BGH · V ZR 260/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Vo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 9° Februar 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Pr« Augustin und der Bundesrichter Schuster«, PrQ Piepenbrock9 Offterdinger und Pro Grell für Recht erkannt: Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 7o Zivilsenats des Oberlandesgerichts Celle vom 11o Oktober 1962 aufgehoben« Bio Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen3 dom auch die Entscheidung über die Kosten der Revision übertragen wird« Das verkaufte Grundstück wurde zu einem Teil in das Gelände des von der Wehrmacht eingerichteten Kriegsgefangenenlagers Westertimke oinbezogen« Das Reotstück wurde außerhalb der Lagerumzäunung als Friedhof für das Lager verwendete Auf ihm wurde eine Kapelle in massiver Bauweise und mit festen Fundamenten errichtet« Nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 wurde das Lager WefflHHHi einschließlich des Lagerfriedhofs von der Besatzungsmacht als Internierungslager verwendet« Die auf dem Friedhof beigesetzten Gefangenen und Zivilintornicrten wurden bis Indo des Jahres 1946 auf andere Friedhöfe umgebettet« Ende des Jahres 1948 verkaufte der eingetragene Eigentümer in dem Glauben, der Vertrag mit dem Deutsehen Reich sei hinfällig, dem Beklagten, der von der Wehrmacht während des Krieges als Platzlandwirt und Sch^^ für das Lager eingesetzt worden war, die drei Parzellen ^P/l, und MM/3 zu einem Kauf- und Staatsvermögen - teilte dem Beklagten unter dem 5* August 1949 mit9 die von ihm gekauften Grundstücke seien von der Militärregierung bisher nicht freigegeben worden* könne das Grundstück erst dann verkaufen* Am 17* Dezember 1957 schlossen die Klägerin als Rechfcsnachfolgerin des Deutschen Reiches und der Beklagte vor dem Amtsgericht in Z0| einen Vertrag9 dessen §§ 1 und 2 folgenden Wortlaut haben; § 2 Anstelle eines Kaufpreises wird Herrn K auf dem Flurstück ®P/l der Flur® von V/e stehende und im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland befindliche ehemalige K®®|®gcbäude schlicht um schlicht zu dem Eigentum übergebene Im Kosteninteresse wird der Wert dieses Vertrages mit 1000 DM angegebenow Der Beklagte ließ zugleich die Parzellen ®P/2 und ^®/3 an die Klägerin auf und bewilligte die Umschreibung im Grundbucho Der Besitzubergang wurde rückwirkend auf den 1o Dezember 195? Mit Schreiben vom 10* Januar 1958 genehmigte die Oberfinanzdirektion H®®® den Vertrag vom 17o Dezember 1957 und erklärte gleichzeitig, auf die Durchführung des am ?<> Februar 1940 zwischen dem Dandwirt M®® und dem Deutschen Reich abgeschlossenen Kaufvertrages über die jetzigen Flurstücke ®P/l, f®/2 und ®^3 der Flur V der Gemarkung Westertimke lege sie keinen Wert mehr* Eine Festhultborklärung im Sinne von § 7 AKG sei daher gegenüber dem Dandv/irt M®® nicht abzugeben«. der Vertrag auch wegen Verstoßes gegen die guten Sitten und Wuchers nichtig* Es liege ein grobes Mißverhältnis der Leistungen zu dem Nachteil des Beklagten vor* auch habe die Klägerin seine Zerfahrenheit ausgebeutet und ihn über die Rechtslage falsch unterrichtet«, Das Berufungsgericht bezeichnet den Vertrag vom 17« Dezember 1957 als Tauschvortrag und erachtet ihn als solchen nach § 306 BUB für nichtig« Nach dieser Vorschrift ist ein auf eine (objektiv) unmögliche Leistung gerichteter Vertrag nichtig, Der Vertrag, meint das Berufungsgericht5 verpflichte die Klägerin zur Beschaffung von Sondereigentum an dem K^HBgebäudc, doho einem vom Eigentum des Grundstücks, auf dem das Gebäude stand, unabhängigen Eigentum-^ Die Kapelle sei aber nicht sonderrechtsfähig, sondern als mit dem Grund und Boden fest verbundenes Gebäude nach § 94 Abs, 1 Satz 1 BGB wesentlicher Bestandteil des Grundstücks W/1 gewordeno Bio Kapelle sei auch nicht zu einem vorübergehenden Zweck mit dem Grundstück verbunden wordeno Einmal sei das Gebäude in Erwartung des Grund-erv/erbs