BGH · V ZR 221/64 vom 10.05.1968
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Die Revision des Klägers und die Anschlußrevision der Beklagten gegen das Urteil des Zivilsenats 4 a des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 7» Oktober 1964 v/erden zurückgewiesen» Io Hauptanspruch Hinsichtlich des Anspruchs auf mietzinsähnliches Entgelt läßt das Berufungsgericht offen, ob das Wohnrecht gegen oder ohne ein solches Entgelt bestellt wurdeo Es verneint jedenfalls die Aktivlegitimation der Klägerin für einen etwaigen derartigen Zahlungsanspruch; Inhalt des dinglichen Wohnungsrechts könne eine Zahlungspflicht nicht sein; der schuldrechtliche Wohnungsrechtsbestellungsvertrag zwischen dem Voreigen turner und den Beklagten sei kein Vertrag zugunsten der Klägerin al3 Dritter; § 571 BGB gelte für das dingliche Wohnungsrecht weder unmittelbar noch entsprechend; eine Anspruchsabtretung vom Voreigentümer an die Klägerin ergebe sich aus ihrem Grundstückskaufvortrag nichto Die Revision nimmt im wesentlichen ein neben dem Wohnungsrecht bestehengebliebenes Mietverhältnis zwischen Irin.yi und den Beklagten und den tibergang des Entgeltanspruchs von 1^^0 auf die Klägerin kraft Gesetzes, hilfsweise aus Abtretung an* verpflichteto Dem dinglichen Wohnungsrecht liegt normalerweise ebenfalls ein schuldreehtlicher Vertrag zugrunde (künftig Verpflichtungsvertrag genannt); dadurch verpflichtet sich der eine Teil zur Bestellung des Wohnungsrechts; der andere Teil kann sich zur Entrichtung eines Entgelts verpflichten oder nicht (§ 305 BGB); im letzteren Fall ist der Bestellungsvertrag unentgeltlich, im ersteren Fall entgeltlich» Die Erfüllung (§ 362 BGB) des den Wohnraum zur Verfügung Stellenden besteht beim Mietvertrag in der tatsächlichen Gebrauchsgewäbrung, beim Verpflichtungsvertrag in der Begründung des dinglichen, also das Grundstück selbst ergreifenden und gegenüber jedermann wirkenden Y/ohnungsrecbts durch Einigung und Eintragung (§ 873 BGB)» Das Wohnungsrecht stellt rechtlich keine ”Verdinglichung” des Mietrecbts dar; es kann im allgemeinen nicht zur Sicherung der Ansprüche des Mieters aus dem Mietvertrag derart bestellt werden, daß es von diesem Vertrag, inhaltlich abhängig wäre (Senatsurteile vom 23» Mai 1962, V ZR 187/60, NJW 1962, 1392 = LM BGB § 1092 Nr» 2 = WM 1962, 746, und vom 5* März 1965, V ZR 195/62, WM 1965, 649)* Die Pflicht des Raumbenutzers zur Zahlung eines Entgelts kann auch beim Wohnungsrecht derart begründet werden, daß das Entgelt laufend nach bestimmten Zeitabschnitten zu entrichten ist (sogenannte mietzinsähnliche Form)o ln jedem Fall kann aber die Entgeltlichkeit nicht Inhalt oder Gegenstand des dinglichen Y/ohnungs-rechts selbst sein, sondern nur des zugrunde liegenden Verpflichtungsgeschäfts (Senatsurteil vom 13» Juli 1966, V ZR 21/64, WM 1966, 1088; vgl« OLG Kamm BKotZ 1957, 314 mit Annu Glaser; die gebräuchlichen Bezeichnungen; entgeltliches und unentgeltliches Wohnungsrecht sind insofern mißverständlich)* Offen bleiben kann, ob es sich bei der ‘'entgeltlichen” V/obnungs- Bas erstere wird die Regel sein; es wurde in allen vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fällen (aaO) angenommene Auch im vorliegenden