BGH · V ZR 252/62 vom 22.01.1965
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Mai 1958 haben die Beklagten dem Kläger ihr Grundstück mit einem 1947 von ihnen erbauten Wohnhaus in Mf für 31 500 DM vei'kauft und zu Eigentum übertragen. Mit der Behauptung, die Beklagten hätten wesentliche, nicht erkennbare Mängel des Hauses arglistig verschwiegen, begehrt der Kläger von den dadurch verursachten Urabaukosten einen Teilbetrag von 10 000 DM nebst Zinsen als Schadensersatz. Mit der Revision verfolgt der Kläger den Klaganspruch weiter; die Beklagten bitten um Zurückweisung des Rechtsmittels. Und was das Willenserfordernis anlangt, 30 ist weder von der Revision geltend gemacht noch sonst ersichtlich, daß nach dem Sachvortrag des Klägers in den Vorinstanzen ein rechtsgeschäftlicher Zusicherungswille der Beklagten nicht nur zur Zeit jener beiden vor dem notariellen Vertragsschluß liegenden Vorgänge, sondern auch noch im Zeitpunkt der (im Kaufvertrag unter B erklärten) Auflassung Vorgelegen habe, was schon angesichts der in die gegenteilige Richtung weisenden Freizeichnungs— klausel (Buchstabe A III des Kaufvertrags) besonderer Hervorhebung bedurft hätte. Denn auch beim völligen Fehlen einer Freizeichnungsklausel wäre der Klaganspruch nur im Fall arglistigen Ver-ochv/eigens eines für den Schaden ursächlichen Fehlers begründet (§ 463 Satz 2 BGB); liegt aber diese Voraussetzung vor, so ist eine Freizeichnungsklausel hinsichtlich dieses Fehlers (RGZ 62, 122) nach § 476 BGB nichtig. Die auf § 242 BGB gestützten Billigkeitserwägungen der Revisionsbegründung (aaO) können angesichts der dem Käufer vom Gesetz zur Verfügung gestellten anderweitigen Rechte - Wandlung und Minderung -nicht dazu führen, ihm einen Schadensersatzanspruch auch beim Fehlen der gesetzlichen Voraussetzungen (§ 463 BGB) zu gewähren. 1. Unrichtig ist zunächst die Annahme der Revision, das Berufungsgericht habe bereits in objektiver Hinsicht das Vorliegen eines Sachmangels (Fehlers im Sinn von § 459 Abs. 1 Satz 1 BUB) verneint. Es wirft anschließend die Frage auf, ob die Beklagten eine vorhandene Feuchtigkeit wahrgenommen und als dem Bau selbst anhaftende Feuchtigkeit beurteilt haben, und kommt zu dem Ergebnis, die Erklärungen des Sachverständigen seien nicht eindeutig genug, als daß man jene Frage zwingend bejahen könne: Der Sachverständige habe erklärt, darüber, ob die Bewohner als Baien dies hätten erkennen müssen, könne er nichts Abschließendes sagen; er habe dann zwar später gesagt, die Feuchtigkeit im Keller hätte nach seiner Ansicht auch einem Laien spätestens ein Jahr nach der Fertigstellung des Hauses zu dem Bewußtsein kommen müssen; er habe dann aber auf weitere Fragen gesagt, daß man bei einer Besichtigung, wie sie der Kläger unstreitig vor Kaufabschluß vorgenommen habe, beim bloßen Hinschauen die Feuchtigkeit im Keller nicht zu erkennen brauche, ja, daß dies nicht einmal beim Betasten der Wände der Fall zu sein brauche, daß, wenn eine Wand z.B. kalt sei, es sich auch lediglich um Kondensv/asser handeln könne. die Möglichkeit offen, daß die Beklagten die Feuchtigkeit überhaupt nicht wahrgenommen oder als von Kondenswasser oder anderen Ursachen herrührend betrachtet und daher nicht, auch nicht in Form eines Verdachtes, für im Rahmen der Kaufverhandlungen mitteilungsbedürftig gehalten hätten. Danach hat das Berufungsgericht die von der Revision angeführte Äußerung des Sachverständigen, dem Laien hätte die Feuchtigkeit spätestens ein Jahr nach Fertigstellung des Hauses zu dem Bewußtsein kommen müssen, ausdrücklich berücksichtigt. Wenn die Revision schließlich auf die kategorische Form der Äußerung der beklagten Ehefrau - “absolut trocken1* -abhebt und ihre ungenügende Berücksichtigung rügt, so übersieht sie, daß diese kategorische Form zwar vom Kläger behauptet (und von seiner Ehefrau als