durch den Bauherrn (Deutsches Reich) errichtet worden (vgl«, RGZ 106, 147) o Außerdem sei die Zweckbestimmung im Zeitpunkt der Errichtung ihrer i/atur nach nicht vorübergehend gewesen, da der Friedhof außerhalb des Lagergeländos angelegt worden seio Als wesentlicher Bestandteil sei das Gebäude nicht sonderrechtsfähig (§ 93 BGBl, Diese dem Beklagten günstigen Ausführungen werden von der Revision begreiflicherweise nicht angegriffen*. Sie lassen hinsichtlich der Unmöglichkeit der Leistung und deren Rechtsfolge keinen Rechtsirrtum erkennen«, Insbesondere ist die objektive Unmöglichkeit nicht deswegen zu verneinen, weil im Vertrag lediglich die Übertragung des Eigentums an der Kapelle vorgesehen ist und der Grundeigentümer das Eigentum an ihr zusammen mit dem Eigentum am Grundstück dem Beklagten verschaffen konnte, also jemand vorhanden war, der übereignen konnteo Wach dem lartoiwillen kam es auf das Sondereigentum an (vgl«, auch Ennoccerus/Lehmann, Schuldrecht 14» Bearbo § 29 I 2 So 123 zu dem früheren Verbot des Stockwerkeigen-turns)o iio To Das Berufungsgericht deutet den Vertrag vom 17o Dezember 1957 jedoch in einen nach seiner Auffassung wirksamen Vergleich umQ Hierzu führt es aus: Der Vertrag genüge allen Anforderungen eines Vergleichs0 Der doppelte Verkauf der ParzoDlen Bl/l 5 ^B/2 und an das Deutsche Reich und später an den mit dem Sachverhalt vertrauten Beklagten habe zu dem Stroit zwischen den Parteien und zu einer ungewissen Rechtslage geführt0 Die Ungewißheit sei besonders darin zu dem Ausdruck gekom mehr, daß beide Parteien ungeachtet ihrer Ansprüche gegen M|^B§ den Besitzstand der anderen Partei nicht im Prozeß* weg angegriffen hätten« Der Vertrag vom 17o Dezember 1957 habe endgültig klare Rechtsverhältnisse schaffen und den Stroit der Parteien beenden sollen« Zu diesem Zweck habe jede Partei zu demindest ihrer Vorstellung nach der anderen Partei Zugeständnisse gemacht« Der tatsächliche Besitzstand sei als endgültig anerkannt worden und diejenigen Erklärungen abgegeben worden, die nach Auffassung der Parteien zu einer entsprechenden Auseinandersetzung erforderlich gewesen seien« irunj von 1949 bis zu dem Abschluß des streitigen Vertrags liege ein starkes Anzeichen dafür, daß beide Parteien über den Umfang ihrer Rechte im ungewissen gewesen seien« Der Beklagte habe wegen seines Verkaufs zur Zeit der Kontrolle der Militärregierung über das Lager in Betracht ziehen müssen, daß sein Erwerbstitel wegen Verstoßes gegen Art«, V MilRegG 52 habe unwirksam sein könneno Außerdem wären zwar durch ein Pesthalten der Klägerin nach § 7 AKG an dem Vertrag zwischen ihr und die Ansprüche des Beklagten nicht unmittelbar berührt worden«. Es habe jedoch die naheliegende Möglichkeit bestanden, daß falls er der Klägerin hätte Schadensersatz wegen des anderweiten Verkaufs der Grund stücke hätte leisten müssen, den Vertrag mit dem Beklagten nach § 119 Abs«, 2 BGB angefochten hätte oder sich auf das Pehlen der subjektiven Geschäftsgrundlago berufen hätte, weil er irrtümlich, aber in tibereinstim-raung mit dem Beklagten, davon ausgegangen sei, daß die Kapelle der Klägerin gehöre und nicht habe mitverkauft werden sollen., 2o Y/elchen Inhalt insbesondere hinsichtlich der Leistungen der Parteien, der von ihm im Wege der Um deutung angenommene Vergleich hat, sagt der Berufungsrichter nicht ausdrücklich« Angesichts dieses Schweigen und der Ausführung, daß der wirtschaftliche Erfolg der gleiche bleibe, ob die Perm eines Tauschvertrags oder eines Vergleichs gewählt wurde, läßt sieh, wie der Revision zuzugebon ist, die Möglichkeit nicht ausschlio sen, daß das Berufungsgericht die im Vertrag vom 17o enthaltenen Leistungsverpflichtungen {'Grundstück- gegen Kapellenübereignung* letztere im Vergleich vollzogen) auch als Inhalt des Vergleichs ansieht* wobei es der Meinung gewesen sein könnte* die Unmöglichkeit der Verschaffung von Sondereigcntum an der Kapelle sei für die