BGH · V ZR 235/60
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Kläger auf dem Grundstück Am Wfmi^Nr» MB in Bad unterhält, welches seinerseits noch zu dem unter den Parteien ungeteilten Vaternachlaß (Kläger 17/20, Beklagte 3/20) gehört, auch noch Bestandteil dieses ungeteilten Vatererbes ist oder ob dieser Betrieb von den übrigen Miterben der Mutter übertragen worden und damit der Kläger als Allein« erbe der im Jahre 1944 verstorbenen Mutter Alleininhaber dieses gewerblichen Betriebes geworden ist« Stellung, daß der Gastwirtschaftsbetrieb in vollem Umfang auf Grund des Testaments der Mutter auf ihn (Kläger) übergegangen ist (Antrag Nr«, 1 b), weiter die Feststellung, daß die Beklagte weder auf Grund der von ihm begehrten Brb-auseinanderSetzung noch aus dem Nachlaß nach der Mutter Ansprüche gegen ihn habe, solche Ansprüche vielmehr durch Aufrechnung getilgt seien (Antrag Nr«, 2) und schließlich die Verurteilung der Beklagten und ihres Ehemannes (Beklagter zu 2) zur Räumung der von ihnen im Mansardengeschoß bewohnten drei Räume nebst Herausgabe der Binrichtüngsgegenstände (Antrag NrP 3)* Daneben stellte er verschiedene Hilfsanträge« Das Berufungsgericht würdigt das Verhalten der Mutter und der vier Kinder, die der*Vater beerbt haben, rechtsgeschäftlich dahin, daß sie sich hinsichtlich des Gaststättenbetriebs (ein» schließlich Fahrnis) auseinandergesetzt hätten, und dieser Betrieb der Mutter überlassen worden sei. der Inventierung des Mutternachlasses zugezogen worden (vgl« Protokoll des Obergerichtsvollziehers n||H| vom 9» Januar 1945, Bio 10 der Akten des AG Hersfeld IV 121/44); in diesem Inventar sei die gesamte, dem Betrieb dienende Fahrnis aufgenommen wordene Die Erben hätten sich - abgesehen von den ins Auge gefaßten Anwärtern auf den Betrieb - nicht um den Betrieb und seine Entwicklung gekümmert und in keiner Weise zu erkennen gegeben, daß die Mutter hinsichtlich des Betriebs im Verhältnis zu den Miterben in irgendeiner Weise gebunden sein solle» Dafür, daß der Wirtschaftsbetrieb uneingeschränkt der Mutter zufallen solle, spreche die - wenn auch wegen dieser Bedingung nichtige *• Ausschlagung der Erbschaft zugunsten der Mutter und der gering eingeschätzte Wert dieses stark verschuldeten Betriebs, durch dessen Weiterführung die Mutter wenigstens die alle Erben bedrückenden Verbindlichkeiten aus dem Geschäftsbetrieb tilgen sollte» Anhaltspunkte dafür, daß die Überlassung nur formal nach außen erfolgt sei und die Mutter oder später der Kläger im Innenverhältnis zwischen den Miterben gehalten gewesen sei, den Betrieb wie ein Treuhänder zu führen, seien nicht ersichtlich; die Beklagte habe dies vor dem Ausbruch des Streites mit dem Kläger auch selbst nicht zu dem Ausdruck gebrachto Der Umstand, daß weder die Mutter noch der Kläger im Verhältnis des Anteils der übrigen Miterben an dem Betriebsgrundstück eine Pacht bezahlt haben, daß ferner bei der Erweiterung des Wirtschaftsgebäudes und zur Fahrnisbeschaffung ab 1952 der Erlös für ein gemeinsames Grundstück und der Realkredit anderer gemeinsamer Grundstücke in Anspruch genommen worden ist, zwinge in Anbetracht der Aufnahme eines umfassenderen Kredits durch den Kläger und des Umfanges seiner persönlichen Haftung nicht zu der Annahme, irgendein Miterbe sei davon ausgegangen, der Wirtschaftsbetrieb gehöre noch zu dem ungeteilten Nachlaße Selbst wenn aber eine rechtsgeschäftliche Übertragung der Vermögenswerten Rechte, die in