BGH · V ZR 218/64 vom 10.05.1968
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Den am 25» Oktober 1961 von dem Beklagten auf Grund des Kaufvertrags vom 1» August 1956/19° September 1950 eingereichten Eintragungsantrag wies das Grundbuchamt mit Verfügung vom 6. Die Klägerin hat vorgetragen; Der Kaufpreis des an den Beklagten verkauften Grundstücks in Höhe von 78 400 DU liege erheblich unter dem echten Verkehrswert im Bonner 1958 und zur Jahreswende 1961/1962° Die von ihr eingeholte Schätzung des Grundstücks durch den öffentlich bestellten Vermessungsingenieur Albert Soh^JpT vom 14» November 1962 habe auf 8. 31* Dezember 1961 einen solchen von 144 000 DM ergeben, wobei der Gutachter den Verkehrswert äußerst zurückhaltend festgestellt habe» Der Beklagte könne sich weiter nicht darauf berufen, daß aus dem Kaufvertrag vom 29» April 1941 noch eine Nachlaßforderung in Höhe von 11 000 DM bestehe. Eie damaligen Vertragsparteien hätten gerade deshalb die Bildung des Kaufpreises aus eigener Verantwortung unterlassen, weil 3ie gewollt hätten, daß durch einen neutralen Dritten, nämlich die gemeinderätliche Schätzungsbehörde, der Verkehrswert als objektiv voll vertretbarer Gegenwert festgelegt werden sollte» Eie Restkaufpreis-forderung aus dem Kaufvertrag vom 29« April 1941 sei nach § 18 Kr. 3 HmstG im Verhältnis 1:1 umgestellt worden» über diese Forderung habe der Ehemann nicht ohne die Mitwirkung seiner Ehefrau wirksam durch Erlaß, Schenkung oder Verzichtsvertrag verfügen können» Das Landgericht hat der Klage stattgegeben» Es hat in dem Kaufvertrag vom 1» August 1958/19« September 1950 eine teilweise unentgeltliche Verfügung auch darin gesehen, daß der Beklagte die Hypothekengewinnabgabe zu dem Kennwert und nicht zu dem Ablösungswert übernommen hat» In der Berufungsinstanz hat der Beklagte hilfsweise beantragt, ihn nach dem Klageantrag zu 1 nur Zug um Zug gegen Zahlung von 12 482,36 DM zu verurteilen» Zur Begründung hat er insoweit vorgetragen: Er habe auf Grund der Auseinandersetzung vom 29« März 1962 an die Klägerin einen Betrag von 12 618,86 DM bezahlt» Wenn die Auseinandersetzung rückgängig zu machen sei und die Parteien je zur Hälfte als Eigentümer einzutragen seien, könne die Eintragung nur Zug um Zug gegen Rückgewähr dieses (in dem Hilfsantrag nur mit 12 482,36 EM angegebenen) Betrags 1. Das Berufungsgericht hat den Beklagten zu der von der Klägerin nach § 894 BGB begehrten Bewilligung der Grundbuchberichtigung verurteilt, weil es als erwiesen angesehen hat, daß die Mutter des Beklagten in ihrer Eigenschaft als Testamentsvollstreckerin durch die in der Urkunde vom 1. Es ist dabei ohne Rech.tsirrtum davon ausgegangen, daß eine unentgeltliche Verfügung des Testamentsvollstreckers im Sinne des §2205 Satz 3 BGB dann vorliegt, wenn er objektiv ohne gleichwertige Gegenleistung ein Opfer aus der Erbmasse bringt und subjektiv entweder weiß, daß dem Opfer keine gleichwertige Leistung an die Erbmasse gegenübersteht, oder doch bei ordnungsmäßiger Verwaltung der Masse unter Berücksichtigung seiner künftigen Pflicht, die Erbschaft an den Erben herauszugeben, das Pehlen oder die Unzulänglichkeit der Gegenleistung hätte erkennen müssen (Urteil des erkennenden Senats vom 15. August 1958/19* September 1958 anbetrifft, so ist das Berufungsgericht der Auffassung, daß der von dem Amt für Grundstücksbewertung der Stadt Stuttgart auf 78 400 DM geschätzte Wert des verkauften Hauses zu niedrig erscheine und erheblich unter dem wirklichen Verkehr sv/ert im Sommer 1950 und zur Jahreswende 1961/1962 liege. Mit dem Landgericht erachtet das Berufungsgericht den Kaufpreis auch deshalb nicht als gleichwertige Gegenleistung für das verkaufte Haus, weil der Beklagte die Hypothekengewinnabgabe nach dem Nennbetrag und nicht nach dem Ablösungswert im Zeitpunkt des Todes der Verkäuferin habe übernehmen sollen. 