Fall geht der latrichter ersichtlich und ohne Rechtsirrtum davon aus, daß die Beteiligten trotz des auf "Wohn- und Mietrecht" lautenden Eintragungsantrags ein dingliches Wohnungsrecht ernstlich bestellen wollten; die Bedenken der Revision sind unbegründet o Sodann ist andererseits zu fragen, inwieweit neben dem dinglichen Wohnungsrecht noch ein obligatorisches Mietverhältnis fortgilt * Bie rechtliche Möglichkeit solcher Fortgeltung wird von der Revision vorausgesetzt o Sie mag zweifelhaft sein (verneinend: Roquette NJW 1957, 525 und Mietrechtskommentar 1967 vor § 535 Rdno 16 ff; Erman/Ronke, BGB 4o Auf!« § 1093 Anm0 3; Indessen braucht die Frage hier nicht entschieden zu v/erdeno Denn es wird schon dem tatsächlichen Willen der Beteiligten in aller Regel entsprechen, dann, wenn sie bisher im Mietverhältnis zueinander standen und danach ein dingliches Wohnungsrecht begründen, den Verpflichtungsvertrag nicht neben, sondern an die Stelle des Mietvertrags treten zu lassen und damit das Hietver-hältnis stillschweigend aufzuheben (vglo HG HRR 1929 Hr0 602)0 Dies nimmt ersichtlich auch das Berufungsgericht im vorliegenden Falle an0 Dem steht nicht entgegen, daß es als möglich unterstellt, die Vertragsparteien hätten seinerzeit den Inhalt des zwischen ihnen zuvor begründeten MietVerhältnisses zu dem Gegenstand der nunmehr mit der Bestellung des dinglichen Wohnungsrechts verknüpften schuldrechtlichen Vereinbarung gemacht? b) Ist hiernach davon auszugehen, daß seit der Begründung des dinglichen Wohnungsrechts im Jahr 1946 ein etwaiger Anspruch des V/ohnraum Gewährenden - zunächst 10/^ - gegen die Beklagten auf Nutzungsentgelt nicht auf Grund eines MietVerhältnisses, sondern ausschließlich auf Grund des VerpflichtungsVertrags bestand, so vermifit das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum eine rechtliche Grundlage für den Übergang eines solchen Anspruchs auf die Klägerin: Io Die Auslegung des Y/obnungsrechtsbestellungsver-trags im Sinne eines Vertrags zugunsten Dritter derart, daß Gläubiger des Nutzungsentgelts außer l^p^ als Woh-nungsrechtsbestcllor auch ein etv/aiger künftiger Eigentums erw erber wie die Klägerin sein solle (§ 328 BGB), wird vom Tatrichter mangels greifbarer Anhaltspunkte für einen dahingehenden Parteiwillen rechtsirrtumsfrei abgelehnto Die Revision erhebt insoweit keine Einwendungen o Die unmittelbare Anwendung dieser Bestimmungen scheitert daran, daß sie für Mietverhältnisse (und Pachtverhältnisse, § 581 Abs» 2 BGB) getroffen sind und die Rechtsbeziehungen zwischen deg£ Beklagten und dem Voreigentümer trotz der - möglichen - Übernahme einiger Bestimmungen aus dem früheren Mietvertrag nicht mietrechtlicher, sondern kaufrechtlieber Natur waren (oben a); die dahingehende Vertragsauslegung des fatrichters enthält entgegen der Auffassung der Revision keinen Rechtsirrtum» Die entsprechende Anwendung jener Bestimmung ist hier ebenfalls abzuleh-nen (vgl- zu dieser Frage im allgemeinen RG LZ 1921, Die von der Revision angezogene Entscheidung des Landgerichts Wiesbaden NJW 1962, 2352 würdigt den dort in Rede stehenden Wohnraumnutzungsvertrag zwischen Genossenschaft und Genossen als Mietvertrag und wendet deshalb § 571 BGB unmittelbar