rechtlicher Hinsicht den Wirtschaftsbetrieb darstellten, nicht vorläge, so könnte die Beklagte nicht entgegen ihrem langjährigen Verhalten mit Ansprüchen an den Geschäftsbetrieb hervortreten, nachdem der ■ Kläger unter nahezu zwanzigjährigem Einsatz seiner ganzen Arbeitskraft und der Übernahme eines bedeutsamen kaufmännischen Risikos seine wirtschaftliche Existenz auf die Alleininhaberschaff eingerichtet habe,, Es lägen in diesem -&'alle die Voraussetzungen :'der Verwirkung voro ^ loNach Ansicht der Revision hat das Berufungsgericht bei der Würdigung der Erbschaftsausschlagung nicht die unter 1 Beweis gestellten Behauptungen der Beklagten über den Grund der Ausschlagung berücksichtigt« Diese Ausschlagung sei danach nämlich nur zu dem Schein erklärt worden, um die Ausschlagung des Sohnes Wilhelm nicht als einseitig gegen sein Kind gerichtet in Erscheinung treten zu lassen« Eine nichtige Erklärung könne überhaupt nicht zu dem Anlaß genommen werden, aus ihr irgendwelche Rechte herzuleiten; selbst als Beweisanzeichen für eine andere Tatsache könne diese Erklärung nicht dienen« Die Rüge ist unbegründet, da abgesehen von der mangelhaften Substantiierung des Beweisangebots der Tat- In diesem Zusammenhang würdigt das Berufungsgericht aber überdies noch den Umstand9 daß nach den damaligen Verhältnissen allein die Fahrnis einen gewissen wirtschaftlichen Wert dargestellt habe und die Mutter bei Überlassung dieses geringen Werts die Erbengemeinschaft von den sie alle bedrückenden verhältnismäßig hohen Nachlaßverbindlichkeiten mindestens insoweit befreien sollte, als sie Geschäftsschulden waren* Abgesehen von dem Sohn Wilhelm, der zur Übernahme der Wirtschaft vorgesehen gewesen sei, habe aber keines der Kinder eine Neigung gehabt, diesen Betrieb etwa selbst zu übernehmen und weiterzuführen* Daß aber ein Geschwisterteil den damals unbedeutenden Betrieb für die anderen, etwa in Form eines “Familienbetriebs", ?/ie die Beklagte vermeint, zu übernehmen bereit gewesen wäre, lag außerhalb der Lebenserfahrung und hätte einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise v/idersprochen* Der Tatrich« tor sieht vielmehr die innere Logik des Handelns der Mutter darin, daß sie dieses Geschäft, übernahm, um es ohne jegliche Bindung gegenüber den Erben dem Abkömmling zu vererben, der es zu übernehmen bereit war« Sine Verpflichtung mochte die Mutter, wie der Beklagten einzuräumen ist, allerdings insofern für ihre Person gefühlt haben, als kein Abkömmling wirtschaftlich benachteiligt werden sollte» Diesem Umstand hat sie tatsächlich auch gegenüber ihren Kindern Rechnung getragen, indem sie ihnen Vermächtnisse in Höhe des gesetzlichen Erbteils aus-etzte. dersetzung hinsichtlich des Gaststättenbetriebs nicht zwingend einen Einfluß gehabt hätte» In Wirklichkeit ist der Erbanteil der Else KflBP aber vom Kläger erworben v/orden* dies entsprach der als offenkundig festgestellten Absicht, das Geschäft nach dem Tod der Mutter demjenigen Abkömmling zukommen zu lassender bereit war, sich seiner nach, dem Tod des Sohnes Wilhelm anzunehmen» Unter diesen Umständen besteht kein Anhaltspunkt, daß das Berufungsgericht die von der Revision angezogenen und aktenkundigen Umstände übersehen hätte» 3° Die Einbeziehung des gesamten Geschäftsinventars durch den Obergerichtsvollzieher NflHHHi nach dem Tod der Mutter verwertet das Berufungsgericht insofern, als daraus ersichtlich sei, daß auch die Miterbin Frieda ebenso wie die