BGH · V ZR 240/74 vom 05.11.1976
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Bleibt bei der Zwangsversteigerung eines Grundstücks eine darauf lastende Tilgungshypothek bestehen, so hat der Ersteher auch die im Umfang ihrer Tilgung entstandene^) Eigentümergrundschuld(en) vom Zuschlag an grundsätzlich zu verzinsen. Sie ist der Auffassung, daß auf die im Umfang der Tilgung hinter den genannten Tilgungshypotheken entstandenen Eigentümergrundschulden der Erbengemeinschaft nicht nur die genannten, vom Beklagten bezahlten Kapitalbeträge entfielen, sondern auch Zinsen für die Zeit vom Zuschlag bis zur Tilgung des Kapitals (8. Mit der Klage begehrte sie zuletzt u.a. Verurteilung des Beklagten zur Duldung der Zwangsvollstreckung in das Grundstück in dieser Höhe zugunsten der Erbengemeinschaft. Entscheidungsgründe Nach §§1163 Abs. 1 Satz 2, 1177 Abs. 1 Satz 1 BGB bewirkt die Tilgung einer hypothekarisch gesicherten Forderung, daß die Hypothek vom Eigentümer erworben wird und sich in eine Grundschuld verwandelt. Es gilt auch für die Tilgungshypothek, deren Besonderheit darin besteht, daß die aus Zinsen und Tilgungsbeträgen zusammengesetzten, in einem bestimmten Prozentsatz des ursprünglichen Kapitals bestehenden Jahresleistungen gleichbleiben und der Tilgungsanteil jeweils um den sich durch die Tilgung verringernden Zinsanteil erhöht. Im Normalfall einer Hypothek ist die durch Tilgung entstehende Eigentümergrundschuld ebenso zu verzinsen wie die Hypothek selbst (§ 1177 Abs. 1 Satz 2 BGB); die Zinspflicht ruht jedoch (abgesehen vom Fall der Zwangsverwaltung) so lange, als die Grundschuld dem Eigentümer zusteht (§ 1197 Abs. 2 BGB). Aus der letzteren Bestimmung ergibt sich jedoch noch nichts gegen eine Verzinslichkeit der genannten Beträge im fraglichen Zeitraum; denn mit dem Zuschlag hat die Erbengemeinschaft das Grundstückseigentum verloren, die - bestehen gebliebenen - Grundschulden jedoch behalten, die Grundschulden waren damit aus Eigentümergrundschulden zu Fremdgrund schulden geworden, für die § 1197 Abs. 2 BGB nicht mehr galt. 359, 362 besagt nichts dagegen; es verneint zwar ein Zins-recht des früheren Eigentümers aus seiner früheren Eigentümergrundschuld auch über den Zuschlag hinaus bis zu dem Verteilungstermin, aber für ein Grundpfandrecht, das beim Zuschlag nicht bestehen geblieben, sondern erloschen war, wobei der an die Stelle des Grundstücks tretende Versteigerungserlös dem Eigentümer gehörte und deshalb eine Trennung von Eigentumsrecht und Gläubigerrecht nicht eintrat (vgl. Bei einer Tilgungshypothek können jedoch über die Verzinslichkeit der Eigentümergrundschuld über den Zuschlagstermin hinaus deshalb Zweifel bestehen, weil die Tilgungshypothek zu dem Schutz des Eigentümers auf eine Jahresleistung angelegt ist, die bis zur völligen Tilgung der Hypothekenforderung gleiohbleibt. Wendet man § 1177 Abs. 1 Satz 2 BGB auch auf die Tilgungshypothek an, so bedeutet das allerdings, daß (wenn die Person des Gläubigers wechselt oder Zwangsverwaltung angeordnet wird, § 1197 Abs. 2 BGB) der jährlich aus dem Grundstück zu leistende Betrag sich laufend vermehrt; denn die auf den noch nicht getilgten Hypothekenteil entfallende Jahresleistung bleibt gemäß der Hypothekenabrede unverändert gleichhoch, andererseits erhöht sich mit jeder Teiltilgung die (Eigentümer-)Grundschuld und damit auch deren Zinslast. Die überwiegende Meinung hält deshalb die durch laufende Tilgung einer Tilgungshypothek entstehende(n) Eigentümergrundschuld(en) für unverzinslich, sei es bis zur völligen Tilgung der Hypotheken forderung, sei es darüber hinaus unbegrenzt (KGJ 46 S. Nicht nur bei der Tilgungshypothek, sondern auch bei ^eder anderen Hypothek bedeutet die teilweise Tilgung der Hypothekenforderung und die dadurch verursachte Entstehung einer Eigentümergrundschuld, daß (soweit nicht § 1197 Abs. 2 BGB eingreift) die Grundstückslast außer der Verzinsung und Tilgung des noch nicht getilgten Hypothekenteils in zusätzlicher Verzinsungs- und Tilgungslast, nämlich eben bezüglich dieser Eigentümergrundschuld, besteht. Allerdings mag rechtsgeschäftlich bestimmt werden können (sei es durch Gläubiger und Eigentümer bei der Hypothekenbestellung, sei es später durch den Eigentümer als Inhaber der Eigentümergrundschuld), daß das Grundpfandrecht als durch Teiltilgung entstandene Eigentümergrundschuld nicht mehr verzinslich sein soll (etwa dadurch, daß die Verzinsung unter auflösende Bedingung gestellt wird). Der herrschenden Meinung liegt die Erwägung zugrunde, der bei der Tilgungshypothek im Vordergrund stehende Schutz des Eigentümers vor Belastungserhöhung fordere die Unverzinslichkeit (sei es durch Annahme einer stillschweigenden dahingehenden rechtsgeschäftlichen Bestimmung, sei es schon mit begrifflicher Notwendigkeit). Aber das verkennt die wirtschaftliche Funktion der Eigentümergrundschuld als Grundlage für mögliche weitere Kreditaufnahme des Eigentümers: Solche Kreditaufnahme wird durch Verzinslichkeit In solchem Fall wird nach dem regelmäßigen Inhalt der Hypothekenabrede auch hinsichtlich des noch nicht getilgten Hypothekenteils der Schutz gleichbleibender Jahresleistung entfallen, indem dort für den Fall des Notleidens Zinser-höhungs- und Kapitalkündigungsmöglichkeiten vorgesehen sind. Auch beim Erwerb in der Zwangsversteigerung, wie im vorliegenden Fall, steht ihm die Höhe der Gebotsabgabe frei; er steht bei dieser Eigentümergrund schuld nicht grundsätzlich schlechter als bei auf Hypotheken anderer Art folgenden Eigentümergrundschulden, bei denen er ebenfalls mit Verzinslichkeit rechnen muß. Zuschlag, durch den sie zu Fremdgrundschulden wurden, zu verzinsen waren, und zwar mit demselben Zinssatz wie die jeweils dazugehörige, damals noch nicht getilgte Resthypothek . Da das angefochtene Urteil auch im übrigen keinen Rechtsirrtum zu dem Nachteil des Beklagten erkennen läßt, war dessen Revision mit Kostenfolge aus § 97 Abs. 2 ZPO als unbegründet zurückzuweisen.