zt 20 * Aufl, ebenda) und Wussow (Unfallhaftpflichtrecht 4* Aufl, So 236; vgl0 jetzt 6, AufIo So 556, Nr* 1001) hindeuten könnten - einen allgemeinen Grundsatz für die Verjährung von Schadensersatzansprüchen hat aussprechen wollen* Denn wenn letzteres der Fall wäre und wenn ein derartiger G-rundsatz über die Anwendungsbereiche des § 14 StVG und des § 852 BGB hinaus auch im Bergrecht gemäß § 151 PrBergG- gelten sollte (anders BG- ZBergE 76, 456, 463, wonach "Säumnis in Erkundigungen" nicht "für die Verjährungsfrage der wirklichen Kenntnis gleichgestellt werden" kann), so ließe sich dieser G-rundsatz gleichwohl auf den vorliegenden Fall nicht anwenden; es fehlt hier an einer seiner maßgeblichen Vor-. Der Kläger hatte' •' ti e Im ehr eine durchaus bestimmte Vorstellung von der Person des Schadensersatzpflichtigen» Er ist auch - anders als die Verletzte in dem vom VI, Zivilsenat entschiedenen Falle - nicht untätig geblieben, sondern hat im Sommer 1954, d>h„ weniger als drei Jahre nach Kenntnis-erlangung von dem Schaden und von der Person des vermeintlichen Ersatzpflichtigen, gegen diesen Klage erhoben, Er hat in jenem Vorprozeß 2 0 34/55 sogar ein Versäu.mnisur-teil erwirkt (wobei unverständlich und aus den Akten nicht einwandfrei: zu entnehmen ist, auf welche Weise die hierzu e rf orderliche v organgige Klage zus te 1lung be werks telligt werden konnte)c Als ihm dann von der im Vorprozeß mitver- September und 18, Oktober 1954)4 die BWAG sich jedoch andererseits weigerte, ihm Aufschluß über die Person des wirklichen Bergwerkseigen-tümers zu erteilen (so der unwidersprochen gebliebene 8cohvortrag des Klägers in der Klageschrift vom $><• November 1955) i hat der Kläger sich dieserhalb mit der Bitte um Auskunft'an das Bergamt in Diez gewandt und, nachdem er von dort Bescheid erhalten hatte, unter dem 4. Dezember 1954 -also immer noch vor Ablauf von drei Jahren seit März 1952 - zu den Akten des Vorprozesses angezeigt, daß die Klage sich gegen die jetzige Beklagte, die.Gewerkschaft Es mag auf sich beruhen, ob die weitere Behandlung des Vorprozesses durch das Landgericht - welches das Rubrum der Klageschrift und des Versaumnisurte 1 lsi "berichtigte’1 • und durch das Oberlandesgericht - das in seinem Beschwerdebeschluß, .weil der Klager eine "nicht existente" Partei verklagt habe, eine Berichtigung ablehnte -: Zustimmung verdient ; oder ob es stattdessen nicht sachgemäß gewesen wäre, unter Berücksichtigung der Ausführungen des Reichsge-richts in RCZ 157, 369, 374 f (-vgl* auch Stein/Jonas/ Schänke, ZPO 18o Aufl= § 50 Annu VII 2 Abs. 1 und Vorbem, III 1 a vor § 50; Baumbach/Lauterbach, ZPO 25 » Auf 1 * Grunds., 2 A und 3 B vor § 50) einfach die Parteibeseichnung von Amts wegen klarzustellen und den Rechtsstreit, da als Beklagte ersichtlich nur die Gewerkschaft "P(HHpK in 4P PP^ in Betracht kam und diese auch bereits gegen das Versäumnisurteil Einspruch eingelegt hatte, zwischen den richtigen Parteien forf'zusetzeric Auf jeden Pall ist hier kein Raum für die Grundsätze, die der Bundesgerichtshof in dem mehrfach.erwähnten Urteil vom 9v Februar 1955 entwickelt hat daß die dortige Klagepartei eine ihr bekannte Wissenslücke hinsichtlich der person des Ersatzpflichtigen imausgefüllt gelassen hatte» anstatt sich in zu demutbarer Weise die noch fehlenden Angaben zu verschaffen,» Für den Kläger des gegenwärtigen Rechtsstreits dagegen Bestand kein Anlaß zu Erkundigungen, solange er die zunächst von ihm verklagte Gewerkschaft "pflHHP" in SH^fnr den Bergwerkseigentümer hielt* das.Grundbuch zu veranlassen, weil die bestehenden Unklarheiten sich im 'wesentlichen nur darauf bezogen, ob die EWAG oder ob die Gewerkschaft ,,AfliHHII^B, Pächter und Bergbaubetreibender sei* Die Präge nach der Person des mindestens in erster Linie nach § 148 PrBergG haftenden Bergwerks eigen turners (.vgl *. 4. Läßt sich somit die Auffassung des angefochtenen Urteils, daß der Klageanspruch verjährt sei, mit der bisherigen Begründung nicht aufrechterhaltenj so vermag trotzdem das Revisionsgericht die Verjährungsfrage noch nicht abschließend zu entscheiden» Das Berufungsgericht ist bisher - wozu es von: seinem Standpunkt aus auch keine Veran- 1assung hatte - nicht auf die unter Beweis gestellte Behauptung der Streithelferin eingegangen, der Kläger sei bereits im Frühjahr.und Frühsommer des Jahres 1952 wiederholt von dem Diplomingenieur NflHHH.darauf hingewiesen worden 7 daß "die. Beklagte" B e rg we r ks besitze rin geblieben sei und als solche.für den Schaden hafte (Schriftsatz ..vom 24= Januar 1956o Abschnitt 12 a) * Wie dieser Tortrag zu verstehen ist? Gegen eine Dolche Annahme scheint allerdings die Darstellung der Beklagten selbst zu sprechen;, der Kläger "hätte” diese Angaben "durch eine einfache Anfrage bei dem Zeugen Berg-Ingo erfahren können" (Schriftsatz vom 30, Mai 1956, Abschnitt I)0 Immerhin wird das Berufungsgericht in der erneuten mündlichen Verhandlung der Streithelferin gemäß §1159 ZPO Gelegenheit zu einer Erläuterung ihres Sach-vortra.ges geben und, falls positive Unterrichtung des Klägers durch NiHMl in dem angedeuteten Sinne behauptet werden solltef den angebotenen Beweis erheben milssenu So Für die neue Verhandlung ist noch auf folgendes hinzuweisens Falls der Klageanspruch nicht verjährt ist, könnte der Einwand der Beklagten aus § 150 PrBergG entscheidungserheblich sein. S, 2 des Schriftsatzes vom 4» Oktober 1954) die Beklagte selbst die streitigen Baulichkeiten errichtet hat - ob sie damals auch Grundeigentümerin war, ist bisher nicht festgestellt - und da sie dieselben dann später an Dritte zu Wohnzwecken veräußert haben soll« wird sich möglicherweise die Drage.erheben, ob die Beklagte, sofern sie zur Zeit des Baues die Berggefahr gekannt hat, sich nunmehr im Prozeß gegenüber dem Schadensersatzanspruch des Klägers auf ihre eigene frühere Bösgläubigkeit berufen darf oder ob ihr nicht insoweit der Einwand.der unzu-