Zeugin Liesel davon ausgegangen sei, die Gastwirtschaft gehöre unumschränkt zu dem Nachlaß der Mut** ter« Dagegen vermag die Revision nichts anzuführeno Es ist entgegen ihrer Ansicht aber nicht erheblich, daß eine Auseinandersetzung (gemeint ist eine verbindliche Vereinbarung übor die Höhe des Vermächtnisanspruchs der Töchter) nach der Mutter seinerzeit nicht stattgefunden hat» Es handelt sich auch nicht um die Verwertung eines eventuellen Rechtsdrrtums der Tochter Frieda, sondern um die Verwertung der inneren Tatsache, daß auch diese Tochter davon ausgegangen ist, der Betrieb sei in vollem Umfang und frei von jeglichen obligatorischen Bindungen auf die Mutter übertragen worden und als ihr Erbe auf den Kläger übergegangen o im Zusammenhang mit der Mitarbeit aller Kinder gewürdigt (BU So 18)» Desgleichen hat das Berufungsgericht berücksichtigt, daß die Mutter keine Raummiete bezahlt hat (BU So 17)« Im übrigen hat das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum klargestellt, daß die Teilauseinandersetzung durch formlosen Vertrag erfolgt sei und sich die Übertragung der einzelnen Geschäftsbestandteile nach den für das betreffende Vermögensrecht (Fahrnisgegenstände, Forderungen) maßgeblichen Vorschriften richtete» Auch die Übertragung der hier vorliegenden Vermögensrechte bedurfte keiner Form» Bei der Würdigung des gesamten Verhaltens aller an der Auseinandersetzung beteiligten Personen unter dem Gesichtspunkt, inwieweit darin rechtsgeschäftliche 'Willenserklärungen zu dem Ausdruck gekommen sind, hat sich das Berufungsgericht im Rahmen des von ihm auszuübenden tatrichterlichen Ermessens gehalten» Die von ihm aus dem, •gesämten Verhalten aller an der Auseinandersetzung Beteiligten, insbesondere auch der Beklagten, gezogenen Schlüsse auf einen bestimmten Handlungswillen und Rechtsfolgewillen sind durchweg mögliche Angriffe der Revision auf die tatsächliche Würdigung durch den Tatrichter sind daher unzulässig; es ist unerheblich, daß rechtlich nicht ausgeschlossen gewesen wäre, ein treuhänderisches Verhältnis dergestalt zu vereinbaren, daß die Mutter (und entsprechend der Kläger als ihr Rechtsnachfolger) das Geschäft zwar im eigenen Namen führte, die Mutter überdies bis zu ihrem Tod ohne Abschluß eines Mietvertrags auch auf eigene Rechnung betrieb, gleichwohl aber sie und auch ihr Rechtsnachfolger im Innenverhältnis gehalten sein sollten, den Miterben gegenüber das Geschäft als gemeinschaftliches zu behandelno Die Revision meint, in diesem Punkt seien die Beweisangebote im Schriftsatz vom 9«» Juni 1959 (II, 49 GA) und vom 25o Oktober 1956 (I, 56 ff GA) übersehen wordene Diese Rüge ist schon deswegen unbegründet, weil der Vortrag, es habe sich um einen "FamilienbetriebM gehandelt, nicht eine Tatsachenbehauptung, als vielmehr eine Rechtsbehauptung darstellt, und zwar insoweit, als damit nichts anderes zu dem Aus*» druck gebracht wird, als daß die Vermögenswerten Rechte (in vollem Umfang oder wenigstens im Verhältnis unter den Erben) der Erbengemeinschaft zustünden«, Rechtserheblich ist schließlich im rechtsgeschäftlichen Verkehr auch nicht, was sich ein Beteiligter nur gedacht hat, ohne seinem Willen Ausdruck zu verleihen, maßgebend ist vielmehr allein der ausdrücklich oder durch ein schlüssiges Verhalten erklärte Willeo Inwieweit der Tatrichter schließlich für irgendwelche Hilfstatsachen Beweis erheben will, unterliegt ebenfalls seinem nicht nach- 5» Auch die Feststellung der