an; sie.ergibt daher für seine analoge Anwendbarkeit nichts«, Las Berufungsgericht legt diese Bestimmungen dahin aus, daß § 7 hinsichtlich der Mietverhältnisse lediglich die gesetzliche Normierung des § 571 BGB deklaratorisch wiederhole und § 5 nichts anderes bestimme als die zeitliche Vorverlegung der mit der GrundstücksVeräußerung ohne weiteres (vglo § 446 Abs» 1 Satz 2, Abs«, 2 BGB) eintretenden Wirkungen, darunter eben der des § 571 BGBo Liese Auslegung des 'fatrichters ist mögliche Sie wird getragen von seiner Brwägung, daß sich die Parteien des Grundstückskaufvertrags ausweislich des Makler-Schreibens vom 15° November 1955 Gedanken über die mit dem Bestand des dinglichen Wohnungsrechts der Beklagten verknüpften schuldrechtlichen Beziehungen und insbesondere Über die Rechtsnatur der die Beklagten etwa noch treffenden Zahlungsverpflichtungen gemacht, aber von einer (ausdrücklichen) Abtretung des Zahlungsanspruchs abgesehen haben» Las Oberlandesgericht hätte zur Begründung noch darauf hinweisen können, daß das Die Schornsteinfegergebühren hatte das Landgericht im Hinblick: auf § 9 Satz 2 der Verordnung über das Schornsteinfegerwesen vom 28, Juli 1937 (RGBl I 831), der sie als öffentliche Last bezeichnet und dem Grundstückseigentümer auferlegt, dem § 1047 BGB unterstellt, den § 1093 Abs, 1 Satz 2 BGB auf das dingliche Wohnungsrecht nicht für anwendbar erklärt, und daraus die Verneinung einer Erstattungspflicht der Beklagten abgeleitet <> Das Oberlandesgericht hat demgegenüber auf § 9 Satz 3 der genannten Verordnung abgehoben, wonach privatrechtliche Verhältnisse zwischen dem Grundstückseigentümer und Dritten durch jene Auferlegung als öffentliche Last auf den Gründet üc kseigentümer nicht berührt werden; es hat jene Kosten als Kosten der gewöhnlichen Unterhaltung der Sache im Sinne von § 1041 BGB angesehen, der nach § 1093 Abs, 1 Satz 2 BGB auch für das Wohnungsrecht gilto Der letzteren Auffassung ist beizutreteno Da- bei kann offenbleiben, ob die Schornsteinfegergeblihren überhaupt eine öffentliche Last im Sinn von § 1047 BGB darstellen oder etwa, wie das Oberlandesgericht meint, deshalb nicht, weil hierunter nur öffentliche Verwer-tungsrechto zu verstehen sind» Denn jedenfalls trifft auch der Tatbestand des § 1041 BGB zu, weil es sich bei dieser Gebühr um die Abgeltung einer Maßnahme handelt, die eine zur gewöhnlichen Unterhaltung der Sache (Grundstück) dienende Ausbesserung darstellt„ Daraus folgt jedoch nach § 1093 Abs» 1 Satz 2 BGB, daß sie im Innenverhältnis anteilig vom Y/ohnungsberechtigten zu tragen ist, ohne daß die Nichtanwendbarkeit des § 1047 BGB entgegensteht o Eine vertragliche Vereinbarung darüber, daß der Y/ohnungsberechtigte die eine oder andere oder sämtliche der genannten Gebühren nicht zu tragen brauche, ist zwar rechtlich möglich, aber wiederum nicht als Inhalt des dinglichen Wohnungsrechts, sondern nur mit schuldrechtlicher Wirkung zwischen den Vertragschließenden; auch sie bedürfte im Balle nachträglichen Wechsels im Grundstückseigentum einer Abtretung, um auf den neuen Eigentümer überzugeben« Der Tatrichter hat derartige Vereinbarungen ohne Rechtsirrtum verneint; die Anaehlußrevision erhebt insoweit keine Einwendungen••