Becht swirkoamkc it des Vertrags* wenn er Vergleich sei* unschädlich* Dem könnte nicht zugestimmt werden* Ein Vergleich ist* wie das Gesetz sagt (§ 779 BGB), ein Vertrag, und zwar * wie die Revision zutreffend ausführt, ein gegenseitiger Vertrag (Palandt, BGB 24* Aufl* f 779 Anm* 1 a; Enneccorus/lehmann, Schuldvorhältnisso 14* Bearb* § 198 II So 785; EG JW 1928, 3036, 3Ö37)<> Für gegenseitige Verträge gilt aber auch die Bestimmung des § 306 BGB* aus der gegebenenfalls die Nichtigkeit wegen Unmöglichkeit der Leistung sich ableitet (BGB BGRK vor § 323 Anm* 3 und RGZ 105* 349a 351)* Bei zweifelhafter Rechtslage kann freilich auch in einer nichtigen rochtsge-schüftliehen Erklärung eine den Bestand des Vertrages wahrende Vergleichsleiatung liegen* wenn nämlich der Erklärungsempfänger (Vergleichspartner) die rechtsgeschäftliche Erklärung vorsorglich abgegeben wissen will* Im vorliegenden Hechtsstreit träfe dies zu, wenn der Beklagte für den als zweifelhaft angesehenen Fall* daß die Kapelle rechtlich als bewegliche Sache zu behandeln sein sollte, sichergehen wollte und deshalb eine Übereignung in der Form der Mobiliarübereignung von der Klägerin haben wollte0 Eine solche Willenorichtung stell das Berufungsgericht aber nicht fest, vielmehr ergeben seine Ausführungen, wie auch der Wortlaut des Vertrages, daß die Parteien davon ausgingen, das KmPHPgcbäuöe sei kein wesentlicher Bestandteil des Grundstücks, oorde die für die Eigentumsüboriragung notwendig sind, insbesondere zur Auflassung, und der sonst unter dem Gesichtspunkt des § 812 BGB (ungerechtfertigte Bereicherung) begründet erschiene, nicht stattgegeben werden? sondern muß die Sache zur anderweifcen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiosen worden* Daß der umzudeutende Vertrag nach § 313 BGB der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung bedurfte? Die Frage5 ob der Vertrag vom 17* Dezember 1957 etwa wegen Verstoßes gegen § 158 BGB (Wucher oder sonstiger Bittenverstoß) nichtig ist, verneint das Berufungsgericht mit folgender Erwägung: Die Revision rügt Verletzung des § 138 Abs» 2 BG3» aber zu Unrecht» Sie wendet ein» die objektiven Merkmale dos Geschäfts» Notlage oder Unerfahrenheit und grobes Mißverhältnis der Leistungen seien mit dem Berufungsgericht zu unterstollen9 außerdem habe der Beklagte durch Sachverständigengutachten Beweis dafür ungebeten* daß die Parzellen ^P/2* ®B/3 einen Wert von 5:000 bis 6r000 BM gegenüber dem Wert dos Kapellen ge baud es von nur 900 DM gehabt hätteno Bei den ge~ schüft serf ahrenen Vertretern der Klägerin sei es ohne weiteres anzunchmen» daß sie das Mißverhältnis zv/ischer Leistung und Gegenleistung gekannt hätteno Bas Berufungsgericht ist mit Hecht der Meinung daß für den Vorwurf des Wuchers eine verwerfliche Sinnesart des den übermäßigen Vorteil Erzielenden er forderlich ist {§ 138 Abs* 2 BGB "Ausbeutung”; HGZ "50? 5}o Es fehlt aber nach der tatsächlichen Feststellung des Berufungsgerichts schon daran * daß die Vertreter der Klägerin das Mißverhältnis erkannt hätten,, Waren sie nach ihren Vorstellungen rechtlich in der Lage, ohne Gegenleistung an den Beklagten das von ihm auch gekaufte Grundstück an sich zu bringen* so lag in dem im Vertrag vom 17p Bezember 1957 nach der Vorstellung der Vertreter der Klägerin eine weitere Gegenleistung in dem Verzicht auf den möglichen Erwerb* In der Übereignung der von dem Beklagten nach dem Vergleich zu überlassenden Grundstücke sahen die Vertreter der Klägerin jedenfalls keine Leistung in der vollen Höhe des Wertes der Grundstücke* selbst wenn sie in Rechnung stellten* daß über ihr eigenes vermeintlich besseres Recht auf diese Grundstücke noch kein richterlicher Entscheid vorlag* nicht nach § 138 BGBo Der Beklagte hat aber in der Berufungsbegründung S0 2 ausdrücklich erklärte daß die Verneinung des AnfochtungstatbeStandes nicht angegriffenwerden solle?und die Klage auf Anfechtung nicht mehr gestützte