Zeugin bekundet, GA 33 R), vom Berufungsgericht jedoch nicht festgestellt ist; seine Feststellung geht vielmehr dahin, die beklagte Ehefrau habe den Keller als “trocken” bezeichnet. b) Daß beim Mauern des Hauses Schleifschlämm (als Bindungsmittel) mindestens mitverwendet wurde, hat das Berufungsgericht ausdrücklich festgestellt, zugleich aber auch, daß dies dem Kläger bei Vertragsabschluß bekannt war. Daran ändert auch nichts die vom Kläger behauptete Erklärung des beklagten Ehemannes vor Vertragsschluß unter Hinweis auf den Bauplan: der Kläger könne sich darauf verlassen, das Haus sei "gut gebaut11, d.h. sinngemäß so wie es der Bauplan ausweise (nämlich "mit...... Zu der Behauptung des Klägers, Zement sei überhaupt nicht oder doch an den entscheidenden Stellen nicht verwendet worden, führt das Berufungsgericht in subjektiver Hinsicht aus: die Beklagten hätten erwiesenermaßen Zement heranschaffen lassen und sich darauf verlassen dürfen, daß ihr Baumeister, entsprechend seinem Bauplan, den herangeschafften Zement auch wirklich verwenden würde; sie hätten also weder (nachweislich) gewußt noch den Verdacht haben müssen, es sei Zement nicht in sachgemäßem Umfang verwendet worden (BU S. Die Revision hebt darauf ab, daß der beklagte Ehemann nach Aussagen der Zeugen MafllHiHIP und Xaver BflB die meiste Zeit auf der Baustelle mit anwesend gewesen sei und in der Hauptsache Material herangeschafft habe; aber es besteht kein Anhaltspunkt dafür, daß das Berufungsgericht diese Aussagen nicht genügend berücksichtigt hätte, zu demal sie bei der Vernehmung dieser Zeugen in zweiter Instanz gemacht wurden, und zwar vor dem Berichterstatter als Einzelrichter, der auch beim angefochtenen Urteil mitgewirkt hat; über alle Einzelheiten brauchte sich der Tatrichter nicht ausdrücklich auszusprechen. c) Hinsichtlich der vom Sachverständigen Frisch allerdings als grob fahrlässig untragfähig und sicherheitsgefährdend bezeichneten Keilerdecke führt das Berufungsgerich aus: es fehle an jedem Anhaltspunkt dafür, daß die Beklagte: sich beim Vertragsabschluß dieser Mängel bewußt gewesen seii Die Revision schließt aus den Aussagen der beiden genannten Zeugen über den Umfang der Materialbeschaffung des beklagte] Ehemannes und seiner Anwesenheit auf der Baustelle, daß er auch das völlig unzulängliche Armierungsmaterial in der Kellerdecke (teilweise verbogene Walzeisenprofile, undefini* bare Drahtstücke und Drahtseile) selbst für den Bau besorgt und seine Verwendung daher gekannt habe* Aber dieser Schluß ist keineswegs zwingend; daß der Tatrichter ihn nicht ger-zogen hat, ist deshalb rechtlich nicht zu beanstanden. Abgesehen davon würde sich auch dann, wenn der Kläger die Verarbeitung derartiger Bauteile in die Kellerdecke gekannt hätte, noch nicht zwingend ergeben, daß er sich der Sachwidrigkeit oder gar Gefährlichkeit dieses Vor-, geheno bewußt geworden wäre oder doch Zweifel in dieser Hinsicht bekommen hätte, die er arglistig verschwieg; auch insoweit’ hätte das Berufungsgericht die Erwägung anstellen können, daß sich die Beklagten auf das Fachwissen ihres Baumeisters verlassen konnten, sowie darüber hinaus, daß sie nach ihrem, soweit ersichtlich, nicht bestrittenen Vortrag das Haus zu dem eigenen Bewohnen gebaut und rund ein Jahrzehnt lang bev/ohnt haben* Wenn die Revision meint, die mangelnde Tragfähigkeit einer so hergestellten Decke hahe auch der beklagte Ehemann als Laie erkennen müssen, so ergibt das höchstens Pahrlässigkeit, die zur Schadensersatzhaftung nicht ausreicht; der Umfang seiner Eigenleistung beim Bau konnte allenfalls auf einen höheren Grad von Pahrlässigkeit schließen lassen, aber noch nicht zwingend auf positive Kenntnis von der Mangelhaftigkeit oder auch nur auf das tatsächliche Auftreten von Zweifeln an der Ordnungsmäßigkeit und damit auf Arglist beim Verschweigen.