31 - 36), in denen es insbesondere hervorgehoben hat, daß die Mutter des Beklagten unstreitig Zeit ihres Lebens Geschäftsfrau und Grund-stückseigentümerin gewesen sei und eine entsprechende Erfahrung gehabt habe, zu dem Ergebnis gekommen, daß die Mutter des Beklagten mindestens bei ordnungsmäßiger Verwaltung der Erbschaftsraasse die Unzulänglichkeit der Gegenleistung des Beklagten hätte erkennen müssen» Dafür, daß sie sogar gewußt habe, daß dem von ihr aus der Erbschaf tsmasae, gebrachten Opfer keine gleichwertige Gegenleistung gegenUbergestanden habe, spricht nach der Auffassung des Berufungsgerichts, daß der Beklagte zur Begründung seines Gesuchs um Abänderung der Verfügung des Grundbuchamts vom 6» November 1961 vorgetragen habe, dem Vater der Klägerin sei im Jahre 1941 das Grundstück Silberburgstraße 145 zu einem besonders günstigen Preis übertragen worden und der Beklagte habe deshalb als Sohn aus zweiter Ehe gleichgestellt werden sollen» Dieses Vorbringen spreche, so führt das Berufungsgericht weiter aus» um so mehr für ein solches Wissen der festamento-vollstreckerin, als der Kaufvertrag vom 29® April 1941 in Wirklichkeit gar keine Begünstigung des Vaters der Klägerin enthalten habe; es sei unstreitig, daß die Großeltern der Klägerin das Grundstück am 13® Mai 1939 zu dem selben Preis von 84 000 BM gekauft hätten und es nach den damals geltenden Bestimmungen nur zu dem Stoppreis hätten weiter verkaufen dürfen; es sei weiter unstreitig, daß die Eltern der Klägerin trotzdem noch einen zusätzlichen Kaufpreis von 10 000 HM hätten bezahlen müssen und auch bezahlt hätten» Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich oder von der Revision geltend gemacht worden, daß das Berufungsgericht aus eigener Sachkunde auf Grund der von ihm ira einzelnen aufgeführten Umstände nicht zu dein Ergebnis kommen konnte, der von dem Amt für Grundstücksbewertung der Stadt Stuttgart geschätzte Wert des Grundstücks liege erheblich unter dem wirklichen Verkehrswert. Von besonderer Bedeutung in dieser Hinsicht ist die Feststellung des Berufungsgerichts, daß es sich bei dieser Schätzung unstreitig um eine Schätzung zu dem Zwecke der Nachlaßauc- c) Soweit die Revision dem Berufungsgericht noch zu dem Vorwurf macht, es habe sich nicht mit dem in den Akten D 7 PG I des Amtsgerichts Stuttgart befindlichen Schreiben des Amts für Grundstücksbewertung vom 5« Dezember 1961 befaßt, in dem dieses Amt erkläre,' daß es nur zwischen Schätzungen zu dem Zwecke der Beleihung und solchen für andere Zwecke unterscheide, und sich gegen die Unterstellung verwahre, daß es bei seinen Schätzungen von dem nachhaltigen Verkehrswert abv/eiche, ist ihr entgegenzuhalten, daß sie entgegen der Vorschrift des § 554 Abs. 5 Nr. 2 b ZPO nicht angegeben hat, in welchem Schriftsatz von dem Beklagten auf das Schreiben des Amts für Grundstücksbewertung Bezug genommen worden ist. Da nach dem Inhalt des Vertrags sowohl die Übergabe des Grundstücks als auch die Bezahlung des Kaufpreises erst auf Ableben der Mutter des Beklagten erfolgen sollten, hat das Berufungsgericht bei der Entscheidung der Präge, ob die Auflassung des verkauften Grundstücks eine wenigstens teilweise unentgeltliche Verfügung im Sinne des § 2205 Satz 5 BGB darstellte, auch den Zeitpunkt des August 1958/19» September 1950 vereinbarte Kaufpreis sei auch deshalb nicht als gleichwertige Gegenleistung für das verkaufte Haus anzusehen, weil der Beklagte die Hypothekengewinnabgabe nach dem Nennwert und nicht nach dem Ablösungswert übernommen habe, meint die Revision: Die Tatsache allein, daß hinsichtlich des von der Testamentsvollstreckerin verwalteten hälftigen Anteils an dem verkauften Grundstück der Nennwert den Ablösungswert um 3 788,63 DM übersteige, ergebe noch keineswegs, daß die Testamentsvollstreckerin über das Grundstück teilweise unentgeltlich verfugt habe. Es ist aus Rechtsgründei auch nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht feststellt, daß bei den gegenwärtigen Verhältnissen jederzeit für das Grundstück ein Käufer hätte gefunden werden können, der zur Zahlung des vollen Kaufpreises in der Lage gewesen wäre, und es deshalb unerheblich sei, ob die Mutter des Beklagten, nach ihrem Tode die Erbengemeinschaft oder der Beklagte selbst die Mittel zur Ablösung der Hypothekengewinnabgabe nicht gehabt hätten. Im letzteren Falle hätte der Beklagte, wie dem Berufungsgericht weiter zu folgen ist, entweder die Differenz zwischen dem Kennwert und dem Ablösungswert zusätzlich tragen pder auf den Erwerb des Grundstücks verzichten müssen. 