weiteren Hilfstatsachen, die der Tatrichter aus dem Verhalten der Beteiligten nach dem Tode der Mutter verwertet hat, hält den Revisionsän-griffen stand« Zur Präge, welche Stellung die Beklagte bei ihrer Tätigkeit in den Jahren 1944 bis 1935 innegehabt hat, rügt die Revision die Übergehung des Beweisangebots in den Schriftsätzen vom 25« Oktober 1956 (Bl« I, 60 GA) und vom 24o November 1956 (Bl« I, 80 GA) o Das Berufungsgericht hat jedoch die unter Bev/eis gestellten Tatsachen, als richtig unterstellt und ist davon ausgegangen, daß der persönliche Einfluß der Beklagten in jener Zeit im Betrieb größer war als der einer gewöhnlichen Angestellten« Dieser maßgebliche Einfluß erkläre sich jedoch schon aus ihrem Verwandtschaft^* liehen Verhältnis zu dem Inhaber« Dazu kommt, daß sie hinsichtlich des Betriebsgrundstücks unbestrittene Miterbin ist und daher auch als solche auf getreten sein kann« Die« ser Umstand ist jedoch nicht erheblich« nämlich seit 1952 über 150 000 DM, aufgev/endet, als der Verkauf des gemeinschaftlichen Grundstückes und die Beleihung der übrigen gemeinschaftlichen Grundstücke an flüssigen Mitteln eingebracht hat» 13s bestehen auch keine Bedenken gegen die Berücksichtigung des Umstandes, daß die Beklagte keine persönliche Haftung für die erforderlichen weiteren Darlehen übernommen hat» Die von der Zeugin Wilma ZflllB bekundeten Äußerungen des Klägers im Jahre 1951 ergeben nichts anderes« Danach erklärte ihr der Kläger, das Geld sei dringend notwendig, um Schulden zu bezahlen und auch, um das Geschäft anzukurbeln, das Geld würde in das Geschäft fließen, er habe doch keine Kinder, es lebten doch alle daraus« Der erlöste Kaufpreis und die dinglich gesicherten Darlehen kamen nach den Feststellungen des Berufungsgerichts in Höhe von 84 000 DM dem Geschäftsgrundstück und dadurch verhältnismäßig deifcärbanteil der Beklagten zugute« Das Berufungsgericht hat diesen Umstand im einzelnen dargelegt, so daß! Schließlich meint die Revision, die Aussagen des Zeugen seien vom Berufungsgericht nicht richtig wiedergegeben und aus diesem Grunde die Würdigung seiner Aussagen verfehlt« In Wirklichkeit gibt die Revision die Darstellung im angefochtenen Urteil nicht genau wieder« Dort ist Seite 11 unten ausgeführt: "Auch nach der Aussage des Zeugen Jakob MflHV waren sich alle Kinder darüber einig, daß das Geschäft nach dem Tode des Vaters allein der Mutter gehören sollte"o Dagegen liöet) die Revision, alle Geschwister hätten dem Kläger bestätigt, er sei alleiniger Inhaber« Ob der Zeuge im übrigen zutreffende Vorstellungen über die erb- Abgesehen davon, daß ein entsprechender Sachvortrag fehlt, hat das Berufungsgericht, wie der Urteilszusammen-hang ergibt, eine solche Möglichkeit nicht für erheblich erachtet,weil auch das Verhalten des Ehemannes der Beklagten, wie auch dasjenige der Ehemänner der beiden anderen Töchter, von der Mutter und dem Kläger nicht anders, als eine Genehmigung der Verfügung ihrer Ehefrauen habe ausgelegt werden können (vgl. 11 BU), dem Landgericht sei in der Beweiswürdigung im Ergebnis auch darin beizutreten, daß aus dem gesamten Verhalten der Beteiligten auf deren Wille geschlossen werden könne, das Geschäft solle aus denf Nachlaß ausscheiden und der Mutter allein gehören) 0Jedenfalls ist eine während des Güterstands der Verwaltung und Nutznießung getroffene Verfügung der Beklagten, die der ehemännlichen Zustimmung ermangelt hätte, mit dem Fortfall dieses Güterstandes (1.