3) die Eltern der Klägerin für das von ihnen erworbene Grundstück 84 000 RM zuzüglich eines Schwarzpreises von 10 000 RM bezahlt haben und eine Berichtigung des Tatbestands nicht erfolgt ist. August 1958/19« September 1958 vor der Klägerin und ihrer Mutter geheimgehalten worden sei; die Mutter des Beklagten habe schon vor Vertragsabschluß der Mutter der Klägerin mitgeteilt, daß das Grundstück an den Beklagten verkauft werde. Hierzu ist zu bemerken, daß das Berufungsgericht in den Entscheidungsgründen seines Urteils nur davon spricht, daß die Testamentsvollstreckerin den Kaufvertrag der Klägerin nicht mitgeteilt habe (BU S. Pie Revision rügt sodann, es sei auch nicht ersichtlich, auf welche Tatsache das Berufungsgericht seine Auffassung stützen zu können glaube, die Mutter des Beklagten habe sich als Kauffrau betätigt und sei Uber Grundstücksbewertung unterrichtet gewesen; in Wirklichkeit sei sie geschäftlich und insbesondere über Grundstücks- Bewertung gänzlich unerfahren gewesen; solange ihr Ehemann gelebt habe, habe sie diesem alles überlassen« Auch damit kann die Revision keinen Erfolg haben» Da die angegriffenen Ausführungen des Berufungsgerichts dahin lauten, daß die Mutter des Beklagten ^unstreitig Zeit ihres Lebens Geschäftsfrau (nicht Kauffrau) und Grund stückseigentUrnerin1* gewesen sei (BU 3»' 33), hätte es aus den vorstehend aufgefUhrten Gründen auch hier einer Üatbestaridsberichtigung bedurft, wenn der Beklagte diese Feststellung nicht gegen sich gelten lassen wollte» Gegenüber der Auffassung des Berufungsgerichts, daß aus dem Kaufvertrag vom 29» April 1941 dem Nachlaß keine Forderung mehr zuatehe und die Feststellungsklage deshalb begründet sei, rügt die Revision lediglich, das Berufungsgericht habe sich bei seiner Auffassung entscheidend auf die-Aussage der als Zeugin vernommenen Mutter der Klägerin gestützt, diese Vernehmung sei aber nicht zulässig gewesen, weil die Mutter im Zeitpunkt der Beweisaufnahme gesetzliche Vertreterin der Klägerin gewesen sei und deshalb nicht als Zeugin, sondern nur als Partei hätte vernommen werden dürfen» Die Rüge ist unbegründet, weil der Beklagte diesen Verfahrenamangel in der auf die Bev/ei sauf nähme folgenden mündlichen Verhandlung nicht gerügt hat und der Verfahrensmangel deshalb nach § 295 ZPO geheilt worden ist (Urteile des Senats vom 24- April 1963, V ZR 16/62 S. Zurückbehaltungsrecht Das Berufungsgericht hält es zwar für unstreitig, daß der Beklagte auf Grund der Auseinandersetzung vom 29« März 1962 an die Klägerin 12 618,86 DM bezahlt habe« Es ist jedoch der Auffassung, daß dem Beklagten wegen dieser Zahlung ein Zurückbehaltungsrecht nach § 273 BGB nicht zustehe, weil die Zahlung nicht auf demselben rechtlichen Verhältnis beruhe, aus dem die Klägerin ihre Eintragung als Miteigentümerin in ungeteilter Brbengemeinschaft verlange (§ 273 Abs. 1 BGB), und es sich bei der Zahlung auch nicht um eine Verwendung auf das streitige Grundstück gehandelt habe (§§273 Abs« 2, 2022 BGB). Die Revision rügt demgegenüber, die Voraussetzungen des § 273 Abs. 1 BGB seien deshalb gegeben, weil zwischen der Zahlung des Beklagten und dem von der Klägerin geltend gemachten Anspruch ein innerer natürlicher wirtschaftlicher Zusammenhang bestehe und damit beide Ansprüche auf einem einheitlichen Lebensverhältnis beruhten. Juni 1963 auf dem streitigen Grundstück vor der Eintragung des Widerspruchs zugunsten der Klägerin zwei Fremdgrundschulden in Höhe von je 25 000 DM einschließlich 10 Zinsen habe eintragen lassen, daß er diese Grundschulden auch beziehen und bisher keine wesentlichen Rückzahlungen geleistet habe und daß er sich bei einer neuen Auseinandersetzung die von ihm auf Grund der Belastung